Freitag, 18. August 2017

So war's

Wenn schon mein Fußballtipp nicht richtig hinhaute, habe ich doch mit meiner Prognose, den Bundesliga-Auftakt alleine zu sehen, recht gehabt. Die Tochter verbrachte ihn bei einer "Freundin" in Aumühle und blieb auch dort (Regen/Dunkelheit). Der Sohn traf sich mit einem Freund - wo auch immer. Und dennoch hielt der Abend eine Überraschung bereit. Als wir noch alle vereint waren, quakte der Sohn seine Schwester an, sie müsse doch reagieren, wenn er sie anspreche, das sei "eine Frage des Respekts". Sie argumentierte, sie habe sich auf ihr Telefon konzentriert (mal was Verrücktes tun) und solange sie keinen Augenkontakt habe, sei sie nicht in der Pflicht. Zwei Kuriosa: erstens, dass sich die beiden Mobile Natives über solche Themen streiten; zweitens, dass SIE diejenige war, die sich selbst Multitasking-Fähigkeiten abspricht. In seltenen Momenten hat sie doch nicht nur äußerlich Ähnlichkeiten mit ihrem Vater.

Endlich wieder!

Auch wenn der Sohn der Bundesliga nichts abgewinnen kann, werde ich mich heute reminiszierend betätigen. Für den verregneten, aber dennoch entspannten Herbstfreitag im August plane ich eine Abendgestaltung mit allen Schikanen - wie in alten Zeiten: Bundesliga-Auftakt, wir auf dem Sofa und dazu das, was die Brut "Büffet" nennt. Also Fingerfood. Auch wenn mir in der veganen Ausführung gerade wenig Ideen außer Pombär Ketchup kommen. Diese hat der Sohn in Großbritannien sehr vermisst. Dort gibt es nur die Klassik-Sorte in der roten Tüte, die der Sohn nicht goutiert. Was ich vor Augen habe, nennte ich in Anlehnung an die Kindersprechweise gar ein Premium Büffet. Einziger Wermutstropfen: wahrscheinlich werde ich die gesamte Herrlichkeit alleine genießen. Von den Kindern sehe ich nur das hinterlassene Chaos in der Wohnung. Sie selbst werden vermutlich entweder wie ein tollender junger Hund in den Regen herausrennen und gegen 23 Uhr triefend in einer hausgemachten Pfütze im Flur stehen (der Sohn) oder (die Tochter) sich mit ________ (hier Vornamen Deiner Wahl eintragen; zu 67% weiblich, zu 33% männlich) treffen und gegen Mitternacht nach Hause kommen (wenn es ein männlicher Vorname ist; schließlich weilt DER männliche Vorname in Italien oder so) oder andernfalls eine WhatsApp-Nachricht schicken, es regne ja immer noch und sei schon dunkel, deswegen übernachte sie lieber bei ________ (weiblicher Vorname der Wahl). Sicher ist, dass am Ende mehr für mich bleibt. Das ist die Hauptsache. Allerdings mag ich keine Pombären. Selbst Ketchup nicht.   

Donnerstag, 17. August 2017

Wer wird Meister?

Eine der größten Hürden des Jobwechsels war, den Fußballkompetenztisch zu verlassen. Ich gestehe: das eine oder andere Mal vermisse ich die entsprechenden Gespräche - manch' einer nennte es wohl auch Gepöbel. Umso mehr freute ich mich, als ich vom Tippspiel "unserer" Redaktion erfuhr. Und dass ich aufgefordert wurde, daran teilzunehmen. Das nimmt zwar nicht den gesamten Trennungsschmerz, aber doch einen Teil. Als ich gestern Abend dem FIFA-spielenden Sohn (ich erkannte sogar Stefan Kießling auf dem Bildschirm, der - komplett unrealistisch - einen Elfmeter verwandelte) von meiner Anmeldung erzählte, erntete ich nur Schulterzucken. Bundesliga, das sei doch langweilig. Und Amateurtippspiele noch viel mehr. Ob ich es nicht lieber mit Tipico versuchen wolle. Da stimme der Return on Investment. Unaufgefordert rechnete er mir vor, wie wenig ich maximal gewinnen könne und wenn überhaupt, mit welchem Zeitverlust. Ich hielt dagegen, es gehe doch mehr um den Spaß. Genau das spreche dagegen, meinte er, Bundesliga sei öde. Wer tippe freiwillig mit, wenn der Meister jetzt schon feststehe. Premier League, das sei etwas anderes. Nach unserem langen Fußmarsch zum Anfield Stadion in Liverpool kam dieser Einwand nicht allzu überraschend. Dann hatte er Wickie-artig einen Einfall: 11 Freunde sei doch auch "bei uns". Da solle ich mich mal erkundigen, die haben bestimmt ein Premier League-Tippspiel. Dabei sei er auch bereit, mich mit seinem Expertenwissen zu unterstützen. Diese unendliche Güte, man bekommt so viel zurück!

Mittwoch, 16. August 2017

Ein Hoch auf den Übergangsmantel

Auch dieses Jahr will das echte Sommergefühl nicht aufkommen. An mir liegt es nicht! Ich gebe mit Flamingo-Sonnenblumen-Club Tropicana-Deko alles, um das letzte Fünkchen laue Atmosphäre herauszulocken. Vermutlich liegt es daran, dass ich mich jeden Abend fröstelnd auf mein warmes Bett freue. Selbst zwei Stunden Bügeln am Abend konnten letzthin nicht den gewünschten Effekt erzielen. DEN einen Sommerabend in diesem Jahr nutzte der Nachbar, um seinen Balkon zu kärchern. Folglich war meiner nicht sehr einladend - ich sage nur Krach und dreckiges Wasser. Vielleicht liegt es auch daran, dass man zu jeder Tageszeit das Licht anschalten muss, um sich in der Wohnung halbwegs orientieren zu können. Gestern Abend bat mich selbst der Sohn, der alters- und stimmungsgemäß keine hohe Affinität zu allzu viel Lumen hegt, ob ich das Licht in seiner Daddelhalle - andere nennen es Wohnzimmer - einschalten könne. Bei der vorherrschenden Adventsstimmung konnte ich ihn verstehen. Dass er es über Nacht nicht ausschaltete: geschenkt!  Der definitive Sommerkiller jedoch ist, seit Tagen gegen 6:30 Uhr von einem Höllenlärm geweckt zu werden, den ich in meiner geringen Zurechnungsfähigkeit jeden Morgen für einen dieser unsäglichen Laubpuster halte. Fehlte nur noch, dass mir jemand Lebkuchen (buerck!) reichte.

Dienstag, 15. August 2017

Waren-Termin-Geschäfte

Gestern rief die Tochter aus, sie sei jetzt erwachsen. Das Attribut steht ihr eigentlich schon seit einigen Wochen zu: erst die Volljährigkeit, dann die hervorragend bestandene Reifeprüfung. An anderen Stellen teile ich ihre Einschätzung nicht unbedingt - vor allem wenn es um Haushaltsbelange geht. Aber diese überkritische Haltung behalte ich natürlich für mich. Ist es nicht eine der zentralen Aufgaben einer Mutter, ihre Kinder in ihrer Selbständigkeit zu bestärken? Die Initialisierung, die zu ihrem Ausruf führte, war jedenfalls die Tatsache, dass sie "ein Konto machen wolle". Mein Hinweis, der Fachterminus laute "eröffnen", wurde einem "Ja, ja" weggewischt; ob ich ihr dabei helfen könne. Konnte ich. Sie beschloss, erst einmal YouTube-Tutorials dazu anzusehen. Ob ich den Fernseher leise stellen könne. Was ich ignorierte (ältere Menschen hören nicht mehr so gut). Ich merkte stattdessen an, dass ich das Medium nicht für das geeignetste zur Informationsbeschaffung halte. Ach, was wissen Mütter schon? Mit der ihr üblichen Verve ging sie auch beim Thema Bank sehr mit ("Was? Man kann mit der Kreditkarte NICHT kostenlos Geld abheben?"). Dann gab es auch wieder nachdenkliche Momente: "Warum bekomme ich das Konto eigentlich kostenlos? Was hat die Bank davon?" Ich erklärte es mit Anfixen und Spekulationsmasse. Eigentlich rechnete ich fest mit Kapitalismuskritik. Doch die bleibt wohl aus, wenn es um die Finanzierung des eigenen Lebens geht. Irgendwann stand die Entscheidung. Und das Kind war erwachsen oder so.

Sonntag, 13. August 2017

Ducken in Entenwerder

Wenn man Verpflichtungen am Wochenende entgehen möchte, empfehle ich Entenwerder. Nicht nur weil es namentlich zu "Duck and Cover" passt. Es ist auch schön dort. Und man kann an einem gewöhnlichen Sonntag viele schöne Aussprüche aufschnappen:
Hipster-Gruppe: "Die haben eine approval rate von über 40%, stellt euch das mal vor." Finde ich auch absolut beeindruckend.
Mittelalter Mann mit türkischem Migrationshintergrund: "Der Erdogan tot machen!" Ja, warum nicht?
Kind: "Bah, vegetarisch!" Die gibt's auch noch?
Auch schön: dem Muckibudenschwuppenpaar bei ihren erfolglosen Angelversuchen zusehen. Wieso gilt das eigentlich als Sport? Von dem bisschen nutzlos Blinkerauswerfen haben die ihre Astralkörper bestimmt nicht.
Aber nach wie vor das Beste: sich dem nachbarschaftlichen Jour Fixe zu entziehen.

Freitag, 11. August 2017

Schlummernde Talente

Vorletzte Nacht träumte ich von unserem prominentesten Nachbarn. Als einem seiner Groupies steht mir das zu, finde ich. Er erzählte mir, dass Andreas Dorau gar nicht live gespielt sondern nur Videos gezeigt habe. Das Lustige ist, dass Herr Dorau am Vorabend tatsächlich auf Kampnagel aufgetreten ist. Ich dann aber nicht hinging, weil mir 22 Uhr als Beginn mitten in der Woche zu spät erschien. Man braucht psychologisch nicht weiter als in der Küche unterwegs zu sein, um zu ahnen, dass mir die Erklärung unterbewusst das schlechte Gewissen nehmen sollte, nicht dort gewesen zu sein. Nach dem Statement zum Konzert erging er sich in Kommentaren über andere Bands, die ich allerdings allesamt nicht kannte. Das wunderte mich wenig, denn ich bin im Gegensatz zu ihm kein ausgesprochener Kenner der deutschen Musikszene. Was mich jedoch wunderte: dass er - trotz eigentlich westfälischer Provenienz - die ganze Zeit in bestem Barmbek Basch sprach, gespickt mit nicht mehr ganz altersgemäßen "Alda"-Äußerungen und ähnlichem. Doch auch das beherrschte er selbstverständlich bravourös. Seine Prominenz kommt schließlich nicht von ungefähr.

Donnerstag, 10. August 2017

Das prangere ich an

Manchmal ist es zum Verzweifeln. 
Da fühlt sich ein Großteil der Menschen in Bezug auf Diesel und Eier von Politik im Zusammenspiel mit der Wirtschaft gegängelt (war an der Stelle schwierig, ein halbwegs verträgliches Synonym für "verarscht" zu finden). Vollkommen zurecht, wie ich finde. Was ich jedoch nicht verstehe, warum dann aktuell mehr als 5% die FDP in den Bundestag zurück wählen würden. Denken hülfe.
Manchmal bringt jedoch auch Umsicht nichts. Montag und Mittwoch wurden uns beste Sommertage ("Premium!" wie die Brut sagte) angekündigt. Im August eigentlich nicht allzu verrückt. An beiden Tagen freute ich mich, aus meinem Sommerkleidfundus endlich etwas ausführen zu können. Wenn auch in der Hosenträger-Und-Gürtel-Variante mit Strickjacke ("Cardigan" wie die Brut sagte). Was soll ich sagen? Ich habe schwer gefroren. So sehr, dass ich mich heute früh für die Badewanne anstelle der Dusche entschied. Und was soll ich noch sagen? Ich habe zusätzlich heißes Wasser nachlaufen lassen. Demnächst werde ich mich wohl nach den 17-18 Grad in Großbritannien zurücksehnen.

Mittwoch, 9. August 2017

Wie Urlaub

Nicht darauf achten zu müssen, ob die Einkäufe gleichzeitig vegan, hochkalorisch und "lecker" sein müssen. Ich glaube, das ist das Entspannendste an meiner sturmfreien Zeit.

Dienstag, 8. August 2017

Fast CO2-neutral

Den gestrigen Abend habe ich putzend und aufräumend verbracht. Mag sein, dass es dem einen oder anderen wie verschenkte Zeit vorkommt, die knappen sturmfreien Stunden nach der Arbeit auf diese Weise zu nutzen. Gerade bei unerwartet sommerlichem Wetter. Doch ich fand's gut. Es ist befriedigend zu wissen, dass fünf Minuten später nicht sofort wieder Dreck und Chaos regieren. Dass ich beim Putzen unkommentiert meine Musik hören - und sogar mitsingen! - darf. Dass ich über den Müll meiner Kinder fluchen darf, ohne auf ihre empfindsame Seele Rücksicht nehmen zu müssen. Ihr Glück, dass sie mein Gezeter über ihre Hinterlassenschaften nicht hören konnten. Mit dem Zeug um Fernseher und PlayStation herum hätte man eine (vegane?) Familie ernähren können. Ich frage mich, ob dieses Phänomen in irgendeiner Öko-Bilanz berücksichtigt wird.

Sonntag, 6. August 2017

Typisch

Trotz oder gerade wegen ihrer Begeisterung für Manchester (Home of The Smiths etc.) echauffierte sich die Tochter über mangelnde Ordnung und Sauberkeit. Auch mich wundern die in Großbritannien an jeder Ecke aufgestellten Schilder "No Littering - Maximum Penalty £500", die offenkundig niemand befolgt und die die Abwesenheit von Mülleimern oder ähnlichem umso schmerzlicher erscheinen lassen. Die Tochter regte sich jedenfalls besonders in der Nähe der Kultstätte aller Smiths-Jünger auf, dem Salford Lads Club. Dass man alles so verkommen lasse, man wolle sich doch in seinem Umfeld wohlfühlen usw. usf. In antrainierter Ruhe schwieg ich und wies sie nicht auf etwaige Parallelen zu ihrem Zimmer hin. Aber vielleicht fühlt sie sich dort ohnehin nicht wohl? Das erklärte einiges...
Als sie an unserem letzten Urlaubsmorgen ein - zugegeben extrem unsympathisches - deutsches (süddeutsches, wie ich betonen möchte - schwules, wie ich nur anmerke) Paar sah, das alle ziemlich offensichtlich musterte und nicht nur für uns verständlich abkanzelte (die Brut nennt es "judgen"), suchte die Tochter nach irgendwelchen positiven, typisch deutschen Eigenschaften. Und fand ob dieses abstoßenden Beispiels keine. Ich bot Sauberkeit, Ordnung und Mülltrennung an. Und erntete das übliche Mutter-Ist-Peinlich-Bis-Rassistisch-Gesicht. 
Gestern fragte meine Mutter die Tochter nach ihren Plänen, ab September ein wenig Geld zu verdienen. Sie antwortete, sie habe schon ein wenig recherchiert. Auf 450€-Basis könne man sich zum Beispiel als Zimmermädchen verdingen. Es mag an einer gewissen Familienähnlichkeit liegen, dass meine Mutter und ich nahezu synchron die Worte "Bock zum Gärtner" ausstießen. Unisono Empörung bei der Brut. Seit ewigen Zeiten sei das Zimmer seiner Schwester nicht mehr unordentlich (ist bestimmt schon vier Wochen her, dass ich die Zimmertür vor lauter Kram und Dreck auf dem Boden nicht aufbekam), ihr Zimmer sei ordentlicher als meins (Kunststück, wenn meine sauberen Sachen nach Strumpfhosen durchwühlt werden und wenn ihrer beider gesamte dreckige Wäsche auf dem Fußboden meines Zimmers platziert wird). Sie könnten schon aufräumen und sauber machen. Ich retournierte, dass für mich und meine Position bei ihnen Nicht-Wollen eigentlich schlimmer als Nicht-Können sei. Wegen so viel mütterlicher und großmütterlicher Boshaftigkeit und Ungerechtigkeit weinte die Tochter schließlich. Dies hatte vorwurfsvolle Blicke des Sohnes in meine Richtung zur Folge. Ich muss wohl mehr Rücksicht auf die Gefühle meiner Kinder nehmen. Vielleicht ganz gut, dass ich eine Woche niemanden aus meiner Familie verletzen kann. Eine Woche Comfort Zone für sie. Unter uns: für mich auch - wenn auch in den Augen der Brut völlig unverdient.

Freitag, 4. August 2017

Zurück

Auch wenn ich den Linksverkehr nicht vermisse, Großbritannien fehlt mir schon jetzt.

Donnerstag, 3. August 2017

See ya, UK!

Zugegeben, manchmal war auch ich genervt von wahlweise unterzuckerten oder WLAN-entwöhnten unleidlichen Teenagern. Aber wenn der Sohn am letzten Urlaubsabend resümiert, es sei "ein sehr schöner Aufenthalt in Großbritannien" gewesen, hat sich das zeitweilige Durchhalten gelohnt. Manchmal bekommt man wirklich etwas zurück.

Mittwoch, 2. August 2017

Akklimatisiert

Heute früh war in unserem Hotel Feueralarm. Wir wurden zwar nicht von plärrenden Rauchmelder geweckt, aber wir lagen noch im Bett - und lasen (1x) bzw. genossen das WLAN (2x). Ich raffte mich auf und rief bei der Rezeption an. Es piepte auch durch den Hörer, denn der Alarm war überall im Haus. Höflich wurde ich darauf hingewiesen, dass es besser sei das Gebäude zu verlassen. Dann musste es wohl sein. Wir standen kurz draußen im Regen. Im Zurückgehen vermutete die Tochter zuerst, es sei wohl eine Übung gewesen. Ich erklärte ihr, dass ich das um 9 Uhr morgens in einem Hotel für unwahrscheinlich halte. Daraufhin war ihr alles klar: "Es hat wohl jemand beim Duschen die Badezimmertür nicht richtig geschlossen."

Dienstag, 1. August 2017

Urlaubsstimmung

Vor Jahren hat der Sohn den Botschaftstourismus erfunden. Es gab kaum Größeres für ihn als beispielsweise in Lissabon die Botschaft von Guinea-Bissau zu entdecken. Heute ist sein Bestreben, mich in jeden Chicken Shop Englands zu schleusen. Kommt einem im ersten Moment merkwürdig vor, dass ein Veganer die Mutter zum Fleischkonsum missioniert. Es liegt an den vielen YouTube-Videos vom Chicken Connaisseur, die er mit Hingabe gesehen hat. Mein Glück war, dass sich die Expertise des Hühnerkenners auf den Großraum London beschränkt.
Ansonsten verlässt mich mein Glück leider etwas. Mindestens eines meiner Kinder scheint immer zu schmollen. Beim Sohn hat die schlechte Laune meist Unterzuckerung zum Grund. Es ist auch in Großbritannien nicht leicht, immer rechtzeitig und zahlreich leckere, vegane Kalorien aufzutun. Bei der Tochter ist es das beklagenswert selten einzufangende WLAN. Ich hätte ihr Gold und Perlen bieten können, nichts Materielles hätte geschafft, sie aus ihrer Rumpelstilzchenlaune herauszuholen. Nach drei Tagen ohne Netz. Wir machen uns einfach keine Vorstellung von echtem Leid.

Sonntag, 30. Juli 2017

anobeithiol mewn cariad

Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich Großbritannien mag? Die Sprache, die gleichgültige Toleranz, die Höflichkeit und manchmal sogar Fish & Chips. Selbst the hardship of zwei Tage ohne WLAN mit zwei Teenagern ertrage ich hier stoisch. Das Hotel hier in Wales (noch bessere Sprache!) hatte zwar vollmundig Free WiFi angekündigt, den Zugang zu einem wackligen, mit WLAN verwandtem Netz offenbart man jedoch nur zögerlich (der angegebene Code stimmt nicht, wird von den Servicekräften aber hartnäckig bestätigt, man muss einen Buchstaben darin in Großbuchstaben verwandeln, das sah ich, als ich der Rezeptionskraft beim Eintippen zusah; don't try to fuck a fucker!).
Was mich neben der schicken Sprache am meisten fasziniert ist der Sinn für Logik:

Freitag, 28. Juli 2017

Süß

Die Kinder haben ihren Spaß daran, Englisch absichtlich falsch auszusprechen, um mich zu provozieren. Entsprechend erfreut sind sie über unseren heutigen Ausflug nach Greenwich - oder Grienwitsch wie sie sagen. Genauso wie sie sich über das Umsteigen am Leicester Square ("Lehchester") oder das Erreichen der Gloucester Road ("Glohchester" - finde ich ein wenig enttäuschend, daraus hätte man mehr machen können wie z.B. "Glauchester") gefreut haben. Unterdessen habe ich ausreichend britisches Savoir-vivre inhaliert, um angesichts der Provokationen vollkommen ruhig zu bleiben. Stattdessen korrigiere ich sie lieber auf deutsch und erkläre zum Beispiel dem Sohn, dass er nicht der "Gelachsmeierte" sei.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Meanwhile in London

Vielleicht war ich ein wenig zu euphorisch, was das britische Wetter angeht. Es regnet hier auch. Und richtig sommerlich geht auch anders. Das heutige "Bad Light" (einer meiner Favoriten als Grund, das Cricketspiel zu unterbrechen) hatte zur Folge, dass die Tochter und ich ins Kino gingen. Das Kino um die Ecke ist sehr sehenswert und Dunkirk wollten wir auch beide sehen. Vielleicht aus unterschiedlicher Motivation, aber wir beide wegen Cillian Murphy. Sagen wir so: die (sehr gut gemachte) schwere Kost passte ganz gut in die herbstliche Stimmung.
Währenddessen sicherte der Sohn seine Kalorienzufuhr. Auch gut.

Dienstag, 25. Juli 2017

Welcome Back

Welanien besticht durch bestes Sommerwetter. Wir sind geblendet - selbst gegen 19 Uhr. Was war nochmal dieses Helle am Himmel? Wenn mir früher jemand gesagt hätte: "Fahrt nach Großbritannien, um Sommer zu erleben!", ich hätte ihn oder sie für verrückt erklärt. Heutzutage finde ich es logisch. 


Auf nach Welanien!

Kurz vor unserem Aufbruch erhielt die Tochter noch Post von unserem Bundestagsabgeordneten. Eine Einladung zu einem Jungwählertreffen, die sie urlaubsbedingt leider nicht wahrnehmen kann. Sie war zwar gerührt, dass er an sie dachte, empörte sich aber gleichermaßen darüber, dass man ihre Anschrift und ihr Geburtsdatum zur Verfügung habe. In der virtuellen Welt haben sie und ihre Altersgenossen keine Probleme alles von sich preiszugeben, aber auf dem Papier ist es dann bedenklich. Print kann somit auch in dieser Generation nicht wirklich tot sein. Als böser Mensch merkte ich an, die Einladung sei eine gute Gelegenheit für unseren Abgeordneten an Frischfleisch zu kommen. Allerdings passe die Tochter nicht ins Beuteschema. Für eine Sozialisation in St. Georg reagierten die Kinder überraschend überrascht auf die gleichgeschlechtliche Orientierung unseres Abgeordneten, fand ich. Die Erkenntnis brachte jedenfalls den Sohn auf folgenden Plan: er werde den Politiker gefügig machen und dann organisiere dieser ihm eine HVV-Abo-Karte. Eine ÖPNV-Karte anstelle der Weltherrschaft - die Bescheidenheit hat er von mir.

Montag, 24. Juli 2017

Reisefieber

So langsam packt uns die Nervosität. Nicht mehr lange bis zu unserem Familienurlaub, der nach dem Abitur der Tochter vielleicht der letzte seiner Art sein wird. Check In, zentnerweise Wäsche waschen, Pässe suchen, Taschen herauskramen heißt es für mich. Für die Kinder bedeutet es eigentlich keinen Unterschied zu sonst. Stimmt nicht. Ab und an fragen sie, um welche Uhrzeit wir fliegen, wo wir wohnen werden und ob es da freies WLAN geben wird. Die Organisation hatte ich mir gemeinschaftlich vorgestellt, doch wegen häufiger Abwesenheit der Kinder oblag am Ende alles mir. Letzthin fragte die Tochter, ob sichergestellt sei, dass sie nach ihrem zweiten Urlaub - direkt im Anschluss an unseren, aber ohne mich und stattdessen mit Oma und Opa - möglichst nahtlos nach Hamburg zurückzukehren. Da es die einzige Konversation mit ihr für längere Zeit war, kam meine Antwort entsprechend unwirsch herüber. Das könne sie entscheiden und organisieren, schließlich sei ich nicht dabei. Herzlose Mutter, die nichts von Wiedersehenssehnsüchten des jungen Glücks versteht. Und das Kind in allen widersinnigen Situationen einfach für volljährig erklärt. Sie beschloss wohl, meinen Einwand zu ignorieren. Denn gestern erkundigte sie sich wieder, wie die Rückreise nach Hamburg geplant sei. Ihre Cousine habe sie angerufen und danach gefragt. Ich wiederholte, von meiner Seite sei nichts geplant und es werde auch nichts passieren. Immerhin gab ich in meiner unendlichen Güte den Tipp, sie solle sich am besten einmal mit Oma und Opa kurzschließen. Ich bin aber auch blöd! Denen kann man im Gegensatz zur Cousine schließlich keine Sprachnachrichten schicken. Wie ich mir das vorstelle: Anrufen, SMS schicken, Kommunikation über Joghurtbecher?Genau genommen gar nicht. Ich habe beschlossen, dieses Thema als Experiment zu behandeln: ob etwas, was und wann passieren wird?

Sonntag, 23. Juli 2017

Toll, wenn Vorurteile bestätigt werden

Schon vor langer Zeit wies mich die Tochter darauf hin, dass man Richtungswechselrolltreppen ohne Not nicht benutzen dürfe. Es könne oben jemand stehen, der ohne Rolltreppe nicht zu U-Bahn komme und der dann länger warten müsse. Da ich eine gelehrige Mutter bin, befolge ich diese Verhaltensweise seitdem. Egal, wie schlapp, schwer beladen oder hüftlahm ich gerade bin. Und auch egal, wie sehr ich mich oft darüber ärgere, dass die Tochter all' ihre Umsicht an unserer Haustür abzulegen scheint. Unbeteiligte Gehandicapte können schließlich nichts für meinen Ärger.
Vor diesem Hintergrund staunte ich nicht wenig, als ich gestern Mittag auf dem Weg zur U-Bahn ein solariumgebräuntes Pumperpärchen sah, das von der Bahn zur Muckibude selbstverständlich die Rolltreppe nahm. Ihre locker geschulterten Sporttaschen wirkten nicht, als befänden sich Wackersteine darin. Es blieb wohl bei den üblichen Utensilien wie Handtuch, Körperöl, Eiweiß-Anabolika-Shake und Haarspray (sie), Haargel (er). Ist völlig klar, dass man auf dem etwa 100 Meter weiten, unglaublich ermüdenden Weg zum Olympic Studio die Rolltreppe nutzen muss. Ein Blick in die beiden Gesichter reichte, um zu wissen, dass jeder Hinweis an die beiden zu viele Worte enthalten hätte, um dessen Sinn in die getoasteten Köpfe zu bekommen.

Beim anschließenden Einkauf wunderte ich mich aus gegebenem Anlass wieder einmal, warum bei starkem Regen Menschen mit Schirm denen ohne den Platz unter den Hausvorsprüngen wegnehmen müssen. Als ob Schirme nicht ohnehin schon blöd sind, weil man immer Gefahr läuft, ihre Spitzen in seinen Augen wiederzufinden. Das Beklagen fehlender Umsicht ist vielleicht ein erstes Anzeichen, dass ich unterdessen zur granteligen Alten mutiere? Ich glaube es nicht. Sonst hätte ich mein sturmfreies Wochenende wohl nicht in vollen Zügen genossen.

Freitag, 21. Juli 2017

Crazy

Gestern war ich auf einer Vernissage. So weit, so normal. Doch zum ersten Mal habe ich dort den roten Punkt an ein Bild geklebt. Ich glaube, ich werde mir neben Groupie und Spülmaschinentetris nun auch noch Kunstmäzen auf die Visitenkarte schreiben. Das Bild mochte ich schon länger - und doch scheute ich mich ein wenig (Finanzen, Anbringungsort etc.). Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich, dass die Künstlerin genauso - wenn auch aus anderen Gründen - mit dem Verkauf haderte. Dann waren wir wohl beide verwegen.
In meiner Euphorie habe ich heute früh dann sogar alle drei Briefe, die ich seit einer Woche in meiner Tasche mit mir herumtrug und die entsprechendend angegangen aussahen, in den Postkasten geworfen. 
Apropos Verwegenheit: wenn das nicht passend ist, dass ich ab jetzt ein sturmfreies Wochenende habe. Da ist das morgendliche Wummern gegen die Badezimmertür sofort vergessen. Der Sohn (empört): "Mama, ich muss JETZT Zähne putzen!", Ich (um die Ruhe im Bad gebracht): "Dann geh' doch nach unten!", Der Sohn: "Da ist keine Zahnpasta.", Ich: "Doch! Ich habe neue hingetan." Versteht sich von selbst, dass ich anschließend im unteren Badezimmer eine weitere angebrochene Zahnpastatube und in irgendeiner Ecke die klebrige silberne Schutzfolie fand. 

Donnerstag, 20. Juli 2017

Manchmal läuft es

Es ist eine trostlose Zeit, in der wir die Tochter/Schwester nur bei ihren kurzen Pit-Stops zum Wäschewechsel sehen. In Summe kommt sie in der letzten Woche auf eine häusliche Nettopräsenz von etwa 45 Minuten. Auf meine Begrüßung "Wir kennen uns irgendwoher?" erntete ich gestern Abend nur ein genervtes "Mimimi". Da trifft es sich gut, dass die Nachbarn für Unterhaltung sorgen. Sie echauffieren sich aus unterschiedlichen Gründen über jugendliche Mitbewohner, die nächtens an falschen Orten die Ruhe stören. Willkommen in der großen Stadt, möchte man sagen. Doch das ist natürlich nicht ausreichend gesinnungspolitisch gedacht. Früher hätte wahrscheinlich ein erboster Anruf bei den verantwortlichen Eltern genügt und das Problem wäre vom Tisch gewesen. Heute muss es der große virtuelle Pranger sein - am besten mit erstem und zweitem Bürgermeister in Kopie.
Der Wahrheit die Ehre bin ich einfach nur glücklich, dass ausnahmsweise nicht wir die Angeprangerten sind. 

Mittwoch, 19. Juli 2017

Ungerecht?

Als ich noch naiv und unerfahren war, dachte ich, die oft versendeten Sprachnachrichten der Tochter seien die Pest. Auch wenn ich wusste, es geht allen Müttern mit halbwüchsigen Töchtern kaum anders, tröstete mich das nur bedingt. Ständig aus technischem Unvermögen alle Kollegen teilhaben zu lassen an beispielsweise der Frage, ob ich wisse, wo ihre schwarze Cardigan sei,  schmälerte mein Ansehen als Digital User auf Dauer.
Jetzt weiß ich, es waren goldene Zeiten, als ich noch Nachricht von der Tochter hatte. Unterdessen lässt sie mich an ihrem Leben ungefähr so viel teilhaben wie ihren Vater. Nein, das stimmt nicht: ich habe schließlich noch ihre dreckige Wäsche.

Dienstag, 18. Juli 2017

Nicht alles Gold, was glänzt

Durch Zufall stieß ich gestern auf ein Wort, das von null auf hundert gleich eine Top-Position in meinem Lieblingswörter-Ranking einnimmt: Gerinnungsambulanz. Wirklich, so etwas gibt es! Im guten, alten UKE. Wer sich fragt, was die dort machen: "In der Gerinnungsambulanz befassen wir uns schwerpunktmäßig mit der Abklärung und Therapie von prothrombotischen (Thromboseneigung) und hämorrhagischen Gerinnungsstörungen (Blutungsneigung)." Aha.
Leider hält das neue Lieblingswort nicht so richtig, was es verspricht. Die ersten Zweifel kamen auf, als ich gestern feststellte, dass die Ambulanz Montags bis Donnerstags von 8 bis 16 Uhr besetzt ist. Und auch keine Minute länger. Denn mein Anruf um 16:01 Uhr ging bereits ins Leere. Gestern ärgerte ich mich noch, dort eine Minute zu spät angerufen zu haben. Heute weiß ich: egal, Schwamm drüber! Der Termin, den man mir heute anbot (zweiter Versuch um 8:02 Uhr klappte), liegt im Januar 2018. Ich: "Nicht ernsthaft?". Sprechstundenhilfe (schmallippig): "Warum sollte ich das nicht ernst meinen?". 
Ich war versucht, den alten Lateiner heraushängen zu lassen, ihr zu erklären, dass Ambulanz von "ambulare = gehen" komme und dass man dazu nach so langer Wartezeit vielleicht gar nicht mehr in der Lage sei. Aber mit humanistischer Bildung geht man nicht hausieren, das verbietet die gute Kinderstube.

Montag, 17. Juli 2017

Schade

Manchmal bedauere ich unseren zentralen Wohnort. Dieses Gefühl hat selten etwas mit Großveranstaltungen wie CSD, G 20, Lack-Leder-Convention oder ähnlichem zu tun. Auch wenn die anstrengend sein können. Vielmehr liegt es daran, schon an den Haltestellen Lohmühlenstraße, Berliner Tor oder Hauptbahnhof aussteigen zu müssen. Gerade hat man sich in die spannenden Konversationen seiner Mitreisenden eingehört, da muss man sich von diesen auch schon losreißen. Mein Highlight der letzten Zeit: die sächselnde Mittdreißigerin, die ihrem Partner und dessen Mutter wortreich darlegte, welche Unbillen sie als Expertin bei der Suche nach einem passenden Yogakurs für ihren Vater durchlebt hat. Wären da nicht meine schweren Einkäufe gewesen, ich wäre dem edukativen Wohlklang bis ans Ende der Welt gefolgt.

Samstag, 15. Juli 2017

Und sie bewegt sich doch!

Wenn die Hamburger Behörde bei allem so flink wäre wie beim Abstellen des Kindergeldes, hätte die Stadt keine Probleme. Kaum dass die Tochter das Original ihres Abiturzeugnisses in den Händen hielt (dessen Ausgabe in der Kantine stattfinden solle; ich hatte bei dieser Ankündigung Bilder von zerknüllten Papieren in Suppenkellen, die schwungvoll, aber lustlos auf das Tablett auf dem Laufband geknallt werden), befand sich der Brief der Familienkasse im Postkasten. In zwei Wochen sei Schluss mit dem Geld. Doch nein, das Kind kümmert sich schließlich intensiv um einen Studienplatz. 
Auch wenn es zu meinem eigenen Nachteil ist, sage ich es mit ein wenig Bewunderung: Jugendamt und Schulbehörde könnten sich von dieser Geschwindigkeit eine Scheibe abschneiden.

Freitag, 14. Juli 2017

Geßafft!

Ein Wort, das die Tochter seit jeher charakterisiert. Ob es ein erklommener Berg, eine durchgehaltene lange Strecke, eigenhändiges Anziehen, das Schreiben ihres eigenen Namens war, fast immer wurde die Handlung abschließend mit einem energischen "Geßafft!" kommentiert. Auch wenn sie es unterdessen ein wenig besser ausspricht, glaube ich, dass es noch immer Teil ihres intrinsischen Ehrgeizes ist.
Vorgestern dachte ich nun: "Sie haben es geschafft!". Mit "sie" waren die Tochter und ihre Freundin gedacht. Der einen Freundin, mit der sie als einzige von der ersten bis zur zwölften Klasse in der selben war. Mit der sie daneben noch so viel Anderes verbindet. Dass ich dabei nicht ans Abitur dachte, soll den Erfolg ihrer hervorragenden, überdurchschnittlichen Abschlüsse nicht mindern. Meine Gedanken waren dennoch und trotz langer Reden sowie allgemeiner Lobhudelei nicht in dieser Richtung unterwegs. Auf einer Parallelstrecke meines Hirns zählte ich übrigens, wie häufig das Wort "einstudiert" fiel. Ich kenne kaum eines, das so eng mit dem Themenbereich Lehrer-Schule verbunden ist wie dieses. Wenn ich richtig gezählt habe, waren es drei Nennungen.
Sie haben es also geschafft. Beide sind - dem Herrn sei Dank! - größer als ihre Großmütter väterlicherseits. Ich weiß, es müsste "länger" heißen, doch in diesem Fall meine ich sogar beides.



Mittwoch, 12. Juli 2017

Summer of 17

Beklagenswert, was man in Hamburg Sommer nennt. Besonders jedoch, wenn es gilt, die leichte Garderobe für die üblichen Abiturfeierlichkeiten auszuführen. Dann nörgelt selbst die Tochter, die im allgemeinen - anders als ihre Mutter ganz Hamburgerin - stoisch bleibt, auch wenn ihre Stiefel randvoll mit Regenwasser stehen. Doch zu diesem Anlass kann man ihren Unmut verstehen. Auch wenn Sommer anders geht, der Sohn hatte immerhin die Chance, die Partykleidung zu Ehren seiner Schwester auch im Juli mit seinem Kamelhaarmantel aufzuwerten.
Wirkte ein wenig wie Bademoden-Shootings im November. Aber jetzt haben wir es wohl geschafft.

Dienstag, 11. Juli 2017

Akademische Laufbahnen

Man freut sich über die guten Noten der Brut. Wird gar von einigen beglückwünscht zu den schulischen Leistungen der Kinder. Sie seien so reflektiert und sozial, heißt es.
Doch all' diese Eigenschaften scheinen sie abzulegen, sobald sie unsere Haustür durchschreiten. Jüngstes Beispiel: die Tochter schloss die Tür des Gefrierschranks nicht richtig. So weit, so normal. Etwa einmal im Monat friste ich mein Dasein ohnehin mit mechanischem Abtauen, weil die zeitweilig unzureichend geschlossene Tür zu starker Vereisung führt. Man weiß dann auch, warum das Gerät auf spanisch "nevera" heißt. Es war also wieder so weit. Da sich die einzelnen Schubladen jedoch vor lauter Eis nicht öffnen ließen und der Sohn nicht an seine heißgeliebten Tiefkühlfritten kam, hatte er die pfiffige Idee, das Problem mithilfe eines Feuerzeugs zu lösen.
Ich will es einmal so sagen: der Froster hat durch sein Überleben unter Beweis gestellt, dass er ein echtes Qualitätsprodukt ist (Liebherr eben) und die nun geschwärzten, ehemals weißen Ränder verleihen dem Gerät eine schöne Patina.
Ein wenig mehr praktische Intelligenz fände ich bei meinen Mitbewohnern wünschenswert. Eltern sind aber auch nie zufrieden.

Montag, 10. Juli 2017

Bockig kann ich auch

Es strengt mich an. Dieses an allen Stellen zur Schau getragene Engagement, das aber nur herausgeholt wird, wenn das Spotlight auf einen gerichtet ist. 
Als ob ich davon heute Abend nicht genug mitbekäme, wenn der Verflossene auf dem Abiball wieder einmal den engagierten Vater mimen wird, obwohl er weder Zeitpunkt noch Inhalt irgendeiner Prüfung für interessant oder wissenswert hielt. Von anderem wollen wir gar nicht erst reden.
Davor schon die Nachbarn, die den monatlichen Jour Fixe am Samstag verschoben haben, damit alle Mitbewohner demonstrieren gehen können. Auf "Die Gesinnungspolizei rät: Demonstrieren gehen" reagiere ich gewohnt ablehnend. Wenn ich bis dahin Interesse gehabt hätte, spätestens nach dieser Ansage möchte ich nicht mehr.
Und dann gestern das kollektive "Wir räumen die Schanze wieder auf", dem man sich nicht entziehen durfte, ohne in den Verruf zu kommen, asozial zu sein. Nach dem 1. Mai kommt doch auch niemand vorbei, um an den Hotspots für Ordnung zu sorgen. An ganz normalen Wochenenden entstehen dort ausreichend Graffitis, um eine Hundertschaft mit Wegrubbeln zu beschäftigen. Das kümmert schließlich auch keinen. Deswegen halte ich es wie zu Kindertagen: ich habe nicht mitgespielt, die anderen Kinder nicht einmal eingeladen, meinetwegen hätte niemand kommen müssen. Also räumte ich auch nicht auf. Ich setzte mich stattdessen lieber mit einem Buch in die Ecke.

Samstag, 8. Juli 2017

Schnarchen für den Weltfrieden

Zwischen drei und vier Uhr nachts gaben die Hubschrauber Ruhe. Davor und danach fühlte es sich an, als ob jeden Moment aus irgendwelchen Lautsprechern "Good Morning, Vietnaaaam!" dröhnen werde. Nur verständlich, dass man versucht, schnell zu schlafen und das Lärmvakuum mit demonstrativem Schnarchen zu füllen. Verglichen mit vielen anderen Schicksalen sicher ein harmloses. Aber Wohlfühlen geht auch anders.

Freitag, 7. Juli 2017

Alles gut

Was macht man nun mit einem freien Freitag, wenn man doch bis vor kurzem glaubte, in der Stadt bleiben zu müssen? Vermutlich das, was man machen sollte, wenn man mit zwei Teenagern zusammenlebt: Aufräumen, Putzen und Wäschewaschen. Ich ging noch weiter. Ich beschloss, die Küchenfenster zu putzen. Und die Maximen in den Wind zu schreiben, die in den letzten Tagen bei der Arbeit kursierten. Man solle sich nicht zu dicht am Fenster bewegen, um Heckenschützen nicht zu provozieren. Manchmal muss man auch mal etwas Verrücktes tun.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Return on Investment

Die Hubschrauber kreisen seit heute früh ohne Unterlass über unseren Köpfen. Wenn sie nicht wären, könnte man die Situation als Ruhe vor dem Sturm beschreiben. Alles flieht - wenn möglich - aus der Stadt - oder hat schon lange Reißaus genommen. Die Mönckebergstraße ist schon länger verbarrikadiert. Büros bleiben geschlossen. Man beklagt sich, im Homeoffice nicht auf die Kantine zurückgreifen zu können. Eingestaubte Stadtteile und verschlafene Vororte erfahren einen nie erlebten Attraktivitätsschub. Selbst die Tochter legt ihre Innenstadtkackermentalität ab und bringt sich in Ahrensburg in Sicherheit. Den Sohn verankert das Treiben vor der Tür noch mehr an die heimische PlayStation. 
Wenn man mich als ROI-Expertin fragt: die Millionen, die die Stadt Hamburg aktuell durch Schließungen, Straßensperren und anderes Farniente verpulvert, spielt sie so schnell nicht wieder ein. Höchstens auf der PS4.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

Der saudi-arabische König hat also für den G20-Gipfel abgesagt. Ich bin unterdessen sicher, dass die Sekretärin des Königs seine 150 Suiten im "Vier Jahreszeiten" über Booking.com gebucht hat. Bestimmt hat sie den Tarif gewählt, den man bis 48 Stunden vorher kostenlos stornieren kann. 

Montag, 3. Juli 2017

Drängende Fragen

Aus aktuellem Anlass stellen sich mir derzeit folgende Fragen:
- Darf nun Jogi nach der Abstimmung für die Ehe für alle die gesamte Confed-Mannschaft inklusive Co-Trainer heiraten?
- Wann wird Laber-Yoga olympisch?
- Wo sind bei real eigentlich die Alkoholiker-Parkplätze?

Freitag, 30. Juni 2017

Willkommen im Club!

Hat sie nicht eben noch Buchstaben aus Lego Duplo-Steinen gebaut? Ist sie nicht vor kurzem erst eingeschult worden? Und jetzt hat sie Abitur. Unglaublich! Nicht die Frage, ob sie es schafft, sondern die Vorstellung - ach, was sage ich: die Gewissheit -, dass es jetzt schon so weit ist.
Es ist mir egal, dass ich meine Wette gegen mich selbst verloren habe, sie werde einen besseren Abschluss als ich bekommen. Nun liegen wir exakt gleichauf. Wenn das nicht die Frage beantwortet, woher sie das bloß hat. 

Donnerstag, 29. Juni 2017

Und wer kümmert sich um mich?

Gestern Abend übte ich wieder einmal meine Multitasking-Fähigkeiten. Mein 2in1 hieß "Mental-Coaching und Kuchenbacken". Glücklicherweise ist die Tochter mit einem Großteil ihrer Mathe-Unterlagen wieder an den Küchentisch zurückgekehrt (wenn Mama ihn schon einmal aufräumt, will das genutzt werden), so dass ich für beide Tätigkeiten in einem Raum angesiedelt sein konnte. Für mein Dafürhalten sahen die Prüfungsvorbereitungen perfekt aus. Was weiß ich schon davon? Denn mein Gefühl hielt die Tochter nicht davon ab, im Verlauf des Abends in Tränen auszubrechen. Zugegeben, eine Nachricht der Mathelehrerin mit einer kryptischen Formel, die sie in die Abiturientengruppe schickte, steigerte die Unsicherheit. Wie gut, dass kurz danach die Nachricht "flsche Gruppe S12" folgte. Man weiß schon, warum sie Mathematik und nicht Sprachen unterrichtet. Fachlich konnte ich wiederum der Tochter nicht allzu viele Hilfestellungen geben, aber zumindest in Sachen Präsentation. Das Minimalziel war erreicht, denn sie schlief heute Nacht gut. Und der Kuchen ist auch etwas geworden. 
Jetzt also Daumen drücken!

Dienstag, 27. Juni 2017

Beseeltes

In der blauen Stunde zwischen Schlaf und Aufwachen kamen mir folgende Worte in den Sinn: gesegnet vom Gleichstellungsbeauftragten. Ich bin ja psychologisch mehr im Bereich der Küche unterwegs, aber das sagt bestimmt etwas über mich aus. Und sicher nur Gutes. Aus diesem Gedankenkreis scheint mich noch mehr zu beschäftigen. Letzthin habe ich mir überlegt, in Zukunft auf die Frage nach der Konfession nur noch mit "Buddhist, du Arsch!" zu antworten. Die eigenen Witze sind doch immer die besten.

Bin ich der Pumuckl?

Selten komme ich mir so missachtet, ja gar unsichtbar, vor wie auf dem Fahrrad. Dass einen Autofahrer ignorieren, man kennt das. Aber dass man auch von Fußgängern, die eine Straße überqueren, vollkommen ausgeblendet wird, verwundert schon. In den fünf bis sechs Situationen, in denen ich pro Tour von Fußgängern ignoriert werde, spiele ich jedesmal mit dem Gedanken, nicht pflichtschuldig abzubremsen, sondern einfach in die Ignoranten hineinzufahren. Jedesmal werde ich davon abgehalten, dass ich mich bei dererlei Aktion bestimmt noch schwerer als die Gegenseite verletzte. Und doch nagt das Gefühl an mir, fortwährend missachtet zu werden. Dabei sollte ich mich langsam daran gewöhnt haben: torpediert doch der Vater meiner Kinder ständig meine pädagogischen Bemühungen. Es wäre fast in Ordnung, wenn er sie nur ignorierte. Aber fürs Vereiteln habe ich einfach zu viel Energie hinein gesteckt. Ich sollte mich als Radfahrerin einfach demütiger zeigen: wenn ich nur übersehen werde, läuft es doch gut.

Montag, 26. Juni 2017

Sieben von neun

Einiges habe ich am eher trüben Wochenende geschafft. All' diese Kleinigkeiten, die erledigt werden wollen. Für sich genommen braucht keine der Aktionen lange, in Summe kann man schon ein verregnetes Wochenende dafür aufbringen. Herrlich, dieses Gefühl, wenn man der Nachbarin auf ihr Genörgel, in der Wohnung nebenan piepe es, antworten kann, das sei schon lange erledigt. Wobei "lange" eine Zeitspanne von etwa drei Minuten beschreibt. Denn kurz vor dem Zusammentreffen hatte ich die Batterien von zwei Rauchmeldern in der Wohnung meiner Eltern ausgetauscht. 
Was ich dieses Wochenende nicht geschafft habe: die aktuelle Zeit zu lesen. Es gab da eine Barriere, das Cover mit Helmut Kohl. Von Birne hatte ich bereits in den Achtzigern genug. Und nur weil er jetzt tot ist, muss ich ihn noch lange nicht besser finden. "Sein Erbe", davon bekomme ich grüne Pickel. Ich erinnere nur an "blühende Landschaften". Er war einfach da, als alles passierte. Mir ist nicht klar, was daran sein Verdienst ist. Müssten wir nicht auch allzeit Walter Momper huldigen? 

Sonntag, 25. Juni 2017

Endlich beruhigt

Schwager Gerd ist endlich aufgetaucht. Er sollte eigentlich am Donnerstag gegen 23 Uhr hier eintreffen. In Abwesenheit seiner eigentlichen Schwippfamilie sollte ich ihn einlassen. Ich wartete ungefähr eine Stunde, ehe ich aufgab und das Staffelholz an die Brut übergab, die - thank God for his small mercies - nur noch bedingt schulisch eingespannt sind. Auch sie warteten vergeblich, wenn auch deutlich weniger bangend. Schon in der Wartezeit startete mein Kopfkino: Bilder von Schwager Gerd, erschlagen von umfallenden Bäumen bzw. zumindest von heruntergekommenen, kapitalen Ästen oder wegen Aquaplaning mit der Harley vor einen Baum gerast. Auch wenn ich Menschen kenne, die meinen, nur ein toter Motorradfahrer sei ein guter, gilt das garantiert nicht für bekannte. Um meine Phantasien zu bekämpfen, guckte ich in meine Facebook-Timeline. Die allgegenwärtigen apokalyptischen Bilder vom Vormittag, die außer mir wohl jeder in Hamburg gepostet hatte, trugen nicht wirklich zur Beruhigung bei. Genauso allgegenwärtig waren später die Bilder und Videos vom Depeche Mode-Konzert in Berlin. Übrigens: so sehr ich Dave Gahan gerade als Live-Künstler schätze, der Hartgeldluden-Oberlippenbart tut nichts für ihn. Außer mir schien jeder in Berlin gewesen zu sein. Ganz Frankreich? Nein, ein kleines gallisches Dorf... Es muss wohl neben mir noch andere gegeben haben, denn irgendwann tauchten auch Bilder vom Bon Jovi-Konzert in Hannover auf. Dass in Hannover wegen des Gewitters eine Stunde unterbrochen werden musste, konnte in Sachen Beruhigung leider auch nichts. Heute früh endlich sah ich einen unversehrten Schwager Gerd seine obligatorische Frühstückszigarette vor meiner Haustür rauchen. 
Was mich außerdem entspannt: Erstens ist das Wetter so wenig sommerlich, dass man kein schlechtes Gewissen bekommt, das Wochenende nahezu ausschließlich mit Schlafen, Lektüre und Heißgetränken zu verbringen. Zweitens konnte ich den Sohn für das sonst von ihm abgelehnte Frühstück gewinnen. Er zierte sich erst, um dann fünf Brötchen mit Belag zu inhalieren. Na bitte, geht doch.

Freitag, 23. Juni 2017

Aus einem Messie-Haushalt

Es war klar, dass die Prüfungsvorbereitungen nicht im Zimmer der Tochter stattfinden würden. Dazu ist ihr Schreibtisch zu überbordend mit außerschulischen Objekten bestückt. Vom Rest des Raumes gar nicht zu sprechen. So the Küchentisch it is. Ihr Argument ist ohnehin seit jeher, sie könne in der trubeligen Küche besser lernen als in der Ruhe ihres Zimmers. Nur hartherzige Mütter könnten sich dem widersetzen. Unterdessen können wir auf dem Küchentisch ein ähnliches Phänomen wie auf besagtem Schreibtisch beobachten. Er ist flächendeckend vollgemüllt mit Unterlagen, Karteikarten, Taschenrechnern, Kabeln, Linealen, Soul Food-Verpackungen und Zeitschriften. Wer jetzt denkt, nun räume die Tochter wahlweise ihr Zimmer oder den Küchentisch auf, der denkt zu kurz. Damit rechnen sie bloß! Das Chaos an diesen Stellen bleibt. Es werden neue Räume erschlossen. Die Wahl fiel auf den Fußboden des Wohnzimmers - wohin auch sonst? So naheliegend diese Entscheidung auch war, sie war mit einer Hürde verbunden: nach diversen Pommes-/Chips-/Keks-Exzessen des Sohnes bot der Boden nicht die notwendige Ebenheit. Nichts leichter als das. Mit einem Besen fegte die Tochter die notwendige Fläche frei. Wie beim Friseur mit der Maxime, keinen (Quadrat-)Millimeter mehr als nötig. Und natürlich, ohne anschließend den Besen zurückzustellen. Für mich steht die Ordnung auf den Flipchart-Seiten im Widerspruch zum Drumherum. Aber wie üblich bin ich kleinlich.

Wenn es stimmt, dass man von seinen Kindern so viel zurückbekommt, will ich hoffen, dass es auch für Stifte gilt.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Mittsommer in Hamburg

Hier wieder Service von meiner Seite:
Im Moment haben wir die Saison für Pommes Frites. Unbedingt im Mindestens-750 Gramm-Gebinde im Rahmen einer Mahlzeit zu verspeisen. Anständig vegane Mayo und Ketchup nicht zu vergessen. In Nichtveganen-Haushalten empfehlen sich zusätzlich Bouletten, Bratwurst oder panierter Fisch. Das ist wahrhaft saisonale Küche! Denn dank der guten Belüftungsmöglichkeiten in dieser Jahreszeit hält sich der Frittenbudengeruch nur einen Tag (genau so lange, bis der Sohn die Frittiermaschinerie wieder anwirft) - und nicht eine Woche.
Außerdem ist Hochsaison für absurdes Theater. Sowohl in Sachen Abiball (verlegt vom G20-Tag auf den darauffolgenden Montag) als auch in Sachen Nachbarschaftsstreitigkeiten.
Der Service ist fast so gut wie ein Horoskop, oder?

Mittwoch, 21. Juni 2017

Alles wird anders

Diese Schweinerei muss eine andere werden. Heute früh gegen 5:30 Uhr (als mich die blöde Hüfte nicht schlafen ließ) beschloss ich, mir auch eine private To-Do-Listen anzulegen. Alles neu macht der Sommeranfang. Doch der Wunsch nach Neuerung scheint nicht nur mir innezuwohnen. Plötzlich und unerwartet ist in zwei Wochen der G20-Gipfel. Und genauso plötzlich fällt den Veranstaltern auf, dass der zeitgleiche Abi-Ball nicht so eine gute Idee wäre. Na gut, dann eben am darauffolgenden Montag oder Dienstag. Mindestens genauso gut.

Montag, 19. Juni 2017

Sensibilisierung

In der letzten Woche war ich beim Hautscreening. Ein Hoch auf den nicht mehr ganz neuen Arbeitgeber, der so etwas anbietet! Im Termin wurde ich neben der Kontrolle eindringlich auf die Notwendigkeit eines hohen Lichtschutzfaktors hingewiesen. Mit meinen 20 brauche ich gar nicht anzukommen. Brav war ich anschließend in der Apotheke und besorgte die vorgeschlagenen Produkte. Freitag und Samstag musste ich mir um Sonnenschutz keine Gedanken machen, denn den Großteil der Tage verbrachte ich inhäusig. Aber gestern dann. Brav habe ich mich - ausreichend dick aufgetragen - im Gesicht eingecremt. Was soll ich sagen? Jetzt habe ich einen miesen Sonnenbrand auf den Oberschenkeln. Schön blöd. Ein Trost ist immerhin, dass meine Kinder nicht betroffen sind. Sie pflegen ihre vornehme Blässe. Der Sohn vor der PlayStation, die vielleicht noch ein klein wenig weißer ist als er. Die Tochter auf Norderney (!). Der Aufenthalt auf der Insel sollte ohnehin eher der Mathe-Abi-Vorbereitung gelten. Dass daraus nichts würde, war mir im Vorfeld klar. Der Tochter erst bei der Rückkehr. Zumindest sah sie ihre erzwungene Element of Crime-Sozialisation etwas bestätigt:
In meiner Euphorie ignoriere ich mal die Orthographie-Schwäche.

Sonntag, 18. Juni 2017

Wo ist der Tag zwischen Sonntag und Montag?

Ich vermute, es geht mir nicht anders als den meisten: Je älter ich werde, desto mehr brauche ich das Wochenende zur Erholung. Pfingsten schien mir die passende Länge zu haben. Das Modell vier Tage Arbeit und drei Tage Entspannung fühlte sich genau richtig an. Entsprechend unerquicklich sind Wochenenden, deren Sonnabende mehrstündige Präsenz am Arbeitsplatz erfordern. Egal, wie nett es dort ist. Als ob das nicht genug wäre, träumte ich heute Nacht, ich hätte mich nach einer Hüft-OP unerlaubt ohne Stützen auf eine Wanderung gemacht. Dies fiel mir natürlich in der Mitte eines offenen Feldes ein. Noch im Traum wunderte ich mich, zählt doch Verwegenheit nicht zu meinen Haupteigenschaften. Genau genommen bin ich Schisser. Ich traue mich normalerweise selbst nach ärztlicher Erlaubnis oder gar Aufforderung nicht, die Gehhilfen wegzulassen. Doch für Verwunderung blieb keine Zeit. Ich musste überlegen. War ein möglichst entlastetes Laufen auf kürzester Strecke für die Hüfte besser als auf einem Bein zu hüpfen? Ich entschied mich für Ersteres. Und wachte dennoch mit schmerzender Hüfte auf. Wer kann schon sagen , ob es am Traum-Phantomschmerz oder am ungewohnten Arbeitstag lag?

Freitag, 16. Juni 2017

Medienstadt Hamburg

Es mag an Pfingstferien, Feier- oder Brückentag liegen. Alles kennen wir hier in der Hansestadt nicht. Jedenfalls sind derzeit sehr viele süddeutsche Familien in der Stadt. Man erkennt sie meist an ihren lustigen Mundarten ("Hasch Durscht?"). Oder daran, dass sie in halbfremden Zungen ihr Wissen über Hamburg kundtun. Heute traf ich im Herausgehen zum Feierabend auf süddeutsche Touristen auf dem üblichen Weg zwischen Michel und Elbphilharmonie. Papa: "Hier wird Stern TV produziert." Sein Anhang: "Woher weißt du das?" Papa: "Ich habe da gerade ein Stern-Logo gesehen."
Aus dem Rheinland waren sie wohl nicht. Sonst hätten sie gewusst, dass die Produktion in Köln sitzt.

Donnerstag, 15. Juni 2017

3 in 1

Ein Tag, der - um es neudeutsch auszudrücken - Content für drei gehabt hätte. Am frühen Morgen erst den Motivationscoach für den Sohn geben. Direkt im Anschluss beruhigend auf die Tochter einwirken, die später ihr Thema für die mündliche Abiturprüfung in Mathe bekam. Sie schaffe das schon. So schwierig werde die Aufgabe bestimmt nicht. Ein Punkt sei am Ende auch ok. Dann die üblichen acht-neun Stunden Arbeit. Währenddessen die Lernhilfe für die Tochter angebahnt, ihr Zugtickets nach Norderney gebucht und versucht, mit dem Kopfschmerz klarzukommen, der sich wegen des dräuenden Gewitters entwickelte. Dann auf zum Sommerfest, zu dessen Beginn (bzw. auf dem Weg dorthin) pünktlich die Regengüsse starteten. Drei Stunden später auf dem Nachhauseweg eine sintflutoptimierte Route gesucht und kläglich gescheitert. Ich dachte, den inkarnierten begossenen Pudel perfekt performt zu haben. Bis ich den Sohn sah. Der hatte sich, vermutlich mit der Intention weiter zu wachsen, vorsätzlich in den Gewitterschauer begeben, um wirklich triefend nass zurück zu kommen. Immer dreimal mehr als wie Du! 

Mittwoch, 14. Juni 2017

1 A

Ein Vorteil, in einem großen Medienhaus zu arbeiten, besteht darin, Zugang zu allen möglichen Premium-Verlagserzeugnissen zu haben. Das kann man gar nicht oft genug sagen. Manchmal wünschte ich mir, die Kollegen zeigten sich ob dieses Bonus' etwas demütiger.

Dienstag, 13. Juni 2017

Weitere pfiffige Ideen

Letzthin ließ mich der Sohn an seiner neuen Geschäftsidee teilhaben: Lebensmittel günstig en gros einkaufen, um sie teurer en détail zu verkaufen. Wahnsinnig neu. Auf meine Frage nach dreckigen Details antwortete er: "Mama, so ruchlos bin ich auch nicht!" Man kann dem Internet sicherlich einiges vorwerfen, aber der Eloquenz scheint es nicht zu schaden.

Montag, 12. Juni 2017

Reisetrends

Es wird Zeit, dass an dieser Stelle etwas mehr Service geboten wird. Deswegen liefere ich hier und jetzt die aktuellen Reisetrends.
Vor nicht allzu langer Zeit pflegten wir (genau genommen der Sohn und ich) den Konsulatstourismus. Das bedeutet, ich kenne in Lissabon neben über 30 anderen Botschaften auch die von Guinea-Bissau. Ein Land, von dessen Existenz ich vorher kaum wusste. Doch Konsulatstourismus ist so 2012!
Der Hipster-Tourismus heißt "So-Lange-Es-Noch-Geht-Reisen". Was wir letztes Jahr in den USA begonnen haben, werden wir 2017 in Großbritannien fortsetzen. Eine Frage, die ich mir als Quintessenz der beiden Tourismusformen stelle: Wird es den Union Jack noch geben, wenn Schottland aussteigt? Viel interessanter jedoch: Wohin wird es uns 2018 verschlagen?

Sonntag, 11. Juni 2017

Wahnsinnig pfiffige Idee

Zugegeben, ich nutze mein iPhone oft und manchmal auch gerne. Man mag es positiv oder negativ deuten, aber es hat mich wieder zum Schreiben gebracht. Ich nutze gerne die Möglichkeit - wie es so schön dummdeutsch heißt - niederschwellig an Informationen zu kommen, ohne lästiges Hochfahren oder blöde Logins, für die man sich vielerlei Kennwörter merken müsste. Manchmal finde ich es sogar interessant zu sehen, wie viele Kilometer ich am Tag zurückgelegt oder wie viele Stockwerke ich erklommen habe. Ich teile auch nicht die Furcht, irgendjemand könnte sich diese Daten zueigen machen. Selbst wenn, wen sollte es außer mir interessieren? Vielleicht sollte man sich selbst gerade im digitalen Zeitalter nicht allzu wichtig nehmen. 
In einer Mischung aus Verwunderung, Belustigung und Verärgerung habe ich jedoch bemerkt, dass sich serienmäßig und nicht zu entfernen ein Feld "Achtsamkeit" in meinem Smartphone verbirgt. Als ich neugierig darauf klickte, stellte ich fest, mir wird erst einmal die Bedeutung dieses Einstückweit-Wortes erklärt und dann habe ich die Möglichkeit, meine "Minuten der Achtsamkeit" dort einzutragen. Wahrscheinlich um am Ende "Mayor of Attentiveness" zu werden. Vermutlich gibt es dafür Wettbewerbe, von denen ich in meiner Unbedarftheit nichts mitbekommen habe. Wie viele Globuli, Psycho- oder Dianetik-Sitzungen muss man eigentlich hinter sich haben, um auf diese Idee zu kommen? Seine Entspannungsmomente digital zu protokollieren? Und warum fällt mir dazu nur die uncharmante Devise "Ficken für die Jungfräulichkeit" ein?

Freitag, 9. Juni 2017

Es gibt Hoffnung

Aus gegebenem Anlass verbrachte ich den gestrigen Feierabend putzend. In zweieinhalb Stunden kann man als einzelne Nicht-Fachkraft auf 116 Quadratmetern zwar nicht allzu viel ausrichten, aber wir nähern uns wieder den mitteleuropäischen Hygienestandards. Zumindest vorübergehend. Immerhin war der Hauch einer Brutbeteiligung zu spüren. Der Beitrag der Tochter bestand darin, den Wohnzimmertisch abzuwischen und Besserung zu geloben, ehe sie zu ihrer Verabredung entschwand. Der des Sohnes in Beseitigung der gröbsten Schweinereien in seinem Zimmer und in aufmunternden Worten ("Oh, ist alles so sauber!"). Man bekommt so viel zurück. 
Pfingsten hatten die beiden bei einem ihrer Spaziergänge - deren hauptsächlicher Zwecke wohl darin liegt, sich außerhalb des mütterlichen Gesichtsfeldes eine Zigarette anzuzünden - unsere ehemalige Haushaltshilfe getroffen. Ehemalig deswegen, weil er vor Weihnachten (!) ohne ersichtlichen Grund beschlossen hatte, nicht mehr zu uns zu kommen. Sie unterhielten sich nett. Im Verlauf des Gesprächs fragte er die beiden, wer denn jetzt bei uns putze. Sie antworteten: "Wir." Daraufhin habe er laut gelacht. Es spricht für ihre Ehrlichkeit, dass sie mir dieses Erlebnis zutrugen. Er gab ihnen noch mit auf den Weg, sie sollen mir sagen, er sei da. Ich glaube, ich werde über meinen Schatten springen, vergessen, dass er uns das Putzen nicht selbst zutraut, und anrufen. Wenn ich die Nummer nicht aus Wut gelöscht habe...

Donnerstag, 8. Juni 2017

Spaß für tausend

Hätte ich die Wahl, ich zöge wohl aus meiner aktuellen WG aus. Meine Mitbewohner gehen mir auf die Nerven. Dass sie mit mir zusammenwohnen, bemerke ich nur an Dreck, Unordnung und Schmutzwäsche. Ansonsten wechseln wir gelegentlich drei Worte wie: "Jetzt nicht auf die Toilette, ich habe gerade gewischt.", "Oh, Mann! Ich muss aber!".
Wahrscheinlich bin ich - wieder einmal - undankbar. Schließlich haben sie im Gegensatz zum früheren Mitbewohner noch nie blöde Sprüche über den Zusammenhang zwischen Putzen und Zyklusphase gebracht.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Nie wieder!

In meiner unendlichen Güte habe ich wegen des großen Erfolgs nicht nur an zwei Tagen hintereinander vegane Lasagne produziert. Die Erkenntnis ist übrigens, dass die Béchamel-Soße mit Hafermilch besser schmeckt als mit Sojamilch. Doch das nur am Rande. Nein, ich machte mich gestern nach der Arbeit auch noch auf den Weg, das stumme Telefon des Sohnes zur Reparatur an einen entlegenen Ort zu bringen. Bei unserem Glück eigentlich überraschend, dass sein Aufgeben noch innerhalb der Garantiezeit passierte. Zuhause also schnell das tote iPhone eingesackt, die Tasche um viele schwere Zeitschriften entleert und dann im Schweinsgalopp zum Laden. In der U-Bahn Panik: mein eigenes (funktionsfähiges!) Telefon war weg! Neben der Sorge, dass ich es für immer verloren haben könnte, plagte mich die Langeweile in der Bahn. Keine Printerzeugnisse und keine mobilen Endgeräte. Ein Blick ins Umfeld sagte mir: ich bin ganz allein. Alle anderen starrten unbewegt auf ihre Smartphones, nur gelegentlich unterbrochen durch ein Daumenwischen. Ich hatte genügend Zeit alle zu studieren, um zu beschließen, dass ich so nicht aussehen möchte. Selbst wenn ich mein Telefon wiederfinden sollte: ab jetzt kein tumbes Bildschirmgaffen mehr in der U-Bahn! Sagen wir so: 
Der Entschluss hielt zumindest über Nacht. Das Telefon fand sich zuhause zwischen Zeitschriften wieder.

Montag, 5. Juni 2017

Realitäts-Check

Und dann wurde es doch noch hektisch. In Aussicht auf unwirtliches Wetter am Vormittag des Pfingstsonntag schlug ich vor, mit der Verwandtschaft "Gimme Danger" zu sehen, der auf wundersame Weise genau zu diesem Zeitpunkt im Kino lief. Ich bin nicht bibelfest genug, um zu wissen, ob es zwischen der Geschichte Iggy Pops bzw. der Stooges und der Auferstehung des heiligen Geistes einen thematischen Bezug gibt. Die Tochter, trotz größten Interesses am Film, konnte mich leider nicht begleiten. Zu sehr ist sie dieses Wochenende mit der Verabschiedung ihres Freundes beschäftigt, von der man annehmen könnte, es ginge um eine sibirische Verbannung anstelle eines einmonatigen Drehs außerhalb Hamburgs. Der Sohn war ohnehin nicht zu motivieren. Mein Plan für den Vormittag sah vor, nicht allzu früh aufzustehen, in Ruhe eine Kanne Tee zu trinken und dann nach Ottensen aufzubrechen. War naiv, zugegeben. Irgendwann, als ich mich gerade mit einem Tee hinsetzen wollte, begann der Sohn das allseits bekannte Frageritual. Was es Leckeres zu essen gebe. Die übliche Reaktion auf "Brötchen" war: "Mama, was Leckeres!" Am Vortag hatte ich einen Anfängerfehler begangen: In meinem Bemühen, die Zutaten vor der töchterlichen Vernichtung zu verteidigen, hatte ich geäußert, irgendwann am Pfingstwochenende ein Pilotprojekt in Form einer veganen Lasagne kochen zu wollen. Der Sohn fand, nun sei der geeignete Zeitpunkt. Ich fand das weniger. Ich versuchte, ihm den Plan schmackhaft zu machen, ich gehe erst ins Kino, bringe dann die Verwandtschaft mit und wir essen gemeinsam die von mir zubereitete Lasagne. Er habe doch jetzt Hunger. Dann helfe ihm eine Lasagne in spe auch nicht weiter. Doch, so lange könne er warten, sie brauche ja nur ofenfertig zu sein. Ein, zwei Augenaufschläge und er hatte seine Mutter umgestimmt. Jahrelanges Training. In unerwartetem Zeitdruck machte ich mich ans Werk. 
Nur gut, dass ich die Verwandtschaft nicht nach dem Kino auf eine Portion Lasagne eingeladen habe. Es wäre peinlich geworden, denn der Sohn hatte sie komplett verhaftet (15 Nudelplatten, die übliche Menge Bolognese, gut Dreiviertel Liter Béchamel-Soße und 200 Gramm "Käse"; was Heranwachsende eben so brauchen) . Wenigstens weiß ich auf die Weise, dass sie geschmeckt hat. Zumindest ihm.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Saison

Es ist mir egal, ob es Mai oder Juni ist. Das Wetter ist mir weniger gleichgültig. Denn, Wetter, jetzt aufgemerkt: Ich lasse mir mein ausgewogenes und vor allem passendes Bekleidungskonzept nicht durch Dich zerstören! Auch wenn Du in den letzten drei Tagen mit aller Macht versucht hast, mich zum Einknicken zu bewegen. Gewitter am Dienstag: ich trage dennoch ein weißgründiges Kleid. Kälte am Mittwoch: ich trage trotzdem ein rotes Sommerkleid ohne wärmendes Beiwerk. Dann koche ich abends eben Suppe, um auf die richtige Betriebstemperatur zu kommen. Und ich gehe noch einen Schritt weiter, wiederhole das Kleiderexperiment heute - wenn auch in grün - trotz gerade mal zweistelliger Temperaturen. 
Sollte ich demnächst erkältet sein: an mir lag es nicht; Du trägst die Verantwortung. So!

Mittwoch, 31. Mai 2017

Glückspilz

Es muss wohl eine Glücksträhne sein. Erst bekomme ich gestern Komplimente wegen eines neuen Kleides. Dann treffe ich gegen 23 Uhr auf beide Kinder, wir sitzen sogar in trauter Dreisamkeit am Küchentisch. Heute wurde mir mein Fahrrad nicht gestohlen, obwohl es wahrscheinlich längere Zeit unabgeschlossen draußen stand, weil das Schloss kaputt ging. Mehr kann man von einer Wochenmitte nicht erwarten, glaube ich.

Dienstag, 30. Mai 2017

Harte Zeiten

In der kurzen Zeit, in der ich heute Nacht schlief, träumte ich, von einem professionellen Kriminellen verfolgt zu werden. Seine Mission bestand darin, mir das Augenlicht auszulöschen. Kein schöner Traum, fürwahr. Sein Mordwerkzeug war gleichermaßen beängstigend wie professionell. Es handelte sich dabei um diese Fang-den-Ball-Becher, mit denen man einen Tischtennisball nach oben katapultieren kann. Oder eben ins Auge. Die Verbrecher werden auch immer durchtriebener. Und wieder einmal erschreckend, die Realitätsnähe meiner Träume.

Montag, 29. Mai 2017

Ehegattensplitting

Wahrscheinlich bin ich nur undankbar. Ich hätte mich freuen sollen, dass der Gatte gestern gegen seine Gewohnheiten nicht spontan vorbeikam, sondern sich angekündigt hatte. Stattdessen ärgerte ich mich. Ob der Sohn innerhalb G8 fertig werde? Als selbst er meinen Unmut ob dieser Frage spürte, rechtfertigte er sich mit dem Argument, er habe sich schließlich schon länger nicht mehr mit Schulfragen beschäftigt. Als ob mir das entgangen sei! Ich wunderte mich vielmehr darüber, dass es in seiner Erinnerung Momente gegeben haben soll, in denen er sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben will. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten die Kinder die Schule ab der Langen Reihe besucht, meinte er. Das war mir erstens neu, und zweitens nicht das Thema, denn bei dieser Schulwahl handelte es sich um die Grundschule, deren Auswahl mit einem 18-jährigen Kind schon verdammt lang her ist. In meine beredte Stille sagte der Gatte, er freue sich, dass der Sohn in Sachen Schule "hochmotiviert" sei. Kein Wunder, dass er mich überengagiert findet, wenn er dem gleichen Sohn hohe Motivation attestiert, den ich mit Glück zu 50% Anwesenheit in der Schule drangsaliere.

Sonntag, 28. Mai 2017

Sachliche Romanze

Einige Repliken hätte ich erwartet. Vielleicht sogar den - berechtigten - Vorwurf, ich sei die schlechteste Fußnagellackiererin der Welt. Doch dass der Sohn auf meine Ermahnung, er möge die in der Küche herumliegenden Chipstüten nicht anrühren, antwortete: "Als ob! Ich zelebrier' doch nicht meine Mittelmäßigkeit." Damit habe ich nicht gerechnet. Und das, obwohl ich ihn schon seit 16 Jahren kenne. "Und man darf sagen, sie kannten sich gut."

Freitag, 26. Mai 2017

Was denn nun?

Das Ärgerliche am Wochenende war, dass es nur aus einem Tag bestand. Das Erfreuliche, dass heute schon Freitag ist.
Das Stimmungsaufhellende war, dass ich noch Karten für "Drei Farben Braun" ergattern konnte. Kleiner Downer: dass der Sohn nicht mitkommen wollte. So wurde eben eine Mutter-Tochter-Aktion am Vatertag daraus. Das wirklich Betrübliche war jedoch, dass wegen des früheren Aufstehens heute in Sachen "After Show" nichts mehr ging.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Kinder, wie die Zeit vergeht!

Der Sohn beschloss also, das vegane Leben aufzugeben. Ob nur einmalig oder dauerhaft, entzog sich meiner Kenntnis. Ich vermute, er konnte den Verlockungen nicht länger widerstehen. Er nörgelte zum Beispiel schon länger herum, dass es keinen echten veganen Ersatz für geriebenen Käse gebe. Wer jetzt denkt, er habe es mit einem fetten Steak oder einem Brot, bei dem die Wurst so richtig überlappt, krachen lassen, täuscht sich. Ob ich ihm eine Pizza Margarita bestellen könne? Welch' ein Exzess! Sein einziges Zugeständnis an die orgiastische Feier war die Größe. XL solle sie schon sein. Ich konnte. Wenn mich auch die Online-Bestellung bei Domino's Jahre meines Lebens gekostet hat. Wenn man möchte, dass niemand etwas bei sich ordert, sollte man es ungefähr so wie Domino's anstellen. Ich schaffte es nur mit fremder Hilfe - und das lag ausnahmsweise nicht an meinen beschränkten technischen Fähigkeiten, ich schwör'.
Seit heute lebt der Sohn wieder vegan: "Für die nächsten fünf Jahre." Alles klar. Mal sehen, wie schnell die vergehen.

Dienstag, 23. Mai 2017

Wem glauben?

Der Verflossene erklärte gestern bei einem seiner beliebten Spontanbesuche, ich sehe schlapp aus. Wie soll man auch aussehen, wenn man nach acht Stunden Arbeit einen Zentner Nahrungsmittel vom anschließenden Einkauf nach Hause schleppt? Stattdessen hätte er mir lieber die Taschen abnehmen sollen. Wahrscheinlich liege es daran, dass ich länger als er gearbeitet habe. Er sei nach dem Mittag wegen Kopfschmerzen nach Hause gegangen. Danke für die Info, Hypochonderman! Ich schiebe es auf meine Reife, dass ich nicht antwortete, und er sehe bescheuert aus mit seinem schwarz glänzenden Eierkopf-Fahrradhelm auf dem Kopf. Und - nicht zu vergessen - dem Verschluss im unterdessen ergrauten, blöden Bart. 
Der Präferierte hingegen meinte vor ein paar Tagen, ich sehe entspannt wie nie aus. Der Jobwechsel sei wohl die richtige Entscheidung gewesen. 
Dass Merkwürdige ist, dass sie wahrscheinlich beide recht haben.

Montag, 22. Mai 2017

Anspruchsvoll

Langsam ist es soweit: ich werde alt und verknöchert. Ich bin immer wieder ungnädig, wenn sich junge Leute, unter anderem die eigene Brut, "mit ihren Homies schreiben" anstatt ihren Freunden zu schreiben. Vielleicht liegt es an meiner eigenen Präpositionsschwäche. Höchstwahrscheinlich aber daran, dass ich die eigenen Kinder von jeher sprachlich überzüchtet habe - und jetzt mein Einfluss schwindet. Es ist eben nicht nur positiv, wenn die Kinder flügge werden. 
Am Ende wäre es egal, ob die Tochter mir oder mit mir schriebe, wenn sie mir nur häufiger sagte, ob sie gedenkt zu Hause oder auswärts zu übernachten.

Sonntag, 21. Mai 2017

Plansollerfüllung

Eigentlich sollte am Wochenende die Wohnung in einen Zustand mitteleuropäischen Standards gebracht werden. Den Kindern hatte ich dieses Vorhaben bereits vorgetragen und an ihre Mithilfe appelliert. Die Tochter war gleich am Samstagvormittag eifrig dabei. Als sie mir nach getaner Arbeit verkündete, Aufräumen und Saubermachen bringe ihr Spaß, sah ich sie ungläubig an. Ich fing mich aber schnell wieder, denn ich fragte sie nicht, warum man ihrem Zimmer und dem hauptsächlich von ihr benutzten Badezimmer diese Vorliebe so wenig ansehe. Doch wer bin ich zu kritisieren? Schließlich wurden aus meinem Hygieneprojekt lediglich Wäschewaschen, -aufhängen und Bügeln. Wer kann Ende Mai auch damit rechnen, dass das Wetter so schön ist?

Freitag, 19. Mai 2017

Heute gehe ich um acht ins Bett

Wenn ich wie vorhin lese: "Wie können Bildungseinrichtungen zu mehr digitaler Müdigkeit beitragen?", weiß ich, dass es höchste Zeit fürs Wochenende ist. Damit ich etwas gegen meine analoge Müdigkeit tun kann.

Eigenlob; es ist mal wieder soweit

Manchmal beeindrucke ich mich selbst mit meiner Menschenkenntnis. Wenn zwei halbseidene Herren um die vierzig - der eine etwas darüber, der andere etwas darunter - sich die gesamte U-Bahnfahrt darüber auslassen können, mit welchen Tricks sie wie Steuern sparen, weiß man zumindest, dass man sie nicht näher kennenlernen möchte. Mit schiefem Grinsen und ohne Unterlass vorgetragene Stichworte wie Negativbescheid, zweifacher Abrechnung der haushaltsnahen Leistung bei doppelter Haushaltsführung oder Abwesenheitsquote machen es nicht besser. Wenn man also wie ich etwas Menschenkenntnis mitbringt, weiß man: das sind FDP-Wähler. Jetzt also kommen sie wieder aus ihren Löchern gekrochen. Ich kann nicht sagen, dass ich sie vermisst hätte. Wäre ich nicht vorher ausgestiegen, hätte ich sie schon gefragt, ob sie sich nicht schämen. Es spricht schließlich nicht für sie, wenn bei den ganzen Steuerschlupflöchern nicht einmal ein eigener 3er BMW herumkommt.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Win-Win-Situation

Langsam kommen die Kinder in ein Alter, in dem man ihnen kleine haushaltsnahe Aufgaben auftragen kann. So beschloss ich gestern kurzerhand, dem Ansinnen der Lieferanten nachzugeben und die Tochter die Waschmaschine annehmen zu lassen. Schließlich darf sie mit 18 nun wirklich den Erhalt der Ware quittieren. Und im Niemandsland zwischen schriftlichen und mündlichen Abiturprüfungen hielt sie die vermutlich kurze Handwerkerepisode von nichts Wichtigerem als der Multichannelkommunikation mit dem Freundeskreis ab. Eigentlich hatte ich die Lieferung für den Abend bestellt, den Transporteuren passte unterdessen aber kurz nach 13 Uhr besser. Der Kollege slawischer Provenienz freute sich ausgiebig über unsere Flexibilität ("Sie haben uns den Tag gerettet. Ich könnte heulen vor Freude."). Wer könnte dabei unnachgiebig sein? Der größte Nebeneffekt der vielleicht netten, aber eigentlich selbstverständlichen Geste war eine 32-sekündige Sprachnachricht der Tochter, in der sie sich wortreich darüber ausließ, wie nett die Handwerker gewesen seien. Dass der eine ständig betonte, was ihre Mutter für eine tolle Frau sei, wird sie wahrscheinlich nicht über Gebühr für die beiden eingenommen haben. Dass sie die Waschmaschine so schnell lieferten und anschlossen, schon eher. Dass sie ihr jedoch in ihrer Euphorie Schokolade schenkten, das war was! Dass ich es schaffte, ihre Nachricht abzuhören, ohne die Kolleginnen an ihrer Lobeshymne teilhaben zu lassen, gab mir wiederum ein wenig den Glauben in meine technischen Fähigkeiten wieder. Ich denke, unser aller Tag war gerettet.
Allein der Sohn haderte. Er wolle etwas Leckeres. Er beklage, dass die Forschung nicht weiter sei, dass sie es immer noch nicht schaffe, aus "Brom und Iridium" etwas Leckeres herzustellen, um ihn bei seinem Bemühen, ein paar Schweinchen und Kühe - ach, was sag' ich: den Globus - zu retten zu unterstützen. Wenn die Wissenschaft nicht weiter ist, habe ich wohl den Auftrag, heute Abend ein gleichermaßen schmackhaftes wie veganes Brom-Iridium-Risotto zu kreieren.

Auf dem Lande

Ein verlängertes Wochenende im Grünen war es. Man hat ja einen edukativen Auftrag. Den Kindern Natur zeigen. Zwiebelbäume wachsen in St. Georg eher besser als in freier Wildbahn. Tauben allerdings passen besser ins Bild als in der Stadt, denn dort sorgen sie nur für Verschmutzung, während sie auf dem Lande heimelige Geräusche schaffen. Das WLAN ist genauso gut wie zuhause.

Samstag, 13. Mai 2017

Ba(r)baren

Schon wieder gab ich meiner Brut ein Vorbild in Sachen Toleranz. Diesmal entzündeten sie sich an einer Ehe zwischen Cousin und Cousine. Fand ich unkritisch, sie nicht. Langsam hätte ich mir selbst als aus der Art geschlagener political incorrectness specialist Gedanken über sie machen müssen. Wäre ich nicht so belustigt über folgende Konversation zwischen Sohn und Tochter gewesen.
Sohn: "Wie heißt nochmal dieser französische Elefant mit der Krone auf?"
Tochter: "Macron?"
Ein schönes Bild.

Freitag, 12. Mai 2017

Neue Wege?

Wieder einmal ist der Freitagabend weit fortgeschritten und wie gewohnt habe ich nicht das geschafft, was ich heute - ach, was sag' ich: diese Woche! - erledigen wollte. Zu meiner Entschuldigung kann ich vorbringen, dass auch dieser Tag mit den üblichen Diskussionen über die Notwendigkeit eines Schulbesuchs startete (der Sohn gewann mit der gewohnten Taktik "Mutter mürbe machen") und sich ähnlich unerquicklich fortsetzte. Manchmal kann selbst die Aussicht aufs Wochenende nicht die Stimmung aufhellen. Wenn Alkohol keine Lösung ist, sind es vielleicht Drogen?

Donnerstag, 11. Mai 2017

Zurück zur Normalität

Die Temperaturen verhalten sich wieder jahreszeitengemäß. Das finde ich im Mai erstrebenswert. Im November müsste es nicht zwingend sein. Dennoch hat das Lieblingszitat des Tages von meiner Kollegin einen Wetterbezug: "Der nächste Sommer kommt... vielleicht."
Auch zu Hause ist langsam wieder alles beim Alten. Seit ewigen Zeiten haben wir heute wieder einmal ein Abendessen in trauter Dreisamkeit am Esstisch verbracht. Die Kinder diskutierten wie gewohnt Politisches. Genau genommen über Herrn Macron. Neben der Ähnlichkeit zwischen Macaron und Macron wurde natürlich auch die Ehe mit Brigitte besprochen. Ungewöhnlich war dabei, dass ich mich als die Toleranteste unter uns erwies. Während ich argumentierte, wenn es nun mal Liebe sei, fanden die Kinder das Verhältnis "ein bisschen eklig". Sie ergingen sich in der Vorstellung, wie eine 40-Jährige einen 16-Jährigen küsst. Vielleicht too close to home.
Selbst in meinem Bett ist wieder Normalität eingekehrt. Der Platz wird mir nun nicht mehr vom Sohn streitig gemacht, der nun wieder sein Zimmer bezogen hat, sondern von den üblichen zwei Verdächtigen. Gewohnheit hat nicht immer etwas Beruhigendes.

Mittwoch, 10. Mai 2017

So kann's gehen

Wenn der Gatte am Abend eine WhatsApp-Nachricht mit dem Wortlaut "bei mir gibt's heute Shrimps" schickt, vermutet man einen Irrläufer. Wenn der Sohn kommentiert: "Mmmh, die guten Tip-Shrimps!", schätzt er es vermutlich richtig ein. Wenn der Sohn den anrufenden (!) Vater dann mit den Worten begrüßt: "Bei dir gibt es heute Tip-Shrimps." und Sprachlosigkeit erntet, ist der verhagelte Abend am Ende doch noch gerettet.

Dienstag, 9. Mai 2017

Doch Klageweib?

Eigentlich möchte ich mich gar nicht einreihen in die große Zahl der Wetter-Bashing-Experten. Aber wenn ich es im Mai morgens nicht schaffe, mich aus meinen zwei (!) Decken zu wühlen, weil es ansonsten in der Wohnung so kalt ist, dann habe ich schon Grund zur Klage. Finde ich.

Montag, 8. Mai 2017

Ankündigung

Der Einsatz offener Schuhe verschiebt sich auf unbestimmte Zeit.
Zwar sind sie unterdessen wieder vollzählig am Start - und Mai ist es auch -, aber das Wetter spielt nicht mit. Und als ob ein nasskalter Montag nicht genügte, habe ich seit heute Nacht Halsschmerzen. 
Die nass geregnete Wäsche habe ich heute früh übrigens auf dem Balkon hängen gelassen. Man muss auch mal Zeichen setzen.

Sonntag, 7. Mai 2017

Zeiten ändern sich

Letzthin entdeckte ich in unserem Fundus eine Zwiebel zweifelhaften Alters. Sie hatte schon einige längere Triebe. Die allerdings ob der dunklen Lagerung bestenfalls als blassgrün zu bezeichnen waren. Auch wenn meine Schulzeit und Beschäftigung mit dem Thema schon lange zurückliegen, schoss mir beim Anblick sofort Photosynthese in den Kopf. Ich schlug vor, das nicht mehr ganz so gute Stück einzupflanzen. Die Tochter war erst skeptisch ("Kann man das?"), doch war nach meinem Zuspruch mit der ihr eigenen Verve dabei: "Wird das dann ein Zwiebelbaum?" Ich bin ganz zufrieden, dass Biologie keines ihrer Abiturfächer ist. Während ihre Äußerungen nach Stadtkind klangen, sprach die heutige Frage des Sohnes mehr für eine Sozialisation in großer Political Correctness. Ob man im Auto auch rauchen dürfe? Also, wenn man das Fenster geöffnet habe. 
Manchmal kommt einem die eigene Kindheit und Jugend wie Rock'n'Roll vor.

Freitag, 5. Mai 2017

Positiver Trend

Wenn der Tag damit beginnt, dass die Nase vom Jugendamt, mit der man gegen acht Uhr morgens einen Termin hat, nicht da ist, kann er sich nur noch ins Positive steigern. Selbst wenn Hafengeburtstag ist. 
Die Erkenntnis des heutigen Tages: während man sich beim alten Arbeitgeber gepflegt mit edelsten Materialien betrank, geht es beim neuen nur um die Stimmung. Und die ist gut. Alles Weitere ist Makulatur.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Abhängigkeit

Neben dem Geburtsjahr merkt man daran, kein Digital Native zu sein, wenn man nicht einmal mitbekommt, dass WhatsApp stundenlang down war. Altersgemäß erfährt man es erst am nächsten Tag aus dem Radio. Plötzlich ergeben diverse, bis dahin unverständliche Posts aus Facebook oder Instagram Sinn. Die gute Erkenntnis dessen? Man ist wohl nicht smartphonesüchtig. 
Dann mache ich mal weiter mit all' dem, was man in meinem Alterssegment so unternimmt: Socken stopfen, Schuhe putzen, Knöpfe annähen und im Telefonbuch blättern.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Einfach nur schön

"Free from Hell" sollten meines Erachtens alle Produkte sein. Aber vielleicht bewege ich mich zu wenig in Exorzistenkreisen. Wahrscheinlich kenne ich einfach die falschen Leute. Ohne Grund bringt Lidl dieses Produkt schließlich nicht auf den Markt.

Montag, 1. Mai 2017

Heldin der Arbeit

Während ich gestern großherzig auf den Tanz in den Mai verzichtete, habe ich es heute mit dem Tag der Arbeit sehr genau genommen. Gestern hatten wir ein schönes Heimspiel: eine Lesung mit zwei meiner lebenden Lieblingsautoren. Zum Du mit dem Haupt-Act kam es allein deswegen nicht, weil uns Wind und Wetter ins Warme zwangen, ehe Gerhard Henschel seine Zigarette danach im Freien rauchen wollte. Man braucht auch Ziele für die Zukunft. 
Heute habe ich dann zuerst den Sohn unter Auferbietung aller Kräfte davon überzeugt, seine Räuberhöhle für eine halbe Stunde zu verlassen. Das allein wäre schon Arbeit für einen ganzen 1. Mai gewesen. Doch ich gab mir noch mehr. Ich brachte den gesamten unteren Teil der Wohnung auf Vordermann. Wenn man nicht zu genau hinsieht, könnte man diese Hälfte der Wohnung fast wieder als sauber bezeichnen. Anschließend rückte ich auch noch dem oberen Badezimmer und der Bügelwäsche zu Leibe. Manchmal beeindrucke ich mich selbst.

Sonntag, 30. April 2017

Macht Shoppen glücklich?

Zur allgemeinen Stärkung der Truppenmoral regte ich einen Ikea-Besuch an. Der Vorschlag wurde vorgestern im familiären Plenum im Rahmen des Möglichen positiv aufgenommen. Als es gestern allerdings um die konkrete Umsetzung ging, war nur noch die Tochter dabei - um deren Stimmung man sich aktuell ohnehin keine Gedanken machen muss. Der Sohn blieb trübtassig zu Hause. Also sahen die Tochter und ich uns alleine Sofas an. Immer mal wieder schafft es meine Brut, mich mit ihrer Unerfahrenheit, aber auch Höflichkeit zu überraschen: die Tochter fragte, ob man sich wohl auf die ausgestellten Sofas setzen dürfe. Meine Antwort, dafür seien sie da, kam ihr wohl recht pampig vor. Jedenfalls sah sie mich nach wie vor ungläubig an. Ihre Zweifel blieben; selbst als ich mich demonstrativ auf eines der Exponate setzte.
Kurze Zeit später, es muss im Küchenbereich gewesen sein, kam uns ein etwa fünfjähriges Kind entgegen, das resolut voranschritt, sich zu seiner Mutter umdrehte und ebenso energisch wie lautstark verkündete: "Eigentlich habe ich überhaupt keine Lust hier zu sein!" Wie unterschiedlich man solche Begebenheiten doch wahrnimmt und einordnet. Während ich direkt im Anschluss an diesen Ausruf darüber sinnierte, ob mein Erziehungsstil vielleicht nicht autoritär genug sei, meinte die Tochter im Verlassen des Ladens - gute Gedanken brauchen ihre Zeit zur Reifung -, man merke an allen Ecken, dass der Altonaer Ikea zu klein sei. Es gebe kein Småland.
Einig waren wir uns auf jeden Fall, dass die Bezeichnung "Allemansrätten" für Köttbullar und ihre vegane Entsprechung in Deutschland nicht verkaufsfördernd wirkt.

Freitag, 28. April 2017

Umschulung - jetzt aber!

Wieder einmal trage ich mich mit dem Gedanken, umzuschulen. Diesmal plane ich - haltet euch fest - einen Einstieg ins Kammerjäger-Business. Ich spezialisiere mich auch gleich. Trotz meiner hohen Affinität zu seinen klanghaften Giftstoffen ist es nicht das Rattenvernichtungsgeschäft. Nein, ich werde Spezialistin im Bereich "Ameisen". Nicht nur, dass sich eine solche Subzeile gut auf der Visitenkarte macht. Es scheint mir auch leicht verdientes Geld zu sein. Gelegentlich rufen hysterische Menschen an, ich komme vorbei, scanne Wohnungen, Balkons, Gärten, Keller - als bekennender Wohnungsspanner habe ich damit mein Hobby zum Beruf gemacht - und empfehle am Ende, ökologisch unbedenkliche Ameisenköder von Budni aufzustellen. Anschließend kommt das Beste: ich schicke meine Rechnung. Wenn das kein bombensicherer Businessplan ist, dann weiß ich auch nicht.

Donnerstag, 27. April 2017

Ganz sicher

Im Rahmen der handelsüblichen Aufs und Abs des Lebens warten wir gerade alle auf den Aufwärtstrend. Selbst Dinge, die sonst wie selbstverständlich laufen, gelingen nicht so richtig. 
q.e.d. 
(Farbe kommt nicht rüber, der Flamingo - oder war's ein Pelikan? - in der Mitte tarnt, dass der Kuchen durchgebrochen ist, vielleicht schmeckt er nicht einmal, in der Vorbereitung das Flamingo-Tablett zerstört etc.)
Das aktuelle Mantra stammt also aus dem Räuber Hotzenplotz, genau genommen aus Großmutters Lieblingsmelodie: Alles neu macht der Mai. Sowieso. Genau. Bestimmt. Muss ja. Schließlich harren diverse Sandalen ihrer baldigen Verwendung.
So, Mai, du weißt jetzt, was Phase ist.

Dienstag, 25. April 2017

Fähigkeiten

Wenn ich in irgendetwas im neuen Job schon Routine entwickelt habe, dann ist es Umziehen. Keine drei Monate da - und schon zweimal den Arbeitsplatz umgezogen. Da unser jetziges Büro eine Interimslösung ist, kann man damit rechnen, dass auch der nächste Umzug nicht auf sich warten lassen wird. In allem anderen mag ich noch viel lernen müssen, aber erfahrene Umzugsfachkraft bin ich unterdessen. Ich deute das als Erfolg.

Montag, 24. April 2017

The Empire Strikes Back

Manche Strafe folgt eben doch nicht auf den Fuß. Sie braucht ein halbes Jahr. Aber dann. Für das Votum gegen eine Dachbegrünung, gab es jetzt eine juristische Spitzfindigkeit gegen Fenstersanierung. Zufällig trifft die Verweigerung dieser Maßnahmen genau diejenigen am meisten, die damals gegen das Gründach waren. Honi soit qui mal y pense. 
Wie damals, als ich noch Ausrichterin der Kindergeburtstage war, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass nun einige Monate Ruhe ist, bis die nächste Eigentümerversammlung stattfinden wird. Und auch ansonsten ist alles super.

Freitag, 21. April 2017

Blaues Band oder was?

Es muss wohl der Frühling sein. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum meine Kinder plötzlich mehr als alles Andere bewegt, wie sie ihre Zimmer entrümpeln (der Sohn) oder wo sich Staubsaugeraufsätze befinden (die Tochter). Die Tochter ging sogar so weit, sich neben der Frage nach den Aufsätzen bei mir zu erkundigen, ob ihr Bruder schon schlafe oder ob sie noch saugen könne (es war nach 22 Uhr). Heute früh begrüßte sie uns freudestrahlend mit "Hallo, Familie!" und umarmte uns jeweils. Irgendwas liegt in der Luft.

Donnerstag, 20. April 2017

Fünf Tage in vier gepresst

Eigentlich dachte man, dass die kurze Woche im Nu abgerissen sei. Doch sie beschloss, die volle Runde zu nehmen: die Tochter aus ihrer kurzfristig einberaumten Abiturpanik herausholen, den Sohn mit Engelszungen davon überzeugen, trotz allgemeinen Stumpfsinns zur Schule zu gehen und im Job unerfreuliche Arbeiten erledigen. Als ob das nicht genug wäre, kommt morgen nach der Arbeit dann auch noch die Eigentümerversammlung. Mal sehen, was man sich diesmal einfallen lässt, um gesinnungslose Gestalten wie mich an die Wand zu stellen. Ich glaube, ich sage es mit einer der guten Nachbarinnen:

Mittwoch, 19. April 2017

Vorbereitungen

Nun hat sie bei uns doch Einzug gehalten. Die Panik vor dem Abitur. Als ich gestern Abend nach Hause kam, empfing mich eine schniefende Tochter. Da ich sie länger nicht gesehen hatte, befürchtete ich, sie habe sich erkältet. Sie verneinte. Daraufhin dachte ich, die neue Liebe sei bereits vorbei und sie weine. Letzteres war korrekt, aber der Grund nicht. Sie schaffe es nicht, bis Donnerstag alles Notwendige für die Geschichtsklausur zu lernen. Ich bin nach wie vor sehr stolz auf mich, die Worte, die zaghaft in meinem Kopf herumspukten, nicht gesagt zu haben: "Vielleicht hättest du vor Dienstag mit dem Lernen anfangen sollen?" Ich werde wohl langsam altersweise. Stattdessen erinnerte ich sie an ihre Fähigkeiten und ihre guten, genau genommen sehr guten Noten im Vorfeld. Nur hat Vernunft in Zeiten der Panik und Hysterie wenig Bestand. Im Grunde blieb mir nichts, als mich aus der eigenen Küche zu trollen, denn dort lerne es sich am besten, hieß es. Wundert mich nicht. Gegen die vollgerümpelten Schreibtische der Kinder nimmt sich der Küchentisch geradezu klinisch aus. Als ich fortzog, war ich einigermaßen beruhigt, da die Angst der Empörung gewichen war: die Tochter schimpfte wieder mit der ihr eigenen Verve, dass die Zeitpläne des Hamburger Abiturs Mist seien, wenn die beiden lernintensivsten Klausuren zuerst kommen. Biologie heute (ihrerseits rein altruistischer Ärger) und Geschichte morgen (siehe oben). Meine Beschwichtigung, es sei doch gut, wenn man früh das Schlimmste hinter sich habe, verfing nicht. 
Egal, jetzt widme ich mich wieder meiner eigenen Abiturvorbereitung: wie ich den Abiball überstehe. Nicht nur, dass er mit dem Kindsvater peinlichkeitsfrei überstanden werden will; er findet auch noch genau am Tag des G 20-Gipfels statt. Meine Vorfreude steigt täglich.

Dienstag, 18. April 2017

Work-Life-Balance

Meinetwegen hätte Ostern ruhig noch etwas länger dauern können. Vier freie Tage sind schon nicht schlecht, aber mehr wären noch besser. 
Doch ich will nicht undankbar sein, immerhin wirkt der Sohn auch ohne vorangegangene Fastenzeit geläutert. Vielleicht kommt vegane Ernährung in etwa dem Fasten gleich? Er tat jedenfalls gestern kund, er wolle erstens am kommenden Freitag sein Zimmer entrümpeln. Am Freitag deswegen, weil dann seine Freundin seine reizende Assistentin geben wird. Zweitens solle ich ihm einen Plan aufstellen. Ich guckte ihn fragend an, vermutete ich doch, es gehe ums Lernen. Dafür wäre ich keine große Hilfe. Man muss seine Grenzen kennen. Er führte aus, wenn er keine abzuarbeitende Liste habe, werde es immer so weiter gehen, dass ich für die ganze Ordnung und Sauberkeit im Haushalt zuständig sei. Dann werde das nie enden. Ein Wunder ist geschehen!
Noch tue ich vermutlich gut daran, nicht zu erwarten, dass allzu viele der Vorsätze auch den Praxistest überleben.

Montag, 17. April 2017

Österliche Stimmung

Mir hat der Osterhase einen Tag sturmfrei gebracht. Nachdem die Tochter seit Karfreitag nicht mehr gesehen wurde, packte der Sohn am Sonntag nach dem Frühstück sein Osterkörbchen und zog zu seiner Freundin. Sein Korb war gesteckt voll mit allerlei veganen Leckereien (oder so), die ich am Vortag unter Mühen herangeschafft hatte. Bin ich eigentlich undankbar, wenn ich finde, der Osterhase hätte mir sein Geschenk an mich etwas früher unterbreiten können? Dann hätte ich erstens die Sturmfreiheit besser nutzen können und mich zweitens so richtig mit Fleisch, Fisch, Eiern und Milch eindecken können. Ja, wahrscheinlich bin ich undankbar.
So habe ich die freie Zeit immerhin dafür genutzt, die Küchenarbeitsfläche abzuschleifen und anschließend mehrfach zu wachsen. Was man eben Ostern so macht. Zumindest in Einstürzende Neubauten-affinen Haushalten.
Zweckoptimistisch betrachtet: die Küchenzeile wollte ich mit dem Kühlschrankinhalt ohnehin nicht nutzen.

Samstag, 15. April 2017

Da fällt mir ein...

Gründonnerstag fand ich den passenden Zeitpunkt, um einmal vertauschte Rollen zu spielen. Mir war danach, gegen meine Teenagerkinder zu opponieren. Und zwar so richtig. Beim Einkauf - denn da war ich noch dem klassischen Rollenmodell verhaftet: Muddie kauft vor Feiertagen noch mehr Kalorien ein als sonst - packte mich nach viel kinderinduzierter Entbehrung die Fleischeslust. Ich kaufte ein Paar Wiener Würstchen (Geflügel) und aß sie gleich auf dem Nachhauseweg. Verrückt! Wie gut, dass Fleischkonsum nicht so leicht zu detektieren ist wie der von Zigaretten. Sie haben nichts gemerkt. Auch die Entsorgung der verräterischen Verpackung blieb unbemerkt. Das liegt vor allem daran, dass meine Brut die Nutzung des Mülleimers meidet. In dieser Hinsicht ist alles altersgemäß.


Donnerstag, 13. April 2017

Steigerungsraten

Der erste Crashtag ihrer Abiturlaufbahn sei "zu 100% unnötig" gewesen, sagt die Tochter. Als bekennende Zweckoptimistin sage ich: das ist gut. Denn so hatte Tag Zwei Steigerungspotential. Das hat er allerdings nicht vollständig genutzt. Ich interpretierte die Worte der Tochter darüber als zu 95% unnötig. Auch das finde ich nicht schlecht. So hat der heutige Gründonnerscrashtag (verstehe gar nicht, warum dieses Wort als falsch unterschlängelt wird) noch Luft nach oben. 
Vielleicht ein Mode mit Vorbildcharakter für das Osterwetter?

Mittwoch, 12. April 2017

Fact Or Fiction?

Das sind jetzt echt mal Fake News:
Der Tochter wurde gesagt, Montag sei ihr letzter Schultag. Das Motto dafür ignorierte sie übrigens geflissentlich, denn sie habe ihre "Vorbehalte gegenüber dem Wort Asi". Tatsächlich hat sie seit gestern diverse Crashkurse, mit denen sie mehr Zeit verbringt als an den vorangegangenen letzten Schultagen. Sollte jetzt doch noch Stress aufkommen?
Ich wiederum träumte, ich gucke auf den Wecker und er zeige mir die Zeit zum Aufstehen an. Vor Schreck wache ich auf und sehe für die Uhrzeit überraschend klar, dass ich noch zwei Stunden schlafen kann. Fairness geht anders.