Freitag, 24. Mai 2019

Endlich olympisch

In der Disziplin „Beim Duschen das Badezimmer Fluten“ habe ich es unterdessen zu einer gewissen Meisterschaft gebracht. Zugegeben, selten findet man so perfekte Trainingsbedingungen wie hier in Chișinău vor: eine mit einer Fliesenbreite umrandete Duschtasse in etwa einem halben Meter Höhe (Fliesen natürlich nicht in Richtung Ablauf abgeschrägt - damit rechnen sie bloß!) in Kombination mit einem Duschvorhang, der mindestens zwanzig Zentimeter oberhalb der Randfliesen endet. Da werden sich die hervorragenden Ergebnisse zuhause leider nicht wiederholen lassen. Schade außerdem, dass ich den modernen Dreikampf nicht bestreiten können werde, da ich bisher beim „Handcreme auf die Zahnbürste Drücken“ nicht allzu viel punkten konnte und „Seife ins Klo Flitschen“ auch nicht meine Stardisziplin ist. 



Donnerstag, 23. Mai 2019

Urlaub... Urlaub in Transnistrien

Wer sich noch einmal so jung fühlen möchte, dem sei ein Throwback Thursday in Transnistrien empfohlen. Nur dort kann man sich fühlen wie zwischen November 1989 und Juli 1990. Schrabbeliger Sozialismus gepaart mit Mercedes-Kleinbussen, auf denen „Estrich Müller“ oder „Möbel Weber“ steht. So sieht es aus. Der Besuch im Grenzkontrollhäuschen lässt längst vergessene Transitstreckensituationen aufleben. Die transnistrischen Fachkräfte scheinen von den Besten (Ostdeutschen) gelernt zu haben, was böse Blicke und Unfreundlichkeit angeht. Informationen werden einem nur in kyrillischen Buchstaben zuteil - nicht meine Kernkompetenz. Und doch läuft die Jugend mit dem iPhone X durchs heiße Kontinentalklima, während die Straßen nach wie vor nach Karl Marx und Rosa Luxemburg benannt sind. So spannend es ist: am Ende ist es im Westen - naja fast: Chisinau - eben doch am schönsten.



Dienstag, 21. Mai 2019

Euro heißt jetzt Lei

Vor Jahren gab es einen albernes Buch „Molwanien - Land des schiefen Lächelns“ oder so. Meine grandiose Geschäftsidee ist eher, einen echten Reiseführer über Moldawien herauszubringen. Den kann man nämlich bisher nicht bekommen. Ich erwäge schon, das Wort Beschaffungskriminalität wieder in meinen aktiven Wortschatz aufzunehmen. Einige Buchhandlungen und Orte mit angeblicher Tourist-Info haben wir schon abgeklappert. Vergebens. Selbst Postkarten scheinen hier so verfügbar wie Austern. Dafür kann man in vollen Zügen Sozialismus-Reminiszenzen genießen. Wein und Essen sowieso. Der Titel meines zukünftigen Oeuvres steht schon. Es wird „Moldawien - Land der Martinshörner und stillgelegten Wasserspiele“ heißen.



Montag, 20. Mai 2019

Urlaub... Urlaub in Moldawien

Schon der Hinflug wird zum Erlebnis. Purser aka Lufthansa-Stewardess erklärt den Fluggästen mit den Plätzen vor den Notausgängen auf deren Grunzen hin in feinstem Englisch und epischer Breite, was es mit diesen Plätzen auf sich habe. Sie fragt anschließend in gleichem Idiom, ob sie damit einverstanden seien und dort sitzen bleiben wollen. „Hanoi, wenn Se koi Alternative hen?“, lautet die Antwort. Vor Schwaben macht die Globalisierung schon noch Halt.
Der Flughafen in Chişinău braucht den Vergleich mit St. Peter auf Jersey oder Rennes nicht zu scheuen. Größe und Lage auf grüner Wiese scheinen in etwa gleich, doch sanitär macht man hier mehr her. Dagegen kann der Frankfurter Flughafen nicht anstinken - oder vielleicht doch?
Die Taxifahrt zum original zonalen Hotel verläuft unproblematisch. Durch eine angenehm ereignisarme Landschaft. Im Hotel selbst bekomme ich ein wenig Angst vor der eigenen Courage. Aber als Mutter meiner Kinder kann ich nur sagen: das WLAN funktioniert. Außerdem sind die Empfangsdamen sehr freundlich. Dass der Kommunismus nun schon einige Jahre passé ist, dafür kann das Hotel ja nun wirklich nichts.

(Sie nennen es „Interessant“)



Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang

Nachdem es sehr spät begann, jagte dieses Wochenende ein Höhepunkt den nächsten. Meine Füße sehen das allerdings anders. 
Freitag am späten Abend ein Konzert, stehend verbracht, Ehrensache.
Sonnabend viele Einkäufe: Geburtstagsutensilien für den nahenden Vater, Kalorien für den Sohn und Last Shopping vor Abflug in den Postsozialismus. Auf der Habenseite: weniger Stehen als am Vorabend. Dafür mehr Strecke. Irgendwas ist immer. Für die Füße weniger erfreulich als fürs Herz war dann das überraschende, Glück, mit meiner Geschenkkleinigkeit das bisher opulenteste Präsent des diesjährigen Jubiläums übergeben zu haben.
Sonntag dann - wer hätte es gedacht? - wieder Stehen. Da drei Stunden Konzert nicht ausreichen, war der HVV so nett, die S-Bahnfahrt zur Hin- und Rückfahrt so dicht gedrängt zu gestalten, dass nichts blieb als - wie soll es anders sein? - Stehplätze. Doch wer braucht schon Füße, wenn er Sven Regener singen und trompeten hören kann? Richtig: niemand! 

Anfangs verwunderte uns die vergleichsweise geringe Deutschlehrerzauseldichte; die langjährige Testreihe zeigte bisher andere Ergebnisse. Dann fiel uns ein, dass viele von ihnen vielleicht noch nicht rechtzeitig aus den Ferien zurückgekehrt waren. Die These wurde gestützt durch ein Flugzeug nach dem nächsten, das über den Himmel des Stadtparks in Richtung Fuhlsbüttel zog.
Die kurze Zeit im Bett verbrachte ich anschließend anstelle von tiefem Schlaf mit der Frage, was eigentlich an einer Hüfte noch wehtun kann, wenn sie großflächig ausgeräumt wurde. Egal, solange sie es beim frühen Aufbruch nicht mehr tut. Jetzt beschäftigt mich nur noch, was wohl Endoprothese auf rumänisch heißt. Zu mehr ist ein verschlafenes Hirn am Montag nicht fähig.

Freitag, 17. Mai 2019

„Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses“

Novembertristesse allenthalben. Kalt und nass. Ich trage keine offenen Schuhe mehr, weil ich an den vorangegangenen Tagen derart kalte Füße hatte, dass ich deswegen nicht einschlafen konnte. Man muss wissen, wann man verloren hat. Dann ist auch noch einer der letzten literarischen Helden meiner Jugend gestorben. Mit nur 57 Jahren. Nicht vergleichbar, doch es passte ins Gesamtbild, dass bei der Arbeit kurz nach Vollendung meines Lebenswerkes dessen Datei gelöscht wurde und von unserer noch so findigen IT nicht wiederhergestellt werden konnte. Also den ganzen Spaß von vorne und am Freitag gegen 20:30 Uhr endlich die völlig verwaiste Hafencity verlassen. Dreckstage eben, die die volle Punktzahl mitnehmen wollen. Es gibt wohl stimmigere Einstimmung aufs Wochenende. Aber vielleicht die passende Enleitung fürs Gute-Laune-Konzert von Element of Crime am Sonntag im Stadtpark? Bei Gewitter, versteht sich.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Hamburg, Freude, 11°

Für einen kurzen Moment freute ich mich, den Teebeutel ausnahmsweise nicht im heißen Wasser versenkt zu haben. Bis ich feststellte, dass ich ihn neben die Kanne hielt. Das Wasser wollte sich farblich einfach nicht verändern. 
Ebenso kurz war die Freude über den sturmfreien Abend. Wusste ich zwar, dass der Sohn sich selbst für seine Verhältnisse zuhause den Magen ziemlich vollgeschlagen hatte. Er würde nicht wie sonst aus Hungergefühlen nachts von seiner Schwester nach Hause kommen („Lecker können sie nicht.“) und sich gegen 1 Uhr ein Pfund Nudeln oder ein Kilo Kartoffeln mit Soße zubereiten. Doch wie hätte ich die spontane Freiheit, abgerockt von einem Arbeitstag, nutzen sollen? Und dann das schlechte Gewissen: Bin ich eine herzlose Mutter, dass ich mir planbare, kinderfreie Abende wünsche? Ich denke nicht. Schließlich ist der gedachte Wunsch lange nicht so lieblos wie die Frage des Kindes, um wie viel Uhr genau ich denn aus dem Urlaub zurückkomme, damit er seinen Besuch an mir vorbeischleusen kann.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Ein, zwei Wunder?

Nach zwanzig Jahren Mutterdasein sollte es mich nicht mehr überraschen. Doch dann passiert immer wieder genau das. Während wir fernsehen, frage ich den Sohn, woher Christian Pulisic eigentlich komme, und rechne mit einer Antwort wie Australien oder Kanada. Statt dessen meint er nur beiläufig: „Hershey, Pennsylvania. Da, wo die Schokolade herkommt. Du kennst doch die Hershey Bars, oder?“ Um sich dann wieder seinem Telefon zu widmen. Wieder einmal bin ich beeindruckt, was sich neben BIP-Ranking, Nationalfeiertagen, japanischen Vokabeln, französischen Liedtexten, NBA-Insights und Sonstigem alles in diesem Kopf befindet. Ich könnte sicherlich noch fragen, wie alt besagter Fußballspieler (oder irgendein anderer aus egal welcher Liga) sei und wie viele Tore oder Assists er in den letzten fünf Spielzeiten erzielt habe, und bekäme keine falsche Antwort. Kurz bevor ich beseelt denken kann, mindestens ein Wunderkind in die Welt gesetzt zu haben, fällt mir wieder ein, das es sich bei ihm um genau den Achtzehnjährigen handelt, dem nicht beizubringen ist, dass man Mayonaise-Gläser nach Gebrauch schließen sollte, dass die von ihm als „Käfer“ identifizierten Lebewesen auf dem Basilikum Blattläuse sind und dass man Spülmaschinen selbsttätig befüllen kann. Dann ist wieder alles normal.

Dienstag, 14. Mai 2019

Aus gutem Grund

Ein Vorteil des regelmäßigen Jobwechsels ist der, immer relativ aktuelle Fotos von sich zur Hand zu haben. Zumindest solche, die eben nicht für den Hausgebrauch sind. 
Ein Nachteil des regelmäßigen Jobwechsels ist der, dass häufiger als verträglich Fotoshootings anstehen. So auch gestern. Ich wachte auf mit der Erkenntnis, dass es wohl spätestens ab der Gegenwart keine Fotos mehr von mir geben wird, mit denen ich zumindest zufrieden bin. Da war ich nicht einmal aufgestanden; das heißt, ich hatte noch nicht in den Spiegel gesehen. Mit den eigenen Bildern war ich schon immer recht kritisch. Im Gegensatz zur Tochter kenne ich auch keine vorteilhaften Posen (oder solche, die sie dafür hält) fürs eigene Gesicht. In der Vergangenheit waren es meist die Schnappschüsse, bei denen ich das Fotografieren gar nicht mitbekommen habe, die die besten Ergebnisse lieferten. Doch auch das Äonen her, als Pandaaugen und knittrige Haut noch die Probleme anderer waren. Zu so viel Motivation fürs Aufstehen kamen das übliche Montagsfeeling und die Temperaturen, die mich schon seit Tagen davon abhalten, rechtzeitig das Bett zu verlassen. 
Doch was soll ich sagen? Der Fotograf, Typ Jürgen Klopp, schaffte es trotz all‘ dieser Hindernisse ein Bild zu erzeugen, mit dem ich ohne Probleme leben kann. Motivation ist eben doch - fast - alles. 
Damit ist jetzt in Stein gemeißelt, dass ich so schnell nicht wieder den Arbeitgeber wechseln darf.

Montag, 13. Mai 2019

Nachlese

Eigentlich halte ich es wie meine Mutter. Muttertage sind mir herzlich egal. Weswegen ich meine Umwelt auch blöde-unwissend angucke, wenn sie mir im Vorfeld wünscht, mich Sonntag richtig feiern zu lassen. Weswegen ich auch kein allzu schlechtes Gewissen haben musste, meine Mutter gestern nicht zurückgerufen zu haben. Stattdessen haben wir lieber Tatsachen sprechen lassen und den Balkonbereich der elterlichen Wohnung auf Zack gebracht. Eine innere Genugtuung schon allein deshalb, weil wir den Kontrast zum Nachbarbalkon herausgearbeitet haben. 
Auch wenn der Tag keine symbolische Bedeutung für mich hat, freue ich mich, wenn die Tochter erst über WhatsApp gratuliert und später noch vorbeikommt. Wenn sie mir Donuts mitbringt. Wenn sie zum Essen bleibt, die improvisierte Mahlzeit über den grünen Klee (Spargel?) lobt und sich anschließend wünscht, wir mögen alle dicht gedrängt nebeneinander auf dem Sofa sitzen und uns zauberberggleich Decken über die Beine legen, weil das so gemütlich sei. 
Wahrscheinlich kein hundert Prozent traditioneller Muttertag, aber schön.

Schön auch, wie ich einem der mitgebrachten Donuts schnell eine neue Bedeutung geben konnte. Als empathische Mutter möchte ich schließlich den Sohn nicht brüskieren, der den Tag komplett vergaß. Das hat er wohl von mir.




Freitag, 10. Mai 2019

Ins Wasser gefallen

Aus meinem Beauty- und Wellnessabend wurde nichts Richtiges. Als ich nach einem relativ langen Arbeitstag nach Hause kam, fand ich den Sohn missmutig vor. Wenn es nur der Unmut über fehlendes, „leckeres Essen“ gewesen wäre, hätte ich es als jugendlichen Klangteppich geübt ausblenden können. In diese Art der Frustration mischte sich jedoch der Ärger über seine (selbst) vergurkte Frisur. Um sich endlich wieder ohne Cap, Bandana oder Schlumpfdecke (kein Witz!) aus dem Haus trauen zu können, versuchte er mich für die Korrektur zu gewinnen. Eigentlich hatte ich bereits Dienstagabend abgelehnt. Doch gestern kam er mit neuen Argumenten: er könne erst duschen, wenn die Haare nachgeschnitten seien. Ein geschickter Schachzug, spekulierte ich doch auf baldigen Zugang zur Badewanne. So stand ich also - unter genervtem Murren, noch im „kleinen Grünen“ (der Chef) - mit dem Sohn im Badezimmer und versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war. Es war nicht hilfreich, dass er vorher die Haarschere zerstört hatte (aus Wut?), denn der Haarschneider und ich lebten bisher nicht im gleichen Sonnensystem. Erschwerend kam hinzu, dass ich abgekämpft und hungrig war. Dennoch drückte er mir die Maschine in die Hand, die ich pflichtschuldig über seinen Hinterkopf gleiten ließ. Nichts passierte. Ich hatte ihm vorher noch das Versprechen abgenommen, er müsse sich um die Haarentfernung aus dem Bad kümmern, und zwar anständig! Jetzt produzierte ich kein einziges abgeschnittenes Haar. Ich fing an, den Haarschneider zu analysieren. Und verstand, die Einstellung „16 mm“ erreicht den Kopf bzw. die Haare gar nicht. Mein Vorschlag, das Gerät auf 4 mm einzustellen, rief beim Sohn Panik hervor. Aufsatzlose Haarschnitte haben beim Sohn wohl Traumata ausgelöst. Unversöhnlich quakten wir uns an. Es endete damit, dass ich entnervt eine Schere aus der Küche holte und mich damit ans Werk machte. Ich bleibe beim Slogan meiner Kindheit und Jugend: „Was Friseure können, können nur Friseure.“ Das Ergebnis meiner Bemühungen verringerte zwar die Auffälligkeit der hellen Kurzhaarzonen, jedoch um den Preis von vielen Rillen im Gesamtbild. Ein frustrierter Sohn fegte seine Haare weg, eine frustrierte Mutter zog sich zurück. Immerhin, ein wenig Wellness brachte der Abend doch noch: als ich das Kleid gegen einen Onsy ersetzt hatte, wurde es wenigstens gemütlich.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Und sonst?

Das Leben plätschert so vor sich hin. Die Vier-Tage-Woche hat den Sprung aus der Beta-Version in den Normalbetrieb wohl nicht geschafft. Die offenen Schuhe bleiben weiter zu Hause. Immerhin beschweren sie sich nicht. Dinge, die zu tun sind, werden entweder vergessen oder wissentlich verdrängt. Was soll man auch sonst mit Aufgaben anfangen? 
Was als schöne Zweisamkeitsaktion geplant war, wurde es auch; aber eben nicht mehr. Der Sohn und ich waren gleichermaßen enttäuscht von den letzten Folgen Ripper Street. Küchenpsychologisch unplausibel plus unmotiviertes Aufwärmen ehemaliger Charaktere. Wer die Serie bisher mochte, dem sei empfohlen, es bei drei Staffeln zu belassen. Glaubt mir, es ist besser so. Das unbefriedigende Ende der Serie trug übrigens nicht zur besseren Verarbeitung eines weiteren ebensolchen für den Sohn bei: Er wütete am späteren Abend über Ajax‘ Niederlage. Seine Enttäuschung war so groß, dass er gleich unkte, jetzt werden die Spurs auch das Finale gewinnen. Es wird bös enden. 
Ich dagegen kann tief in mein Zweckoptimismuskästchen greifen: meinem Beauty- und Wellnessabend steht heute nichts mehr im Weg. Damit wäre sogar eine der vielen Aufgaben erledigt.

Dienstag, 7. Mai 2019

You’ll never walk alone

Eigentlich wollte ich davon berichten, wie ich mich zum Wäscheaufhängen und -einsortieren motiviere. Nämlich indem ich einzelne Socken ganz weit von einander aufhänge und dann beim Zusammenführen Memory spiele. Oh, wieder ein Paar! Ich darf nochmal, ich habe gewonnen! 
Doch dann kam der fulminante Liverpool-Sieg - und ich kann sagen: der Haussegen hängt jetzt so dermaßen  gerade. Bei mir lassen sich allerdings gewisse Ermüdungserscheinungen feststellen, was das letzte Origi-Tor angeht. Das habe ich unterdessen schon etwa 14mal gesehen. In der französischen, englischen und spanischen Variante. Doch wir müssen wohl alle Opfer bringen.

Montag, 6. Mai 2019

Überraschungen

Den ganzen Winter habe ich es nicht getan. Heute früh habe ich das erste Mal nach vielen (Winter!-)Monaten ein Bad genommen. Endgültig den Ausschlag gaben die kalten Füße, die auch über Nacht nicht aufwärmen wollten. Zugegeben, die Nacht war kurz, da der Sohn und ich gestern in trauter Zweisamkeit vor einer, noch einer und dann noch einer weiteren Folge Ripper Street versackt sind. Er ersetzte dabei ohne Abstriche die fehlende Tochter/Schwester, indem er mich wahlweise nach der vorangegangenen Handlung fragte oder mir tolle Dinge auf seinem iPhone-Display zeigte. 
Apropos abwesende Tochter: tagsüber habe ich damit zugebracht, ihr verlassenes Zimmer zumindest in Ansätzen wieder bewohnbar zu gestalten. Vorher sah es für - sagen wir - Sie-Ist-Übers-Wochenende-Auf-Dem-Land überraschend aufgeräumt aus. Aber eben nicht nach Auszug. Meine nächste Stufe wird wohl heißen, kategorisches Wegwerfen anzudrohen. Ein Move, den ich gewöhnlich mehr als vieles andere scheue. Aber Aufräumen eigentlich auch. Mal sehen, wann ich mir mal wieder Arbeit mit nach Hause nehme. Dann sollte es klappen. Ging doch gestern auch. Positiver Nebeneffekt: der Sohn war ob meines Werkes beeindruckt und bot an, den Müll rauszubringen und die Parkplatzkette vorzulegen. Sein Argument: „Mama, Du hast schon so viel geschuftet.“ Ich glaube, langsam erwachsen zu sein, denn mein Übliches „Allet mit Deine Hände“ habe ich mir gekniffen. War allerdings auch noch nicht Muttertag.

Samstag, 4. Mai 2019

Du fehlst

Obwohl ich im Gegensatz zur letzten Woche ausreichend Nachtschlaf hatte, starrte ich stumpf auf die Straße. Schließlich entdeckte ich den Bus. Den vorangegangenen hatte ich wie üblich zielsicher verpasst. Es hat mich peinlich lange Zeit gekostet zu begreifen, dass dieser Bus nicht NACH Modering (igitt!), sondern ZUM Modering fährt. Zum Glück war der Bus mit ausreichend Literatur ausgestattet (für die Brut ist dies ein untrügliches Zeichen, sich auf dem Land zu befinden), um die fehlende Denkleistung zu kompensieren. „Kajak und Canadier“; Weltliteratur, von der man noch viel lernen kann.



Freitag, 3. Mai 2019

Ja, ist denn scho‘ Mai?

Wenn ich ab September notorisch vorgehalten bekomme, wie unvernünftig es sei, im „Herbst“ barfuß in offenen Schuhen unterwegs zu sein, möchte ich im derzeit amtierenden Herbst auch hören, wie unglaublich vernünftig ich sei, die Schuhe des Winters aufzutragen. Es liegt nämlich nicht ausschließlich daran, dass meine Füße wieder einer Aufarbeitung bedürfen. Nein, es hat vor allem etwas mit erwachsenem Verhalten zu tun. Und Dankbarkeit. Schließlich hat mich letztes Wochenende nicht - wie zu befürchten stand - eine Blasenentzündung befallen. Ich kann eine weitere Entwarnung geben: Meine Statistik, fünf Monate des Jahres mit offenen Schuhen herumzulaufen, ist dennoch nicht gefährdet. Es gibt einige Bonustage aus dem April zu verbuchen. 
Doch ein wenig ärgerlich ist es schon, dass sich dieses Jahr gedacht hat: Komm‘ lieber Mai und mache... es endlich wieder schön kalt!

Donnerstag, 2. Mai 2019

Auf zum ersten Mai


Statt mir auf ewig dankbar zu sein für 1A-Catering am Vorabend, sprühte der Sohn gestern zum ersten Maifrühstück Deo durch den Raum („Das riecht so gut.“ Laut seiner Angabe wie eine Mischung aus dem Rasierwasser des spanischen Nachbarn - „Ich mag den Geruch!“ - und „Omas Haarspray“). Wären meine Atemwege nicht so belastet gewesen, hätte ich wahrscheinlich entspannt gelacht über seinen Kommentar: „Mit 13 wäre das jetzt als Dusche durchgegangen.“ So war mir eher nach Röcheln zumute. 
Mir scheint, er zeigt mir seine Dankbarkeit einfach anders. Schließlich verabschiedete er sich anschließend mit folgenden liebevollen Worten von mir, als er zu seiner Schwester ins Schanzenviertel ging: „So, ich gehe dann mal ein paar Steine schmeißen.“

Dienstag, 30. April 2019

Ein Zeichen?

Sollte oder muss ich es gar irgendwie deuten, dass die Hautcreme, die mir die ehemalige Chefin zum Abschied schenkte, hässliche Hautreaktionen hervorruft? Nach dem letzten Wochenende, als ich mich nicht nur kaputtgespielt fühlte, sondern auch so aussah, fand ich es angebracht, die Supi-Dupi-Naturkosmetik-Nachtcreme auszuprobieren. Und was habe ich jetzt davon? Hautreaktionen, wie ich sie zu härtesten Teenagerzeiten nie hatte. Einziges Problem daran: Wenn es ein Zeichen sein soll, verstehe ich die Message nicht. In jedem Fall liegt es wohl an mir.

Montag, 29. April 2019

Wochenanfang

Als ob der bloße Montag nicht reichte, hob dieser die Alltagskeule und schlug voll zu. Frühes Aufstehen, herbstliches Ambiente, Regen und Excel-Dateien in 8 Punkt. Also mehr Tristesse als Ende April handelsüblich. Vielleicht normal nach einem schönen Wochenende, an dem ich mir selbst und anderen glaubhaft folgendes Motto versichern konnte:

Seit heute gelingt mir das nur noch mäßig. Der einzige Trost: heute ist ein gefühlter Donnerstag.

Sonntag, 28. April 2019

Falling In Love Again

Egal, wie behaglich es im Dorf ist, kleine Fluchten seien wichtig, heißt es. Dem wollte ich mich natürlich nicht widersetzen. Und so fror ich Freitag tagsüber in meinem Dress aus Sommerkleid und Strickjacke. Denn in Berlin sei es auch abends sommerlich, hieß es. Stimmte auch; allerdings konnte ich mir dafür den ganzen schäbigen Tag in Hamburg nichts kaufen. 

Immerhin, Sven Regener hatte nicht recht mit seinem „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“. Es wurde zwar dunkel, aber nicht kalt. Wie bärtige Karohemden-Hipster fuhren wir mit Leihfahrrädern durch die Stadt. Die Begleitung war vermutlich nur nachsichtig genervt von meinem Frohlocken „Endlich im Westen!“, als wir den Checkpoint Charlie passierten. Ich gestehe: Bei mir steht die Mauer im Kopf allein deswegen noch, weil mir das gute alte West-Berlin vertraut und heimatlich vorkommt. So nahm meine Verzückung stetig zu, je dichter wir an den alten Kiez kamen. Der Mitfahrer nahm es zum Glück gelassen. Auf dem Rückweg regnete es gar. Selbst das konnte die Stimmung nicht trüben, roch die Berliner Luft doch gleich noch besser (Kopfnote: „Sommerregen auf märkischem Sand“). Es wurde dunkel und spät in Berlin.
Entsprechend müde die Lage 24 Stunden später auf der Rückfahrt in die Hansestadt. Da konnte auch der charmante tschechische Snack-Verkäufer mit seinem Kaffee nicht viel ausrichten.

Wer jetzt denkt, das sei die Quittung für eine kleine Flucht, hat vielleicht nicht ganz unrecht, aber springt etwas zu kurz. Während sich seine Mutter in Berlin herumtrieb, hatte der Sohn in Hamburg seinen Schlüssel verloren. Immerhin war es ihm in der Wohnung aufgefallen. Aber er fand ihn dort nicht, vermutete ihn stecken gelassen zu haben und hatte eine unruhige Nacht, in der er unliebsame Besucher befürchtete. In Sachen Schlafdefizit passten wir also gut zueinander. Ansonsten war ich genervt. Tauschte aber dennoch - aus der Heimwerker-Kategorie „Bock zum Gärtner“ - das Schloss aus. 
Ich vermute, den Schlüssel werde ich demnächst im Kühlschrank oder an einem vergleichbaren Ort wiederfinden. 

Freitag, 26. April 2019

Endlich Freitag

Der Tag ist dein Freund, wenn du erst von fremden Menschen auf der Straße, dann von Kolleginnen auf der Toilette auf dein schönes Kleid angesprochen wirst. Wenn hinzukommt, dass dir all das am Freitag widerfährt, kann es sich zusätzlich zuträglich auf die Stimmung auswirken. Läuft, denkst du dir, und freust dich noch mehr auf den nahenden Feierabend. Selbst die zeitlich höchst ungenehmen Pickel im Gesicht strahlst du weg.
Weniger freundlich ist der Tag, wenn du feststellen musst, das Kleid schafft zwar Komplimente, mag auch in Erwartung des Kontinentalklimas angemessen sein, doch was es nicht kann, ist dich in Hamburg ausreichend warm zu halten. Immerhin, wenn ich demnächst erkältet sein sollte, muss ich mir nichts vorwerfen: ich trage ausnahmsweise Strümpfe.

Donnerstag, 25. April 2019

In einem Dorf im April

Hatte ich bereits erwähnt, ganz gerne in unserem beschaulichen Dorf zu leben? Ich kann es mir kaum vorstellen.
Der Frühling im Dorf ist besonders schön. Selbst wenn es regnet. Denn es roch gestern zum ersten Mal erdig nach Sommerregen. Dann begegnete mir (wir beide auf dem Fahrrad) etwa 500 Meter von zuhause entfernt der Postbote. Er begrüßte mich mit Namen. Da ich den Gruß nicht entsprechend retournieren konnte, war ich kurz versucht, mit „Salut Facteur!“ zu antworten. Ließ ich dann bleiben, weil ich die Replik „Salut Boucher!“ scheute. In jedem Fall sprach er mich auf meinen Mädchennamen an, warum der nicht mehr am Postkasten stehe. Ob er die Post trotzdem noch einwerfen solle? Die letzten 20 Jahre sind bei uns im Dorf aber auch wie im Flug vergangen!

(Ich nenne es: „Aprilfrisch, das Gebot des Monats“)

Mittwoch, 24. April 2019

Dienstag ist der neue Montag

Eigentlich freute ich mich auf Osterdienstag. Zugegeben, weniger wegen der Arbeit. Mehr wegen der Gelegenheit, den großen Frank Schulz wieder einmal live zu erleben. Doch auch dies stellte eine Liebe mit Hindernissen dar. Irgendwie fühlte ich mich zu verwittert, um innerhalb eines Monats zweimal „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ zu spielen. Doch was blieb mir anderes übrig? Schon die letzte Stunde des Arbeitstages verbrachte ich zu nicht unerheblichem Anteil damit, eine Begleitung für meine zweite Karte zu finden. Alle Fans, alle, für die es ein Heimspiel gewesen wäre, - ach, was sage ich? - alle um mich herum wurden befragt. Dass ich meine Begeisterung für den großen Meister nicht an meine Nachkommen weitergegeben habe, ist vielleicht mein größtes pädagogisches Scheitern. Die Brut war also raus. Alle anderen allerdings auch. Ich ging wohl oder übel allein los. Und blieb es auch bis zu meinem Platz, denn ich war nicht die Einzige mit überschüssiger Karte. Dort jedoch konnte ich einen Suchenden glücklich machen. Mit meinem Nachbarsitz. Wir blieben bis zum Ende des wunderbaren Abends beim Sie. In seiner Dankbarkeit spendierte mir der namenlose Nachbar ein Getränk. Beides hatte viel Tröstliches.

Dienstag, 23. April 2019

Ostersonntag/-montag

„In den Tag hinein lesen“ war das Motto der diesjährigen Ostertage. Es half dabei, den virtuellen wie den physischen Bücherberg abzuarbeiten. Dass dabei die aktuelle Zeit auf der Strecke blieb: Schwamm drüber! Die Sonne schien. Während ich auf dem Balkon saß, las und mir den ersten Sonnenbrand des Jahres einfing (Gesicht eincremen reicht manchmal eben nicht aus), sah die Brut beim amerikanischen Netflix die neuesten Folgen von „The Office“ im angenehm kühlen Wohnzimmer. Ist auch viel wichtiger, dass sie, die sie noch deutlich unter 40 sind, keinen Sonnenbrand bekommen. Obwohl ich vermute, dass das nicht ihre vordringliche Intention war.

(Ich nenne es: „Nach langem Warten auf die Jugend bzw. getaner Arbeit schläft der Osterbeagle ermattet ein“)

Sonntag, 21. April 2019

Karsamstag

Nach guter alter Sitte war der Tag vor allem durch den Besorgungsmarathon bestimmt. Zwei freie Tage hintereinander, da gilt es einzukaufen, als ob der nächste Weltkrieg naht. So zumindest kam es mir beim Scannen der benachbarten Einkaufswagen vor. Besonders nett die „Dame“ vor mir in der Kassenschlange, der, nachdem sie alles aufs Band gelegt hatte, einfiel gehen zu müssen. Als sie länger nicht zurückkam, schob ich mich mit meinen sechs Teilen in der Hand vor ihren Wagen, um meine Sachen vor ihre zu legen. War klar, dass sie genau in dem Moment wiederkam und mich natürlich anquakte, sie sei vor mir (ernsthaft?). War genauso klar, dass ich meine zwei 500g-Nudelpackungen (Tagessatz des Sohnes) ungenau aufs Band warf; genau dorthin, wo sich ihre im Nachhinein ergatterten fünf bescheuert-blauen Kinder-Osterhasen befanden. Mein geheucheltes Tschuldigung wirkte zwar nicht deeskalierend, aber katharsisch - für mich zumindest. Nach so viel Anstrengung war Chillen auf dem Balkon besonders verlockend. Und verdient allemal. Da ist es aber auch schön:

(Ich nenne es: „Meine Ameisen sind süchtig nach Elektro. I‘m gonna call DJ Kammerjäger.“)

Samstag, 20. April 2019

Karfreitag

In der Nacht träumte ich, der Chef habe lautstark in die Runde geworfen: „Die Haare an den Zehen müssen auch entfernt werden.“ Das mag richtig sein. Dennoch beschäftigte mich im Schlaf vor allem die Frage, wo sein guter Vorsatz geblieben ist, sich sprachlich nur noch im vollkommen korrekten und zulässigen Rahmen zu bewegen. Erst danach versuchte ich auf meine Zehen zu sehen, um mich von ihrem Zustand zu überzeugen. Dabei musste ich feststellen, dass ich sie auf die Entfernung nicht erkennen konnte. Was ist das für ein bescheidenes Leben, wenn man selbst im Traum kurzsichtig ist?
Kein Wunder, dass ich mich tagsüber entgegen den sonstigen Gewohnheiten mit Essen, Trinken und Geselligkeit trösten musste.

(Ich nenne das Werk saisonal passend: „Der Traum von Wiederauferstehung ist noch nicht ausgeträumt“)

Freitag, 19. April 2019

Gründonnerstag

Gestern war der erste und bisher leider auch einzige Tag, an dem man unbeschadet barfuß durch unsere Wohnung gehen konnte. Ich habe das Bußetun vorgezogen und bereits am Mittwoch der Karwoche drei Stunden geputzt. Ohne Unterlass - zugegeben, auch ohne übertriebenen Ehrgeiz -, obwohl es einer der ersten lauen Frühlingsabende war und ich vorher fast zehn Stunden an der eigentlichen Werkbank zugebracht hatte. Ich überlege noch, ob Einsatz und Gewinn in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Genau wie ich darüber nachdenke, ob die Hautreaktion auf Wasser und Reinigungsmittel schlimmer ist als die auf die unsäglichen Putzhandschuhe. Ich glaube noch immer, mich mit den stinkenden Handschuhen für die falsche Option entschieden zu haben.
Ebenso schwierig: die Entscheidung, was ich an einem solchen Tag anziehe. Nicht nur, dass es morgens kalt, tagsüber warm und abends lau ist. Es hilft auch nicht, dass ein „Gefühlter Flamingo Freitag“ liturgisch eigentlich eine andere Bezeichnung trägt. Am Ende wurde wieder nichts dem Zufall überlassen. Der grüne Flamingoschal, ein grünes Kleid, grüne Leggins, grüne Sandalen - über die Unterwäsche hülle ich mich in Schweigen; nur so viel: grün - und über allem eine dicke Jacke, die mir nur in grauer Ausführung vorlag. Ich habe ganz offensichtlich nichts anzuziehen und muss wohl shoppen gehen, sobald es der Kirchenkalender statthaft findet.



Mittwoch, 17. April 2019

Eine kurze Bilanz

Gestern bin ich das erste Mal mit neuem Rad und neuer Hüfte zur neuen/alten Arbeit gefahren. Beeindruckend, wie sehr sich das feststehende „Fahrrad“ von einem echten und beweglichen unterscheidet. Die kurze Strecke war anstrengend. Weniger konditionell als mehr muskulär. Doch das war nur ein Nebenschauplatz. Das eigentlich Beeindruckende war, wie schnell mir die lustige Fahrt Bilder aus alten Zeiten vor Augen brachte. Nur weil ich beim Arbeitgeber und in der Nähe des Wohnort des   Noch-Ehemannes vorbeibrauste. Damals, als die Kinder noch in der Nähe zur Schule gingen. Als ich noch zu einem anderen Arbeitsplatz fuhr.
Umständehalber bin ich ja ohnehin angehalten, mich mit der Aufarbeitung der letzten 20,5 Jahre zu beschäftigen. Es mag daraus der Eindruck entstanden sein, es sei alles schlecht gewesen - und warum hat sie den Kerl überhaupt geheiratet? Doch neben den Kindern gab es natürlich auch schöne Momente. 
Einer war der, als wir vor Jahren (wann sonst?) am Sonnabend auf dem Ökomarkt in Ottensen Schinken angepriesen bekamen. Ihren Joker holte die Dame vom Fleischerstand erst zum Ende heraus: „Der ist ohne Nitritpökelsalz.“ Daraufhin meinte der Gatte: „Ohne Nitrat? Das ist doch das Beste am ganzen Schinken! Dann nehmen wir ihn nicht.“ Unbezahlbar, der Gesichtsausdruck der Verkäuferin. 

(Das Bild zeigt selbstverständlich nicht Ottensen.)

Dienstag, 16. April 2019

Sie spielen unser Lied

Es wurde höchste Zeit. Endlich Abstand vom Fastenbrechen nehmen. Aber macht Euch bitte keine Gedanken: spätestens am Morgen des Karfreitag ist es mit der Fastenbrechenpause vorbei. 

Montag, 15. April 2019

In Bestzeit

Zweieinhalb Monate hat es gedauert, bis ich mich urlaubsreif fühle. Im Moment bin ich noch uneins, ob ich diesen Zeitraum überraschend kurz oder eigentlich ganz schön lang finde. Nach neun Tagen Urlaub im Januar sollte es wohl noch nicht so weit sein. Auf der anderen Seite muss man auch den neuen/alten Job in Betracht ziehen, die schäbig-dunkle Jahreszeit und das ganze Gewürge um den Themenkomplex Scheidung. Außerdem ist Montag. So oder so: Ostern mit seinen zwei kurzen Arbeitswochen und dem prognostizierten Wetter ist sehr willkommen. Ob es ausreichen wird, wage ich zu bezweifeln. In diesem Zusammenhang ist schon der Effekt einer Woche Urlaub im Mai fraglich. Vielleicht liegt es an der erzwungen häufigen Auseinandersetzung mit Rentenausgleichen und -ansprüchen (siehe oben). Ich wäre soweit.

Samstag, 13. April 2019

Sometimes It Snows in April

Manche sagen, Essen sei die große Freude des Alters. Manche drücken dies auch etwas derber aus. 
Ich finde, die wahre Passion des fortgeschrittenen Lebensalters ist der Luxus, trödeln zu können. Es schneit. Ganz gleich, ich bleibe mit einem egal wie guten Buch im Bett liegen. Um anschließend gegen Mittag in aller Ruhe bei einer Kanne Tee die Zeit zu lesen und dann mit dem Sohn die weitere Wochenendplanung zu besprechen, ohne allzu sehr in seine eingebunden zu sein. So lässt es  sich selbst an einem Wochenende im April mit Schnee gut leben.

(Dieses Bild trägt vermutlich die Unterschrift „Vielleicht doch schade, nur einen Bruder zu haben“.)

Freitag, 12. April 2019

Merkwürdig

Während sich der Hausbeagle langsam wieder in den Ostermodus bringt, hadere ich mit dem lokalen und regionalen Klima. Zum einen weil es heute geschneit hat, zum anderen weil sich Teile der Nachbarn noch merkwürdiger als sonst gerieren. 

Letzte Woche klingelte die Nachbarin, die meine Kinder Renate nennen (in echt heißt sie natürlich vollkommen anders), an meiner Tür, als ich mitten in den Vorbereitungen der Geburtstagsfeier war. Ob ich einen Moment Zeit habe. Meine Antwort „Leider nein“ ließ sie schmollend und grußlos von dannen ziehen. Wenn ehrliche Antworten nicht erwünscht sind, verlange ich eine Kennzeichnung rhetorischer Fragen.
Heute stellte mich eine andere. Sie legte mir eine Farbpalette - changierend von einem lichten Grau bis Steingrau - vor. Wie ich das finde für die Gestaltung unserer Halle. Meine Antwort „Nicht euer Ernst?“ schien sie nicht zu beglücken. Auch hier war wohl die ehrliche Meinung nicht gefragt. Ob ich mich ändern muss? Diplomatischer werden oder so? Ich glaube unterdessen ein Alter erreicht zu haben, in dem ich dazu beherzt „Nein!“ sagen kann.

Donnerstag, 11. April 2019

Saisonal oder altersgemäß

Wie viele andere bin ich furchtbar müde. Dabei habe ich mich mit Ausnahme des Dienstags wirklich bemüht, das partyinduzierte Schlafdefizit abzubauen. Dienstag musste ich mit protestantisch-freudlosem Leben aussetzen, da eine weitere Runde Geburtstagnachfeiern anstand. Der Sohn erkundigte sich tagsüber, „wann denn die Linedancer kommen“. Eine steile These, schließlich war unter den sieben Gästen lediglich eine, auf die das Attribut zutraf. So oder so kommentierte er eher rhetorisch: „Ich weiß, wer dann bei deiner Tochter übernachtet.“ Wenn er meint. Ihm entging ein 1A-Spargelrisotto. Doch zurück zur Müdigkeit. Sie grassiert momentan. Manche sind nur frühjahrsmüde, manche sind es von den Allergie-Tabletten, manche vom Feiern. Oder wiederum andere von allem. Wer weiß es schon?
Ich bin vermutlich nur phantommüde, weil um mich herum alle gähnen. Das wird es sein! 



Dienstag, 9. April 2019

Endlich

Noch immer greint der Sohn wegen meiner ihm unverständlichen Reise nach Moldawien, die im Mai ansteht. Er lässt nicht aus zu betonen, was für ein Gammelland meine Destination sei: „auf Platz 133 im Ranking des jährlichen Einkommens. Von 187. Hinter Vietnam. Selbst die Rumänen wollen die nicht bei sich haben. Die sind nämlich auf Platz 62.“ Daneben sei dort ansonsten mit Land, Leuten und Sehenswürdigkeiten nicht viel los und der viel zitierte Wein schmecke bestimmt auch nicht. So sehr sich das Mutterherz über das vielschichtige Wissen des Sohnes freut, so sehr ist das Ohr ob der ewig gleichen Litanei überstrapaziert. So plant die Mutter, den Moldawienaufenthalr mit einem 1A-Reisebericht umzurubeln. Allein, es kann nur einen geben - nämlich den phänomenalen Zeit-Artikel von Oliver Maria Schmitt, der alles losgetreten hat. In diesem Fall muss es vielleicht stattdessen ein Reiseführer über Nordkorea sein. Einen passenden Titel habe ich bereits gefunden: „Adipositas ist Chefsache“. Manchmal finde ich meine eigenen Ideen gar nicht so schlecht.

Montag, 8. April 2019

Fällig

Irgendwann fordert selbst das beste Partywochenende seinen Tribut. Bei mir war es gestern Abend so weit. Halbherzig verfolgte ich den Tatort, bei dem es sich wohl um einen Polizeiruf handelte. Von dem ich nicht viel mehr als Schnee, verschiedenen, nicht auseinanderzuhaltenden dunkelhaarigen Jungs, Polnisch und einem telefonierenden Charly Hübner mitbekam. Entsprechend blieb mir auch die Auflösung verborgen. Zwischen unklaren Blicken auf den Bildschirm sprach mich der Sohn an. Meine Antworten waren vermutlich ungefähr so kohärent wie mein Bemühen, konsekutiv die Handlung zu verfolgen. Gegen 21:30 Uhr war ich schon so weit in die Sofakissen versunken, dass ich eine fast waagerechte Position einnahm. Einmal schaffte ich es noch, den Fernseher auszuschalten und mich ins Badezimmer aufzuraffen. Um anschließend etwa zwei Meter neben dem Sofa aufs Tagesbett zu fallen und zum Ärger des Sohnes den Tag endgültig zu beenden. The story of his life: Schwester und Mutter schlafen in seinem Beisein ein. Und ich kann sagen, es liegt nicht an ihm! Ich fiel sofort ins Schlafkoma. Unterbewusst nahm ich wahr, dass er sich später nebenan in der Küche natürlich noch eine anständige Mahlzeit zubereitete. Ich glaube nicht, dass er zum ersten Mal erfolgreich in seinen Bemühungen war, leise zu sein. Aber ich könnte es mir einbilden.

Sonntag, 7. April 2019

Damals und heute

Wie zu meiner Geburt blühen „die Mongolien“. Es muss wohl an der Jahreszeit liegen. Doch seit Jahren ist es das erste Mal, dass ich meinen Geburtstag in Ansätzen draußen feiern kann. Wahrscheinlich wird es gar so sein, dass wir uns wünschen werden, dieses Wochenende wäre das Osterwochenende gewesen. So oder so, das Partywochenende neigt sich dem Ende entgegen. Es ging bereits Donnerstag los, flaute am Freitagvormittag etwas ab, um dann zum Abend wieder Fahrt aufzunehmen. So hielt es sich am Sonnabend über den gesamten Tag und wurde am heutigen Sonntag entsprechend weitergeführt. Einem Ondit zufolge soll die Konkurrenzveranstaltung am Freitag bei der Tochter schon früh damit geendet haben, dass die beiden Gastgeberinnen alkoholisinduziert früh einschliefen. Das können wir Alten vielleicht doch besser. 
Blöd nur, dass das Wochenende um mehrere Tage zu kurz ist.



Donnerstag, 4. April 2019

Unerwartet

Letzthin bat mich der Sohn, ich möge ihm doch die Haare schneiden, die die Schneidemaschine nur unzureichend erwischt hatte. Ich machte mich also wie gewünscht ans Werk und dilettierte vor mich hin. Während ich versuchte, größere Unfälle zu vermeiden, meinte mein Modell irgendwann anerkennend, er wisse gar nicht, warum ich immer erzähle, ich könne keine Haare schneiden. Für ihn sehe das akkurat aus. Toll! Wenn schon kaum jemand an mich glaubt - mich selbst eingeschlossen -, mein Sohn tut es. Als ich so neben ihm stand, fiel mir auf, dass er ein gutes Stück größer ist als ich. Das war vor kurzem noch nicht so. Ich ertappte mich bei dem klassischen Oma-Satz („Bist du gewachsen?“), den ich zumindest in der Form „Bist du aber groß geworden!“ nie, nie, nie bringen wollte. Der Sohn wiegelte ab, das könne gar nicht sein. Er sei schon erwachsen. Dann gibt es wohl nur eine Erklärung: ich bin geschrumpft.

Dienstag, 2. April 2019

April

Jeden Morgen fällt mir auf dem Weg zur Arbeit wieder ein, was ich am Vorabend vergessen habe: das Fahrrad aufzupumpen. Dabei sind wir unterdessen Besitzer einer Premiumpumpe. Dass ich sie zum Schnapperpreis erstehen konnte, lag an der 1A-Beratung im Baumarkt letztes Wochenende. Die Freude darüber, dass meine Vergesslichkeit nicht so weit fortgeschritten ist, hält sich länger als der Ärger über sie. Denn in meiner Handschuhverweigerung dauert das Bedauern, mit der U-Bahn fahren zu müssen, nicht allzu lange an. Der Himmel mag blau sein, aber die Luft ist nicht lau. Im Verlauf des Tages zieht sich der Himmel zu, aber es wird wärmer. Am Abend regnet es gar. Doch das macht nichts, denn zum ersten Mal in diesem Jahr riecht es nach Sommerregen. Eine tolle Jahreszeit, in der man selbst dem Niederschlag viel Positives abgewinnen kann. Wäre da nicht die Wettervorhersage für meinen Geburtstag, die aktuell 12° und Regen für Hamburg ansagt. Hey Petrus, merkst Du was? Ich habe für Grillkohle gesorgt! 

Montag, 1. April 2019

Weiter so

Anders als das Wetter im März/April scheint das Glück momentan anzuhalten. An sich ist es schon Freude genug, echten Frühling zu erleben und den direkten Nachbarn für ihren Besuch die elterliche Wohnung zur Verfügung stellen zu können. Bevor dieser kommt, möchte die Nachbarin die Wohnung noch putzen. Ich überlege kurz, ob ich darob verstimmt sein soll. Beschließe nach etwa fünf Sekunden Nachdenken, dass Frühjahrsputz am schönsten ist, wenn man ihn nicht selbst erledigen muss. Läuft also. Am Abend kommt die Nachbarin vorbei und gibt uns einen 50 Euro-Schein. Den habe sie beim Putzen hinter einem Regal gefunden. Wenn das kein Glück ist! So nette Nachbarn zu haben.



Samstag, 30. März 2019

Glückssträhne

Ein Wochenende im Frühling ohne größere Pläne, allein das wäre auf der Glücksskala schon im Top Ten- Bereich. Doch es kam noch besser: morgens Tee auf dem Balkon, in Farbe und bunt.

Da guckt man einmal kurz nicht hin, schon explodiert in den Kästen alles. (Zugegeben, ich habe meinem Balkon aus Gründen drei Wochen keine Beachtung geschenkt.). Ein paar Wermutstropfen (!) gibt es natürlich noch immer: die Spüle leckt. Solange sich der Klempner tot stellt, erfordert das den Besuch eines Baumarktes. Nur kurz hadere ich mit der Neuzeit. Dass es keinen 1000 Töpfe-Laden mehr um die Ecke gibt. Wenn er noch da wäre, jaulte ich sicherlich, dass sich kein anständiger Supermarkt in der Nähe befindet. Für Dichtungsringe werfe ich mich daher ins geliehene Linedancemobil. Und was soll ich sagen? In meinem üblichen Baumarktverlorensein, das mich auch in der Sanitärabteilung nicht verlässt, kommt ein freundlicher (!) Mitarbeiter auf mich zu und fragt, ob er mir helfen könne. So etwas ist mir in meinem unterdessen nicht mehr ganz so kurzen Leben noch nie passiert. Es bleibt wie im Traum. Er berät mich trotz der geringen Verkaufssumme und verzichtet komplett auf die handelsüblich herablassende Art. Nicht nur er, sondern auch ein weiterer Kollege, der mich durch die halbe Verkaufsfläche leitet, mich 1A berät, auf Schnäppchen hinweist und mir am Ende gar noch meine Ware zur Kasse trägt. Ob es nur am Frühling oder an stellaren Konstellationen liegt?
Doch dass das Wochenende bereits am Sonnabend ein voller Erfolg wurde, lag am Ende an den von wohlmeinenden Nachbarn ausgelegten Flyern gegen den Drogenabusus (die Redaktion berichtete). Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wurde uns zugetragen, diese stammen aus der Feder von Scientology. Nimm das Gesinnungspolizei! So sind sie, die kleinen Freuden des Lebens.

Freitag, 29. März 2019

Gerecht?

Während der illustre Nachbar laut eigener Aussage „quietschvergnügt im ICE Sascha Hehn auf dem Weg nach Frankfurt sitze“, um dort ein Flugzeug zu besteigen, „das mit 1001 Köstlichkeiten beladen werde“ und ihn „ans mausetote Meer“ bringe, muss ich in Hamburg bei Wind und Regen ohne Drei-Wetter-Taft zur Arbeit hechten und mehreren Rudeln Fast- und Knappteenagern im Rahmen des Girls & Boys Day erklären, was ich den lieben langen Tag so mache. Gerechtigkeit sieht anders aus. Doch was sind mehrere Wochen Aufenthalt in der Sonne, wenn ich am Ende der ersten Führung von einem der kleinen Besucher formvollendet gefragt werde: „Antje, darf ich diesen Papierkorb benutzen?“? Mehr geht nicht: Er kann meinen Namen korrekt wiedergeben - so viel Glück wird mir im beruflichen Umfeld selten zuteil.

Donnerstag, 28. März 2019

Wo ist sie geblieben?

Kläglich gescheitert bin ich gestern Abend mit dem Projekt, um acht Uhr ins Bett zu gehen. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, hätte ich diesen Plan nicht beim Feierabend mehr oder weniger vollmundig angekündigt, nachdem ich mich mit verstopfter Nase, Kopfschmerzen, Frieren und Ibus durch den Arbeitstag geschleppt hatte. 
Die Wirklichkeit sah anders aus. Auch nicht weiter überraschend, dass es mit der frühen Bettzeit nicht klappt, wenn man erst gegen 19:30 Uhr anfängt, sich eine Suppe zu kochen, und kurz danach eine Waschmaschine anstellt. Davor und danach die Küche und den Wohnraum auf mitteleuropäische Hygiene- und Ordnungsstandards bringt, Tee kocht und trinkt. Dann noch Essen, Konversation mit dem Sohn und etwas Fernsehen. Die Wäsche aufhängen - und schwups ist es später Abend. 
Erschreckend finde ich nur, jetzt nicht nur morgens sondern auch abends nicht zu wissen, wo die Zeit geblieben ist.

Dienstag, 26. März 2019

Unglaubwürdig

Leider muss ich wohl von der Idee Abstand nehmen, ein Buch über die Nachbarschaft zu schreiben. Wie gut, dass ich aus dem Seminar am vorletzten Wochenende auch anderes gezogen habe, sonst wäre es unnütz gewesen. Das Buch nimmt mir kein Mensch ab, wenn ich erzähle, wie es hier ist. Andererseits kann ich es auch nicht unerwähnt lassen: Auf unserer Gemeinschaftsfläche liegen neben DER Stadtteilpostille (es kann nur eine geben!) seit neuestem Flyer aus, die den jugendlichen Drogenkonsum eindämmen sollen. Broschüren über, vielmehr gegen, das Kiffen („Fakten über Cannabis“). Da hat sich die Gesinnungspolizei was ganz Feines überlegt. Das Pixi-Buch „Conni probiert Pot“ ist vermutlich vergleichbar faktenorientiert und edukativ. Bei der intendierten Zielgruppe ruft es bestenfalls Belustigung hervor. Statt mit Drogenkonsum befassen sie sich jetzt ausschließlich mit der Frage, wer den Blödsinn mit welchem Behuf dort hingelegt hat. Ich kann sie verstehen. Vielleicht bin ich doch noch nicht alt.



Montag, 25. März 2019

Frühling vertagt

Vielleicht ist das, was ich für Heuschnupfen hielt, doch einfach nur ein klassischer Schnupfen. Die Planschnase hält sich trotz der Rückkehr der allseits beliebten Sturmtiefs.

Gerade als ich damit hadern will - nasse Füße, wenn man den Frühling schon gerochen hat -, raunt mir die Stimme des Zweckoptimismus‘ etwas zu: „Immerhin musst du dir keine Gedanken machen, dass du vergessen hast, dein Fahrrad aufzupumpen.“

Sonntag, 24. März 2019

Eine Hauptstadt, die ist lustig

Auch wenn ich mich am Berliner Hauptbahnhof so zuhause fühle wie etwa in Mexiko-City, ist es doch schön wieder einmal in der alten Heimat zu sein. Anfangs, nach sieben überwundenen Stockwerken von Hbf tief bis zum S-Bahnsteig steckt noch die Hamburger Taktung in mir. Ich ärgere mich etwa 15 Sekunden, das ich auch hier nur die Rücklichter meiner S-Bahn sehe. Dann sehe ich auf der Anzeige, die nächste folgt in einer Minute. Berlin im Frühling, ein Sehnsuchtsort. Der Braunkohlegeruch wird übertüncht vom schweren Duft der Baumblüte. Die Spree glitzert malerisch. Am S-Bahnhof Tiergarten noch schnell ein Foto vom 17. Juni, ehe die nächste S-Bahn die Sicht versperrt (wiederum eine Minute!).
Wie eine Rentnerin kommentiere ich Veränderungen („Hier war doch früher Bolle.“, „Warum heißt Wertheim Karstadt?“). 

Überall Philosophie am Straßenrand. Doch das Glück, wie auch jedes Wochenende, währt zu kurz. Schon bald geht es zurück in die Hansestadt. Um dort aus dem ICE zu steigen und am U-Bahnsteig mit der Anzeige „9 Minuten“ empfangen zu werden. Welcome back!

Mysteriös, mysteriös

In letzter Zeit musste ich innerhalb einer kurzen Spanne den Verlust zweier Bürsten hinnehmen. Sie waren einfach verschwunden. Als die erste abhanden kam, sah ich mich gezwungen, sie durch eine neue zu ersetzen. Ungebürstet zur Arbeit erhöht die Karrierechancen nicht. Bei der zweiten scheute ich die Investition in eine Ersatzbürste. Hatte ich mich doch kurz zuvor erst über die gängigen Preislagen informiert und mich nicht für die allergünstigste entschieden. Als mir letzthin also der Verlust des zweiten guten Stücks auffiel, wie üblich kurz vor meinem zeitverzögerten, hektischen Abflug zur Arbeit, war die schnellste Erklärung, den Sohn verantwortlich zu machen. Ich stürmte in sein Zimmer und riss ihn mit meinen Schmähungen aus dem Schlaf. Er versicherte, glaubhaft wie ich zugebe: „Mama, ich habe noch nie in meinem Leben eine Bürste benutzt.“ Meine Hoffnung, nein: Überzeugung, ist, dass er ausschließlich das Modell für die Haare meint. Ok, eine neue Erklärung musste her. Kurzzeitig spielte ich mit dem Gedanken, die gute, alte Strategie meines Vaters zu übernehmen. Er machte noch Jahre nach dessen Auszug meinen Bruder dafür verantwortlich, wenn Werkzeug unauffindbar war. Im Grunde weiß ich nicht, ob er sich den Verlust nicht immer noch so erklärt. Es wäre also ein leichtes gewesen, den Bürstenschwund der Tochter in die Schuhe zu schieben. Mutterliebe versperrte mir diesen Weg. Über diese Entscheidung war ich sehr froh, als ich einige Stunden später zwei Bürsten im Geheimfach des Rucksacks fand. Von dessen Existenz ich nichts wusste, weil ich den Rucksack vor längerem dem Sohn gemopst habe.

Freitag, 22. März 2019

Zrügg zu mir

Bei so viel Schweiz in meinem Leben war es wahrscheinlich unausweichlich, gestern Abend die Wohnung putzen zu müssen. Dass sich die eigentliche Fachkraft seit längerem auf den Philippinen aufhält, hat die Entscheidung weiterhin verstärkt. Ich also mit Feudel, Lappen, Eimer und Kopfhörern bewaffnet nach der Arbeit am Werk. Die Kopfhörer deswegen, weil das überteuerte Harman/Kardon-Soundsystem nach wie vor meine Musik nur dann ausspuckt, wenn es Lust hat, die kosmischen Zyklen dafür sprechen oder Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Das mag in meinem normalen Leben akzeptabel sein, beim Putzen ist es das nicht. Irgendwann kam der Sohn nach Hause. Er bemerkte leicht belustigt, ich sehe aus wie eine Putzfrau. Ich bestrafte dies mit der etwas schnippischen Replik, es müsse wohl daran liegen, dass ich in diesem Haushalt die einzige Putzkraft SEI, und der Aufforderung, er solle - statt mir ständig durchs Gewischte zu laufen - sich lieber nach oben verziehen (oberes Stockwerk: fertig!) und Wäsche aufhängen. Auch wenn er diese Aufgabe ganz anständig erledigt hat, war früher doch alles besser: da pflegte er in solchen Situationen wenigstens anerkennend zu sagen, es rieche nach Spanien.

Donnerstag, 21. März 2019

Weiss nid, was es isch

Bei uns sind Schweizer Wochen. In der elterlichen Wohnung sind aktuell zwei eidgenössische Musiker untergekommen. Bei diesen handelt es sich nicht um Stephan Eicher oder dessen Bandmitglieder. Meine Bemühungen, die nicht nutzbaren Karten der Nachbarin für letztere über soziale Medien loszuschlagen, schlugen fehl. Wahrscheinlich habe ich mich mit meiner Snapchat-Verweigerung und anderen antiquierten Einstellungen in die virtuelle Isolation begeben. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich ganz old school vors Kassenhäuschen zu stellen. Ein Erlebnis, auf das ich hätte verzichten können. Jede Hafennutte wäre vermutlich von den helvetienaffinen Kulturliebhabern besser behandelt worden. Einhellige Reaktion auf mein unmoralisches Angebot, Karten zu verkaufen, war empört-lautstarkes Naserümpfen. Und natürlich kein Kauf. Derart ernüchtert beschloss ich, wenigstens eins der Tickets für mich selbst zu nutzen und mich gegebenenfalls wie eine fette Qualle auf zwei Plätzen auszubreiten. Ab da ging es aufwärts. Erst traf ich eine der Teilnehmerinnen aus dem letzten Wochenendseminar, dann befanden sich meine Plätze direkt neben einem netten ehemaligen Kollegen. Und das Konzert war auch noch gut. Nicht nur wegen der hochdeutschen Text-Untertitel.



Mittwoch, 20. März 2019

Übernatürliche Fähigkeiten

Ob ich wohl als Superheldin durchgehe mit meiner Fähigkeit, immer genau in dem Moment den U-Bahnhof zu erreichen, in dem ich noch die Rücklichter des Zuges sehen kann? Unerlaubt selbstlobend muss ich sagen, diese Präzision ist einmalig. Einschränkend sei jedoch erwähnt, dass ich mir mit dem Standort Hamburg sehr günstige Bedingungen ausgesucht habe. Denn hier sind die wenigen Linien - wahrscheinlich mit Vorsatz - grundsätzlich nicht synchronisiert. Als Zweitgeborene lernt man, mit Freunden den leichten Weg zu nehmen.

Dienstag, 19. März 2019

It Must Be Love

Gelegentlich wirke ich wahrscheinlich etwas lieblos in Bezug auf meine Mitbewohner. Das ist bestimmt nur meine wahnsinnig raue Schale. In echt bin ich sehr eingenommen von meiner Brut. Besonders wenn wir - wie gestern der Sohn und ich - Sprache erörtern. Er gestand mir, ihn grusele es immer, wenn von „kultig“ die Rede sei. Ich gab daraufhin zu, dass für mich Ähnliches für „Powerfrau“ gelte. So erschuf er kurzerhand die kultige Powerfrau. Als ich gerade spucken wollte, lieferte er mit unserer prominenten Fast-Nachbarin Ina Müller gleich ein Beispiel mit. Und zeigte mir ein bescheuertes YouTube-Video von ihr. Manchmal droht mein Herz gesprengt zu werden vor lauter Mutterliebe.

Montag, 18. März 2019

Warum?

Immer noch bin ich meiner Brut dankbar, weil sie damals die Warum-Phase anders als viele andere Kinder nicht exzessiv ausgelebt haben. Mag an meinen unwirschen Reaktionen gelegen haben, wenn ich das Gefühl hatte, es ging nicht darum, Dingen auf den Grund zu gehen, sondern nur um das Kommunikationsritual. Ein wenig stolz bin ich, meines Wissens nie die Antwort „Weil das so ist!“ gegeben zu haben.
Heutzutage gibt es drei zentrale Fragen nach dem Warum, die sich mir wiederum im Zusammenhang mit meinen Kindern stellen: 
Warum schaffen es die pubertierenden Kinder, wenn doch ihr Hirn angeblich wegen Umbaus großflächig geschlossen ist, genau die Bemerkungen fallen zu lassen, die maximal verletzend sind?
Warum verstehen selbst einigermaßen intelligente Kinder nicht, dass die bei ihnen so beliebten Feuchttücher (nicht immer für den vorgesehenen, aber immer für einen guten Zweck) nur dann ihrem Namen Ehre machen, wenn man die Verpackung schließt?
Warum können sie nicht längerfristig ankündigen, wenn sie aushäusig übernachten, damit sich ihre Mutter auf ihre Sturmfreiheit einstellen und vorbereiten kann?
Letzteres Phänomen hatte zumindest ein Gutes: unfreiwillig und unbewusst war ich zum St. Patrick‘s Day adäquat gekleidet, weil ich in Ermangelung der Wechselwäsche den grünen Celtics-Hoodie nach meinem ungeplant möglichen Sleepover auch am Folgetag trug. 

Sonntag, 17. März 2019

Ach, diese Mitte, diese entsetzliche Mitte

Von Zeit zu Zeit fühle ich mich - ob zu recht oder zu unrecht - zu Höherem berufen. Dann denke ich, es muss auch Längeres zu verfassen geben als nur kurze Blogposts, oder wie sie gestern so euphemistisch genannt wurden: „literarische Vignetten“. Zum Glück kann man Hilfe vom Profi bekommen. Denn für einen längeren Text scheint es unumgänglich, Handlung in der Hinterhand zu haben. „Zum Plotten gezwungen“ war tatsächlich eine Redewendung, die im Laufe des Wochenendseminars fiel. Selten hat sich Zwang so schön und kurzweilig angefühlt. Wenn ich es jetzt nicht kann, liegt es wirklich an mir.
Selbst wenn das Seminar nichts gebracht hätte, hätte ich doch immerhin schöne Sätze daraus mitnehmen können. Wie zum Beispiel: „Tagträumen ist ja auch Arbeiten.“ oder „Ein Buch hat ganz schön viel Mitte.“ Nur eine Frage bleibt offen: Warum ist morgen eigentlich Montag?

Freitag, 15. März 2019

Wo ist das blaue Band?

Seit mindestens zwei Wochen ist genau das Wetter, das der Sohn so schätzt: regnerisch, grau und kühl. Ich frage mich einerseits natürlich, was ich in der Aufzucht falsch gemacht habe; andererseits, warum er dann nicht häufiger draußen ist, wenn er es doch so schön findet. Irrationale Mutterlogik eben. 
Mir, die ich wegen alltäglicher Frondienste zwangsläufig öfter das Haus verlassen muss, ist echter Bilderbuchfrühling lieber. Gestern dachte ich mir: „Wenn schon nicht das Wetter, dann wenigstens die Kleidung.“ Ein blöder Quiddje-Anfängerfehler, zugegeben. Denn genau in dem Moment, als mir auf dem Arbeitsweg bewusst wurde, dass ich mich besonders beeilen muss, lag ich wegen rutschigen Geläufs und ungeeigneten Schuhwerks schon auf der Nase. Nicht ganz: in meinem Bemühen, das neue Ersatzteil unbedingt zu schützen, landete ich in fast perfektem Telemark auf dem Knie. Ein wenig Punktabzug wird es wohl für die den Boden leicht touchierende, abstützende Handfläche gegeben haben. Hoffentlich hat mich niemand gesehen! Ein Wunsch, der in der leblosen Hafencity zum Glück zumeist erfüllt wird. Neben dem angeschlagenen Knie musste ich als Verlust auch einen intakten Schuh beklagen. Dies erschwerte den restlichen Arbeitsweg zusätzlich zu Knieschmerzen - und hatte zur Folge, dass ich noch später als befürchtet ankam. Um nicht die weiteren Strecken des Tages im gleichen Geeier zu begehen, nahm ich mir eine provisorische Reparatur des geschlachteten Schuhs vor und bat den Kollegen erst um eine, letztlich um vier Büroklammern. Das Ergebnis erinnert an eine zonale Improvisationsarbeit. Wir hatten ja nichts.

Detailgetreue Betrachter werden feststellen, hier wurden nur drei Büroklammern verbaut. Die vierte (bzw. erste) ist auf dem Altar meiner handwerklichen Unfähigkeit geopfert. 
Egal. Schnee (Regen?) von gestern. Heute ist wetterunabhängig Flamingo Friday. Oder Pelikan Pfreitag wie mancheiner sagt.

Donnerstag, 14. März 2019

Geständnis

Es ist nichts Grundsätzliches. Wirklich nicht. Ich kann nicht sagen, dass ich prinzipiell Kinder mag oder nicht mag. Es verhält sich mit ihnen bei mir wie mit Kunst: irgendetwas spricht mich an, rührt mich - oder eben nicht. Anders als mit Kunst lasse ich Kinder bei Nichtgefallen nicht vollkommen links liegen. Ihnen gegenüber wahre ich die mitteleuropäischen Höflichkeitsstandards. Schon allein, weil ich nicht mit fremden Federn schmücken möchte. Für ihre Schäden soll schon das echte Umfeld die Meriten bekommen. Eine Frage allerdings, die mich nicht für Kinder einnimmt, ist die in einer bestimmten Altersklasse gerne gestellte, völlig sinnentleerte: „Was machst du?“ Ich bilde mir ein, meine Kinder haben sie jeweils einmal gestellt. Meine wenig freundliche Antwort, „Wonach sieht es denn aus?“, hat ihnen vermutlich aufgezeigt, dass dieser Kommunikationsweg im Umgang mit ihrer Mutter kein allzu zweckdienlicher ist. 
Ich treffe morgens auf dem Weg zur Arbeit, beladen mit Altpapier, das ich im Vorbeigehen in den Container werfen möchte, das Nachbarkind und grüße formlos. Ehrensache, dass ich ignoriert werde. Sein Nichtgrüßen ist immerhin nicht ganz so demonstrativ wie das seiner Mutter, die mich anguckend meine Hallos notorisch ins Leere laufen lässt. Bei so viel Überlegenheit ist verständlich, dass sie sich nicht mit blödem Pöbel abgibt. Aus welchem Grund auch immer beschließt das Kind, nun doch mit mir zu reden. Und stellt, wie ich vermute, die Killerfrage. Nicht bloß einmal, gleich mehrmals. Da sie so schleißig vorgetragen sind, frage ich mit mehreren neutralen Wie-Bittes nach. Derart unkooperatives Verhalten meinerseits lässt die Mutter aus ihrer Wohnung schießen. Sie erklärt ihrem Kind: „Sie trägt eine Kiste.“ Auch wenn die Erklärung meinem Leben fast ein wenig Dirty Dancing-Glamour gibt, stelle ich fest: a) Mit Leuten, die mich vorsätzlich nicht grüßen, möchte ich keine Schwachgeistigenkonversation führen.
b) Sie sitzt im Stall und melkt die Kuh.

Dienstag, 12. März 2019

Zukunft

In der gegenwärtigen Situation denke ich manchmal, wie viel mehr von meinem selbst verdienten Geld mir selbst zur Verfügung stehen wird, wenn ich nicht mehr für die Finanzierung von täglich zentnerweise konsumiertter veganer Kalorien zuständig sein werde. Das Glück über diese Zukunftsvision währt kurz. Denn mir wird bewusst, wie arm mein Leben dann sprachlich wird. Viel zu selten werde ich Kommentare wie den erleben, als ich den Sohn fragte, wie ihm der mitgebrachte vegane Riegel geschmeckt habe: „Nothing to write home about.“

Montag, 11. März 2019

Geschundene Hände, Wochenende

Irgendwas läuft nicht, wenn die Essenz des Wochenendes nach dem Frauentag ist, es fehlt am Mann im Haus. Den Freitag und Samstag habe ich hauptsächlich mit zwei Dingen verbracht: erstens den Zustand meiner Finanzen in der näheren Zukunft zu analysieren. Hier hätte geholfen, nicht jahrelang vor allem dem ohnehin prall gefüllten Konto des angehenden Ex-Mannes zuzuarbeiten. Die Auswertung ergab eher beklagenswerte Zustände. Also lieber das zweite Thema: die Installation der neuen Spülmaschine. Was soll ich sagen? Ihre Verbindung mit dem WLAN hat nicht geklappt. Und das, obwohl ich einen Gutteil der über 120 Seiten Gebrauchsanweisung wirklich gelesen habe. Die vielen Seiten kommen tatsächlich allein mit deutschem Text zustande - nicht etwa weil das Ganze noch in zwanzig Sprachen erläutert wird. Mit dem fehlenden WLAN-Feature habe ich mich relativ schnell abgefunden. Doch dass ich die Maschine nach Beendigung der Jungfernfahrt nicht aus eigener Kraft öffnen konnte, ließ den Wunsch nach einem männlichen Retter in mir aufleben. Der Sohn ist es leider nicht. Er schlug vor, sein Onkel, mein Bruder,  könne bei seinem nächsten Besuch das Verbindungsproblem in Angriff nehmen. Der kontaktierte Bruder konnte in jedem Fall das Türproblem fernmündlich lösen („Die Dame aus dem Miele-Tutorial öffnet die Tür einfach.“). Entgegen allem Materialgefühl zerrte ich, ermutigt durch diese Worte, einfach fester und siehe da, die Tür öffnete sich ohne Murren. Vielleicht ein kleiner Erfolg.
Der Sonntag war dann beherrscht durch Klempnerarbeiten. Die Spülmaschine lief zwar rückstandsfrei, doch die Spüle daneben leckte. Ich muss leider sagen: sie tut es auch immer noch. Trotz tatkräftiger Unterstützung der Nachbarin und ihrer Rohrzange. Dann wird der Mann im Haus eben ein zeitweilig gemieteter Klempner.
Immerhin, ein Highlight des ansonsten eher mediokren Wochenendes tat sich in Alsternähe auf:

Ich denke, er wollte uns vor allem das sagen:
„Jeder nur ein Kreuz.“ und „Vergesst mir die Tischlerinnung nicht!“

Freitag, 8. März 2019

Escht ma‘!

Ihr könnt Euren internationalen Frauentag wiederhaben, wenn ich an einem Tag wie diesem von Handwerkern in üblicher Baumarkt-Attitüde behandelt werde. Doch genau so war es heute. Zugegeben, morgens vor acht bin ich optisch wie kommunikativ noch nicht in Topform. Blöderweise war der Liefertermin für die sauteure Miele-Spülmaschine, die ich mir trotz Gender Pay Gap einfach mal geleistet habe, heute aber zwischen 7 und 11 Uhr, und die jungen Männer haben sich für die erste Stunde des Zeitraums entschieden. Verstehe schon, früher Feierabend und so. Und doch habe ich wenig Interesse, mich wie das tendenzblonde Dummchen behandeln zu lassen; mit einem neutralen Umgang wäre ich schon zufrieden gewesen. In Berlin wäre mir das heute nicht passiert. Das allein ist schon ein Grund für einen Feiertag auch bei uns.

Isso

Es gibt Dinge, mit denen man sich abfinden muss. So muss ich damit leben, dass mein Vorname wohl nicht zum Corporate Design, wenn nicht gar nicht zur Corporate Identity passt. Das Telefon der neuen, alten Wirkungsstätte führte mich trotz Kritik wochenlang als „Antja“. Dies wurde erst geändert, als ich etwas vehementer den richtigen Namen einforderte. Der Umgang mit der IT scheint sich nicht wesentlich von dem mit Kindern zu unterscheiden. Man muss immer erst einmal laut werden. Gestern Morgen präsentierte mich der CEO der versammelten Belegschaft unter einer weiteren Namenvariante. Das hatte zur Folge, dass ich in der Mittagspause von allen Kollegen, denen ich begegnete, freudig mit „Hallo Anja!“ gegrüßt wurde. Vielen Dank. Ein Teil von ihnen schwenkte allerdings auf „Anke“ um, als ich auf ihren Anja-Gruß meinte, ich sei schon froh, dass er nicht Anke aus mir gemacht habe. Dieses Eingeständnis war ein Anfängerfehler meinerseits - zugegeben. Zur Erklärung: Unter diesem Namen lief ich bei der Großmutter eines Ex-Freundes (als er natürlich noch nicht Ex war). Anfangs fand ich Anke für mich sehr doof. Als ich jedoch bemerkte, dass sie nicht einmal den Familiennamen ihrer Tochter/ihres Schwiegersohnes/Enkels hinbekam, war ich damit fast versöhnt. 
On the bright side: die ersten beiden Buchstaben sind in allen Variationen korrekt. Das ist doch ein schöner Anfang. Und wenn der echte Name nun partout nicht zur Firma passt, bin ich ausreichend Dienstleister, um es so hinzunehmen. Der Ausblick gefällt Anja auch.



Mittwoch, 6. März 2019

Jetzt aber!

Eine Woche kann sich nur positiv entwickeln, wenn sie am Montagmorgen mit zwei Stunden Wartezeit beim Arzt beginnt. Vor allem, wenn der Besuch mit früherem Aufstehen verbunden ist, es nur um ein Rezept geht und die Nettozeit mit dem Weißkittel aus 45 Sekunden inklusive Händeschütteln besteht. Der Arbeitstag wird dann von Nachsitzen beherrscht. Doch der ersehnte Aufwärtstrend folgt am Abend. Der Sohn erfreut mich durch seine Frankophonie. Erstens übersetzt er meine - in welchem Zusammenhang auch immer eingesetzte - Vokabel „vergurkt“ mit „concombrée“. Nicht schlecht für den Spanischschüler. Zweitens sehen wir auf seine Anregung hin in trauter Zweisamkeit eine französische Netflix-Serie mit Carole Bouquet. Im Original - Ehrensache. Er guckt währenddessen auf dem iPhone Videos und versteht trotzdem einen Großteil. Größter Liebesbeweis, als er mir ein besonders „süßes“ von einem niesenden anderthalbjährigen (französischen!) Kind zeigt. 
Ein kurzer Tiefpunkt erwartet mich dann am Dienstag in der frühen Nacht: in meinem Traum agiere ich auch bei der kirchlichen Trauung der Freundin als Trauzeugin - nein, das ist nicht der Tiefpunkt! Selbst schlafend wundere ich mich über die Kirchenzugehörigkeit der Freunde. Meine stelle ich jedoch nicht in Frage. Auch das ist nicht der Tiefpunkt. Der kommt, als ich kurz aufwache. Ich merke, es dämmert schon ein wenig. Ich begebe mich beruhigt wieder zurück in den Schlafmodus, denn es ist ja Wochenende (s.o.). Bis mir irgendwann bewusst wird, dass nicht Feiern angesagt ist und Dienstag in unserem miesen System serienmäßig nicht als freier Tag durchgeht. Diesen Rückschlag und den nachfolgenden Arbeitstag verkrafte ich dennoch. In der darauffolgenden Nacht endlich eine Erkenntnis, mit der der Woche endgültig nicht mehr der positive Dreh zu nehmen ist: ist mir doch finalement klar, warum der angehende Ex-Gatte die Scheidung sucht. Er scheut die Ausgaben für die ausufernden Feierlichkeiten zur Silberhochzeit in vier Jahren. Endlich Gewissheit, damit kann man arbeiten. 
Jetzt ist nur noch ein Downer möglich. Dass das Date am letzten Samstag mit einem Verschnupften nicht ohne Folgen blieb. Doch das wird die Geschichte der nächsten Woche. Bevor meine dreiwöchige Urlaubsvertretung nicht beendet ist, werde ich ohnehin nicht krank.

Montag, 4. März 2019

Alles richtig gemacht

Es sind nicht nur die Sonnenuntergänge und Flamingofreitage. Es ist auch das Telefon. Nicht dass ich die Anlage an der einen Stelle besser beherrschte als an der anderen. Damit rechnen sie bloß. Nein, es liegt an der Begrüßung. Während ich zwei Jahre lang bei der Arbeit immer kurz innehalten musste, wenn das Telefon klingelte, um mich an das passende Sprüchlein zu erinnern, kann ich es jetzt spontan. Wahrscheinlich könnte man mich sogar nachts um 3 Uhr wecken und ich könnte es fehlerfrei aus dem Schlaf aufsagen. Wenn ich zuhause häufiger ans Festnetz ginge, spulte ich es dort vermutlich auch ab. Schließlich habe ich auch schon im Kaufhof die Chipkarte vor die Tasten gehalten, um ins richtige Stockwerk zu kommen.
Aber was das Tollste ist: ich bekomme Komplimente für meine ansprechend vorgetragenen Ansagen. Wenn alle Stricke reißen, bleiben mir also immer noch Callcenter oder andere telefonische Dienste. So schwarz sieht die Zukunft also nicht aus.

Sonntag, 3. März 2019

Allgemeine Lage

Eigentlich hatte ich nur zwei Stationen geplant. Trotz zentraler Lage unseres Dorfes beschloss ich, wegen des mediokren Wetters mit der U-Bahn in die Innenstadt zu fahren. Im Wagon fühlte ich mich erst etwas unwohl, weil ich ungewollt distanzlos in einen Beziehungsstreit kam. Ein junges Paar stritt. Wie üblich aus vermeintlich nichtigen Gründen. Und wie üblich mit den typisch vorwurfsvollen Killerphrasen: „Immer...!“, „Nie...!“ Wenn ich es richtig verstanden habe, warf sie ihm vor, dass seine Freunde und Verabredungen mit ihnen doof sind. Was ihn dazu zwang, vehement zu widersprechen. Ich wollte nicht übertrieben auf mich aufmerksam machen, indem ich mir die Ohren zuhielt, aber danach gewesen wäre mir schon. Besonders bei dem beiderseitig skandierten „Schatz!“, das in der entsprechenden Betonung eigentlich „Arschloch!“ meint, wurde mir flau. Doch wäre ich nicht die Vizeweltmeisterin des Zweckoptimismus‘, wenn mir die Situation nicht auch Positives entlockt hätte. Erstens ist in Scheidung zu leben nicht nur schlecht. Zweitens dankte ich wem auch immer, dass ich nicht Paarberater/-therapeut der beiden sein muss und ihnen somit nicht die Vorteile des Paraphrasierens erklären muss. Dann nahm der Streit plötzlich eine überraschende Wendung. Sie (!) meinte bilanzierend: „Und dann hat auch noch Dortmund verloren! Wäre doch zu blöd, wenn Bayern schon wieder Meister würde, obwohl die Dortmunder bisher so schön gespielt haben.“ Mit diesen versöhnlichen Worten konnte ich fast beruhigt aussteigen. Auf die Tordifferenz wird sie schon selbst gekommen sein. Zu meinem Date am Abend bin ich trotz Regens aber lieber zu Fuß gegangen. Wahrscheinlich ein besseres Warm-Up.

Freitag, 1. März 2019

Richtigstellung

Mir ist nicht klar, woher gerade jetzt der Drang in mir kommt - schließlich haben wir weder ein gerades Jahr noch die klimatischen Verhältnisse, aber es wird Zeit, mit einem Mythos aufzuräumen. Das Sommermärchen 2006 war gar keines. Damit meine ich nicht die sterbenslangweiligen Korruptionsgeschichten. Die sind doch bei und vor allem vor jeder Großveranstaltung mit eingepreist. Ich meine, dass diese WM für uns gar nicht so toll war. Der Sohn widerspräche vielleicht; kann er sich nach meinem Gefühl an jede Begegnung, jeden Torschützen und jeden Halbzeitstand erinnern. Ich wiederum habe mehr irgendein Fußballspiel im Vorfeld in Erinnerung, als er wieder einmal unter Beweis stellte, dass er sich fünfjährig das Lesen beigebracht hatte, indem er die Bandenwerbung der Tapete „Erfurt“ kommentierte: „Erfurt, da ist Clemens Fritz geboren.“ Und dann auf meine nicht ernst gemeinte Frage auch noch das Geburtsdatum herbeten konnte. 
Meine zentrale Assoziation mit dem vermeintlichen Sommermärchen ist neben einer bereits kriselnden Ehe Freitag, der 30. Juni 2006. Die Tochter kehrte von ihrer ersten Klassenfahrt zurück. Zur Begrüßung meinte sie, sie fühle sich nicht so wohl. Netterweise hatte sie sich während der Woche wacker gehalten, um dann den dort allseits grassierenden Magen-Darm-Virus erst zuhause auszuleben. So verbrachte ich den ohnehin aufregenden Abend um das Elfmeterschießen zwischen Deutschland und Argentinien hauptsächlich damit, im möglichst rechten Moment eine Schüssel unter das spuckende Kind zu halten. Das Ganze musste natürlich vor dem Fernseher stattfinden. Denn die Tochter suchte Nähe. Weniger krankheitsbedingt als vielmehr, weil ich ihr hatte unterbreiten müssen, dass sie am folgenden Tag kein gern gesehener Gast auf dem sechsten Geburtstag ihres Kindergartenfreundes wäre und deswegen nicht teilnehmen werden könne. Ich hatte schon Schwierigkeiten, ihren Bruder weiter auf der Gästeliste zu belassen. Was die Sache auch nicht besser machte. Spannung, Kotzen und Heulen. Man dächte, die Stimmung sei auf dem Nullpunkt. Doch dann kam auch noch die Nachricht vom Tod Robert Gernhardts. Wie soll man so etwas ernsthaft Märchen nennen? Albtraum trifft es eher.

Mittwoch, 27. Februar 2019

Dass es sowas noch gibt

Die geschmackvolle Foto-Lovestory, sie lebt noch. Davon konnte sich der Chef am Wochenende überzeugen und ließ uns netterweise teilhaben.

Was hier orthographisch nicht ganz nach dem Buch lief, wurde künstlerisch mehr als kompensiert.

In der Folge überzeugt die Bildkomposition etwas weniger. Dafür kann der wirksam eingesetzte Casus-Fehler spannende Akzente setzen. Schön auch die Wendung, dass „Natherlie“ dem Leben (ach, nein: den Leben!) des Schreibers eher Sünde als Sinn beschert.

Unser Romantiker läuft zu Hochform auf. Auch der weitgehende Verzicht auf Interpunktion schafft Aufmerksamkeit. Der Inhalt zählt - und er wird pointiert herübergebracht.

Hier hat ihn (ihm?) verständlicherweise die Emotion übermannt. „Tun“ ist in seiner Einsilbigkeit natürlich nicht ausdrucksstark genug. Da „glücklich“ die Hauptaussage zu sein scheint, erfordert die künstlerische Freiheit geradezu, es groß zu schreiben.

An dieser Stelle wechselt der Künstler den Untergrund. Und er tut wohl daran. Wie hätte er besser zum Ausdruck bringen können, dass er sich wie heute an „Natherlies“ Warnung erinnert? M beherrscht die Materie offenkundig wie kaum ein Zweiter. Dass er die Groß- und Kleinschreibung als zusätzliches Stilmittel einsetzt, zeigt seine ganze Klasse.

Ab hier demonstriert M seine ganze Bandbreite. In Momenten der größten emotionalen Tiefe gelingt ihm alles: Komposition, Orthographie und sogar Interpunktion. Bitte achten Sie auf das Herz links unten.

Um etwaiger Monotonie vorzubeugen (unbegründet, selbstverständlich), wird an dieser Stelle wieder ein Materialwechsel vorgenommen. Weniger künstlerisch veranlagte Kollegen mutmaßten, Ms weiße Spraydose sei kurz vorher aufgebraucht gewesen (daher das nicht ausgefüllte weiße Herz der letzten Sequenz). Das wird dem Künstler jedoch in keiner Weise gerecht. Er widerlegt diese These in seinem nächsten Werk, dem fulminanten Finale:

Absolut verständlich. Wie könnte er auch? Es ist wohl der geringen Weitsicht der Kollegen geschuldet, dass sie nach Ansicht des finalen Oeuvres die Theorie aufstellten, M sei Mechatroniker. Geht es doch ums Weltall. Auch wenn mich dieses Ausmaß an Kleingeistigkeit ein wenig erschreckte, weiß ich doch, dass ich wieder in einem ästhetisch anspruchsvollen Umfeld zuhause bin. Mit einem Schöngeist als Chef.







Montag, 25. Februar 2019

Season‘s Greetings

Ja, ja, ich weiß: Wie schön im Mai es war, merkt man erst im Februar. Und wenn die Theorie stimmt, muss Ende Mai immer besonders schön gewesen sein. So viele, die derzeit Geburtstag haben. Unter vielen Anderen in meinem Umfeld heute auch der angehende Ex-Mann. Da mir meine Anwältin vor nicht allzu langer Zeit empfahl, nur noch über sie mit ihm zu kommunizieren, überlege ich nun, ob sie ihm wohl meine Geburtstagswünsche ausrichten kann. Für diese gute Sache sollte mir auch der Stundensatz von 190€ nicht zu hoch sein.



Sonntag, 24. Februar 2019

Zweifelsfall

Irgendetwas scheint wahlweise mit dem Hormonhaushalt oder der Lesefähigkeit oder beidem nicht zu stimmen, wenn man bei einem der dörflichen Bäcker im Vorbeigehen ein „Östrogenbrot“ entdeckt. Wer kommt allerdings auch auf die Idee, ein „Röstroggenbrot“ verkaufen zu wollen?

Freitag, 22. Februar 2019

Klimafreitag

Der Beitrag, den rollenloses Klopapier für die Umwelt leistet, ist vermutlich überschaubar. Zumal es in reinweißer Form und mit einer Verpackung aus Plastikfolie daherkommt.
Der Beitrag, den rollenloses Klopapier für unser Wohnklima leistet, ist nicht unerheblich. Schließlich überlassen mir seit seinem Einzug jugendliche Mitbewohner nicht mehr alle naslang die abgelegten Rollen, damit ausschließlich ich sie zum Altpapier bringen oder aus ihnen lustige Fernrohre basteln kann.
Wahrscheinlich ist heute auch mehr Flamingofreitag als Klimafreitag. Aber das ist eine andere Geschichte.

Donnerstag, 21. Februar 2019

Vermutlich nichts Gutes

Was es wohl über meinen Geisteszustand aussagt, dass ich nachts im heimischen Bett aufwache und mir bewusst wird, ich habe morgen (denn es ist zum Glück schon nach Mitternacht) einen Terminkonflikt zwischen einem Termin beim Kunden und einer Mittagsverabredung? Vor allem, da sich nach leicht verschleierten Grübeleien (die Uhrzeit!) herausstellt, es stimmt auch noch. Immerhin habe ich ungestützt den Grund fürs Double Dating ausmachen können. So schlimm ist es vielleicht doch nicht um mich bestellt.

Peinlich

Wer am Montagabend eine Gestalt barfuß in grünen  Plastik-Flipflops durch die Dunkelheit hat eiern sehen, dessen Augen haben ihn nicht getrogen. Und wenn ich eiern sage, meine ich auch genau das. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, da empfiehlt sich eine Pediküre. Blöd nur, dass dabei zum einen die Nägel lackiert und zum anderen die Füße eingecremt werden. Dies hat zur Folge, dass auch im Februar nur offenes Schuhwerk zulässig ist, und Plastik in Kombination mit fettigen Füßen zu einer wackligen Angelegenheit mutiert. Am Ende war mir der Gang trotz Dunkelheit und Ortsfremdheit ein wenig peinlich. Meinen Kindern wäre wohl eher peinlich gewesen (hätten sie davon Kenntnis), dass ich gestern im unteren Teil der Wohnung Discobeleuchtung angestellt habe, um von meinem Boudoir im Obergeschoss abzulenken. Ich habe es „Operation Nebelbombe“ getauft. Und eigentlich fühle ich mich sehr wohl damit. Die Brut muss auch nicht alles wissen. Schließlich handhabt sie es mit mir vermutlich nicht anders.

Dienstag, 19. Februar 2019

Sturmfrei 2.0

Ab heute wird alles anders. Ab jetzt bin ich jeden Abend meiner Sturmfreiheit verabredet. Außerdem habe ich die Rückschläge der letzten Tage verwunden. Unter anderem den, als die mich beobachtende Nachbarin in schallendes Gelächter ausbrach, nachdem ich meine Balkon-Pflanzaktion angeschlossen hatte. Zugegeben, üppig geht anders als eine Primel auf sechs Blumenkästen. Die Reaktion schmerzte schon ein wenig. Schließlich ist erst Februar - und ich habe die Bepflanzung um 100 Prozent gesteigert. 
Und überhaupt: wen interessiert schon eine funktionsfähige Spülmaschine, wenn jeden Abend Highlife und Konfetti angesagt sind?

Sonntag, 17. Februar 2019

Jetzt aber!

Seit fünf Uhr morgens habe ich sturmfrei. Allein das entsprechende Freiheitsgefühl lässt noch ein wenig auf sich warten. Irgendwie war früher alles unbeschwerter. Da brauchte man auch keine zwei Tage, um sich wieder so in Form zu pressen, dass man in einen optischen Zustand kommt, in dem man die Situation ausnutzen könnte. Außerdem ist zu meiner Sturm-und-Drang-Zeit (gab‘s die?) nie währenddessen die Spülmaschine kaputt gegangen. Da kann ich mich noch im Nachhinein freuen! Zumindest heutzutage ist die Schuldfrage eindeutig geklärt: als einzig Betätigende kann nur ich die einzig Zerstörende sein. Abgesehen von unschön trockenen Spülhänden hätte die defekte Maschine die Mäuse-auf-dem-Tisch-Freude nicht weiter belastet. Schwieriger sind vielmehr Nachrichten des Sohnes im Ausland, die auf allen Kanälen nur so aussehen:



Freude will besonders dann nicht aufkommen, wenn der Sohn anschließend über keinen der vorher genutzten Kanäle in irgendeiner Form erreichbar ist  - und die Entwarnung erst lange zweieinhalb Stunden später kommt.
Sag‘ ich doch: sturmfrei war früher irgendwie besser.

Freitag, 15. Februar 2019

Bilanz eines Vierzehnten Februar

Nach einem anständigen Sonnenuntergang bei der Arbeit, der erfreulich spät stattfand, und andernorts allen verlorenen Kniffelrunden hätte der Valentinstag vertragsgemäß positiv enden müssen. So weit die Faktenlage. 

Als ich zum Tagesfinale  - Bahnverbindungen sei dank erfreulich früh - aus der Hamburger Peripherie in unser beschauliches Dorf zurückkehrte, empfing mich der Sohn mit den Worten: „Das WLAN funktioniert nicht.“ Nur Teenagereltern - ach, was sage ich: allein zuständige Teenagermütter - werden die Brisanz dieses Satzes verstehen. Ausnahmezustände sind dagegen Kinderteller. Ich machte mich also gleich ans Werk. Nutzlos, versteht sich. Dennoch verbrachte ich die Zeit bis Mitternacht in meinem Kernkompetenzfeld: dem Zirkelbezug. Schön, wenn die profunde Analyse der DSL Hilfe nach langen Wartezeiten mehrfach zur gleichen Antwort kommt: „Es besteht keine Verbindung zum Internet.“ Je häufiger ich diese Diagnose sah, desto müder wurde ich und desto unflätiger wurden meine Kommentare zur Gesamtsituation. Was den Sohn veranlasste, beruhigend auf mich einzuwirken. Wäre ich etwas frischer gewesen, hätte mich die Ironie dessen wohl belustigt. So war ich nur überrascht ob seiner Ruhe. Die Erklärung folgte. Sei nicht so schlimm, dann gehe er eben ins Bett und morgen zu seiner Schwester. Da funktioniere das Internet. Warum eigentlich, frage ich mich. Von mir hat sie das nicht.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Tendenz

Der Tag begann damit, dass ich mir die Zahnpasta, die ich versuchte noch aus der Tube zu pressen, Jackson Pollock-gleich auf die Kleidung spratzte. Genau genommen war das nämlich nicht der Beginn des Tages, sondern schon nach dem Duschen und Anziehen. Dann im Schweinsgalopp zum ersten Termin. Anhand der Uhrzeit festgestellt, dass die Sonne kurz vor acht wohl schon aufgegangen sein muss. Da kann es im weiteren Tagesverlauf eigentlich nur aufwärts gehen. Und das tut es auch. Denn man kann sich noch um 18 Uhr einreden, es sei noch nicht dunkel. Die Lichter der Großstadt könnten an einem Tag wie heute auch hervorragend als Dämmerung durchgehen.

Montag, 11. Februar 2019

Wochenende!

Wir müssen reden: Es geht nicht an, dass ich im Februar bisher jedes Mal einen Radius habe, der im Maximum aus dem Gang zur Mülltonne besteht. Weil alles Weitere aus Gründen nicht geht. Zugegeben, Abwechslung ist dabei. Schließlich war es einmal Übelkeit und einmal die Hüftperipherie. Aber das kann nicht genügen. Zumal ich arbeitgeberfreundlich am Montag wieder halbwegs einsetzbar bin. 
Wochenende, Du kannst nichts dafür, dass ich mit einem Achtzehnjährigen zusammenwohne, dessen Verhalten wegen Nachtaktivität und Essgewohnheiten („Tages“-Ration grob überschlagen etwa die Hälfte seines Körpergewichts) an einen Hamster erinnert. Doch es trägt wirklich nichts zur Erholung bei, wenn ich nächtens auch noch durch Türen- und Topfschlagen wach gehalten werde. Das muss besser werden! In meiner unendlichen Güte gebe ich Dir fünf Tage Zeit.

Sonntag, 10. Februar 2019

Ober sticht Unter

Vor nicht allzu langer Zeit meinte der Sohn in seiner üblichen Bescheidenheit, er koche die weltbeste vegane Bolognese. Deswegen sei es ihm nur schwer möglich, dieses Gericht von anderen Köchen zu akzeptieren. Vielleicht war es zu dieser Gelegenheit, als er außerdem sagte, „Birnen seien einfach nur schlechte Äpfel“. So wie „Bienen Wespen mit Fell sind“.
Heute scharwenzelte er in der Küche herum, während ich ihm Vorschläge zu potentiellen Mahlzeiten unterbreitete. Alle fielen bei ihm in Ungnade. Irgendwann kam er mit „Nuddeln“ um die Ecke. Diese heißen bei ihm so, seit einer seiner Freunde ebendiese Variante des Wortes niederschrieb. Ich war einigermaßen irritiert, wusste ich doch, dass in seiner Vorstellung Pasta immer gleichbedeutend mit Nudeln mit Bolognese-Soße sind. Als ich ihn an seine Worte vor nicht allzu langer Zeit erinnerte, erwiderte er, es sei nach wie vor so, dass er die beste Bolognese der Welt mache. Es sei aber auch so, dass er „der faulste Mensch der Welt“ sei. Sprach‘s, bedankte sich vorab und entschwand in sein Zimmer. Ich widersprach seiner Argumentation nicht. Er hat ja recht. Blöd nur, wenn man seinen Meister gefunden hat und nicht einmal sagen kann: „Von mir hat er das nicht!“

Donnerstag, 7. Februar 2019

Jahr des Glücksschweins?

Die Bilanz des heutigen Tages: Currywurst/Pommes und im Hellen nach Hause. An einem Donnerstag im Februar gar nicht schlecht. Dass wir wegen des anhaltenden Feueralarms vermutlich dauerhaft Hörfähigkeit eingebüßt haben, nennt man wohl Kollateralschaden. Wird gegebenenfalls jedoch kompensiert durch eine größere Fitness der Mitarbeiter, die feueralarmbedingt mehrfach bis zu sechs Stockwerke herunter- und herauflaufen mussten. Doch das alles ist vergessen, wenn wegen der ungeklärten Sicherheitslage bereits um 16:30 Uhr Feierabend ist. Es mag an der alten Werkbank alles noch so vertraut sein, langweilig wird es nicht. 
Mein einziger Kritikpunkt: ich muss mir den Kaffee am Nachmittag zuhause selbst bereiten. Zugegeben, der Sohn war nach meinem Eindruck nur mittelmäßig angetan von meiner zeitigen Anwesenheit. Aber auch das fällt wohl unter Nebenwirkungen, die es zu ignorieren gilt.



Dienstag, 5. Februar 2019

Langweilig?

Oft bedaure ich, keine kleinen Kinder mehr zu haben, die mich und viele andere mit ihren Ideen und Sprachkreationen erfreuen. Wenn ich an die Nächte denke, kann ich das Bedauern gut im Zaum halten. Doch Vermutung liegt nahe: nun, in der zweiten Hälfte passiert so wenig in meinem Leben, dass es sich nicht lohnt darüber zu berichten. Hat sich doch die Post des Landeskriminalamtes an die Tochter als profane Aufforderung zur schriftlichen Zeugenaussage herausgestellt. Aber eventuell griffe diese Erklärung zu kurz. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit Kaltstart in den neuen/alten Job eingestiegen bin, dass ich das Wochenende erst mit leichtem Unwohlsein, dann mit fortwährendem Spucken verbracht habe, dass ich in meiner unendlichen Güte dem Sohn nach vermeintlich getaner Arbeit am Montagabend eine nicht unerhebliche Anzahl wirklich leckerer veganer „Eierkuchen“ produziert habe oder dass ich danach für die zufällig mit zwei Kommilitonen vorbeikommende Tochter eine kurze Hausführung einlegte? Wer weiß das schon? Was ich weiß: Jetzt fühle ich mich wirklich dem Alteisen zugehörig. Die Kommilitonin, der ich mich angepasst an ihre Begrüßung mit Vornamen vorstellte, verabschiedete sich mit den Worten: „Hat mich gefreut, Sie (!) kennenzulernen. Ich habe schon so viel, so viel Gutes, von Ihnen gehört.“ Ist Elternloben unterdessen unter Ersties en Vogue?
Da lobe ich doch lieber den neuen/alten Ausblick:





Samstag, 2. Februar 2019

Spannend

Heute Nacht träumte ich, einen Krimi auf dem e-Reader zu lesen. Doch richtig aufnehmen konnte ich das Geschriebene nicht, da mir die Buchstaben immer wieder vor den Augen verschwanden. Ich konnte nicht lesen, weil ich wieder und wieder drohte einzuschlafen.
Ich bin beeindruckt, was ich Aufregendes träume, nachdem ich tags zuvor einen neuen Job angefangen habe, der Sohn sich selbst (aus Versehen!) mit der Haarschneidemaschine eine Glatze schärt und die Tochter (Ummelden?) Post von der Polizei Hamburg - Landeskriminalamt 141 bekommt. Es gibt eben nachts viel zu verarbeiten.

Freitag, 1. Februar 2019

Jetzt wieder

Endlich wieder, möchte der eine oder andere sagen. Wer jetzt denkt, ich meine meine Rückführung in die Hafencity, Initiative 3.0 sozusagen, die/der liegt nur fast richtig. Damit rechnen sie bloß! Vielmehr geht es um die erste Übernachtung seit fast einem halben Jahr in meinem angestammten Bett. Genau, ebendiesem Hochbett, das der Architekt ablehnte, da man dort „keinen Stuhl neben das Bett stellen könne, um Beziehungsgespräche zu führen“, und das dem jungen Stationsarzt kurz vor meiner Hüftoperation Schnappatmung oder einen Herzinfarkt oder beides bescherte („Da dürfen Sie aber nicht hoch, das ist lebensgefährlich!“). Was soll ich sagen? Trotz leichter Aufregung habe ich bestens geschlafen. Der Sohn dankt es mir auch. Endlich kann er wieder ungestört im Tagesbett im Wohnzimmer schlafen, das ich - unverschämt wie ich bin - ewig mit Beschlag belegte. Weiterer Bonus: meine Rückenschmerzen der letzten Tage sind mit der guten Matratze nahezu vergessen. Dennoch merke ich mein Alter: es ist mir nicht möglich, mit Apple-Devices meinen Berufsstatus zu ändern. Bin eben Generation „Welcher Buchstabe auch immer“. Arbeit wird aber auch zu wichtig genommen. Schönes Wort zum Freitag.

Donnerstag, 31. Januar 2019

Willkommen zurück!

Das Grau-in-Grau hat mich wieder. Die Kälte auch. Dass es mir zu Ehren bei meiner Rückkehr gestern Nacht geschneit hat, wäre nicht nötig gewesen. Wirklich nicht. Erst am Flughafen in Valencia zog ich meine Strümpfe und geschlossenen Schuhe wieder an. Dort konnte ich mir nicht vorstellen, sie jemals wieder zu brauchen. Hier sind sie bitter nötig. Ohne das Schneegestöber auch nur zu ahnen, leistete ich mir in weiser Voraussicht am Hamburger Flughafen ein Taxi. Der Fahrer, der redete wie Apu aus dem Kwik-E-Mart, fuhr nicht unbedingt den kürzesten Weg, doch dafür hatte er aufmunternde Worte parat: Warum ich überhaupt zurückgekommen sei? In Hamburg zu leben sei doch immer Mist (ich widersprach, der Sommer sei doch ganz nett - fand er nicht). Der generelle State of Mind sei hier bei allen gedrückt. Ich beschloss, die Aufforderung zum Ritzen zu ignorieren. Wahrscheinlich hatte ich mir das ganze in meiner post-aviatischen Taubheit ohnehin nur eingebildet. Gut so, denn zuhause erwarteten mich nicht nur Willkommensgeschenke der Nachbarin, von denen der Sohn gleich abwiegelnd meinte, sie seien nicht von ihm (ach, was?!), sondern eben auch der Sohn. Im ersten Moment meiner Rückkehr räumte er noch auf. Dabei hatte ihm die Lufthansa extra noch Sonderzeit einberaumt. Dann hatte er aber Zeit, mich mehrfach in den Arm zu nehmen und mich zu fragen: „Na, Chef, wie ist es, endlich wieder hier zu sein?“ Wenn es so ist, gut.

Dienstag, 29. Januar 2019

Alles läuft nach Plan...

... aber der Plan war Mist. Was hat mich eigentlich geritten, mir am Donnerstag noch einen Tag zum Akklimatisieren geben zu wollen? Wer braucht schon die Gewöhnung an einstellige, häufig negative, Temperaturen, wenn er/sie einen Vormittag im T-Shirt auf dem Balkon haben kann? Währenddessen rauscht das Meer, und selbst kurzsichtige Augen wie meine erkennen die schöne Brandung des Meeres, das unter den weißen Schaumkronen wirklich die Farbe des amtierenden Fiat hat (sie nennen es „Blu“). Vielleicht bin ich nach zweijähriger Abstinenz doch keine vollwertige Planerin mehr? Zumindest nicht in eigener Sache. In diesem Setting ist es aber auch unvorstellbar, dass ich morgen wieder in die kalte Farblosigkeit zurückkehre und Ende der Woche gar den neuen/alten Job antrete. Ach, egal! Karpe Diehm, wie der Nachbar meiner Eltern an dieser Stelle nicht ausließe zu sagen.

(Zur Abwechslung mal ein Sonnenaufgang; zugegeben fortgeschritten, aber von heute)


Sonntag, 27. Januar 2019

Neues Lieblingswort


Unputdownable? Doch. Geht schon irgendwie. Obwohl ich gestehe, die Cormoran Strike-Serie sehr ansprechend und spannend zu finden. Erst vor ein paar Wochen wurde ich sie mir - zu recht! - empfohlen. Den ersten Teil las ich noch auf deutsch, fand aber die Übersetzung bestenfalls mittel. Band 2-4 nun also im Original - und das ist auch gut so! Nun habe ich ein neues Lieblingswort. Nein, es ist nicht das oben zitierte. Vielleicht kommt die Begeisterung daher, dass die mich aktuell umgebende Sprache vergleichsweise wenige Konsonanten einsetzt. Ach was, es ist so oder so ein schönes Wort: thwart. Dass das Verb so etwas wie “verhindern” oder “vereiteln” bedeutet, war klar. Die Bedeutung des Substantivs “thwart” musste ich jedoch nachschlagen. Und, was soll ich sagen? Es meint “die Ducht”. Vielleicht sollte ich das ins Spanische übersetzen, um es zu verstehen?

Freitag, 25. Januar 2019

Geänderte Tagesreihung

Heute war ich zum Mittagessen eingeladen, nachdem ich den Vormittag bei 20° im Schatten (wo auch immer man diesen hätte finden können) auf dem Balkon verbringen durfte. Deswegen fand mein üblicher Strandspaziergang unüblich spät statt. Durch diesen verrückten Tagesablauf ergaben sich verschiedene Vorteile: Erstens hatte ich das gute Gefühl, mittags angefutterte Pfunde gleich wieder abtrainieren zu können. Natürlich eine Milchmädchenrechnung, aber man wird ja wohl mal träumen dürfen. Zweitens war ich bereits vor dem Spaziergang bestens mit örtlichem Klatsch versorgt (wie alt die Nachbarn wirklich sind, denen ich oft und gerne den Parkplatz wegschnappe; was der berufliche und finanzielle Hintergrund des Mannes ist, den der Sohn den traurigen Mann oder so ähnlich nennt usw. usf.). Und drittens kam ich (hier: nach 18 Uhr!) in den Genuss eines schon fast seifig romantischen Sonnenuntergangs. Einziger Nachteil: bei so viel Ambiente alleine durchs überraschend laue Wasser zu waten. Bestimmt meint man das, wenn man vom Einzelschicksal spricht.