Mittwoch, 31. Dezember 2014

Grammatik

Nachdem ich unsere beiden Protagonisten gestern - wie ich fand - erfolgreich auf den Stand der Zeit gebracht hatte, meinte die Tochter zu mir, ich "werde bestimmt so eine verrückte Alte, die ihre vielen Puppen immer neu anziehe". Eigentlich bin ich ihr dankbar, dass sie das Futur benutzt hat.

Auf ein Neues

Gestern sah ich mich aufgefordert, saisonal übliches Silvestergebäck zu besorgen. Da die Schlange ausreichend lang war, hatte ich Zeit genug die Auslage zu studieren.
"Berliner Pflaume" stand da. Ich war überrascht, dass ich diese Steinobstspezialität meiner Geburtsstadt nicht kannte. Das Gleiche galt für Berliner Schokolade. Erst als ich dann "Berliner Marzipan" sah und im Kleingedruckten entdeckte, dass das Marzipan aus Lübeck stammte, dämmerte es mir. Und ich mache hier wirklich nicht auf Hauptstadtfolklore. 
Der Sohn missversteht mich auch vorsätzlich, wenn ich Pfannkuchen mitbringe: "Ach, Du meinst Berliner?" Gestern wurde ich noch zusätzlich gerügt, weil es für dieses spontankonservative Kind nur drei brauchbare Sorten gibt: Himbeere, Johannisbeere und Himbeer-Johannisbeer (ausschließlich mit Guss, versteht sich). Ich hatte aus optischen Gründen besagte Schokolade und Pflaume mitgebracht.
Vielleicht doch lieber das selbst hergestellte Gebäck?


Dienstag, 30. Dezember 2014

Wer schön sein will...

Umständehalber mussten wir heute früh aufstehen. Zumindest die Tochter und ich. Wobei ich meinen Früh-Aufsteh-Grund nachvollziehbarer fand als den der Tochter: sie brauche noch Concealer und Conditioner, ehe sie zum Mathelernen zu einer Freundin gehe. Bin ich froh, eine zwanglosere Jugend verlebt zu haben! Und - wenn schon nicht die Jugend - diese Freiheiten zu konservieren. War ich doch gestern mit Freunden einkaufen, ohne vorher in der Maske gewesen zu sein. An mancher Stelle ist meine Brut doch disziplinierter als ich. Und so stratzte die Tochter in der nassen Finsternis frühmorgens zu Rossmann am Hauptbahnhof.

Montag, 29. Dezember 2014

Ob ich's noch kann?

Nach Wochen des Tochterdaseins bin ich heute das erste Mal wieder alleine für die Frühstücksvorbereitung zuständig. Puh, Teekochen!
Wie gut, dass ich aktuell nur für ein Kind verantwortlich bin, da die Tochter bei einer Freundin jottwede übernachtet hat.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Nächstes Jahr bestimmt

Nun endlich auch den dritten Weihnachtstag mit viel gutem Essen und Dorfklatsch hinter uns gebracht. Jetzt wird es Zeit, den Magen wieder auf handelsübliche Mengen einzustellen. Aber vielleicht doch lieber als Projekt "Gute Vorsätze fürs Neue Jahr"?

Samstag, 27. Dezember 2014

Wo die Liebe hinfällt

Trotz fortgeschrittenen Alters bin ich multipel verliebt. Gaspare, Melchiorre und Baldassarre heißen die Auserwählten.

Fuhlsbüttel

Gestern musste die Tochter Abschied nehmen. Zum Glück nicht für immer, aber doch für eine unvorstellbar lange Zeit. Eine Freundin ist für ein halbes Jahr in Singapur ("Seit der ersten Klasse waren wir nie länger als sechs Wochen von einander getrennt!"). Der Abschied fand wie üblich am Flughafen statt. Getreu meinen Mutterpflichten fragte ich die Tochter an der Wohnungstür noch ab, ob sie ihre Fahrkarte dabei habe. Und Taschentücher? "Nein! Wieso? Ich bin nicht erkältet!" An Abschiedstränen hatte sie nicht gedacht. Manchmal sind Mütter sogar ganz brauchbar.

Freitag, 26. Dezember 2014

Die junge Frau Doktor

Als ihre Großmutter den Nachtisch nicht aufessen möchte, stellt die Tochter fest, Oma werde wohl nie Diabetes bekommen.
Schnell schickt sie noch hinterher, "wenn es so etwas wie Diabetes für Salz gäbe, hätte Opa das schon seit Jahren".
Immer wieder schön, diese besinnlichen Weihnachtsmahlzeiten!

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Woher sie das bloß haben?

Die Weihnachtsgeschenke scheinen beim Sohn gut angekommen zu sein. Er schlief heute Nacht im neuen Adidas-Hoodie und mit -Rucksack (und in den -Schuhen, aber die waren nicht neu).
Ein Wermutstropfen gab es: ein wenig penetrant waren beim Geschenkauspacken seine ewigen Fragen nach dem iPhone seiner Schwester schon.
Wie gut, dass diese leichten Verstimmungen mehr als kompensiert wurden durch die großväterlichen Dekorationsergänzungen am Tannenbaum:



Mittwoch, 24. Dezember 2014

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung

Seiner alten Tradition folgend bewegt sich der Sohn seit gestern wieder ausschließlich in kurzer Hose und ohne Strümpfe in der Stadt. Zweistellige Temperaturen fordern diese Bekleidung. Man ist schließlich echter Hanseat. Die Mütze allerdings ist sein stylisches Accessoire.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Weiße Weihnacht II

Weiße Weihnacht

Meiner Information nach gibt es ein Gesetz, das besagt, Haushaltselektronik darf nach dem vierten Advent nicht mehr kaputt gehen. War ja klar, dass diese goldene Regel in diesem Jahr bei uns nicht greifen würde. Am 22.12.2014 ist also nicht nur Joe Cocker sondern auch unser Kühlschrank von uns gegangen. Da hat man alle Geschenke zusammen und dann muss man sich bei Saturn hineinquälen und die weiße Ware studieren. Immerhin, heute Nachmittag nenne ich dann einen Liebherr mein Eigen. Die schönsten Geschenke macht man sich doch immer selbst.

Montag, 22. Dezember 2014

Willkommen in St. Georg

Am Samstagabend war ich auf einer Party. So weit, so normal, möchte man meinen. Es war aber seit vier Monaten die erste Party, zu der ich auch in Stimmung war und zu der ich demzufolge auch hingegangen bin. Es war toll, hat Spaß gemacht, und Muddie blieb auch bis halb vier. 
Am gestrigen Vormittag entdeckten wir, dass uns jemand in vermutlich oberarmdickem Strahl genau vor unsere private Hauseingangstür gekotzt hatte. Woraufhin mich der Sohn fragte: "Mama, warst du das?" Ich antwortete empört: "Nein, ich hatte keine Pommes."
Da geht man einmal aus...

Samstag, 20. Dezember 2014

Stunde der Wahrheit

Der Moment, in dem man merkt, dass all' die schöne schwule Erziehung hier in St. Georg nicht gefruchtet hat, ist der, wenn der Sohn in weiblicher Begleitung in seinem Zimmer verschwindet, das er in den Tagen vorher akribisch von kompromittierenden Playmobilfiguren und Ähnlichem befreit hat.

Freitag, 19. Dezember 2014

Nächster Versuch

Gut, es sollte also wieder der Telekomshop in Wandsbek sein. Meine Spannung rangierte irgendwo zwischen mündlicher Abiturprüfung in Chemie und Geburt der Tochter. Außerdem war ich recht sicher, dass sich die dortigen Mitarbeiter sofort unter den Tresen ducken, sobald sie meiner ansichtig würden. Unsere lange leidvolle gemeinsame Geschichte...
Tatsächlich war es so, dass ich einige der Mitarbeiter wie auch der Kunden (z.B. den in die Jahre gekommenen Hillbilly-Tankwart) wiedererkannte. Die Servicekraft, die sich meiner nach wirklich kurzer Zeit erbarmte, kannte mich jedoch nicht. Und - was soll ich sagen? - in Bestzeit war ich wieder aus dem Laden und hatte genau das, was ich haben wollte. Das Wunder der Weihnachtszeit.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Die Achse des Bösen: Bonn-Cupertino

Eigentlich war alles so gut geplant. Am Donnerstag vor Weihnachten noch die letzte Chance auf halbwegs ungehindertes Weihnachtsshopping nutzen. Es ging auch alles glatt, bis ich den Telekomladen betrat. Um das schlechte Karma abzuschütteln, ging ich nicht in den in Wandsbek sondern den in der Mönckebergstraße. Und doch. Die miesen Vibes kleben an mir wie Hundehaufen an der Profilsohle. In einer illustren Wartegemeinschaft durfte ich Stund um Stund zubringen. In Ermangelung ernsthafter Sitzplätze musste ich sogar mit dem Kinderplatz aus kleinen grünen Ikea-Hockern vorliebnehmen. Die Hüfte dankt. Aber... was nimmt man nicht alles auf sich, damit die Tochter wenigstens nach Weihnachten nicht mehr mit ihrem Retro-iPhone gehänselt wird.
Blöd nur, dass das gewünschte Modell weder in der Mönckebergstraße noch am Rathausmarkt zu haben ist. Zu guter Letzt verweist man mich auf den Telekomladen in Wandsbek, denn dort sei es vorrätig. So viel zum Karma.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Für und Wider

Gerade fühle ich mich noch etwas zerrissen zwischen den Polen "Boh, ist das mies kalt und dunkel hier!" und "Weihnachtlicher ist es hier schon". Der Ausgang meines internen Wettstreites ist noch ungewiss.
Wenigstens bin ich seit gestern weiter, was aussagekräftige Unterschiede zwischen Deutschen und Spaniern angeht. Wenn man es nicht bereits an den Zungen erkennt, in denen sie beim Warten aufs Boarding in ihre Mobiltelefone blöken, merkt man es spätestens beim Vorzeigen der Bordkarten: während der Spanier bereits im Vorfeld seinen Ausweis zusätzlich zur Karte gezückt hat, muss der Deutsche den Drahtseilakt aus Telefon vom Ohr, um es über den Scanner zu halten ("Du, ich steig' jetzt in die Maschine.") und Ausweis aus der Tasche Kramen hinbekommen. Gleichzeitig steht ihm ein fragendes bis entnervtes "Schengen" auf die Stirn geschrieben.


Sonntag, 14. Dezember 2014

Crossover

Heute ist best-of-both-worlds-Tag. Zu Ehren des dritten Advents habe ich morgens zwar mit verminderten Mitteln an der Deko arbeiten müssen, konnte aber wahre Kunstwerke an Sternen aus schnöder Alufolie herstellen. Da gucken die Valencianer. Am Nachmittag dann ein schickes spanisches Spa-Tratamiento. Abends stellen wir ein zünftiges Adventsessen her: Pute, Rosenkohl, Kartoffeln und Soße. Mal sehen, ob's gelingen wird...

Samstag, 13. Dezember 2014

Fast wie ein Urlaubstag

Heute ist der zweite Tag in Folge, an dem ich nichts von Schulen oder Ärzten der Kinder höre. Wenn morgen noch der Spa-Tag hinzukommt, werde ich wohl Bäume ausreißen können.

Freitag, 12. Dezember 2014

Fremde Sprache

Aufreger des gestrigen Tages: als ich kniehoch durchs etwa 18 Grad warme Meerwasser watend auf etwas Bewegliches trat und feststellen musste, dass es sich dabei um einen Krebs handelte. Dabei fiel mir wieder ein, dass meine Kinder die spanische Bezeichnung dafür früher kannten als die deutsche. Damals rannten sie vollständig assimiliert "¡un cangrejo!" skandierend den Strand entlang. Den Trick mit der Qualle habe ich ihnen deshalb lieber nicht verraten: um den Strand gesichert für sich alleine zu requirieren,muss man nur etwas schrill "¡una medusa!" schreien. Die Panik schafft alles übrige.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Entspannung garantiert

Urlaub ist unglaublich erholsam, wenn man sich täglich mehrmals mit Ärzten, Schule und Lehrern des Sohnes auseinandersetzen muss. Wenn man mit schlechten Telefon- und Internetverbindungen zu kämpfen hat, um alles Mögliche aus der Ferne zu organisieren. Wenn man sich mit schmollenden Kindern arrangieren muss. Man bekommt so viel zurück.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Es wächst zusammen, was zusammengehört

Genauso wie es in Deutschland unter Handwerkern üblich ist, gegen 7 Uhr mit den lautstarken Arbeiten zu beginnen, um dann spätestens gegen 7:30 Uhr die Thermoskanne und Mutters Stullen auszupacken und erst einmal eine Frühstückspause einzulegen, ist es auch in Spanien Gepflogenheit.
Einzige Unterschiede sind die Uhrzeit (in Spanien gegen 10 Uhr) und die Lebensmittel (Spanien: Zigarette und Cafe con Leche).

Dienstag, 9. Dezember 2014

Zürich, 2 Grad, die Frisur sitzt

Blinde Passagiere

Wer hätte es gedacht? Eierkopp und Helga machen sich - natürlich in vorweihnachtlicher Montur - auf die Reise. Ein kleiner Kurztrip wird ihnen guttun, vor allem, um ihre vornehme Blässe loszuwerden.

Montag, 8. Dezember 2014

Kartenhaus

Die letzten Tage lang habe ich mich der geschäftigen Illusion hingegeben, es ginge wieder bergauf in unserem Leben. Heute wurde ich eines besseren belehrt.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Kulturgefälle

Heute früh holte ihr Vater die Tochter für die Adventsfeier bei Opa in Berlin ab. Da noch genügend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges war, machte er es sich noch bei uns in der Küche gemütlich. Als er sich entplünnt hatte, meinte die Tochter zu ihm, er sehe aus wie "ein Hartzer". Schnell schob sie auch noch "Und diese Nazi-Frisur!" hinterher. Daraufhin der Vater, schulmeisterlich: "Der Osten besteht doch nicht nur aus dem Harz."
Die Tochter und ich erklärten ihm feixend, dass Hartzer von Hartz IV komme. Daraufhin er, naserümpfend: "Eure Kultur ist eben nicht meine."
Wie auch? Wo doch die Tochter die selbsterklärte "Prinzessin der Herzen" und der Sohn der ebensolche "Liebesdiktator" ist.

Freitag, 5. Dezember 2014

Famille nombreuse

Heute zwang mich DHL wieder einmal, unserem angeblich nächsten Postshop einen Besuch abzustatten, um dort ein Paket abzuholen. Auf wundersame Weise war ich zwar zum angegebenen Zeitpunkt zu Hause, aber wie so oft könnte man mich nicht antreffen. Ist klar.
Der Besuch im Shop ist aus vielerlei Gründen ärgerlich: erstens weil er anderthalb Kilometer entfernt liegt, zweitens weil die Straße, in der er sich befindet, eine der hässlichsten weit und breit ist - nur zu geringem Anteil deswegen, weil der Ex in dieser Straße wohnt - und drittens, allerdings nicht zuletzt, weil ich noch nie eine derartige Ansammlung hirntoter Amöben erlebt habe. Und ich hatte schon mit dem Standesamt Borgfelde oder der Schulbehörde zu tun.
Nun habe ich heute während der obligat ausgedehnten Wartezeit die mit Tesafilm angebrachten, schlecht kopierten Zettel entdeckt, auf denen man aufgefordert wird, via Facebook den Shop zu "liken". Sofort dachte ich, dass sich die "Liker" ausschließlich aus der Großfamilie der Mitarbeiter rekrutieren müssen. Im Laden wollte ich das aber nicht checken.
Zuhause angekommen musste ich feststellen, dass die Bezeichnung auf der Kopie und die bei Facebook nicht übereinstimmen (siehe oben) und dass der Laden unglaubliche zwei Daumen nach oben hat (immerhin zwölf Besucher vor Ort). Das sind weniger als Mitarbeiter. Ich muss noch einmal über die Größe der Familie und deren Affinität zu den sozialen Medien nachdenken.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Bestätigung 3.0

Derzeit befinde ich mich im Organisationsmodus. Normal, denkt man, eben eine Mutter in der Vorweihnachtszeit. Mit Weihnachten hat es aber nur peripher zu tun; den Themenkreis "Geschenke" habe ich noch außen vor gelassen. 
Gestern Abend schickte ich dem Vater meiner Kinder eine Whatsapp-Nachricht über das Organisierte, um nicht wieder in den Verruf zu geraten, ich reiße alles an mich und informiere ihn nicht einmal. Die Nachricht war zweieinhalb Bildschirme (zugegeben, ich habe noch ein iPhone 5 und nicht 6 oder gar 6+) lang, obwohl für meine Verhältnisse im Telegrammstil verfasst. Da ein oder zwei Dankes zu viel verlangt wären, ziehe ich meine Bestätigung daraus, dass ich wirklich viel geschafft habe. Ich überlege, ob ich sie ausdrucke und rahme.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Danke, Dörte!

Meine gute Laune und mein endorphingeschwängertes Hochgefühl hielt gestern genau eine Stunde. Manch' einer mag sagen, dass eine Stunde für Anfang Dezember ein außergewöhnlich gutes Ergebnis sei. Dem möchte ich prinzipiell nicht widersprechen. In diesem Fall jedoch war es eine Talfahrt in Bestzeit.
Mein besonderer Dank für diese Höchstleistung gilt dabei dem Wilhelmstift. Von 100 auf -100 in 60 Minuten - Chapeau! Dass mich der Spaß auch noch eine Woche Urlaub und 200€ für einen neuen Rückflug gekostet hat, nennt man wohl Kollateralschaden.

Dienstag, 2. Dezember 2014

"Das Fach Chemie liegt ihr einfach nicht"

Beim gestrigen Frühstück fragte die Tochter aus gegebenem Anlass, wie man einen Beruf wie Kammerjäger für sich erwählen könne. Wieder einmal war ich mit meinen elterlichen Erklärungen am Ende. Zusammenfassend stellte sie fest, man dürfe in diesem Beruf im Gegensatz zu ihr keine Angst vor Ratten haben. Eher halbherzig gab ich zu bedenken, dass es vielleicht die Strategie sei, um sich einer Phobie zu entledigen.
Da diese Konversation vor dem Besuch des Clean Teams stattfand, hatte ich noch nicht den Einblick, den ich anschließend gewinnen konnte. 
Ich meine, wer arbeitete nicht gerne mit sexy Substanzen wie "Maxforce Fusion", "Blue Power Wespenschaum", "Detmol-delta" oder "Ratron B"?

Montag, 1. Dezember 2014

Wegwerfen

Meine Produktivität in Sachen Weihnachtskarten wurde gestern nach Karte 46 ausgebremst. Falsch liegt, wer Lustlosigkeit vermutet. Auch sind mir nicht die hübschen Saint-Exupéry-Briefmarken ausgegangen. Denn Sonnabend habe ich extra noch nachgeordert. Um die übliche Verwirrung beim Postpersonal zu vermeiden, habe ich einfach die bereits fertiggestellte Weihnachtspost auf den Tresen geworfen und um Nachschub gebeten. Diese Kommunikation lief hervorragend. Der Herr am Schalter fragte nur noch: "Wie viele?"
Nein, der Grund liegt darin, dass der grüne Stift, dessen Farbe so beeindruckend zu Briefmarke und Fotomotiv passt, leer war. Nach nur 46 Karten! In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Sonntag, 30. November 2014

Nachts in der großen Stadt

Gestern bekam ich ein nettes Kompliment: der Taxifahrer, der mich zu einer Geburtstagsfeier brachte, meinte, ich sei der höflichste Fahrgast, den er je befördert habe. Dass er erst seit einem Monat Taxi fährt, schmälerte das Lob nur ein klitzeklein wenig.
Das alles nur, weil ich im Einsteigen meinen Namen sagte, um ihm unter Beweis zu stellen, dass es sich bei mir tatsächlich um diejenige handelte, die die Droschke bestellt hatte. Eigentlich hätte ich das Kompliment gleich retournieren können, den er stellte sich im Gegenzug auch gleich namentlich vor.
Die Rückfahrt mit einem anderen Fahrer barg leider keine solchen Highlights. Was vielleicht hauptsächlich an meiner alkoholinduzierten Mundfaulheit lag.

Das westlichste Bundesland der DDR

Neulich hörte ich Frau Kramp-Karrenbauer (übrigens ein Name, der klingt, als sei er von einem mittelmäßigen Comedian erdacht) im Fernsehen. Hören insofern, als ich ganz zeitgemäß meinen Blick nicht auf den Fernsehbildschirm sondern auf den Second Screen richtete. Jedenfalls dachte ich "Na, die kommt doch aus dem Osten!" und wandte mich dem Fernseher zu, um zu sehen, wer dort sprach. Immer wieder falle ich darauf rein! Saarländer sind bei mir gedanklich unter Ostdeutschen verbucht, weil sie reden wie Erich Honecker.

Samstag, 29. November 2014

Stabilitäts-Check

Wir rufen hier die "Großen Phobikerwochen" aus. 
Nach dem Fund der Rattenhinterlassenschaften im Keller (nicht zu vergessen dem neuerlichen Schimmelbefall in meinem Schlafzimmer) kam die Tochter gestern vorfristig von der Schule, um mitzuteilen, sie habe Läuse. Wer dachte, dies sei ein Kleinkinderproblem, dem sei gesagt, dass es ohne Schwierigkeiten auch fast Sechzehnjährige erwischen kann. Wie gut, dass Muddies Hausapotheke für einiges gerüstet ist. Zwei Flaschen Infectopedicul und dreierlei Nissenkämme. Die Behandlung macht bei dickem, langen Haar übrigens besonders viel Spaß. Anschließend befanden wir uns, um mit Herrn Regener zu sprechen, in einem wunderbaren kontaktstoned Zustand, weil das Zeug, das auf unseren Köpfen einwirkte, mindestens 80% Alkohol enthält.
Als währenddessen der Kammerjäger anrief, um einen Termin zu vereinbaren, war ich fast umnebelt genug, ihn zu fragen, ob Läuse auch in sein Kompetenzgebiet fallen. 

Freitag, 28. November 2014

60 Cent

Langsam komme ich dahinter, was der Chef meint, wenn er mir verquast-bemühtes Bildungsbürgertum vorwirft. Zum zweiten Mal wurde ich unterdessen angesehen wie ein Auto, als ich an unterschiedlichen Postschaltern "die Saint-Exupéry-Marken" orderte. Zum Glück bekam ich beide Male die Kurve, indem ich schnell noch "die mit dem Kleinen Prinz" hinterherschob. Dabei sollten die Mitarbeiter der gelben Post doch wissen, dass Frauen derzeit ohnehin nur das Eine (bzw. die eine Briefmarke) wollen.

Alternativen

Momentan heißt es, Lösungen zu finden. Für vielerlei. Ich spreche ganz bewusst nicht von Problemen, weiß ich doch, dass man sie unterdessen Herausforderungen nennt. Was alles gleich viel leichter macht.
Eine - wenn auch nicht unbedingt die vordringlichste - war, Adventsdeko ohne den nicht zugänglichen Fundus hinzubekommen. Ich muss mir, zusätzlich zum Lob der Tochter ein wenig selbst auf die Schulter klopfen. Hübsch übrigens, dass die Tochter meinte, sie gehe nie, nie mehr in den Keller, als sie von der Rattenplage hörte. Meines Wissens war sie auch vorher nie dort. Es trifft den guten Keller also nicht allzu hart.
Einziger Ansatz zur Selbstkritik: kann mir jemand nochmal die Bedeutung des Wortes "minimalistisch" erklären?
Der für meine Eltern. Rief bei der Tochter Entzücken hervor. Bis sie unseren sah, den sie noch schöner findet. Der Mensch stammt eben doch von der Elster ab.
Und hier noch unsere Protagonisten in saisonaler Pracht:

Donnerstag, 27. November 2014

Happy Thanksgiving!

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten oder so.

Jahresrückblick schon im November

Was für die Queen 1992 war, soll für mich wohl 2014 werden. Dieses Jahr hat wirklich vor, als annus horribilis in meine Zeitrechnung einzugehen. 
Nach den Keksorgien wollte ich gestern aus dem reichen Fundus meiner Weihnachtsdeko im Keller schöpfen. Die zwei Umzugskartons und diversen Ikea-Beutel (ja, ich besitze einiges an saisonaler Verzierung) fand ich merkwürdig verdreckt. Von der Kellerdecke konnte der Schmutz nicht gerieselt sein, denn - wenn auch sonst keine Ordnung in meinem Keller herrscht - die Weihnachtssachen befinden sich alle im Rumpf eines überflüssigen Küchenschranks. Jetzt stell' dich nicht so an, dachte ich. Weitermachen! Irgendwann dämmerte es auch mir, obwohl ich Meisterin darin bin, dass Dinge nicht sein können, wenn ich sie mir nicht vorstellen kann (vgl. Betrugsgeschichte des Gatten). 
Nachdem ich mich aus dem Keller evakuiert hatte, versuchte ich meinen Vater als Telefonjoker zu befragen. Meine Eltern waren wegen der zahlreichen Vorbereitungen für Thanksgiving leider nicht erreichbar. 
So musste Dr. Virtuell ran. Und, was soll ich sagen? Ein Hoch auf die Google-Bildersuche! Unter dem Stichwort "Rattenexkremente" wurde mein Verdacht zweifelsfrei bestätigt.  
Nach ausgiebiger Dusche und Desinfektion sah die Welt schon wieder etwas besser aus. 
Der Plan sieht nun vor, dieses Jahr auf minimalistisches Dekorieren zu setzen.

Mittwoch, 26. November 2014

Peinlich, dement oder beides?

Mit Vergnügen lese ich ein Buch von Max Goldt. Es war mir aus meinem Zu-Lesen-Stapel als das aktuell lesenswerteste vorgekommen.
Während der Lektüre zermarterte ich mir unablässig das Hirn, in welchem seiner Bücher oder in welcher Zeitschrift ich einzelne Geschichten schon gelesen haben könnte. Ein Blick ins Bücherregal brachte Aufklärung: ich habe das Buch schon. Zum Versuch einer Ehrenrettung muss ich sagen, dass das Exemplar in der Bücherwand ein Hardcover ist, das aktuell gelesene ein Taschenbuch. Seither frage ich mich, warum mir nur Teile davon bekannt vorkamen?

Dienstag, 25. November 2014

Üppig

Opulenter Weihnachtsschmuck am Zimmer des Sohnes.

Pflichterfüllung vs. Selbstfürsorge

In den letzten Tagen musste ich feststellen, dass mein Hang zu preußischen Tugenden doch größer ist als der meiner Kinder.
Während sie schon lange die Lust verlassen hatte (mich ehrlich gesagt auch), brachte ich einen Gutteil meiner Zeit nach wie vor mit zentnerweise Keksen zu. Der Sohn fand in seiner Begeisterung für rohen Teig schon Backen übertrieben. Die Tochter dagegen bestand darauf. Als die Kekse dann aus dem Ofen waren, konnte auch sie weiteren Aktionen wie Dekorieren nichts mehr abgewinnen, denn die Backwaren konnten nicht schnell genug vertilgt werden.
So befand ich mich allein auf weiter Verzierungsflur. Immerhin war die Anzahl der zu bearbeitenden Werke dank ihrer Mithilfe stark dezimiert. Also machte ich weniger aus Leidenschaft als aus Pflichtgefühl an die Arbeit. Sieht man den Keksen vielleicht nicht unbedingt an, aber isso.

Montag, 24. November 2014

Jauchzet, frohlocket!

Es ist nicht gelogen, wenn ich verspreche, dass die heutigen Bauchschmerzen der Tochter nichts, aber auch gar nichts mit unserer Keksorgie am Wochenende zu tun haben. Im Gegensatz zu ihrem Bruder verschmähte sie den rohen Teig und skandierte ständig "Salmonellen!". Auch mein Hinweis, der Teig sei ohne Ei, brachte sie nicht davon ab. Eigentlich ist es einfach so, dass sie die Kekse deutlich lieber mag als den Teig. Nicht so der Sohn. Ein Gutteil meiner gestrigen Arbeit bestand in Teigverteidigung.
Ach, die besinnliche Adventszeit!

Sonntag, 23. November 2014

Unerfahren

Wie ich dieses Wochenende feststellen musste, zeichnen sich der Sohn und ich durch ähnliche Unwissenheit beim Thema Autofahren aus. 
Ich, weil ich nicht wusste, dass Hamburg unterdessen ein südlicher Teil Skandinaviens ist, und man als dreckiger Outlaw gilt, wenn man morgens um neun im November (heller wird's nicht!) nicht das Licht einschaltet. 
Der Sohn, weil er sich auf den Beifahrersitz warf und im offenen Fach über dem Handschuhfach ein Objekt entdeckte, das er mit ehrlicher Bewunderung als "Oh, eine Hornhautraspel!" kommentierte. Bis ich ihn darauf hinwies, dass es sich um einen Eiskratzer handelt.
Irgendwie merkt man uns doch die ÖPNV-User an.

Samstag, 22. November 2014

Aphorismen aus der Nachbarschaft

Wer hätte gedacht, dass wir hier auch noch unseren Beitrag zur ARD-Themenwoche Toleranz leisteten?

Ich hoffe, ich bekomme jetzt keine Copyright-Probleme... Aber noch ist es einfach zu früh, um sich die Zitiererlaubnis einzuholen.
Um ehrlich zu sein, geht dieses Zitat ins Fotofinish mit dem einer anderen Nachbarin. Dabei ging es um das Wort "Achtsamkeit", das wir beide nicht allzu sehr ins Herz geschlossen haben: "Es gibt Leute, die kommen vor lauter Achtsamkeit gar nicht mehr zum Leben."

Freitag, 21. November 2014

Balance

Derzeit siegt wohl der Deutsch-Vorweihnachtliche-Teil meiner Persönlichkeit. Was auch vernünftig ist, denn bis zur spanischen Sonne müssen wir noch 18 Tage warten.
Nie war ich so früh mit meinem Adventskranz zugange. Und warum? Weil ich kann! Na ja, eher weil ich mich dieses Jahr gegen die Tradition verschworen habe und keinen Rumpf aus Tannenzweigen besorgt habe, die vor der Zeit altern könnten. Außerdem habe ich mich gegen das übliche Rot-Grün entschieden. Teilautistin, die ich bin, fällt mir diese Wendung schwer. Noch mehr beschäftigt mich allerdings die Asymmetrie der vorinstallierten Kerzenhalter. Vielleicht doch gut, dass ich den dritten und vierten Advent aushäusig verbringen werde.


Donnerstag, 20. November 2014

Ich glaub', es geht los!

Gerade frage ich mich, ob ich neben anderen Krankheiten und Gebrechen nicht auch unter gespaltener Persönlichkeit leide.
Ein Teil meiner Gedanken kreist um den Themenkreis "Advent", Kalender, Kränze, Weihnachtskarten, Deko, Kekse, Kerzen, Rezepte. Ein anderer, nicht unerheblicher Part befasst sich mit der Aussicht auf Sonne und Meer, Bücher, Sonnencreme, Bikinifigur (Gedanke abgehakt), barfuß-taugliche Füße usw. usf.
Aber vielleicht ist dieser Bruch doch nicht pathologisch, wenn ich höre, dass seit gestern auch in Playa de Gandia die Weihnachtsbeleuchtung hängt.

Mittwoch, 19. November 2014

Männer

Gerne wollte ich heute den Internationalen Männertag begehen. In welchem Ausmaß allerdings war mir noch unklar.
Nach der frühmorgendlichen Whatsapp-Konversation mit dem Vater meiner Kinder bin ich mir nicht mehr so sicher. Es geht um den Geschenkwunsch der Tochter:
Immerhin versöhnlich, er pflichtet mir ausnahmsweise bei.
Dennoch halte ich mich vielleicht lieber an die Feierlichkeiten zum Welttoilettentag.

Dienstag, 18. November 2014

Zielgruppenmarketing

Die Marktforschung der Firma Storck hat augenscheinlich herausgefunden, dass ihre Schokoküsse-Konsumenten eine hohe Affinität zu Schlüpfrigkeiten aufweisen. Das muss natürlich bedient werden.
Wir erinnern uns an ihre österlichen Saisonartikel:

Nun setzt sich das Grauen selbstverständlich in der Adventszeit fort:

Wir dürfen gespannt sein, was sie sich zu Silvester oder Fasching einfallen lassen.

Telefonjoker

Gestern war ich im Kino. Und dann gleich eine Preview! Der Film ist sehr zu empfehlen, auch wenn ich den deutschen Titel extrem schwach finde: Ein Schotte macht noch keinen Sommer (What We Did On Our Holiday).
Noch während des Films habe ich meine Mitseher damit genervt, dass ich vermutete, der Soundtrack zum Film komme von den Waterboys (weil die Stimme des Sängers so klang). So war ich auch die Einzige unserer Sechsergang, die - wahrscheinlich, weil sie weder dringend auf die Toilette noch rauchen musste - den Abspann ansah. Wer Recht haben will, muss leiden. Und, was soll ich sagen, die Musik ist von den Waterboys!

Montag, 17. November 2014

Christkind

Seit der Mythos des Weihnachtsmannes zerstört ist, beschenken sich die Tochter und ihre Freundinnen zum Fest. Eine Regung, die ich vom Sohn im speziellen und von Jungs im allgemeinen nicht kenne. Dieses Jahr stehen ihrer aller Geschenke ganz im Zeichen der Phobienbekämpfung. Vielleicht normal unter 15- bis 16-Jährigen.
Was die Tochter verschenken wird, darf ich aus Geheimhaltungspflicht nicht verraten. Sie allerdings weiß schon, was sie von Freundin II bekommen wird: einen  Besuch im Ratten-/Tauben- und Heroinspritzen-Streichelzoo. Ich hoffe, sie verrät mir, wo der sich befindet. Als Konfrontationstherapie möchte ich dort auch gerne einmal hin.

Aschenputtel

Meine Großmutter mütterlicherseits vermutete, ihre Hölle werde daraus bestehen, dass sie Socken für ihre gesamte Familie werde stopfen müssen. 
Meine wird sein, für die halbe Menschheit Feldsalat waschen und aussortieren zu müssen. Ich weiß es. Spätestens seit gestern Abend.

Sonntag, 16. November 2014

Kreativ sein!

Manchmal glaube ich, die Meisterin des schlechten Timings zu sein. Keine Sorge, es kommt jetzt nichts Unanständiges!
Es ging schon früh los. Genau in dem Moment als ich eine Großpackung FAK-Tee besorgt hatte, den ich während der Stillzeiten mit Todesverachtung literweise trank, beschloss der Sohn mit der Muttermilch abzuschließen. Fortan hieß es für mich Salbeitee, den ich vielleicht sogar noch ekliger fand.
Das gleiche Spiel mit den Schnullern. Kaum war eine Monatsration (das sind ganz schön viele!) besorgt, fand der Sohn  dieses Zeug Babykram und rührte keinen mehr an. Schön auch, dass mir sowohl sein Abstillen als auch die Schnullerentwöhnung vorher schlaflose Nächte in einer ohnehin schlafarmen Zeit bereiteten.
Es gibt auch neuere Beispiele. Der Sohn ist in seinen Essgewohnheiten Quartalsesser. Immer wenn ich uns gerade großzügig mit der Leibspeise eingedeckt habe, kommt eine neue Leidenschaft, und von der alten will er nichts mehr wissen. Das ist jedoch unproblematisch, da die Tochter gerne für ihn einspringt.
Überhaupt könnte man den Eindruck gewinnen, es sie weniger meins als vielmehr sein Problem. Aber mit der Tochter ist es im Prinzip genauso.
Gerade als ich die Vorteile des En-Gros-Kaufs genutzt und eine Riesenpackung Pampers besorgt hatte, brauchte sie  überraschend auch nachts keine Windeln mehr.
Immer wenn ich Kleidung in ihrer Lieblingsfarbe gekauft hatte (die Quittungen natürlich sofort weggeschmissen - Ehrensache!), schaute sie mich mitleidig an und meinte, das sei jetzt nicht mehr Lila sondern Gold, nicht mehr Rosa sondern Schwarz usw. usf.
Wie man sich vorstellen kann, könnte ich noch zahlreiche weitere Beispiele aufführen.
Irgendwie ist mir noch nicht ganz klar, was die Moral von der Geschicht' ist. Höchstwahrscheinlich ist es ja ein kreativerer Umgang mit den Ressourcen. Aus FAK-Teebeuteln kann man sicher ein lustiges Mobile basteln, Nicht-Ganz-Lieblingsklammotten muss man nur heiß genug waschen, dann passen sie auch Puppen und viele Möglichkeiten mehr.

Samstag, 15. November 2014

Low Score

Gestern Abend bemerkten die Tochter und ich, dass ob der anhaltenden Abwesenheit unseres Ölprinzen die letzte Olivenölflasche mehr als zwei Monate gehalten hat. Ich nenne es Zweckoptimismus.

Freitag, 14. November 2014

Fundstück

Die Tochter meint, ich dürfe "kein Instagram haben". Sollte es da eine Altersbeschränkung geben, von der ich nichts weiß? Zugegeben, ich habe es dubelig angestellt, als ich ihrer besten Freundin gefolgt bin...
Außerdem meint sie, mit leicht despektierlichem Unterton, ich sei ein "Heizungs-Chiller" (muss man übrigens mit Bindestrich schreiben, weil der Heizung-Schiller missverständlich ist). Nur weil ich im November gerne mit dem Smartphone in der Hand vor der gemütlichen Heizung stehe. 
Man bekommt so viel Liebe zurück.
Aber ich will nicht undankbar sein. Immerhin hat sie mich mit "Na, das ist auch eher eine Hochsicherheitsbrotdose!" sehr belustigt (die Hundeohren kann man anlegen, um sie zu verschließen).

Donnerstag, 13. November 2014

Vermutung

Über Nacht habe ich beschlossen, den Esstisch, Küchentisch, you name it, zur Smartphone-freien Zone zu erklären. Das wurde auch mal Zeit, mag manch' einer denken. Im Moment überlege ich noch, welches Kunstwerk ich erschaffe, um diese drakonische Maßnahme zu verdeutlichen. 
Aktuell habe ich nur mich selbst beschnitten. Der Tochter bleibt nach dem Aufstehen lediglich Zeit, Zähne zu putzen und sich zu schminken, ehe sie zur Schule muss. Da fallen ausgedehnte Pitstops am Frühstückstisch ohnehin aus. Heute erst recht, denn es ist der doofe Donnerstag. Da muss man zur mentalen und sonstigen Vorbereitung vorzeitig in der Schule sein.
Mein kalter Entzug gestaltet sich bisher noch unproblematisch. Die Kinder werden ihn vermutlich umgehen, indem sie sich von Mahlzeiten am Tisch verabschieden.

Mittwoch, 12. November 2014

Politisch unkorrekt

Heute früh ertappte ich mich dabei, in Gedanken eine Nachrichtenmeldung aus dem Radio im Kopf unlauter zu vervollständigen:
Es hieß: "Die Raumsonde Rosetta ist die einzige, die..."
... mit einer ausschließlich schwulen Mannschaft besetzt ist.
Ich weiß, ich weiß! Raumsonden sind unbesetzt.

Weltraumforschung

Ursprünglich bin ich zu Facebook gekommen, weil ich dachte, die Kinder dahingehend nicht reglementieren zu können, wenn ich selbst nicht weiß, wie es geht. Schnell stellte ich fest, dass mir diese Möglichkeit Spaß bringt. Wie es so schön dummdeutsch heißt: niederschwellig mit Freunden und vor allem Bekannten und Verwandten in aller Welt in Kontakt zu bleiben oder zu kommen. Außerdem konnte ich, ganz Profi, den Kindern Vorgaben machen: kein Echtname, keine Porträtfotos.
Auch einen Gutteil meiner zugegeben rudimentären Whatsapp-Fähigkeiten habe ich meiner Tochter zu verdanken (der Sohn ist, ganz typisch, kein Heavy User). Ihr muss es wie Die-Geister-Die-Ich-Rief vorkommen. Denn die Elterngruppe, die ich ob meiner herausragenden Skills einrichten sollte, wollte sie mir wegen ungebührlicher Peinlichkeit verbieten. Verkehrte Welt.
Bei Twitter war es anders. Dazu hatten die Kinder eine dezidierte, negative Meinung, die ich im Originalwortlaut hier nicht wiedergeben möchte. Lustig auch die Diskussion mit den Kindern, die Stein und Bein schworen, dass das Raute-Zeichen nie im Leben so heiße, denn man nenne es doch seit Menschengedenken "Hashtag". Hinzukommt, dass ich das Prinzip von Twitter nicht begreife. Ich schaffe es nicht, beispielsweise meinen (oder heißt es "mein"?) Blog dort zu verlinken.
Überhaupt Blog: der (das?) kam hauptsächlich deshalb zustande, weil die Kinder, immer öfter, wenn ich über ihre Aussprüche schmunzelte, hinterherschoben: "Mama, das postest Du jetzt nicht bei Facebook!" Es mussten also neue Wege gefunden werden. Hilfe bekam ich von einer Kollegin, die mir Virtualpfeife erklärte, wie leicht es sei. Und sie hatte Recht! Auch wenn ich bestimmt nicht ansatzweise alle Features nutze.
Seit Längerem ist es nun so, dass die Kinder immer andere Kanäle nutzen. Ja, ja, der Niedergang Facebooks... Im Grunde betreibe ich mit zwei halbwüchsigen Kindern gelebte Trendforschung. Auch die Genderdifferenzierung kann ich live beobachten. Egal, jedenfalls nutzen sie neben den nahezu klassischen Smartphone-Funktionen fast nur noch Instagram (beide) oder Snapchat (die Tochter). Bei Instagram liefern Sie sich wahre Schlachten, wer für was mehr Likes oder Kommentare bekommen hat. Sie benutzen bestimmt noch viele weitere Kanäle, deren Namen ich nur noch nicht aufgeschnappt habe.
Mich überfordert das! Denkt auch mal jemand an die armen Mütter, die keine Digital Natives sind?

Dienstag, 11. November 2014

Leistungsabfall

Berichtete ich bereits von meiner Passion für Lernentwicklungsgespräche? Sie kommen mir ebenso sinnvoll vor wie die sogenannte Busbeschleunigung auf der Langen Reihe.
Gestern war's wieder so weit. Zum Glück das mit der Tochter; diese Gespräche sind immerhin ein wenig entspannter. Und doch galt es den alarmierenden Leistungsabfall in der Klasse - diesen hatten ambitioniertere Eltern als ich konstatiert und flügelschlagend ein Treffen aus Eltern und Klassenlehrer einberaumt - zu erklären. Im Fall der Tochter bestand dieser Erdrutsch aus einer Mathe-Vier (vorher Drei) und einer Französisch-Drei (vorher Zwei oder Eins, wer weiß das schon?). Es soll wohl auch Gefälle nach oben geben, denn in Chemie, Biologie und Geschichte hat sie sich gegenüber dem letzten Zeugnis verbessert. Wahrhaft schockierende Zustände so kurz vor den MSA-Prüfungen im Februar!
So saßen wir drei vergleichsweise ratlos beieinander, in der Hoffnung, uns Lernziele für die Tochter aus den Fingern zu saugen. Im Verlauf dieser Stille mutierte ich doch ein wenig zur Glucke, weil ich dem Klassenlehrer darlegte, dass ich die Tochter ausreichend fleißig und beeindruckend ehrgeizig finde. Währenddessen rollte die Tochter mit den Augen, geraten Mutter und Lehrer doch gerne ins ausgedehnte Quatschen, was sowohl peinlich als auch zeitraubend ist. Die Anschlussverabredung mit den Freundinnen rückte bedrohlich näher. Nach dem LEG erhielt ich erwartungsgemäß Vorwürfe, zu sehr den Thomas Gottschalk gegeben zu haben. Meine erste Trotzreaktion war: "Er hat angefangen und war viel schlimmer als ich!" Bestach wohl nicht durch Glaubwürdigkeit. Dann versuchte ich mich in Undankbarkeitsvorwürfen, schließlich habe ich sie mit meinem Plädoyer doch in Mathe wieder zurückgequatscht. Sie rang sich ein schmallippiges "Danke" ab, um dann zu sagen, dass ihr ihre Mathenote scheißegal sei. Ich vermutete es schon länger, nun deuten alle Zeichen darauf hin: ihr Crush für den Klassenlehrer gehört der Vergangenheit an.

Montag, 10. November 2014

Kenne den Kunden!

Gerade frage ich mich, ob die Zielgruppe der Silvesterparty am Hühnerposten "Hirntote Amöben" (Potential: 0,58 Mio. Personen im Nielsen-Ballungsraum Hamburg) sind?
Warum sonst schreibt man auf das sensationelle schwarz-neongelbe Plakat in einer Schrift, die davon ein Viertel einnimmt, als wichtige Information noch das Datum 31.12. (nicht etwa Uhrzeit oder Wochentag, damit rechnen sie bloß!)?

Hell - Dunkel

Na toll, Zeitumstellung! Das war also der Deal: wir nehmen in Kauf, ab dem späten Nachmittag im Stockfinsteren durch die Gegend zu stolpern, weil es morgens  früher schön hell ist. Und warum muss man jetzt trotzdem im Dunklen aufstehen? Es tröstet wenig, dass der Himmel bereits beginnt, ein zartes Dunkelgrau anzunehmen.

Sonntag, 9. November 2014

Es ist, wie es ist

Obwohl ich heute konsequent die Nachrichten umschiffe, geht mir das ganze Gedenken furchtbar auf den Wecker. Besonders wenn man ungefragt eine saublöde Sonderausgabe der Blöd-Zeitung in den Postkasten gesteckt bekommt. Wahrscheinlich muss ich mir gefallen lassen, dass ich unpatriotisch bin. Vielleicht kann ich zu meiner Ehrenrettung anführen, dass ich noch weiß, was ich vor 25 Jahren gemacht habe. Ich weiß sogar noch, dass es ein Donnerstag war. Genau für dieses verlängerte (goldene Studentenzeiten!) Wochenende war ich vorher mit einer Freundin von Berlin nach Endingen am Kaiserstuhl gefahren, um ihr mental am 50. Geburtstag ihrer Mutter beizustehen. Vom Abend ist mir mehr als alles andere in Erinnerung geblieben, dass ich luuuschtik fand, wie die Aborigines dort sprachen. Dem einen Gast, der sich beim Verabschieden wunderte, dass er nicht mehr in seinen Mantel passte, schallte ein weinseliges ("Dä Wie isch guad") "Isch au dei Kiddele nit!" entgegen. Dort schien mir eine Vereinigung fremderer Menschen vonstatten zu gehen (Antje und die Alemannen) als zwischen Ost- und West-Berlinern. Ich kann auch nicht sagen, dass ich unglaublich neidisch auf die in Berlin Gebliebenen gewesen wäre. Schließlich habe ich das nachfolgende Silvesterfest lieber auf dem Hochbett der Wohnung meines damaligen Freundes in Tiefwerder (Spandau) verbracht als am Brandenburger Tor, indem ich Unpässlichkeit vorschob.
Umso mehr nerven mich 25 Jahre später die allgegenwärtigen Fragen nach Unterschieden zwischen jungen Ost- und Westdeutschen, die Äußerungen irgendwelcher Jammer-Wessis zum beklagenswerten Zustand der westdeutschen Straßen im Vergleich zu den ostdeutschen oder zur fehlenden Dankbarkeit der Ostler den dukatenscheißenden Westlern ("Mein Solibeitrag!") gegenüber. Ich befürchte, der gleiche Kram wiederholt sich nächstes Jahr am 3. Oktober nochmal. Vielleicht haben wir das Glück, auch an diesem Gedenktag wieder schönes Wetter zu bekommen. Dann werde ich mit dem Sohn spazieren gehen können. Vielleicht kommentiert er auch wieder so nett wie im Vorjahr. Diesmal meinte er am euphemistisch "Alsterpark" genannten Grünstreifen zwischen Binnen- und Außenalster: "Was für ein schönes Fleckchen Erde!"

Samstag, 8. November 2014

Kleiner Vorgeschmack

Gestern Abend rief mich die Tochter während des Damenstammtischs an. So weit, so gewöhnlich, möchte man denken. Aber nein! Normalerweise pflegt sie Sprachnachrichten zu schicken, die ihre blöde, alte Mutter leider so schlecht abzurufen beherrscht, dass alle Umsitzenden auch genau wissen, was Trumpf ist. Sie verschickt vermutlich lieber Sprachnachrichten, weil denen niemand widersprechen kann. Sie rief also an, und besagte Mutter war alarmiert. Da das Töchterlein mit ruhiger Stimme sprach, legte sich die mütterliche Sorge schnell. Sie wollte fragen, ob Freundin II bei uns übernachten dürfe. Klar, darf sie. Kurioserweise druckste sie nach meiner Zusage weiter herum. Es sei nämlich so, dass eigentlich Freundin I vorgehabt habe, bei Freundin II zu nächtigen und jetzt um ihre Schlafgelegenheit gebracht sei. Ob sie auch bei uns übernachten dürfe? Klar, darf sie. Das Drucksen ging weiter. Freundin I halte sich derzeit bei einem Freund in Ahrensburg auf. Wenn er nun Freundin I wieder in die Stadt zurückbringe, käme er wegen des Bahnstreiks nicht mehr wieder zurück nach Hause. Ob er dann auch bei uns schlafen dürfe. Der Fluch der zentralen Wohnlage. Die Tochter bemerkte, dass meine Reaktion diesmal etwas verhaltener war, und schob schnell ein "Er-übernachtet-auch-im-anderen-Zimmer" hinterher. Das deutete an, dass das Sleepover nicht bei uns, sondern in der großelterlichen Wohnung geplant sei. Ich stimmte zu (erntete eine ungekannte Anzahl töchterlicher "Dankes"), auch wenn zwei Zweifel blieben. 
Erstens: in welchem Zimmer schliefe der junge Mann und wo tummelten sich die drei Mädchen? Zweitens: reichten meine Vorräte, um sechs Personen (darunter fünf Heranwachsende und darunter zwei Jungs!) zum Frühstück satt zu bekommen?
Ging alles. Ich freue mich, dass Freundschaft 2.0 der Kinder mich nicht Knall auf Fall erwischt. 

Freitag, 7. November 2014

Wie wär's...

... wenn Langzeitarbeitslose in Andrea Nahles' Freifläche im Kopf Hirn pflanzten?
Ich weiß, es geht über die Schmerzgrenze, aber man muss leider das Kleingedruckte lesen.

Donnerstag, 6. November 2014

Statusänderung

Es muss wohl an der exzessiven Auseinandersetzung mit dem Vaterunser liegen (die Tochter hat unterdessen Vaterunser 2.0 erreicht, sie findet nun auch die englische, französische, spanische und vor allem die schwedische Version* beachtenswert):
Unser Festnetz, unser WLAN und unser Fernsehen funktionieren wieder!
Der klitzekleine agnostische Teil in mir sagt mir, dass es eher am Besuch des Telekomtechnikers lag. Aber dem darf man nicht Glauben schenken.

* Die Mediaplanerin in mir freute sich sehr über das wunderbare Targeting, das auf der Vaterunser-Übersetzungs-Website Anwendung findet, auf der uns "Chemie-Laborgeräte günstig hier" angeboten werden. Ein echter Volltreffer.

Ein Versuch

Zwei drängende Fragen treiben mich gerade um:
Erstens: können Eichhörnchen lesen?
Wenn ja, zweitens die Frage, ob die Aufkleber an unserer Balkontür die elenden Drecksviecher ausnahmsweise davon abhalten können, meine gesamten Blumenzwiebeln auszubuddeln und aufzufuttern? 
Nach schmerzhafter Erfahrung hege ich meine Zweifel.

Glaubenskrieg

Die religiöse Phase der Kinder mutiert zum Vaterunser-Battle. Gestern suchten sich die Tochter und der Sohn in dessen Rezitation zu überbieten. Der Sohn gewann im Hinblick auf Schnelligkeit, Flüssigkeit und Textsicherheit. Die Tochter konnte einzig durch Betonung und Emphase des Vortrags punkten. Ihr Argument gegen den in ihren Augen unbotmäßigen Siegestaumel des Bruders war seine höhere Kontaktdosis. Er besuche schließlich normalerweise eine konfessionelle Schule ("Da gibt's doch immer Gottesdienste und sowas.") und befinde sich derzeit in einem katholischen Krankenhaus. Sie dagegen sei zum ersten und einzigen Mal bei einem Kirchenbesuch an der Mosel vor drei Jahren mit dem Vaterunser in Berührung gekommen - und da sei er auch dabei gewesen. Er ließ diese Gründe nicht gelten, denn sie stimmten nicht. Ein ungewöhnlicher Geschwisterstreit entbrannte. Ich muss ihnen wohl andere Passagen aus dem Buch der Bücher nahebringen, um sie zu mehr christlicher Nächstenliebe anzuhalten. Außer dem etwas abgedroschenen (sic!) "Schwerter zu Pflugscharen" Vorschläge etwas bibelfesterer Leser?

Mittwoch, 5. November 2014

Mein Leben als Zirkelbezug

Nennt mich K.!
Ich kann das WLAN nicht einrichten, weil keine Verbindung zum Internet besteht. Sehr witzig.

Glauben

Auf wundersame Weise durchlaufen meine Kinder derzeit eine religiöse Phase. Beim Sohn vielleicht noch halbwegs nachvollziehbar, da er sich in einem katholischen Krankenhaus aufhält; bei der Tochter bleibt der Auslöser unklar. 
Es äußert sich unter anderem darin, dass beide Kinder unabhängig voneinander plötzlich das Vaterunser können und rezitieren. Woher der Sohn diesen hot stuff hat, bleibt mir verborgen. Die Tochter entdeckte Matthäus 6, 9-13 gestern Abend in der Chrismon-Beilage aus der Zeit. In dem ihr eigenen Ehrgeiz beschäftigte sie sich die gesamte Vorbereitungszeit fürs Abendessen damit, um es dann zum Essen - wahlweise mit halber Kartoffel oder Bulette im Mund, unser tägliches Brot gib uns heute - auswendig wiederzugeben. Wie schnell sie noch lernen!
Zu Beginn des Abends fragte sie mich, warum es statthaft sei, gegen den christlichen Glauben zu wettern, während man z. B. bei Islamkritik gleich als Rassist gelte. Anschließend irritierte sie mich mit der Frage, ob ich meine, dass sie in den Himmel käme, obwohl sie nicht an Gott glaube, wenn sie aber so täte als ob. Ich war mit dem Logikbruch so beschäftigt, dass ich zu antworten verpasste. Auch gut.
Die Beruhigung kam, als ich ihr zum Ende des Abends die letzten Zeilen des Vaterunser erklären musste (Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit). Was denn das bitte heißen solle? Nachdem ich mich daran versucht hatte, meinte sie: "Ach, das soll heißen, das Gott 'ne geile Bitch ist." Ob es mir sagen soll, die feministische Phase ist noch nicht vorbei?

Dienstag, 4. November 2014

Verbindung fehlgeschlagen

Der Post-Titel könnte das Motto meines Lebens sein. Wenn ich nicht bereits eine mittelschwere Depression hätte, bekäme ich sie spätestens heute. Der Versuch, Festnetztelefon, WLAN und Fernsehen zu installieren, treibt mich auf die Brücke. Mal ganz abgesehen davon, dass man als nicht-krankgeschriebener Berufstätiger nicht die Gelegenheit hat, in Summe mehrere Stunden mit der Telekom zu kommunizieren. Ohne Erfolg natürlich - Ehrensache! Nichts scheint mir demoralisierender als das fortwährende Vor-Augen-Führen des eigenen Unvermögens. Bisher dachte ich immer, keinen IQ knapp oberhalb der Zimmertemperatur zu haben, aber ich mag mich täuschen. Es spricht einiges dafür.
Vielleicht stimmt aber auch die Theorie, die Pharmaindustrie und die Telekommunikationsunternehmen seien gewinnbringend miteinander verbandelt. Die Rechnung geht bestimmt auf: je mehr Verbindungen fehlschlagen, desto mehr Psychopharmaka werden verkauft.

Warum bloß?

Vor langer Zeit wurde ich einmal von einem Bekannten, dem ich beim Auszug half, gefragt, ob ich ein "Putzsystem" habe, das ich mitbringen könne, um die demnächst ehemalige Wohnung in einen mehr als besenreinen Zustand zu bringen. Ich muss ihn damals ziemlich entgeistert angesehen haben. Erstens weil ich die Frage nicht verstand. Was sollte das bitte sein? Zweitens weil ich sie aus einem reinen Künstlerhaushalt nicht erwartet hätte. Man denkt doch: "Bohemiens, allesamt."
Nun endlich, mit Jahren Verspätung ist es so, dass ich wahrhaft stolze Besitzerin eines solchen Putzsystem bin. Ein Angebot beim örtlichen Discounter nahm mich für den "Vileda Ultramat" ein. Diesen musste ich natürlich sofort ausprobieren. Ich gestehe, beschwingt über unseren Boden gewischt zu haben, als ob ich Protagonistin eines Dor-Werbespots sei. Ich frage mich ernsthaft, warum ich dem damaligen Wink nicht früher gefolgt bin.

Montag, 3. November 2014

Nachtrag

Dem aufopferungsvollen Einsatz meines Nachbarn ist es zu verdanken, dass wir dieses Jahr von der Halloween-traditionellen Eierpampe an den Fenstern verschont geblieben sind. Er ist tatsächlich bei Einbruch der Dunkelheit vor unserem Haus auf und ab patrouilliert. Zum Glück war es ein lauer Abend. Blöderweise war seine Aktion vollkommen altruistisch, denn seinen Bereich hat es dennoch erwischt. Die Verfolgung der jugendlichen Missetäter ging jedoch in die richtige Richtung, sprich nicht bei uns vorbei. Man muss auch mal Glück haben.
Übrigens fehlt selbst der Tochter das Verständnis für ihre Altersgenossen: "Wieso Eier? Die sind doch lecker"

Sonntag, 2. November 2014

Doch ein Happy End?

Ich habe etwas Verrücktes getan. Gut, für meine Freunde ist es nicht rasend außerordentlich, denn sie selbst haben sich dem schon öfter unterzogen. Ich dagegen musste erst die Vierzig passieren, ehe ich mir das erste Mal die Wimpern färben ließ.
Buchstäblich von Geburt an bekommt der Sohn Komplimente für seine Wimpern. Und ich seit vierzehn Jahren immer wie das hässliche Entlein daneben, obwohl er meine geerbt hat - mit dem entscheidenden Unterschied, dass seine dunkler gefärbt sind. Ja, es gäbe die Möglichkeit zu tuschen, aber die blöden schwarzen Bröckchen klemmen sich immer zwischen Auge und Kontaktlinse und sind dann kein Spaß. Diese Schweinerei musste also eine andere werden.
Endlich löste ich den Geburtstags(!)-Gutschein fürs Wimpernfärben (nochmals Danke!) ein.
Im Grunde bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Allein die Reaktion der Kinder war ein wenig enttäuschend: die Tochter guckte mir am selben Abend tief in die Augen und fragte hochgradig ungläubig: "Hast du dich geschminkt?" Gerade so, als ob ich das nie im Leben täte. Immerhin fand sie - anders als der Sohn einen Tag später - das Ergebnis ansprechend ("Weil deine Wimpern nicht so geschwungen sind wie meine, sieht es aus, als hättest du Eyeliner benutzt." Na, danke.). Der Sohn stellte - wie gesagt etwas später; Jungs brauchen eben länger - original die gleiche Frage wie seine Schwester, nur dass in seinem Tonfall neben Unglauben auch noch Missfallen mitschwang. Ich hatte eine Art déjavu. Als Abiturientin jobbte ich in der Vorweihnachtszeit in einer Parfümerie und verpackte dort Geschenke. Eine der geschulten Fachkräfte mittleren Alters, selbst im gesamten Radius ihrer Brillengläser (und die waren groß!) pfauenaugengleich getüncht, fragte mich einmal, ob ich mich eigentlich nie schminke. Um sich selbst ihre Frage sofort mit "Ach, Sie sind ja mehr der sportliche Typ!" zu beantworten. Wobei sie durch ihren Tonfall klarmachte, dass besagter Typ, wenn überhaupt, nur marginal über der Batik- oder Ökoschlampe rangiert. Ein wenig verschämt gestehe ich, ich habe mich damals gerächt: 
Wir drogistisch Ungeschulten wurden von den Fachkräften immer wieder darauf hingewiesen, dass wir nur zum Verpacken angestellt seien und keine Verkaufstätigkeit ausüben dürften. Dennoch ließ es sich nicht vermeiden, dass der eine oder andere Kunde uns ansprach - es soll auch solche gegeben haben, die eher auf den sportlichen Typ standen. So kam ein Kunde einmal mit zwei Cremetiegeln auf mich zu und fragte, worin außer im Preis der Unterschied zwischen den beiden liege. Ich untersuchte die Informationen und fand heraus, dass die eine im Gegensatz zur anderen pH-neutral sei. Woraufhin Pfauenauge angeschossen kam, mir die Tiegel entriss und mich zu düpieren gedachte, in dem sie fragte, ob ich denn überhaupt wisse, was das bedeute. Dem Chemie-Grundkurs sei Dank antwortete ich: "Das bedeutet, dass der negative dekadische Logarithmus der Wasserstoffionenkonzentration gleich Null ist." Der Kunde feixte, ihm gefiel der sportliche Typ zusehends besser, und die Fachverkäuferin presste sich ein spitzes "Oh, Sie wissen das aber genau!" ab.
Am Ende waren doch alle zufrieden: die Parfümerie gewann für den Kunden und mich an Unterhaltungswert und die Provision der Profi-Verkäuferin stieg durch den Erwerb des teureren, pH-neutralen Produktes.

Samstag, 1. November 2014

Ein Wunsch

Wenigstens eine positive Nebenwirkung der Erderwärmung sind Temperaturen von 18 Grad im November in Norddeutschland. Wenn jetzt der Klimawandel noch dafür sorgen könnte, dass um diese Jahreszeit die Sonne auch noch etwas höher stünde, wären wir in der Lage, unsere Wochenendfrühstücke auf dem Balkon einzunehmen. Das goutierte ich sehr.

Freitag, 31. Oktober 2014

Mal seh'n

Es könnte mein Glückstag werden. Und das, obwohl heute Halloween oder Reformationstag ist. Der Tag gestaltet sich normalerweise schwierig, weil ich erstens dem Brauchtum nicht allzu zugetan bin und weil ich zweitens aufgrund der exponierten geopolitischen Lage unserer Wohnung damit rechnen muss, dass nach Ablauf des Abends wie in den letzten Jahren eine gehörige Menge Eierpampe an unseren Fenstern kleben wird. 
Nichts holt mich aus der Euphorie, dass ich für nächsten Dienstag einen Arzttermin bekommen habe, von dem ich dachte, er werde frühestens nach Ablauf des Jahres 2015 stattfinden.
Auch nicht der breitflächig umgekippte Espresso heute Vormittag oder die Ankündigung der Tochter, sie müsse demnächst das erste Mal in ihrer Schulkarriere am Förderunterricht teilnehmen - offenbar übersteigen ihre Fähigkeiten in Sachen Trigonometrie meine nicht nennenswert.

Parental Advisory

Endlich habe ich die Wiege der Black Music ausmachen können (Achtung, das ist jetzt nichts für Vegetarier!):
Gestern Abend stellte ich fest, diese Musik eignet sich hervorragend dazu, kleine Hackbällchen zu rollen. Das kam so. Zur großen Freude der Tochter beschloss ich, zum Abendessen Tomatensuppe mit ebendiesen Hackbällchen zu reichen. Dabei ist es natürlich wichtig, die Größe der Fleischeinlage löffelkompatibel zu gestalten. Deswegen kann die ohnehin verhasste Tätigkeit des Klößchenrollens eine lange, lange Zeit in Anspruch nehmen, in der ich mich normalerweise wie das Duracell-Häschen nur mit dreckigen Pfoten fühle. Als gestern meine musikalische Untermalung erst aus den Supremes ("Baby, Baby, Baby, where did our love go...") und dann aus dem neuen Prince-Album (erwähnte ich schon, dass ich es großartig finde?) bestand, ging die leidige Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes leicht von der Hand. Beschwingt warf ich die kleinen Kügelchen in den Suppentopf. Manchmal kann es so einfach sein.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Deal

Nach meinen gestrigen Schmähschriften gibst Du Dir heute endlich wieder Mühe, gegen Deinen schlechten Ruf anzugehen, Herbst! Das nehme ich wohlwollend zur Kenntnis. Schließlich bist Du ja auch nur eine Jahreszeit. Wenn Du jetzt noch ein wenig an den Temperaturen drehen könntest (nach oben - versteht sich!), wäre ich in meiner unendlichen Güte bereit, vorübergehend zumindest auf die Attribute "mies", "Scheiß-" und "deprimierend" in Deine Richtung zu verzichten. Ist das ein Wort?

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Reinkarnation?

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich, wenn ich es nicht schon längst wäre, mit Sicherheit schwermütig würde. An dem es den ganzen Tag nicht hell wird und einen ungefragt fortwährend ein kalter Nieselregen benetzt. An dem ich in allen Vorgärten wie Rumpelstilzchen die dubelige Halloween-Kürbis-Deko zertrampeln und die dunkle Jahreszeit anschreien möchte, dass ich, noch ehe sie richtig angefangen hat, schon die Schnauze gestrichen voll von ihr habe. Dies gilt besonders, wenn man sich an solchen Tagen gezwungenermaßen in der zonal anmutenden Tristesse Rahlstedts/Jenfelds/Hohenhorsts - oder wie auch immer der jeweilige Osten Hamburgs heißt - aufhält. Unvorstellbar, dass ich noch vor vierzehn Tagen mit offenen Schuhen unterwegs war. War das vielleicht doch in einem früheren Leben?

Wat mutt, dat mutt

Die Tochter kündigte an, sie müsse heute für die anstehende Mathearbeit lernen. Pflichtschuldig erkundigte ich mich nach dem Thema, ob ich gegebenenfalls unterstützen könne. Die Antwort lautete "Trigonometrie". Zu meiner Schande musste ich gestehen, dass ich nicht einmal mehr wusste, worum es sich dabei handelt. Langsam kam die Erinnerung an kuriose Taschenrechnerfunktionen zurück, als die Tochter die üblichen Schlagwörter "Sinus" und "Cosinus" brachte. Die Tochter klagte, sie habe über die Ferien alle Formeln vergessen. Formeln, welche Formeln? So viel zum Thema "Fürs Leben, nicht für die Schule Lernen". Bisher dachte ich die vollständige Nutzlosigkeit des Gelernten beschränke sich auf Vektorrechnung. Man lernt so viel durch Kinder!
So zum Beispiel auch vom Sohn, dass bestimmte Essen nur dann "professionell" wirkten, wenn man sie mit Basilikumblättern garniert (!), die man nur für diese Bestimmung vorrätig hat. An diese goldene Regel des Sohnes hielt ich mich auch beim gestrigen Auberginen-Mozzarella-Auflauf. Wohl wissend, dass beide Kinder kein Basilikum mögen und jedesmal akribisch die Profideko heraussezieren müssen. 
Aber - wie der Sohn so treffend sagt: das Leben ist kein Konjunktiv.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Nostalgisches

Eine der wenigen Entscheidungen in meiner Mutterkarriere, die ich nicht nur nie in Frage gestellt habe, sondern nach wie vor eine meiner besten finde, war die für die (damals nannte man es noch Integrations-) Kita der Kinder.
Was gibt es herzerwärmenderes als ein gelispeltes "Der darf das, der ist Autist."? Oder wenn die Tochter ein wahrnehmungsgestörtes Kind aus ihrer Gruppe im Park anherrscht: "Du weißt doch, dass Du keine FREMDEN Kinder schubsen darfst!"

Montag, 27. Oktober 2014

Wetter und Zeit

Sehr nett, die Frage der Tochter heute früh zu ungewohnter Stunde: "Soll es heute eigentlich leichter oder schwerer sein aufzustehen?" Ich erkläre ihr, dass sich so "leichter" anfühlt.
Mittags ist es höchste Zeit, sich auf den sonnigen Balkon zu begeben, wenn man schon beim Arzt erzählt bekommt, man sehe Scheiße aus. In der Hoffnung auf Besserung komme ich also ärztlichen Anweisungen nach. Gerade wunderte ich mich, dass die Sonne so verdammt tief steht und es nur sehr partiell über Dächer und ähnliches zu mir schafft, da fällt mir auf: es sind nur noch acht Wochen bis zum dunkelsten Tag. Ich sinniere noch, ob das als gut oder schlecht zu bewerten ist. Gut ist auf jeden Fall, dass ich besagten Tag in Spaniens Sonne verbringen werde!

Warnung

Hiermit kündige ich schon einmal an, dass ich in demnächst noch unleidlicher sein werde als bei mir jahreszeitlich üblich. Das wird an der unerträglich langen Lücke zwischen altem und neuem Telefonanbieter liegen, in der wir, Hauptleidtragende natürlich die Kinder, wieder einmal ohne WLAN auskommen müssen. Was das mit zwei Halbwüchsigen im Haushalt bedeutet, möchte ich hier nicht darlegen - zu unschön das Ganze.
Als ich heute Nacht nicht schlafen konnte, habe ich mir wahrhaft die Frage gestellt, ob meine Brut mich oder das WLAN mehr liebt. Irre Fragestellung, ich weiß, eben diese verrückten Gedanken, die einen bei Schlaflosigkeit überkommen. Weiß ich doch im wachen Zustand, dass die reibungslose Internet-Anwesenheit in den meisten Fällen deutlich wichtiger ist als meine.
Mein einziger Trumpf: die Performance soll anschließend deutlich besser sein, da steht man doch selbst mit 14/15 eine viertägige Durststrecke durch. Bin mir nur noch nicht sicher, ob es so kommen wird...

Sonntag, 26. Oktober 2014

Wahrheitsfindung

Beim Mittagessen fragt der Sohn die Tochter: "Lispelst du eigentlich auch, wenn du denkst?"
Ungläubige Gesichter.
"Naja, Stotterer stottern in ihren Gedanken ja auch nicht!"
Diese Frage muss schließlich mal gestellt werden. Eine Antwort haben wir leider nicht bekommen.

Wie ein Urlaubstag und doch nicht Thermen an der Heerstraße

Nachdem ich gestern Abend meine mütterlichen Pflichten resp. Fahrdienste erledigt hatte, beschloss ich, noch ein paar Kalorien nachzukaufen; muss halt sein. So kam es, dass ich mit dem geliehenen Wagen nach acht Uhr abends zu REWE in Rahlstedt oder Jenfeld - wer weiß das schon genau? - fuhr. Schon die halboffene Tiefgarage weckte Erinnerungen an Carrefour in Spanien. Als dann noch die Einkaufswagen-Rolltreppe kam, fühlte ich mich nach Gandia versetzt. Dann roch es im osthamburger REWE noch genauso wie bei Carrefour in Gandia. Ich wähnte mich im Urlaub. Gut, das deutsche Angebot im Supermarkt warf mich ein wenig zurück, aber im Großen und Ganzen erhielt sich das ausgelassene Erholungsgefühl.
Wie gut, dass der nächste echte Spanienurlaub gebucht ist. Noch 43 Tage bis zum echten Erlebnis!

Samstag, 25. Oktober 2014

Höchste Zeit

Unglaublich, was ein einzelner sturmfreier Abend alles bewirken kann. Während vorher ein Blick in den Spiegel eine farblose, abgekämpfte Alleinerziehende zeigte, konstatiert später ebendiese ach-so-selbstkritische Mutter Farbe, Leben und ein gewisses Maß an Attraktivität in ihrem Gesicht.
Um es mit den neuen, weisen Worten des gerade wiederentdeckten Prince zu sagen: "You should never underestimate the power of a kiss on the neck when she doesn't expect a kiss on the neck." 

Freitag, 24. Oktober 2014

Unklar...

... ob es meinem Gemütszustand zuträglich ist, aber es liest sich wirklich spannend.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Immer ich

Dass ich als bekennende Herbsthasserin diejenige wäre, die das Laub der umliegenden Bäume - und davon gibt es ganz schön viele! - auffegte, hätte ich am allerwenigsten gedacht. Wofür so ein wenig ärztlich verordnete Tagesfreizeit doch gut ist. Es war wie beim Putzen in der WG, irgendwann habe ich halt aufgegeben. 
Aber es muss wohl mein Glückstag gewesen sein, denn die Pferde der berittenen Polizisten ("Feeerdepolizei" wie die Tochter sagte - hat mich einige Zeit gekostet, ehe ich verstand, wovon sie sprach), die kurz nach meiner Laubaktion vorbeikamen, hinterließen keine Äpfel auf unserem frisch gefegten Weg. 
Eines muss selbst ich dem Herbst lassen: dieses wohlige Gefühl nach vollbrachter körperlicher Arbeit, das noch wohligere Gefühl nach dem anschließenden, wohlriechenden Wannenbad, schließlich will man auch morgen noch die Arme heben können, das hat schon was. 


Back to the roots, Butter Lindner!

Gestern Nachmittag war ich in der U1 unterwegs. So weit, so unspektakulär. Allerdings muss ich hinzufügen, dass mir der Umzug in die Hafencity diese tägliche Freude nimmt. Egal, mir gegenüber saß ein junger Mann mit südländischem Migrationshintergrund. Er war kaum älter als meine Kinder, vielleicht hatte er gerade die Marke der Volljährigkeit passiert, und trug die altersadäquate Kleidung einschließlich einer Baseballcap, die er zuerst richtig herum, später rückwärts aufhatte. So weit, so normal. Meine erste Verwunderung war ihm gewiss, als er aus seiner Hosentasche nicht das obligate Smartphone zog sondern etwas, das wie eine Karte aussah. Richtig überrascht war ich, als er anfing, akribisch WMF-Rabattmarken auf besagte Karte zu kleben. Später durchsuchte er noch sorgfältig seine Brieftasche auf eventuelle, weitere Marken.
Am Ende habe ich als gewiefter Trendscout gerade DIE neue Hipsterbeschäftigung aufgetan? 

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Impfpass

Ehe die Herbstferien vorbei sind, dachte ich, sei es sinnvoll, einen weiteren Versuch auf eine Tetanusimpfung der Tochter zu wagen. Das Glück war uns hold, im vierten Anlauf klappte es gestern tatsächlich. Gut, unsere Impfpässe sind nach wie vor in den Tiefen einer Gemeinschaftspraxis verschollen. Wen kümmern schon diese kleinen Details? 
Anschließend bemerkte die Tochter, dass die Stelle am Arm ein wenig schmerze. Sie schloss die Frage an, ob es wohl die gleichen Schmerzen verursache, wenn sich jemand Heroin spritze. Meine höchst unwissenschaftliche Argumentation war folgendermaßen: erstens spritze man Drogen nicht so tief in den Muskel sondern in die Vene, zweitens sei die Qualität der Nadel entscheidend und drittens sei es wahrscheinlich egal, was man spüre, wenn die Droge wirke. Wer hätte gedacht, dass ich zu diesem Thema etwas sagen kann und soll? Obwohl ich - anders als meine Kinder - keine St. Georg-Sozialisation mitbringe. 

Dienstag, 21. Oktober 2014

Karma

Stoisch habe ich mich damit abgefunden, dass das Telefon, sein Umfeld und ich in diesem Leben nicht mehr die allerbesten Freunde werden. Bisher war mir allerdings auch so, als beschränke sich der Fluch auf das Festnetz. In den letzten Tagen jedoch musste ich zu der Erkenntnis gelangen, die Barriere besteht bei Technik im allgemeinen. Ein Gutteil liegt sicherlich daran, dass meine Interpretation von Ordnung einem gewissen Freistil unterliegt, so dass ich mit der Vielzahl von PINs und PUKs eines Drei-Personen-Haushalts mit zwei Jugendlichen etwas überfordert bin. Erschwerend kommt hinzu, dass mir böhmische Dörfer deutlich vertrauter sind als beispielsweise das Prinzip der iCloud. Dennoch bin ich - gelinde gesagt - ein wenig verstimmt, dass in technischen Dingen in meinem Haushalt nichts zu klappen scheint, schon gar nicht auf Anhieb oder auf Dauer. Gibt es eine unbekannte Macht, die vorgibt, alle Montagsmodelle der Firmen Apple, Sony, Bosch, AEG etc. bitte in Wohnung 4 am Lohmühlenpark?

Montag, 20. Oktober 2014

Jungbrunnen


Gestern spazierten der Sohn und ich über die Lange Reihe. Auf halbem Weg kam uns ein Hipster entgegen, der in seinem Vollbart schief eine nicht anderweitig befestigte Brille hängen hatte. Der offenkundig um sein gepflegtes Aussehen bemühte junge Mann sah damit derartig albern aus, dass ich - kaum dass er uns passiert hatte - wie ein Teenager kichern musste. Ich fing mir indignierte Blicke des Sohnes ein. Er meinte: "Der will doch bloß Aufmerksamkeit. Aber ich lache nicht. Ich fall' nicht darauf rein. Aus dem Alter bin ich raus!"
Man sieht doch gleich, wie sehr mich diese Begebenheit verjüngt hat:

Samstag, 18. Oktober 2014

Aus dem Nähkästchen

Gestern Morgen meinte die Tochter in original diesen Worten, dass "ihr Melancholie fremd sei". Ich hörte es gerne, denn so gibt es keine Diskrepanz zwischen ihrer Selbstwahrnehmung und meiner Einschätzung ihres Charakters. Außerdem reicht eine herbstlich-schwermütige Person pro Haushalt vollkommen.
Sie war fasziniert von Freundinnen, die morgens beim Aufstehen schon merkten, dass es ein Scheißtag werde, und so entwickele er sich dann auch.
Schön, dass ich doch noch einen kleinen Wissensvorsprung habe und ihr das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung erklären konnte. Für irgendwas müssen Mütter ja gut sein.
Am Abend dann wurden die Rollen wieder vertauscht. Als ich Freunden vom aktuellen Lieblingslied des Sohnes erzählen wollte, grätschte die Tochter herein und meinte, es handele sich nicht so sehr um seine favorisierten Klänge als mehr um "guilty pleasure". Ich fand die Bezeichnung großartig. Allerdings frage ich mich seitdem, ob diese Redewendung in jüngeren Kreisen bereits vollkommen etabliert ist und ich wie üblich hinterherhinke. Ach egal, ich darf das, ich bin Mutter!

Freitag, 17. Oktober 2014

¡Bienvenido!

Diesen Herbst denke ich jeden Freitag, unser beschauliches Dorf habe sich über Nacht in eine Bananenrepublik verwandelt. An jeder Ecke steht hier eine größere Ansammlung dunkelblauer Michelin-Männchen, die bis an die Zähne bewaffnet scheinen. Teilweise reden sie auch in fremden Zungen, sächsisch oder so.
Wieso ist nur das Wetter nicht so, wie es einem mittelamerikanischen Junta-Staat zustünde?

Tristesse

Erwähnte ich bereits, dass der Herbst nicht nach meinem Geschmack ist? Komme mir niemand mit schönster Zeit, buntem Laub (Grün ist in meinen Augen viel schöneres Bunt), Bücherlesen (geht auch am taghellen Abend auf dem Balkon sehr gut) oder Heißgetränken (zwei Liter Tee sind bei mir zu jeder Saison Satz)! Herbst, diese überschätzte Jubeljahreszeit, ist doch im Grunde nur der miese kleine Vorbote des Winters. Buntes Laub sagt nur: "Bald liege ich klatschnass auf dem Boden, muss in Säcke gesteckt werden, fühle mich in meiner schleimig-nassen Konsistenz eklig an, mische mich mit getarnten Hundeexkrementen und hinterlasse einen kahlen, grauen Baum!" Auch wenn ich mich eigentlich nicht dem allgemeinen Laubpuster-Bashing anschließen wollte: gestern Morgen wurde ich von diesen Höllenmaschinen im Stockfinsteren noch vor dem Wecker hochgeschreckt. Was spricht eigentlich gegen die gute alte Harke? Deren scharrendes Geräusch störte mich vor sieben Uhr morgens überhaupt nicht; im Gegenteil: es hat etwas beruhigend-einschläferndes. Das wenigstens muss man dem Herbst zugutehalten: er ist nicht ganz so schlimm wie der Winter. Unvergessen, als  der zweijährige Sohn und ich pinguingleich und frierend in den Schneemassen des Jenisch-Parks standen, während die Tochter jauchzend die Hänge herunterrodelte, und er irgendwann jammernd skandierte: "Mama, Spaaaniehen!"
Schön, wenn man in seinen Kindern auch Seelenverwandte hat!

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Neues aus dem Telekomland

Demnächst beginnt die neue Zeitrechnung. Es geht um nichts Geringeres als die Telekommunikation. Ein vitales Thema also. 
Nachdem letzte Woche tatsächlich eine Bestätigung der Kündigung von o2 ins Haus flatterte, kam diese Woche die Auftragsbestätigung der Telekom. Die Lücke zwischen den beiden Ereignissen beträgt lediglich 4 (in Worten: vier) Tage. Da das Festnetz ohnehin seit einigen Monaten tot ist, gibt es hier keine Veränderung gegenüber dem Status Quo. Schwieriger wird es, den Kindern zu eröffnen, dass vom 31. Oktober bis zum 4. November (doch! 2014!) nicht mit WLAN zu rechnen ist. Aufklärung war ein Spaziergang dagegen.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Dunkel

Derzeit bin ich geschockt, wie stockfinster es morgens beim Aufstehen ist. Einen irren Moment lang dachte ich, das sei doch früher nicht so gewesen, und kam mir dabei vor wie die Asterix-Protagonisten, die oft befürchten, der Himmel falle ihnen auf den Kopf. Bis mir die ganz profane Erklärung auffiel: sonst bin ich um diese Zeit immer im Urlaub und damit garantiert nicht in der Stimmung, vor sieben Uhr morgens aufzustehen.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Eins, Zwei, Drei

Die Hafencity zeigte sich gestern zur Premiere ziemlich grau und nass. Ein authentisches Bild eben. Die Umzugskartons waren schnell ausgepackt und verstaut. Der Blick aus den Fenstern des sechsten Stocks beeindruckt. Allerdings stehen die Wahrzeichen in meiner Orientierungslosigkeit an den falschen Stellen; Elbphilharmonie, Michel und Katharinenkirche müssten sich nach meiner Einschätzung woanders zeigen.
Meine Konzentration bei der Arbeit litt zusätzlich etwas, weil ich in der ungewohnten Großraumdisco wahlweise Yankee Doodle oder Itsy Bitsy... im Ohr hatte und jeden Moment damit rechnete, dass jemand "Sitzen machen!" ruft.

Montag, 13. Oktober 2014

Plan vs. Realität

Alles war so schön geplant. In einem Anfall von Aktionismus hatte ich gestern sogar die Fahrradreifen bretthart aufgepumpt. Doch dann kam der Regen. Wer kann damit im Oktober schon rechnen? Dass die Sandalen nicht mehr zum Einsatz kommen: geschenkt! Doch werde ich den Weg zur neuen Arbeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln antreten müssen. Ein Blick in die einschlägige App verrät, dass ich mit Bus und Bahn eine gute halbe Stunde für die lumpigen gut zwei Kilometer benötige. Zehn Minuten Fußweg und mehrfaches Umsteigen sind immer dabei. Wenn ich nicht Kuchen für den Geburtstag einer Kollegin dabei hätte, wäre es eine Option, gleich die ganze Strecke zu laufen. Ich weiß, nach dem Krieg sind wir zehn Kilometer ohne Schuhe durch den Schnee zur Schule gelaufen...
So weit zum Hotspot Hafencity.
Ich glaube, ich nehme doch das Fahrrad, und vertraue darauf, dass es Kuchen und ich unversehrt schaffen.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Astrologische These

Vorgestern trug uns die Tochter vor, was eine Freundin einer neuen Klassenkameradin über unsere Herkunft und Lebensweise zusammenfabuliert hat, und wunderte sich, woher ihre Freundin all' diese Ideen habe. Da besagte Freundin demnächst Geburtstag hat, kam ich auf den verrückten Gedanken, es könne vielleicht mit dem Sternzeichen zusammenhängen. Als astrologische Pfeife habe ich allerdings keine Ahnung, ob Waagen wirklich besonders phantasiebegabt sind.
Mich jedenfalls erinnerte die Geschichte unserer teil-afganischen Herkunft an eine Begebenheit, als die Kinder noch im Kindergarten waren, muss etwa zehn Jahre her sein:
Beim Abholen der Kinder wurde ich von einer Erzieherin des Sohnes auf der Treppe zu unserem Mut und zu unserer Entscheidung beglückwünscht. Ich sah sie etwas fragend an. Naja, meinte sie, es traue sich schließlich nicht jeder seine Zelte vollkommen abzubrechen und mit Kind und Kegel nach Brasilien zu ziehen. Noch fragendere Blicke meinerseits. Sie wusste ganz offensichtlich mehr als ich. In den nachfolgenden Minuten hatte ich größte Schwierigkeiten, sie davon zu überzeugen, dass an der Geschichte des Sohnes - egal wie detailgetreu und wenig kindgerecht sie vorgetragen wurde ("Papas Vertrag beginnt am nächsten Ersten") - wenig bis gar nichts sei.
Und das war nur eine unter vielen Begebenheiten.

Samstag, 11. Oktober 2014

Nichts zu machen

Der Sohn fand 1.750 Seiten Lektüre zum Geburtstag nicht ausreichend. Da er gestern der Bestimmer war, zogen sein lieber Onkel und die liebe Mama zur dörflichen, schwer politisch-korrekten Buchhandlung. Dort angekommen bohrte er comicgleich die Hacken in den Boden und skandierte, er setze keinen Fuß in diesen Buchladen. Auf unsere fragenden Blicke meinte er, das sei eine Element-of-Crime-Buchhandlung. Noch fragendere Blicke der Altvorderen. Er echauffierte sich weiter. In diesem Laden finde er nichts für sich, Publikum wie Besitzer seien EoC-Fans und "lesen Romane von Jochen Gerhard" (bin ja durchaus belesen, aber der ist mir noch nie untergekommen). Zur Ehrenrettung der geschmähten Buchhandlung muss man sagen, dass auch die im Hauptbahnhof nichts für den Bestimmer bereit hielten, in die er sich aber immerhin hineinwagte. Was an deren Inhabern und Besuchern besser ist, wird wohl ein ewiges Mysterium bleiben.


Freitag, 10. Oktober 2014

Time to say goodbye

Mütter wissen das

Eine Konversation mit der Tochter in den letzten Tagen ging um das Wetter am heutigen Tag. Ich freute mich, dass für den Geburtstag des Sohnes schönes Wetter angesagt war. Die Tochter warf ein, dass es, wenn es nach ihrem Bruder ginge, besser wäre, wenn Regen vorausgesagt würde, weil er den doch so möge.
Ich glaube jedoch, dass der Sohn den Regen nicht um des Regens wegen mag. Ich vermute eher, dass es das Wetter ist, bei dem die ewigen Erwachsenenstimmen "Bei so schönem Wetter kann man doch nicht die ganze Zeit drinnen bleiben!" verstummen.
Läuft also alles.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Vertauschte Rollen

Momentan scheint alles etwas verdreht.
Der Sohn bedauert, dass die Beschulung (endlich kann ich dieses tolle Wort einmal platzieren!) im Krankenhaus während der Herbstferien pausieren wird. Die Tochter hingegen freut sich sehr auf die schulfreie Zeit. Besonders groß ist die Freude, weil zwei von "diesen doofen Donnerstagen" ausfallen. Ihr lakonischer Kommentar: "Wenn schon Chemie das beste Fach des Tages ist..."
Außerdem mutiert unser beschauliches Dorf derzeit zur Blaulichthochburg. An allen Ecken zeigt sich, die Welt ist im Wandel.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Verloren

Gerade habe ich eine Wette gegen mich selbst verloren. Meine Prognose war, dass dem Vater meiner Kinder erst morgen auffallen würde, dass sein Sohn am Freitag Geburtstag hat. Nun hat er schon Mittwochabend kurz nach 20 Uhr angerufen. Beeindruckend, bereits 28 Stunden vor dem Saisonhöhepunkt, um es in der Zeitrechnung des Sohnes auszudrücken.

Wendepunkt

Der 7. Oktober markierte in diesem Jahr meine Rückkehr zur Vernunft. Noch am Morgen war das nicht abzusehen, denn ich hielt trotz schlechter Aussichten unbeirrbar an meinen gewohnten Sandalen fest. Es kam, wie es kommen musste: auf dem Heimweg von der Arbeit kam ich in die fetteste Husche des Tages. Meine Füße wurden trotz eingebauten Ablaufs offener Schuhe dermaßen nass, dass ich sehr überzeugend "Begossener Pudel in Grün" performte.
Eigentlich wollte ich nach dieser unfreiwilligen Dusche das Haus nicht mehr verlassen. Doch ich hatte die Rechnung ohne die Gäste gemacht. Die Tochter hatte nach der Schule hungrige Freundinnen mitgebracht. Fürs Abendessen war also wider Erwarten nicht mehr gesorgt.
So ging ich noch schnell Einkaufen. Erst musste ich nach fünfmonatiger Abstinenz die Füße in Socken pressen. Die armen "klaustrophoben Zehen" (der Sohn)! Anschließend folgerichtig noch geschlossene Schuhe. Die waren - auch wenn mich das jetzt als Hausfrau vollends diskreditiert - ungelogen komplett eingestaubt und mit Spinnenweben versehen.
OK, selbst ich habe verstanden: der Sommer ist vorbei.

Dienstag, 7. Oktober 2014

TGIM

Gestern war bekanntlich wieder einmal Montag. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen passte mir das gut. Der Montag entwickelt sich mehr und mehr zu meinem entspanntesten Tag der Woche. Die wenigsten Verpflichtungen, eine vergleichsweise geregelte Struktur und zur Erholung vom Wochenende endlich zeitig ins Bett. Als ich dann gestern Abend noch aus meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz schöpfen konnte, war ich mit dem Tag vollkommen zufrieden. Die Tochter hatte sich mit einer Freundin zum Joggen verabredet. Dies war Teil der von ihr einberufenen Gesundheitswochen (gestern Morgen wies ich sie daraufhin, dass sie den Freitag als Cheat-Day einplanen müsse; sie fragte, wieso, und ich so: "Na, der Geburtstag deines Bruders."). Als sie echauffiert zurückkam, gestand sie, dass sie zwischendrin ein wenig herumgestanden haben, da sie eigentlich Dehnungsübungen hätten machen wollen, ihnen aber keine eingefallen seien. Wie gut für sie, dass ich das mit dem Sport theoretisch sehr versiert beherrsche!

Montag, 6. Oktober 2014

Herbstliche Stimmung

Meine Bilanz des langen Wochenendes fällt eher durchwachsen aus. Zugegeben, es war schönstes Wetter und das gemäßigt lange Ausschlafen hatte auch etwas. Aber meine Taktung unterschied sich nicht wesentlich von Wochentagen, es blieb ständig dieses gehetzte Gefühl, zu allem zu spät zu kommen. Auch die ca. acht Stunden auf der Straße trugen nicht zur Entspannung bei. In Summe hätten sie ein schickeres Ziel ermöglicht als die Pendelei zwischen St. Georg und Rahlstedt. Und dann noch das Wissen, dass dies der letzte Feiertag vor Weihnachten war...
In diese Stimmung passte hervorragend die etwas irritierende SMS des Vaters meiner Kinder mit der Frage, ob ich gerade offline sei. Eine gute Stunde später bedauerte er via Whatsapp, er habe sich "im Adressaten vertan". Ach, was! Wie gut, dass er noch nie zu sehr zu fernmündlich übertragenen Liebesschwüren neigte.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Voraus werfende Schatten

Gestern habe ich mit dem Sohn die Planung für seinen nahenden Geburtstag durchgesprochen. Er hat dabei seine Multitaskingfähigkeiten unter Beweis stellen können, denn mein Eindruck war, er interessierte sich mehr für das Geschehen auf dem Telefondisplay. Nachdem er mir seine Aufmerksamkeit zugesichert hatte, konnten wir zum für einen angehenden Vierzehnjährigen nicht unerheblichen Teil der Planung kommen, dem Essen. Ich fragte ihn, welchen Kuchen er sich wünsche. Die Antwort kam prompt: "Coppenrath & Wiese!". Früher hätte ich mich in meinen Backkünsten verkannt gefühlt, als abgeklärte Mutter sehe ich den praktischen Vorteil: keine Nachtschicht in der Küche.

Samstag, 4. Oktober 2014

Begabung

Derzeit überlege ich, ob ich es bei Wetten dass...? versuchen sollte. In unserem friedlichen Dorf werden meine Fähigkeiten bestens gefördert. Ich kann am Klang unterscheiden, ob Eicheln oder Bucheckern auf Autodächer knallen. Und mich außerdem darüber freuen, dass ich kein wertvolles Fahrzeug auf unserem Parkplatz stehen habe. Der Herbst kann auch seine schönen Seiten haben.

Freitag, 3. Oktober 2014

Geschichte und Biologie

Angeregt durch das nahende Silberjubiläum des Mauerfalls und zwei Dokumentationen über die DDR, die ich gestern sah und die beide als Höhepunkte den November 1989 hatten, fiel mir erstmalig ein Vergleich mit der Naturwissenschaft auf.
Natürlich habe ich mich damals für die Menschen im Osten gefreut, dass sie endlich Freiheit erleben durften. Auch wenn die in vielen Fällen Dosenpfirsiche bedeutete. Im praktischen Leben überwogen allerdings die Unannehmlichkeiten. Anders als die meisten Westdeutschen vermuteten, fühlte ich mich in Berlin (West) nie eingesperrt. Bis zu dem Moment, als die Mauer fiel und die für knapp zwei Millionen angelegte Stadt von zusätzlich mindestens so vielen aus dem Ostteil und dem Berliner Umland bevölkert wurde, die zum größten Teil in stinkenden Trabis aufliefen. Was die dortige Luft - entgegen dem bekannten Liedgut - nur noch schlechter werden ließ. Das nur zur Erklärung, denn immer noch fehlt der Bezug zur Naturwissenschaft.
Jetzt aber: West-Berlin Ende 1989 kommt mir im Nachhinein wie ein Beispiel für Osmose vor, mit der Mauer als semipermeablen Membran. Der halbe Osten war bei uns, während wir nach wie vor die gleichen Hindernisse (Anträge, Kontrollen etc.) hatten, um in den Osten zu kommen. Aber egal, von dieser Osmose werde ich noch meinen Enkeln erzählen können.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Vor der Buchmesse

Gestern wurde ich reich mit Aphorismen beschenkt. Erst die aus gegebenem Anlass selbsterdachten Weisheiten des Kollegen:

Dann die tiefgründigen Worte des Sohnes, wo auch immer er sie aufgeschnappt hat: 
"Das Leben ist kein Konjunktiv."

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Season's Greetings

Über Nacht fühle ich mich um Jahre gealtert. Nicht nur, dass sich der Herbst beim besten Willen und selbst in der Stadt nicht mehr leugnen lässt. Morgens vor der Arbeit muss man das Licht anschalten, abends nach der Arbeit auch. Demnächst dann auch wieder der Heimweg in Dunkelheit, schauderhaft! Auch der Gedanke an die nahenden Herbstferien kann dieses Jahr nichts, denn wir werden zu den wenigen Daheimbleibenden gehören.
Außerdem habe ich mir über Nacht die linke Schulter verlegen und fühle mich bewegungsunfähig. Beginnt jetzt zu allem Überfluss etwa auch noch der Herbst des Lebens?
Der Nächste, der mir sagt, dies sei doch die schönste Jahreszeit bekommt von mir ansatzlos eine gedrückt. Die Rechte funktioniert ja noch. 

Dienstag, 30. September 2014

Ende September

Wenn es jetzt nicht Zeit ist, diesen Monat zu resümieren, dann weiß ich auch nicht, wann.
Meine Highlights dieses Monats waren ein Sommerabend auf dem Balkon, ein Buch und eine CD. Letztere habe ich wohl in meiner Euphorie schon des öfteren erwähnt. Nach wie vor sind "Rette mich (vor mir selber)" und "Dieselben Sterne" meine Lieblingslieder der neuen Element of Crime-Platte. Die Tochter erträgt meine Begeisterung bewundernswert stoisch.
Das schönste Buch dieses Monats war für mich "Drüben und Drüben" von Jochen Schmidt und David Wagner. Die beiden schreiben wunderbar über ihre Kindheit; Ersterer in meinen Augen noch wunderbarer. Zusätzlich ist das Buch auch sehr schön aufgemacht. Ich freue mich schon wie Bolle auf die Lesung am 16.10. im Literaturhaus.
Am besten aber gefällt mir an diesem September, dass ich die offenen Schuhe wohl auch noch im Oktober tragen werden kann.

Nochmals Telekommunikation

Wer hätte gedacht, dass der örtliche O2-Shop so dicht an meiner Lebensrealität ist? Vielleicht war es ein Fall von "Kunden, die ein funktionsfähiges WLAN goutieren, interessieren sich auch für dieses Angebot".
Mich jedenfalls erinnerte es an den letzten Elternabend, als ich von der ins iPad-hämmernden Mutter darauf hingewiesen wurde, dass offene Schuhe nicht statthaft seien, denn der September sei schon ein Herbstmonat.

Junkies

Wie viele Menschen wohl verstehen können, welche Glücksgefühle es in mir auslöst, morgens früh um 7:20 Uhr auf dem Mobiltelefon noch 100% Akkuleistung zu haben? Mit der Netzsuche war es bereits gegen sieben auf irgendwas in den Achtzigern heruntergerockt. 
Dass ich am Morgen wieder auf Spiegel Online gucken kann, was so passiert ist. Schließlich habe ich eine Informationspflicht dem Sohn gegenüber.
Und dass mich das Telefon nicht mehr mit ständigen Nachrichten nervt, für dieses iPhone seien seit 15 Wochen keine Backups mehr erstellt worden. 
Es stimmt vielleicht doch nicht ganz, dass die Tochter die Hauptleidtragende des WLAN-Ausfalls war. Gut, das ist wahrscheinlich die Sache mit der Fremd- und Selbstwahrnehmung. Selbst der Sohn empfiehlt mir telefonisch, jetzt da "wir wieder Internet haben", müssen die Tochter und ich uns unbedingt ein Video mit Bill Simmons ansehen, um dessen komische Stimme zu hören.
Wenn das Abhängigkeit ist, finde ich sie gut.

Montag, 29. September 2014

Neu

Leider muss ich dreckige Details ausbreiten. Hilft ja nichts. 
Der Sohn monierte gestern, dass er sich wegen des im Krankenhaus üblichen täglichen Duschens bereits nach über einem Tag Nicht-Duschen eklig und klebrig fühle. Dabei konnte er vorher nach eigener Auskunft drei Wochen ohne Dusche aushalten, ohne auch nur den Ansatz von Unwohlsein zu spüren.
Der Wahrheit die Ehre können die Tochter und ich mit der neuen Gefühlswelt sehr gut leben.

Sonntag, 28. September 2014

Pippi vs. Conny

Ich gestehe: ich vermisse Jungs im Haushalt über das wochenendliche Brötchenholen hinaus. Es sind die Scherze, die fehlen. Gestern war zum Glück ein Tag mit viel Sonnenschein und viel Männerpräsenz.
Zuerst haben mein Bruder und ich den Sohn im Krankenhaus besucht. In meinem ganzen vorherigen Leben bin ich übrigens noch nicht so häufig in Rahlstedt gewesen wie jetzt in einer Woche. Dort fragte der Sohn, was "draußen passiert" sei. Ich erzählte ihm, dass Deborah Mitford gestorben sei und dass unser WLAN wieder funktioniere. Ersteres interessierte ihn erwartungsgemäß wenig,  Zweiteres dafür umso mehr. Er vermutete - vollkommen richtig -, dass dies seine Schwester sicherlich sehr freue und sie in diesem Moment selig mit mobile devices vor dem Fernseher sitze. Eine sehr zutreffende Situationsbeschreibung. Neben der altruistischen Freude über den reibungslosen Datenfluss fiebert der Sohn sehr seinem Geburtstag "in 1,86 Wochen" entgegen. Der Onkel regte an, er solle dazu übergehen, die Wartezeit in Stunden auszudrücken. Ich habe eine Vermutung, womit der Sohn seine Abendstunden zugebracht hat, denn er überlegte sofort, ob Mitternacht oder Aufwachen um 7:00 Uhr der Referenzpunkt am 10. Oktober seien.
Nach dem Besuch brachten wir Geschwister noch lange bei uns Zuhause zu. Angeregt durch eine Geschichte von Jochen Schmidt, in der er versucht eine Marktlücke zu schließen, indem er einen sterbenslangweiligen, einschläfernden Text als Gutenachtgeschichte erschafft, überlegten wir uns, dass die Source of Business für solche Geschichten unter Eltern bestimmt noch größer sei. Der Bruder meinte, die Lösung sei "eine inverse Pippi Langstrumpf". Ich erwiderte, Conny gebe es ja schon. Der Bruder gab mir recht, ihm fehlten bei Conny allerdings noch "Anti-Tommy und Anti-Annika", die er sich als miese kleine Punks vorstellte. Bei aller Anstiftung zu Schabernack erwidere Invers-Pippi nur, sie sei nicht dabei, denn sie müsse noch die Steuererklärung machen. Freudig rief ich aus: "Ja, und die Kapitalanlage N erst!"
Überraschend nur, dass wir beide nicht gleich am Tisch eingeschlafen sind.