Freitag, 20. Oktober 2017

Fürs Leben lernen

In letzter Zeit bringe ich den Sohn immer wieder an die Grenzen seiner Diplomatie-Fähigkeiten. In meiner Begeisterung, welche Lebensmittel unterdessen auch in veganer Variante erhältlich sind, besorge ich ihm oftmals das eine oder andere. Im Grunde sagte er mir gerne, Dinge die herkömmlich schon scheiße schmecken, werden nicht allein dadurch besser, dass sie vegan sind. Ich merke ihm an, dass er sich bloß nicht traut, es so zu sagen. Wenn seine mathematische Bildung schon etwas weiter gediehen wäre, könnte er sich mit notwendigem und hinreichendem Kriterium 1 A aus der Affäre ziehen. Doch dafür braucht es wohl noch etwas. Als garstige Mutter behalte ich meine kleinen Geheimnisse für mich. So exerziert er nach wie vor die Gratwanderung, mich einerseits für meine Unterstützung seines tierfreundlichen Lebensstils zu loben, mich aber andererseits nicht zu sehr anzuregen, noch mehr unverdaulichen Schrott mitzubringen.
Doch auch ich mache mir Gedanken (nicht etwa Abendbrot). Nach der Sneak Preview des Brigitte-Plätzchen-Extra (ja, es ist wohl schon fast wieder so weit) überlege ich nun, ob ich zur Saison veganen Baumkuchen hinbekommen werde. Man muss sich auch Ziele setzen im Leben.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Jugendlichenmund

Meine Teilhabe am Leben meiner Kinder ist sehr eingeschränkt. Beim Sohn war es schon immer so. Eltern von Söhnen verstehen vermutlich die Problematik. Fragen nach der Schule werden maximal einsilbig beantwortet. Weitere Nachfragen werden in jedem Fall mit einem Augenrollen, meist auch mit lautstarkem Aufstöhnen quittiert. Bei der Tochter war mehr an Information zu holen. Zu Grundschulzeiten erfuhr ich die Interna aus der Klasse des Sohnes von ihr. Goldene Zeiten. Unterdessen sehe ich sie zu selten, um über mehr als Wäschewaschen oder Hygienestandards in der Wohnung zu sprechen.
Es scheint jedoch ein Naturgesetz zu sein, dass die Brut immer dann extrem mitteilsam ist, wenn ich mich gerade vor den Fernseher geparkt habe und eigentlich in Ruhe der Handlung folgen möchte. Meine Bemerkung, "Ich möchte da zuhören.", wird auch wieder von ausdauerndem Augenrollen flankiert. Spätestens beim "Pssst!" kann ich damit rechnen, dass mir Lieblosigkeit, Desinteresse oder Drastischeres vorgeworfen wird. Letztes Mal war die Reaktion des Sohnes immerhin so, dass sie am Ende unterhaltsamer war als der Tatort, dem ich eigentlich folgen wollte: "Mama, du hast wohl heute einen Pantomimen gefrühstückt."

Technik, die begeistert

Meine virtuelle Ruhe hat weniger damit zu tun, dass ich keine Inspiration oder viel zu viel um die Ohren habe. Sie hat eher technische Gründe. Manch‘ einen wird das nicht wundern, kennt er mich doch als Technikspacken. Doch diesmal scheint meine Unfähigkeit höchstens zweitrangig zu sein. Das kam so:
Das iPhone quakte mich schon seit langem an, ich solle das Update auf iOS Elfpunktirgendwas durchführen. Ich scheute mich. Schließlich waren bisher bei jedem dieser Updates immer meine Musik, häufig meine Fotos und manchmal meine Kontakte unwiederbringlich verloren gegangen. Letzten Samstag bin ich dann ungewollt eingeknickt. Ich war noch müde und tippte „Ja“ und „Azeptieren“ an. Vielleicht nicht so schlimm; schließlich habe ich ohnehin nie Kopfhörer, um Musik zu hören. Die sind ungefragt (Ehrensache!) in den Besitz des Sohnes übergegangen. Als das Telefon wieder anging, sah es zwar etwas ungewohnt aus, aber alles war noch an seinem Platz. Ich freute mich. Aber nur kurz.
Die App für die Posts ging nicht mehr. Fand ich noch nicht so schlimm. Ich beschloss, im AppStore (komisches neues A) einfach eine neue Version herunterzuladen. Ok, sie hatte einen neuen Namen und eine andere Funktionalität, was mich als spontankonservativen Menschen nicht unbedingt für sie einnahm. Der Ärger kam, als ich feststellte, dass man in der Gratisversion nichts hochladen kann. Großartig für eine Blog-App! Na gut, dann eben die Bezahlvariante - was sind schon 5,49€? Die wiederum lässt sich nicht herunterladen. Ehrlich, ich habe es wirklich mehrfach auf verschiedenen Wegen versucht. Danke Apple und danke Google! Ich lebe gerne im sekundären Urzustand der Steinzeit. Und im Zirkelbezug sowieso.

Montag, 16. Oktober 2017

Gesammelte Werke

Ein Wechselbadwochenende. Erst hatte ich keine Brieftasche, als ich Freitag bei der Arbeit ankam. Es gab die Alternativen Vergessen, Verloren oder Geklaut. Ich hoffte auf Ersteres. Um das in Erfahrung zu bringen, klingelte ich die Tochter aus dem Bett, die zum Glück ein nächtliches Gastspiel bei uns gab. Entsprechend verlangsamt waren ihre Reaktion und ihre Suche. Noch mehr Glück: die Brieftasche liege auf dem Küchentisch, sagte sie irgendwann nach sehr, sehr langer Zeit. Nun gab es nur noch das Problem mit der Mittagspause; sie zu bestreiten gestaltete sich ohne Geld und Hausausweis schwierig. Ein Freund und Kollege hielt mich aus. Und ich kam neben der pekuniären Lösung in den Genuss eines höchst vergnüglichen Lunchs.
Doch dann dachte ich, Freitag, der 13. setze sich am Samstag, den 14. fort. Ich nötigte den Sohn, an den Entrümpelungen seines Zimmers zumindest mitzuwirken. Als wir gerade eine Matratze unsere Showtreppe herunterwuchteten, glaubte ich mich bereits auf der letzten Treppenstufe, war aber erst auf der vorletzten oder gar vorvorletzten, und verknackste mir fies den linken Fuß. Als ich im wahrsten Wortsinne am Boden lag, fiel mir wieder auf, wie sinnvoll doch die Fähigkeit zum räumlichen Sehen sein könnte. Das Gute war: alle Folgearbeiten dieser Disziplin verschoben sich in die alleinige Obhut des Sohnes (der sich allerdings noch Unterstützung von seinem Freund holte).
Zum Abend standen dann die Zeichen auf Party. Als ob das nicht genug der Freude wäre, bot mir besagte Feier auch noch die Möglichkeit, die Tochter zu sehen. Sie schrieb mir - ausnahmsweise keine Sprachnachricht! -, dass sie auch am Start sei. Ich antwortete ihr, sie erkenne mich am Kleid. Darauf erstarb die Kommunikation. Ein wenig schwierig wurde es bei der Vorbereitung, meinen Fuß in die Sandale zu pressen. Aber offenes Schuhwerk Mitte Oktober, das muss ausgenutzt werden! Da muss man sich schon mal am Schlüpper reißen. 
Auf der Party gab es ein zu dekorierendes Gästebuch für die Jubilarin. Das befand sich aus Diskretions- wie aus Klimagründen auf dem Balkon. Ebenso erfreulich wie unerwartet, dass ich die Bastelarbeiten trotz Schummerlicht unverletzt überstand. Nicht umsonst bin ich die Einzige in unseren Breitengraden, die es geschafft hat, sich auf einem Kindergarten-Elternabend eine Kinderschere so in den Handteller zu rammen, dass ich blutete wie abgestochen und mich freute, dass die Schere nicht auf dem Handrücken herausguckte. 
Es war eine schöne Geburtstagsfeier. Die Tochter meinte: „Mama, du fühlst die Playlist, oder?“ Und sie hatte recht. Doch nicht nur die Musik war - wie die Tochter sagte -  „ein Banger“. Auch die bildende Kunst kam nicht zu kurz. Ich bekam mein kürzlich erworbenes Bild. Es ist nun wirklich in meinem Besitz! Selbst dem Sohn gefällt es. 
Dass ich jedoch nach ausgiebigem Partyleben erst sehr spät im Bett war, ließ den Sonnensonntag sehr kurz werden. Außerdem war ich ganz offenkundig noch nicht im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, als ich nach dem Aufstehen (Vormittag konnte man nicht mehr dazu sagen) auf dem Balkon die Zeit las. Die Literatur-Beilage hatte ausschließlich Schule zum Thema. Irgendwie sehr einseitig. Beim Zuschlagen des Heftes löste sich das Rätsel auf: ich hatte den Titel falsch gelesen, es war die Beilage „Zeit Abitur“ (nicht Literatur). Manchmal fehlt mir nicht nur das räumliche sondern auch das sinnentnehmende Sehen.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

All In

Mein Peinlichkeitspoker geht in die nächste Runde. Ich schaffe es nicht nur, wochenlang Handwerker zu drangsalieren, damit sie unnütz vorbeikommen. Ich kann mir auch Kontaktlinsenlösung ins Auge geben, die keinesfalls dorthin darf. Mit dem Erfolg, dass ich den gestrigen Tag wie ein bebrilltes Kaninchen aussah. Und mich auch heute noch - sagen wir - rosa Augen zieren. Mal sehen, was der heutige Tag bereithält.
Immerhin kann ich mich damit trösten, dass ich in diesem Spiel im Sohn meinen Meister gefunden habe. Der Zustand seines Zimmers sollte ihm extrem peinlich sein. Allerdings befürchte ich, dass ihm in diesem Punkt Schämen vollkommen abgeht. So bleibe ich am Ende doch wieder allein in der Partie.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Mental Hangover

Der gestrige Tag geht nicht nur als der 17. Geburtstag des Sohnes oder als internationaler Tag des Hundes in die Annalen ein. Es ist auch der Tag, an dem der Klempner endlich Zeit für uns hatte. Und es auch der Tag, an dem ich ihn umsonst bestellte. Denn die seit Wochen defekte Toilettenspülung beschloss, pünktlich zum Besuch des Fachmannes wieder ihren Betrieb aufzunehmen. Ohne irgendwelche Einschränkungen. Ich denke, ich sollte meine Haare blond färben. Passt auch super zum rot gewordenen Gesicht.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Der Jubilar

Manchmal bin ich beeindruckt, wie sehr meine Kinder wie ein Ehepaar nach der Diamantenhochzeit wirken. Als ich das Glück hatte, die Tochter vor nicht allzu langer Zeit einmal zu sehen, erkundigte ich mich bei ihr, ob sie schon ein Geschenk für ihren Bruder habe. "Wir schenken uns nichts", war ihre Replik. Geht es noch protestantisch-freudloser? Gestern fragte sie mich dann (wieder wie üblich via dreiminütiger WhatsApp-Sprachnachricht, an der alle Kollegen teilhaben konnten, weil der Sohn mir natürlich den Kopfhörer gemopst hat), ob ich glaube, dass es ok sei, wenn sie erst im Laufe des Tages zum Geburtstag ihres Bruders erscheine. Sie sei von ihrer Freundin - nach einem unmenschlich langen Monat Abwesenheit gerade erst wieder zurück in Hamburg - zum Nick Cave-Konzert eingeladen. Da werde es sicher später und dann sei es besser, wenn sie bei ihrem Freund übernachte. Das sehe ich doch auch so? Wer wollte so vielen Worten widersprechen? Nach einigen Jahren des Zusammenlebens sollte das kein Problem sein. Eine Assistenz bei der Vorbereitung hatte ich ohnehin nicht erwartet. So ging es nach der Arbeit im Schweinsgalopp zum Einkaufen, Kuchenbacken, Dekorieren. Ich legte dem Sohn nahe, er wolle am Vorabend seines Geburtstages doch bestimmt früh ins Bett gehen. Er hatte noch eine viel bessere Idee: er verbringe den Abend in der Wohnung seiner Großeltern, in der aus Gründen zufällig gerade sein Freund untergebracht ist. Auch gut. So konnte ich ungestört wirtschaften. Irgendwann kam dann doch der kleine Junge in ihm durch, als er an der Wohnungstür klingelte, sich (ungelogen!) die Augen zuhielt und mich bat, ihm Schlafsachen zu geben, damit er auch im Exil übernachten könne. Blind taperte er ins Badezimmer, um sich dort noch die Zähne zu putzen. Ich musste an mich halten, um die asiatische Gesichtsbeherrschung zu wahren und um ihm zum Pyjama nicht noch ein Kuscheltier mitzugeben.

Montag, 9. Oktober 2017

First Things First

Gestern hatte ich ungewohnt hohen Besuch (und ich im Räuberzivil ohne auftoupierte Haare!). Die Tochter und ihr Freund fanden sich ein. Wahrscheinlich lag ihr Auftritt daran, dass ich in der vorangegangenen Nacht von ihnen träumte: Sie hatten beschlossen zu heiraten. Ich wunderte mich nicht sonderlich. Ich fand nur, dass es nun aber endlich Zeit werde, seine Eltern kennenzulernen. Im Grunde meines Herzens weiß ich, dass ich die Ehre eher ausgehender Wäsche zu verdanken habe und der Freund der Tochter wahrscheinlich anbot, sie mit dem Auto in ihre vermeintliche Homebase zu fahren. So oder so, ich freute mich. Nicht nur, weil die Tochter Ordnung machte und der nette Freund sich andiente, die abgebrannten Feuerzeuge des Haushalts mit Kraftstoff aufzufüllen. Währenddessen echauffierten sie sich unisono über Dreck und Unordnung ihrer jüngeren Geschwister. Es gibt da wohl einige Parallelen zwischen dem Sohn und der Schwester des Freundes. Als Zweitgeborene konnte ich nur mäßig mitreden. 
Was ich sagen kann: dass ich heute früh natürlich ihre Gläser, Tassen und Kannen wegräumte. Sie übernachteten wie üblich bei ihm.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Audimax

Ein Wochenende, das man zur Hälfte mit Werkspionage verbringt, ist nicht nur gefühlt ein sehr kurzes. Vor allem, wenn die Spionagetätigkeit ein Aufstehen vor der Zeit bedeutet. 
Nicht schlecht, was die Kollegen da aufgefahren haben. Wenn auch organisatorisch Luft nach oben gewesen wäre.
Jedwede Uni versprüht ihren eigenen Charme. Irgendwie hat man die schlechte Luft dort und ebendiesen Zustand der Toiletten erfolgreich verdrängt. 
Was der Wettbewerb offenkundig nicht so gut kann, ist das mit den weiblichen Führungskräften. In einem "Panel" namens "Chefinnensache" fährt die stellvertretende Chefredakteurin ihren Kolleginnen des Öfteren in die Parade. Sie versprüht den Charme unserer Heimleitung. Besonders, als sie das gerade etwas unruhig gewordene Auditorium anherrscht (sic!): "Meine Worte verdienen es, gehört zu werden!" So etwas denkt man maximal, aber spricht es doch nicht aus. 
Wenn am Ende der Becher aus der Goodie Bag ausläuft (klebriger Inhalt - Ehrensache!), kann man bei allem Wohlwollen nicht von einer hundertprozentig gelungenen Veranstaltung sprechen.

Freitag, 6. Oktober 2017

Tagesbilanz

Man merkt, dass es nicht hundertprozentig der eigene Tag wird, wenn einem am Morgen durch die Ungeschicklichkeit einer Kollegin (garantiert nicht vorsätzlich!) eine schwere Tür vor den Körper knallt und der Türgriff genau und mit voller Wucht den Beckenknochen trifft. Man merkt, dass der Tag nicht vollkommen verloren ist, wenn es die andere Seite, also nicht die ohnehin angeschlagene, erwischt hat. Asiatische Gesichtsbeherrschung war es trotzdem, denn auch links tat es einigermaßen weh. 
Es passte in den Verlauf des Tages, dass ich abends mindestens sechs Bahnen in die Gegenrichtung fahren sah (nach der sechsten hörte ich vorsichtshalber auf zu zählen), ehe die richtige kam. Diese war dann natürlich krachvoll. Und blieb - ölsardinig wie sie war - erst einmal ein paar Minuten im Bahnhof stehen, ehe sie loszuckelte. Ich wünschte mich nach London, wo der Fahrer durchgibt, dass sich seine Schwiegermutter an der vorletzten Kellertreppe den linken (ein Glück!) großen Zeh angestoßen hat, er sie erst einmal zum GP bringen musste, dort lange Wartezeit in Kauf nehmen musste - NHS, man kenne das - und deswegen seinen Dienst erst verspätet antreten konnte. In Hamburg: kein Wort der Erklärung. Stattdessen lediglich eine Anzeige am Gleis, die immer wieder die Zeit zurückdreht. 
Doch ich will nicht jammern. Ich bin nahezu unverletzt durch den Tag gekommen. Als ich endlich zuhause ankam, mahnte mich der Sohn an mein Versprechen, ihm vegane Spätzle zuzubereiten. Ich hatte ihn am Vorabend immerhin herunterhandeln können, dass er diese erst am Folgeabend bekommen werde und nicht schon am Morgen. Es gibt nichts, was ich mir gegen 20 Uhr nach einem vollgepackten, stürmischen Tag mehr wünsche, als klebrige Masse in kochendes Wasser zu hobeln, das Produkt in eine Auflaufform zu schichten und mit angebratenen Zwiebeln und Pilzen zu garnieren. Der Tag war nicht nur schlecht: es schmeckte ganz brauchbar.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Saisonales Grummeln

Es muss wohl Herbst sein. Jeden Morgen vergesse ich, mir Strümpfe aus dem Schrank zu holen. Diese Routine sitzt nach fünf Monaten Sockenabstinenz noch nicht wieder. Morgens ist es stockfinster, wenn der Wecker klingelt. Überhaupt frage ich mich, warum ich mich nachts oft schlaflos hin und her werfe, während ich nach dem Weckerklingeln ohne Probleme stundenlang fest schlafen könnte. Wahrscheinlich knallen am frühen Morgen kaum noch Eicheln auf Autodächer; die sind ja bereits in der Nacht alle lautstark heruntergefallen. Sie verhalten sich ähnlich wie meine nachtaktiven Mitbewohner, deren Umtriebigkeit auch spätestens gegen sechs Uhr morgens endet. Um mit dem Genörgel weiterzumachen: in diesem Jahr konnte noch kein einziger Monat überzeugen. 2017, es bleiben nicht mehr viele Monate übrig! Mir fehlt das Vorstellungsvermögen, dass mich das Novemberwetter für sich einnehmen wird. Aber wahrscheinlich bin ich nur phantasielos. Immerhin ein Lichtblick: die katalanische Flagge, die sich der jüngere der beiden Nachtaktiven zum baldigen Geburtstag wünschte, könnte sich erübrigt haben. Bei allem Engagement für die Sache betrübt ihn nun, dass sich die Katalanen keine Gedanken gemacht zu haben scheinen, wie sie die Unabhängigkeit organisieren wollen. Selbst globalisierte Sechzehnjährige können wahrscheinlich ihren preußischen Hintergrund nicht vollständig abschütteln.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Feiertage

Der Nachteil an diesem Fake-Sonntag war, dass ihm kein Sonnabend voranging. Der Vorteil, dass ihm eine überraschend kurze Woche folgt. Außerdem gut, dass ich die Brut mal wieder live erleben konnte. Die Tochter freute sich, dass sie "sich mit ihren Haaren wieder wohlfühle". Das Haarschneide-Tutorial war nicht so gut. Ich empfehle ohnehin eher ein "Wie geht das mit Briefen und der Post (also nicht elektronisch)?". Sie fand, sie sah anschließend aus "wie Joan Jett" (wirklich ihre Worte; ich schwör'!). Die neue Farbe brachte es. Betretene Mine, als ich meinte, ich fühle mich mit ihren neuen Haaren nicht ganz so wohl, weil das Badezimmer seit ihrer Färbe-Aktion irreversibel verändert sei. Man merkt, dass sie doch schon erwachsen geworden ist. Sie rannte auf meine Kritik (vollkommen ungerecht natürlich) nicht sofort schmollend in ihr Zimmer.
Der Sohn ist von diesem Entwicklungsstadium noch ein wenig entfernt. Wie ein Dreijähriger wechselt er im Moment minütlich seine Geburtstagswünsche. Mal ist es ein Mantel, mal sind es Hosen oder Kopfbedeckungen. So kann ich schlecht arbeiten - zumal es nur noch sechs Tage bis dahin sind. Einzige Konstante in seinen Wünschen: seine Solidarität mit den Katalanen zum Ausdruck zu bringen, am besten garniert mit einer Katalonien-Flagge ("aber nicht, wenn sie teuer ist"). Die machte sich bestimmt auch super, wenn er seine selbstverfassten Lieder in Landessprache vorträgt.

Samstag, 30. September 2017

Wochenende - wenn auch kein langes

Über die wahrhaft unterhaltsamen Begebenheiten des Wochenendes musste ich mich verpflichten, Stillschweigen zu wahren. So kann ich eigentlich nur über meine eigene Ungeschicklichkeit berichten. Immerhin hatte ich noch rechtzeitig die Ahnung, das Fahrrad am Freitagabend stehen zu lassen - obwohl ich es endlich aufgepumpt hatte. Denn irgendwie geriet ich selbst auf dem Weg ohne Verkehrsmittel, sprich zu Fuß ins Straucheln. Erst knickte ich mit dem Fuß um, ruderte mit den Armen, um nicht hinzufallen, scheiterte und landete erst auf den Knien, dann auf der Hüfte. Ich fand mich gestrandet auf dem Radweg wieder - wie symbolisch. Außer Peinlichkeit, kaputter Hose, aufgeschürften Knien und abgeschürftem Fußnagellack passierte zum Glück nichts. Meinen Stunt nenne ich intrinsischen Dominoeffekt. 
Ansonsten habe ich vor, jetzt final die spaßbefreite Mutter zu spielen und der Tochter vorzuschreiben, sich entweder aushäusig (z.B. vom Profi) die Haare färben zu lassen oder dieses erst wieder zu tun, wenn sie eine eigene Wohnung hat. In der Hoffnung, dass ich nicht für deren Kaution zuständig sein werde. Unser Bad ist von ihrer letzten Aktion dieser Art jedenfalls lustig mit einigen rot-violetten Flecken geschmückt. Wer mir jetzt Schmutzradierer andienen möchte, muss damit rechnen, dass ich ihr oder sein Gesicht mit ebendiesem bearbeiten werde.
Zwei Lichtblicke: Erstens ist es Oktober und ich kann eher als in den fünf vorangegangenen Monaten offene Schuhe tragen. Zweitens hat der Sohn heute neben seiner Mitsinginterpretation von Princes "Purple Rain" ("Kurt Cobain") nun auch "Paracetamol" anstelle von Element of Crimes "Damals hinterm Mond" zum besten gegeben. Er sollte Musiker werden.

Freitag, 29. September 2017

Bois d'allumage

Gestern ging ich an einer Gewerbe-Mülltonne vorbei und war trotz großer Eile sehr versucht stehenzubleiben. Zu lange habe ich vorher - genau genommen die ganze letzte Woche - auf der Suche nach Anfeuerholz verbracht. Einen nicht unerheblichen Teil der Sightseeingtour durch Concarneau trug ich beispielsweise eine etwas sperrige Obstkiste aus oben genannter Provenienz mit mir herum. Bis wir begannen, sie auf einer Bank mit schönstem Blick über das Meer in handlichere Stücke zu zerlegen. Laut über die übertrieben vielen Krampen fluchend - Ehrensache! Komische Marotten haben deutsche Touristen. Der Mangel an Kleinholz brachte verschrobene Gedankengänge hervor: ich überlegte, das Eichenparkett mit dem Käsehobel (wie üblich in Frankreich bestens ausgerüstete Küche im Ferienhaus) zu bearbeiten, um brennbare Holzlocken zu erhalten. Am Ende fanden wir im örtlichen Intermarché Anmachholz und kauften ganz unsportlich welches. Zusammen mit mehreren zerlegten Gemüsekisten hatten wir dann ausreichend. 
Doch mein Kopf scheint diese Entwicklung noch nicht nachvollziehen zu können. Siehe oben. Obwohl... das nächste Grillen naht schließlich.

Donnerstag, 28. September 2017

War jut jewesen

Herr Regener war überraschend leutselig und bester Stimmung. Das Buch war bekannt gut. Wir hatten einen tollen Auftritt, als wir etwas zu spät unsere schönen Plätze in der Mitte der zweiten Reihe besetzen wollten. 'Tschuldigung... 'Tschuldigung... 'Tschuldigung usw. usf. Nach der Lesung erwartete mich noch ein Ego-Boost. Ein unbekannter junger Mann sprach mich an. Ich rechnete mit Komplimenten für mein formidables Zitronenkleid. Doch es kam anders. Er vermutete, dass ich aus der Pole Position die besten Bilder gemacht habe. Ob ich sie ihm zuschicken könne. Ja, aber erst im heimischen WLAN. Reduziertes Datenvolumen, Monatsende, er verstehe doch die Problematik. Ich versuchte, mich bei Generation Y anzubiedern. Erntete jedoch wenig Verständnis. Stattdessen tippte er seine Mailadresse in mein Telefon. Ich versprach, ihm vorab zumindest eine blanke Mail zu schicken. Selbst die ging nicht. Besorgt sprach er mich im Herausgehen an (sein Begleiter bestätigte): er frage sich die ganze Zeit schon, ob er sich wohl bei der eigenen Adresse vertippt habe. Diese Unruhe hätte ich ihm als Digital Native gar nicht zugetraut. War aber so. Am Ende wurde alles gut. Die Adresse war richtig und einzeln gingen die Fotos durch.
Einziger Wermutstropfen: Herr Regener war so gut gelaunt, dass er wider seine Gewohnheiten im Anschluss an die Lesung Bücher signierte. Und ich hatte sowohl "Wiener Straße" als auch "Der Schienenbus" zuhause gelassen! Manchmal läuft es eben nicht ganz rund.

Mittwoch, 27. September 2017

Gegebenenfalls auch umgekehrt

Dass heute ganz im Zeichen des Lesens stehen würde, war von vornherein klar. Schließlich freue ich mich schon seit Wochen - ach, was sage ich: Monaten! - auf die Lesung von Sven Regener aus "Wiener Straße". Umso mehr, seit ich das Buch gelesen habe. Doch überraschend kam hinzu, dass ich heute ein wahres Lektürekleinod auftat: "Der Schienenbus", ein zweimonatlich erscheinendes Premium-Presseerzeugnis. Das man für unsäglich günstige 5,90€ pro Ausgabe oder 29,50€  für das Jahresabo erwerben kann. In dem so spannende Themen wie "Triebwagenvielfalt im Sauerland" behandelt werden. Wenn nicht die Schlange dermaßen lang gewesen wäre, hätte ich Sven Regener heute Abend die aktuelle Der Schienenbus-Ausgabe (5/2017) anstelle der Wiener Straße (lag ohnehin zuhause) signieren lassen. Ich glaube, das wäre auch beim Autor gut angekommen.

Dienstag, 26. September 2017

Erster Versuch

Nicht, dass ich ernsthaft besorgt gewesen wäre, aber nach einer Woche Abwesenheit wollte ich doch wissen, ob die Kinder sich vertragen haben. Schließlich war es das erste Mal, dass ich sie so lange sich selbst überließ. Und sie kennen sich einfach zu gut, um nicht um die Trigger des jeweils Anderen zu wissen. Netterweise holte mich die Tochter vom Flughafen ab. So konnte ich auf der U-Bahnfahrt bei ihr vorfühlen. Auf meine Frage antwortete sie, sie seien eigentlich ganz gut ausgekommen. Eigentlich haben sie wenig gestritten. Bis auf die eine Gelegenheit, als ihr Bruder den großen Spiegel in ihrem Zimmer zerstört habe. Richtig geschimpft habe sie erst, als er es nicht habe zugegeben wollen und stattdessen krause Geschichten erzählte, wie es dazu gekommen sei. Aber ansonsten habe es kaum Streit gegeben. Zwischen ihnen auf jeden Fall weniger als zwischen dem Bruder und dessen Freund, den er sich als Sicherheit gegen die Einsamkeit zu uns nach Hause eingeladen hatte. Er konnte ja nicht wissen, dass seine Schwester über Gebühr häuslich sein würde. Seit ihr Freund spontan noch einmal in den Urlaub gefahren ist, hat man sie in den letzten beiden Wochen so häufig vor Ort gesehen wie in den letzten sechs Monaten in Summe nicht. 
Ich glaube, das Pilotprojekt lässt Wiederholungen zu.
Nur an den Selfies muss ich noch arbeiten, sagt die Brut.

Montag, 25. September 2017

Katerstimmung

Nach "Alles in Butter (pur beurre)" ist jetzt alles doof. Dass die blöde AfD ein zweistelliges Ergebnis erzielen würde, stand zu befürchten. Der Ärger darüber war damit vorprogrammiert. Was ich jedoch nicht gedacht hätte, dass demnächst die zweitbescheuertste Partei des neuen Bundestages wieder am Ruder sein würde. Wieso wählen fast elf Prozent eine Partei, die keine Inhalte liefert, sondern nur einen haartransplantierten, blondierten Affen nach vorne stellt, der sich für den Traumschwiegersohn hält? Doch mein eigenes Hauptärgernis ist die verschenkte Stimme. Was für ein Argument ist bitte: "Wir opfern uns und gehen in die Opposition, damit die AfD nicht stärkste Oppositionskraft ist"? Als ob es irgendeinen Unterschied bedeutete, wenn die SPD die größte Opposition stellt. Wenn sie keine Lust auf Regierung und Große Koalition mehr haben, hätten sie das vielleicht schon ein bisschen früher sagen können? Zumal das Abschneiden der blöden Rechtstorfnasen keine Überraschung war und die Entscheidung noch vor der ersten Hochrechnung kundgetan wurde. Dann hätten wir wenigstens ein etwas kurzweiligeres TV-Duell gehabt. Aber nein, nicht einmal diese Freude wird uns gegönnt! Einziger Lichtblick des gestrigen Abends: als der Sohn meinte, jetzt müsse "wieder ein antifaschistischer Schutzwall errichtet werden; nur in die andere Richtung."

Sonntag, 24. September 2017

Mein Ohr an der Zielgruppe

Auch nach einer Woche Urlaub kann ich meine professionelle Seite nicht ganz ablegen. So horchte ich auf, als auf dem Rückflug nach Hamburg in der Reihe hinter mir das Buzzword "Brigitte" fiel. Geäußert wurde es wahlweise von Mutter (70+) oder Tochter (40+) norddeutscher Provenienz, meine Schätzung ist Lübeck. Die Mutter wolle sich lieber mit Unterhaltung als Lektüre die Zeit vertreiben. Es gebe jedoch seit neuestem eine neue Brigitte. Die Tochter zählt alle ihr bekannten Brigitten auf: "Brigitte, Brigitte Woman..." mehr kennt sie nicht. Gerade will ich die weiteren Spin Offs soufflieren, und sie über Brigitte Wir als letzten Ableger aufklären, als sie sich beide einig sind, dass "die Brigitte auch nicht mehr so gut sei wie früher". Ich beschließe, sie nicht bekehren zu wollen. Ihr Durchschnittsalter passt mir nicht.

Samstag, 23. September 2017

Kénavo!

Nie fühlt man sich seinen Kindern so nah, als wenn man weit weg von ihnen ist. Vielleicht liegt es sogar nicht einmal daran, dass man sie in der Ferne über Gebühr vermisst. Wahrscheinlich fühle ich unterdessen fast wie sie. Die Bretonen mögen fast alles erfunden haben, ein paar Dinge sind garantiert nicht ihnen zuzuschreiben. Darunter das Netz und dessen Verbreitung. Ich werde langsam so hibbelig wie die Brut an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen ohne WLAN. Nur dass ich meine Ansprüche schon so weit zurückgeschraubt habe, dass ich mich über gelegentliches LTE freue. Meinen beiden Stadtkindern käme ein Urlaub hier vor wie der Vorhof zur Hölle: Neben fehlendem Internet ist es auch noch sehr ländlich. 
Vielleicht bin ich trotz fortgerückten Alters flexibler, denn all' das hat seinen Reiz. Heute entdeckte ich ein Auto aus Mecklenburg-Vorpommern. Dessen Insassen fühlen sich sicherlich zu Hause mit Meer, Landwirtschaft und eingeschränkten Öffnungszeiten. Da stört es kaum, dass sie in diesem Tal der Ahnungslosen eine merkwürdige Sprache sprechen (und ich meine nicht bretonisch). Schließlich ist es hier wärmer.

Dienstag, 19. September 2017

Bienvenue à Kerharengueac

Mich erinnert die Bretagne an Mecklenburg-Vorpommern. Nicht nur weil es hier viel Landwirtschaft und schöne Küste gibt. Auch weil Öffnungszeiten denen von Heringsdorf zu entsprechen scheinen. Sonntag nach 13:30 Uhr Mittagessen? Ein fast unmoralisches Ansinnen. Überhaupt am Sonntag "hors saison" gastronomischen Service zu verlangen, grenzt an Unverfrorenheit. Dass es in Frankreich Supermärkte geben sollte, die um 19:30 Uhr schließen, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Man merkt, dass die Bretagne nur nominell ein Teil Frankreichs ist.

Samstag, 16. September 2017

Verrückt geplant

Um es mit der Nachbarin zu sagen: es wird Zeit das Muster zu durchbrechen. So habe ich mich heute früh zu nachtschlafender Zeit aus dem Haus geschlichen - und zwar auf Füßen, die im September in geschlossenen Schuhen steckten. 
Vollkommen verrückt, aber auch ein wenig berechnend. Wenn ich nahezu (wetter-)festes Schuhwerk mitnehme, wird das Wetter bestimmt selbst ganz im Westen Europas schön.

Freitag, 15. September 2017

Traum oder Wirklichkeit

Als ob herbstliche Morgengrauen nicht ohnehin schon die Betonung auf dem zweiten Wortteil hätten, schreckte ich heute früh hoch, als ich träumte, der Wecker habe geklingelt und ich ihn überhört, also verschlafen. Als er dann tatsächlich klingelte, war ich vollends verwirrt und maximal unlustig, seinem Ruf zu folgen. Wer morgens Schwierigkeiten hat zu wissen, wie er heißt und wo er sich befindet, sollte sich selbst nicht mit der Frage "Vorstellung oder Wirklichkeit?" belasten müssen.
Ebenso unvorstellbar kam mir vor, dass sich der Sohn gestern im Haushalt betätigte. Chefsache sozusagen: er wischte in der Küche die Zitate-Tafel sauber, um endlich nicht mehr den Spruch von Gerhard Polt ("Die Heimat der Salmonellen ist nicht ausschließlich der Kartoffelsalat") sehen zu müssen, den ich - zugegeben - vor längerem in Erwartung eines Sommers dorthin geschrieben hatte. Sein Wunsch, diesen zu tilgen, resultierte allerdings weniger aus der langen Verweildauer. Vielmehr fehle ihm "bei den Quotes die Internationalität". Ich erhielt außerdem die strenge Auflage, als Ersatz nichts von Element of Crime oder Sven Regener anzubringen. Die arme geschundene Brut!
Nicht verwunderlich also, dass es wohl bei den dreißig Minuten netto bleibt, die ich die Tochter zwischen ihrer Rückkehr vor einer Woche und meinem Abflug morgen gesehen habe. Von mehr kann ich ja nachts träumen.

Donnerstag, 14. September 2017

Servicegedanke

Wenn ich sie auch nicht sehe, kann ich der Tochter doch manchmal WhatsApp- oder Telegram-Nachrichten schicken. Die Reaktionen sind meist prompter und positiver als Face-to-Face. Man sollte die neue digitale Welt also nicht per se verdammen. Schon gar nicht zu Zeiten der dmexco, wenn nahezu die gesamte Timeline aus tollen Fotos von stylischen Messeständen und virtuellen Craft-Beer-Hipstern besteht.
Dass ich neben digitalaufgeschlossen auch dienstleistungsorientiert bin, habe ich bemerkt, als ich der physisch wohl dauerhaft abwesenden Tochter eine Empfehlung für ein Weihnachtsgeschenk an ihren Freund gab. Ich habe mich auch nur ein ganz klein wenig darüber geärgert, dass ich nicht in der Lage war, ihr den Link über Instagram zu schicken. Etwas mehr, als Instagram mir sagte: "Du kannst diesen Beitrag mit Freunden teilen." 

Dienstag, 12. September 2017

Täglich grüßt das Murmeltier

Wieder einmal beschleicht mich das Gefühl, in den letzten Tagen nichts geschafft zu haben. Nicht den Zeit-Stapel aus diversen Ausgaben abgearbeitet, keinen Post bzw. keine Auftragstexte geschrieben, nicht sichtbar aufgeräumt, nicht die Tochter nach Hause bestellt (obwohl ich sie vor meiner Woche Abwesenheit schon noch gerne sähe), nicht das Zeugnis des Sohnes organisiert und kein Geld abgehoben. Selbst diese Liste weiter fortzusetzen, schaffe ich nicht.
Vielleicht bin ich aber auch zu selbstkritisch. Wahrscheinlich sollte ich den Einsteigertipp gegen Depressionen beherzigen und eine Liste mit allen Dingen erstellen, die ich geleistet habe: körbeweise Wäsche gebügelt, einen Kleinkrieg mit den Nachbarn geführt ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten."), den Sohn zu mehr Ordnung gemahnt (nutzlos), den Küchenboden gewischt (nachdem ich darauf großflächig ein Jahr überfällige Erfrischungsstäbchen verteilt hatte, als ich sie in den Müll werfen wollte; sie kleben übrigens wie frische) und nebenbei noch täglich mindestens acht Stunden gearbeitet. Na, bitte - geht doch! Obwohl... nicht einmal das frühere Zubettgehen habe ich geschafft.

Sonntag, 10. September 2017

Geständnis

Manchmal befürchte ich, gerade zu einer miesepetrigen Alten zu mutieren. Unsere neuen Nachbarn beginnen, mir auf den Wecker zu gehen.
Dass sie dem Massagemäuschen ähnelt (wie der Gatte der Tochter unerwünscht sagte: "Sie war nicht der Grund sondern nur der Anlass."), dafür kann sie nichts. Das ist mein Problem. 
Dass er ständig den Aschenbecher wegräumt, den ich vor unsere Wohnungstür stelle, damit mir bekannte und unbekannte Jugendliche nicht den Treppenabsatz mit Kippen, Asche o.ä. vollmüllen ("Der Kleine hält das immer für einen Trinkbecher."), ist vielleicht schon ein gemeinsames Problem. Wofür der Kleine die Gießkanne hält, die ich als Erinnerung neben die Pflanzen in unserem gemeinsamen Eingangsbereich gestellt habe, weiß ich nicht. Als Kompensation stellen sie zum Glück irgendwelche Getränkekisten an den leeren Platz.
Dass sie den Goldjungen sonntags vor 9:30 Uhr vor meinem Schlafzimmerfenster immer und immer wieder mit dem Bobbycar die Rampe heruntersausen lassen (ohne Flüsterräder auf Pflastersteinen - Ehrensache!), stört mich in meiner Wochenendausschlafroutine. Ich weiß, für Eltern mit kleinen Kindern ist zwei Stunden nach dem Hellwerden keine Zeit, aber für Mütter von jugendlichen Kindern ist sie es schon.
Mich beruhigte immerhin, dass ich nicht übertrieben genervt auf die junge Familie reagiere, als der Sohn meinte: "Die sind ja nett, aber das geht nicht." Stein des Anstoßes war, dass sie ungefragt ihre Wäsche auf dem Balkon meiner Eltern trocknen. Fragen müsse man schon.

Samstag, 9. September 2017

Zukunftsmusik

In ein paar Tagen wird hoffentlich diese Novembertristesse ein Ende haben.
In etwa drei Wochen werde ich wissen, ob ich mich für den Gerinnungsstammtisch qualifiziere. Ich bin sehr daran interessiert, seit ich den Flyer bei meinem gestrigen Besuch der entsprechenden Ambulanz entdeckte. Ich stelle es mir ungemein spannend vor, wie wir uns darin ergehen würden, wessen Von-Willebrand-Faktor nun niedriger sei. Was könnte es Schöneres geben?
Bis in alle Ewigkeit jedoch wird wohl meine Vorstellung von "Die Küche Aufräumen" himmelweit von der meiner Kinder abweichen.

Freitag, 8. September 2017

Vielleicht auch nur Herbstblues

Im Prinzip halte ich mich für einen vernünftigen Menschen. Doch meine Entscheidung, gestern Abend einer Party bei der Ex-Arbeit beizuwohnen, war nur mäßig klug. Zum einen aus den naheliegenden Gründen: wenig, später und restalkoholisierter Schlaf erschwert selbst den Casual Friday deutlich. Zum anderen habe ich dabei nicht bedacht, dass ich heute (endlich!) einen Termin in der Gerinnungsambulanz habe. Jetzt frage ich mich, ob sich am Ende Passivrauchen auch in irgendwelchen Blutwerten niederschlägt. Und wie schnell baute sich Alkohol nochmal ab? Hätte ich doch in Biologie besser aufgepasst.
Doch was mich am meisten beschäftigt: dass sich alles auch nach über einem halben Jahr wie zu Hause anfühlte, dass es immer noch diese Vertrautheit mit den Zurückgelassenen gibt und dass ich mich einfach an meinen alten Platz hätte setzen und losarbeiten können. 

Donnerstag, 7. September 2017

Na, toll!

Es wird wohl wirklich Herbst. Nach meiner Schließerrunde gestern Abend war es nahezu dunkel. (Ja, Eure Wohnungen stehen noch!) Das bedeutete, ich musste mir zusätzliches Licht verschaffen, als ich versuchen wollte, den zukünftigen Schal aus seinem Topflappenstatus herauszuholen. Ich stellte mir also meine Flamingolampe neben das Sofa. Da Geschicklichkeit nicht so mein Thema ist, warf ich sie im Verlauf des Abends um bzw. herunter. Sie funktioniert zum Glück noch, doch der Flamingo hat ein paar Federn lassen müssen (pardon the pun!). Die Sollbruchstellen Hals und Schwanz brachen durch bzw. ab. Ein weiteres Stück Glück, dass ich Sekundenkleber vorrätig hatte. Es kam, wie es kommen musste: schon beim Aufschrauben der Tube hatte ich es geschafft, den Inhalt größtmöglich auf die Finger meiner rechten Hand zu schmieren. Mit links kann man auch kleben, ich weiß es jetzt. Die gute Nachricht: Der Flamingo lebt wieder! Nur Ornithologen werden seine Brüche nach genauer Inspektion erkennen können.

Doch was mit meinen Waranfingern unternehmen? Über Nacht, beschloss ich, sie zu ignorieren. Wenn auch das Herauspicken der Kontaktlinsen etwas erschwert war. Doch pünktlich zum Weckerklingeln wurde mir das Problem wieder bewusst. Ich entschied mich für die Badewanne. Der Plan war, die Finger schrumpelig werden zu lassen und dann die entstandenen Hohlräume zum Abtragen auszunutzen. Gute Idee, doch ich beklage die klar-weiße Farbe von Sekundenklebern. Man kann Haut so schlecht von Klebe unterscheiden. Über Bimsstein und Schmerz zu gehen, ist wahrscheinlich die harte Schule. Egal, Schwamm drüber! 
Dass mein Telefon mich wohl nie mehr als Inhaberin erkennen wird, weil mein Daumenabdruck auf ewig entstellt sein wird, finde ich nicht so schlimm. Dann merke ich mir wenigstens die PIN. Dass ich die Flamingolampe nun nicht mehr mit in die Wanne nehmen kann, auch kein allzu großer Verlust. Dass mir jetzt jedoch nie wieder jemand Komplimente wegen meiner weichen Hände machen wird, das trifft mich hart. 

Mittwoch, 6. September 2017

Es riecht nur schlecht

Da heißt es häufig, Print sei tot. Wie oft habe ich den Satz bei meinem Jobwechsel gehört, als ich vom Medium Fernsehen zu dem Publikumszeitschriften überschwenkte. Ich hatte den gleichen Satz schon seit längerem und so oft zum Fernsehen gehört, dass ich darauf nicht mehr allzu viel gab. Am Rande: der Sohn baute gestern darauf, dass mein TV-Wissen aufgebraucht sei, als er mir auf der Suche (anstrengend ohne Fernbedienung) nach dem Qualifikationsspiel Türkei-Kroatien verklickern wollte, Nitro sei Pay TV. Ganz so dement bin ich nicht, Freundchen! Doch zurück zu Print. Das soll angeblich noch toter sein als Fernsehen. Meine n=1-Erfahrung sagt etwas anderes. 
Gestern erhielt ich eine Sprachnachricht (Ehrensache!) der Tochter, die aktuell auf Kreta weilt. Ganz im Muttermodus befürchtete ich, es sei etwas passiert. Sie meldet sich doch sonst nicht... Was soll ich sagen? In der Nachricht bat sie mich darum, ob ich ihr eine GEO WISSEN-Ausgabe besorgen könne. Die heiße "Was kommt nach der Schule? und klinge sehr gut und ihre Freundin habe das". Sie wisse nicht, wie aktuell es sei, aber falls es älter sei, könne ich es vielleicht im Archiv auftun. In meiner Freude, dass nichts Schlimmes geschehen war, überlegte ich kurz eine - zugegeben etwas schnippische - Antwort (geschrieben, Ehrensache!), ob es dazu keine YouTube-Tutorials gebe. Dann habe ich einfach mal gar nicht geantwortet. Das schien mir zielgruppenadäquat und die Variante mit dem meisten Swag.

Dienstag, 5. September 2017

Neue Freiheit

Es gibt viele Gründe, derentwegen ich mich freue, den Arbeitgeber gewechselt zu haben. Wie immer gibt es natürlich auch ein paar Nachteile. So fehlen mir manche liebgewonnene Ex-Kollegen und die Vertrautheit mit ihnen. Doch einer der Hauptgründe, mich über den Wechsel zu freuen, ist sicherlich, dass ich heutzutage die taz der Nachbarin (die ich derzeit wegen ihrer Abwesenheit lesen darf) offen mit zur Arbeit nehmen kann, ohne mir in der Folge wochenlang Kommentare des Chefs anhören zu müssen. Manchmal läuft es eben.

Montag, 4. September 2017

Vier Stunden vor Elbe 1

Jetzt ist wohl die Zeit, in der alle verreisen, die keine schulpflichtigen Kinder (mehr) haben. Ich merke es an der Anzahl der Schlüssel, die sich in meiner Obhut befinden, damit ich Blumen gießen kann. Man nennt mich unterdessen auch Knastschließer. Ich gönne allen den Urlaub von Herzen, fühle mich jedoch auch so, als könnte ich welchen gebrauchen. Genau genommen ist die nächste Ferienwoche auch nicht mehr weit. Dennoch dachte ich mir, es wäre schön, sich weitere Vorfreude-Highlights zu schaffen. Da entdeckte ich, dass die Lieblingsband demnächst - naja, in gut acht Monaten - in der Elbphilharmonie spielt. Leider ist mir das Top-Event später als den meisten anderen aufgefallen. Die Karten sind klassisch bereits ausverkauft. Kein Problem, dachte ich, über das Internet tun sich weitere Möglichkeiten auf. Ich war schon so weit, das Doppelte der vom Anbieter angegebenen Preise zu bezahlen. Als mir die Brüder von Viagogo jedoch zusätzlich zum virtuellen Schwarzmarktpreis pro Karte 60€ Bearbeitungsgebühr abknöpfen wollten, war ich raus. 470 Hühner für zwei Konzertkarten, für die ich auf der Elbphilharmonie-Seite zusammen maximal 150 bezahlt hätte (wenn ich mich denn rechtzeitig darum gekümmert hätte), da hört der Spaß auf! Vielleicht besuche ich lieber das Konzert in München? Da komme ich mit Hotel und Flug günstiger weg. Nie wieder will ich mich über 25€ pro Karte für die Sven Regener-Lesung beschweren - echte Friedenspreise.

Sonntag, 3. September 2017

Wie aufregend!

Ausnahmsweise war ich einmal vorausschauend. Am Freitagabend beschloss ich, mir einen Schal zu stricken. Schals, die man kaufen kann, sind fast immer aus Wolle oder haben einen Wollanteil. Diese vertrage ich nicht auf der Haut. Deswegen liegt es nahe, sich selbst einen zu produzieren. Zum Glück verfüge ich einigermaßen über die DIY-Fähigkeiten. Die Tochter findet, einer der Vorteile anthroposophischer Schulen sei die Tatsache, dass man dort Handarbeit lerne. Ungläubiger Gesichtsausdruck, als ich ihr irgendwann einmal erklärte, Handarbeiten müssten nicht zwangsläufig mit Eurythmie einhergehen. In der schlechten alten Zeit sei man zwar nicht politisch korrekt erzogen worden, sei aber in jedem Bildungssystem in den Genuss mehr oder weniger profunder Näh-/Stopf-/Strick-/Häkel-Kenntnisse gekommen. Die größte Schwierigkeit bestand damals wahrscheinlich darin, seine selbstgefertigten, schiefen Topflappen nicht endgültig mit den allgegenwärtigen Negerküssen zu ruinieren. 
Vorausschauend war meine jüngste Strickentscheidung aus mehreren Gründen. Erstens naht im September zwangsläufig die blöde kalte Jahreszeit. Zweitens gilt es die Dunkelheit längerer Abende zu bestreiten. Und drittens trete ich demnächst wieder einmal eine Flugreise mit Umsteigen an. Jeder vernünftige Mensch verbrächte die Wartezeiten vermutlich mit Lesen. Neugierig wie ich bin kann ich mich jedoch nicht auf die Lektüre konzentrieren, wenn um mich herum so viele spannende Konversationen stattfinden. Handarbeiten sind für Menschen mit offenem Ohr viel besser geeignet. Improve your status without neglecting your eavesdropping. Es sei denn, man stopft gerade Schlüpper. Was ohnehin nicht so mein Ding ist. 
Ein Schal also. Mein Problem bestand darin, dass ich nicht wusste, wie viel Wolle (natürlich Baumwolle!) ich dafür benötigen würde. Es lag nahe, den Profi im Freundeskreis anzusprechen. Es entsponn sich auf meine Entscheidung gestern eine ausgiebige WhatsApp-Kommunikation über Nadelstärke, Lauflänge, Muster und Gewicht. Die Tochter hätte schon zu Beginn auf Sprachnachrichten umgestellt, aber ich bin so altmodisch und tippte demzufolge eifrig. Allerdings unterbrochen durch ein YouTube-Video - dass ich das nutze, hätte die Brut vielleicht wieder mit der Joghurtbecher-Strippe-Joghurtbecher-Mutter und ihren vorsintflutlichen Methoden versöhnt. Wer denkt, die neuen Medien lassen Menschen einsam vor ihren Displays zurück, irrt. Wir verabredeten uns in einem Café, um die Details zu Schal und Muster etc. zu besprechen. Mal was Neues: ein Date mit einem jungen Mann, um übers Stricken zu reden. Das von mir vorgeschlagene Café mag von manch' einem als Lesbenladen diskreditiert werden, es liegt in der Nähe, wir konnten gestern Nachmittag wunderbar in der Sonne sitzen und unsere Schals vergleichen. Seiner ist schon als solcher zu erkennen, meiner selbst mit viel Wohlwollen anhand der drei Reihen unter den Nadeln nicht. Ich rechne mit einer Fertigstellung kurz nach dem Berliner Flughafen. Was hoffentlich auch Herbst/Winter sein wird.
Als ob das alleine nicht Aufregung genug sei, lenkte mein Ohr am Nebentisch meine Aufmerksamkeit auf die Nachbarunterhaltung, die - das muss ich zu meiner Ehrenrettung sagen - auch schlecht zu überhören war. Einer der Gäste vom Nebentisch wickelte sich von Zeit zu Zeit in eine Flagge mit dem St. Georgskreuz ein. Ich vermutete nicht, dass er sich damit in unserem Dorf einschleimen wollte. Es waren Engländer. Geschult durch die Lektionen des Sohnes meinte ich herauszuhören, dass sie aus Liverpool kämen. Nicht so schwer, da sie häufig Sachen wie "Luch 'ier!" statt "Look here!" sagten. Ich nahm mir ein Herz und sprach sie darauf an. Es stimmte, sie waren gleichzeitig hingerissen und verwundert, woran ich das denn gemerkt habe. Die Höflichkeit gebot, dass ich "am Akzent" antwortete. Sie blieben überrascht, denn so stark sei er doch gar nicht. Noch begeisterter waren sie, als sie erfuhren, wir seien erst kürzlich in ihrer Heimat gewesen. Ich erzählte von unserem Ausflug zum Anfield Stadion. Einen kurzen Moment drohte die gute Stimmung zu kippen, da eine Hälfte von ihnen "Evertonians" und die andere für den FC Liverpool war. Ein Handgemenge konnte zum Glück vermieden werden. Ich war etwas in Sorge, denn sie hatten schon ein paar Getränke und der Nasen- und Zahnstatus unter den männlichen Mitgliedern ließen auch nicht das Allerbeste vermuten. Es fand sich glücklicherweise der gemeinsame Nenner, dass Jürgen Klopp sympathisch sei. 
Ehe alle zehn Engländer in ihre Taxis stiegen, stellte ich fest, dass inmitten des Kreuzes auf der Flagge "McGrail" stand. Zuhause ergab meine vom Sohn angeleitete Internetrecherche ("Mama, du würdest selbst für Bilder in Wikipedia gucken!" - stimmt natürlich nicht!), dass wir neben dem amtierenden Bronzemedaillengewinner der Boxweltmeisterschaft im Bantam gesessen haben. Der - Wikipedia sei dank - auf den Namen Peter hört, gebürtig aus Liverpool kommt und auch der amtierende Europameister ist. So viel zum Lesbencafé. 

Freitag, 1. September 2017

Alles wird besser

Der Sohn und ich freuen sich auf die Rückkehr der Schwester bzw. Tochter. Nicht nur, dass sie uns als Mensch fehlt. Beim Sohn geht das Vermissen sogar so weit, dass er in ihrer Abwesenheit in ihrem Bett schläft. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ihre Schlafgelegenheit nicht ganz so voll gerümpelt ist. Wer weiß das schon? Und wer will es überhaupt wissen? In jedem Fall fehlt sie uns. Wahrscheinlich vor allem deswegen, weil sie uns sachdienliche Hinweise zum Verbleib der Fernbedienung geben kann. Wer uns Tipps geben möchte: an den üblichen Stellen wie Toilette, Küchenzeile, Bett, hinterm Sofa o.ä. liegt sie nicht.

Donnerstag, 31. August 2017

Back to School

Dass in der Hamburger Schulbehörde nicht nur Superhirne sitzen, ist vermutlich keine Neuigkeit. Bekannte sind von diesem Bashing natürlich ausgenommen, Wiebke! Dass sie dort entscheiden, am heißesten Tag des Jahres la rentrée stattfinden zu lassen, zeugt nicht unbedingt von Weitsicht. Der erste September hätte als Schulanfang nach den Sommerferien ohnehin den schmissigeren Klang gehabt. Ich frage mich, wie viele Entschuldigungen in den nächsten Tagen eintrudeln, die so oder etwas verbrämter lauten: 
"Sehr geehrte Damen und Herren, bitte entschuldigen Sie das Fehlen meines Sohnes am 31.8.2017. Er konnte leider wegen der Schließung des Transfermarktes ganztägig nicht zur Schule kommen. 
Mit freundlichen Grüßen 
Muddie"
Übrigens: Thomas Lemar kommt wohl zu Liverpool.

Mittwoch, 30. August 2017

Bei aller Liebe

Gestern dachte ich mir, es sei eine gute Idee, mal wieder mein Bettzeug abzuziehen und zu waschen. Da an diesem Tag der diesjährige Sommer stattfand, fand ich die Idee umso besser, als ich beschloss, die Wäsche auf dem Balkon trocken zu backen. Um sie dann abends vor dem Schlafengehen gleich wieder aufziehen zu können. Gute Idee, machen wir auch nicht, dachten sich die Haustauben und machten mir auf den anschließend nicht mehr ganz so blütenfrischen Waschmaschineninhalt. So werden wir keine Freunde, ihr Kackbratzen! Unter Hausfrauen stellt sich jetzt die Frage, ob eine 60° Wäsche hygienisch ausreichend ist. Vom Psychologischen möchte ich nicht sprechen.

Dienstag, 29. August 2017

Kuratiertes Groupietum

Es ist bitter. Ich werde das Wort nicht halten können, das ich der Tochter gab. Und abgesehen von meinerseits holpriger  WhatsApp-Kommunikation werde ich meinen Wortbruch auch nicht im Vorfeld erklären können. Es kam so: die Tochter ist ein wenig aufgeregt ob ihrer ersten Teilnahme an einer Bundestagswahl. Ich versprach, sie auf dem langen, steinigen Weg (ca. 100 Meter) zu begleiten und mit ihr gemeinsam in den Vorraum zu gehen. Mehr geht nicht. Das beruhigte sie. So weit der Stand, ehe sie nach Italien aufbrach. Als sie bereits wohlbehalten in wo auch immer angekommen war, wurde mir bewusst, dass die Wahl nicht am 25. September (wie ich gedacht hatte) sondern am 24. stattfinden wird. Was auch logisch ist, da es ein Sonntag ist. An besagtem 24. werde ich jedoch erst am Nachmittag aus der Bretagne zurückkehren. Auch wenn ich normalerweise ein Freund von Auf-Kante-Genäht-Lösungen bin, erschien mir die Zeitspanne zu kurz (vor allem, wenn man Verspätungen beim Flug, beim Anschlussflug oder bei der S-Bahn bedenkt), um die Nervosität der Tochter zu verringern. Wohl oder übel musste es Briefwahl für mich werden. Mein Gewissen plagte mich. Dann kam mir wickiemäßig die Idee: wenn ich unseren prominenten Nachbarn als töchterlichen Wahlbegleiter gewinnen könnte, wäre das mehr als ein Ersatz für mich. Allerdings ist nicht unwahrscheinlich, dass auch er auf Briefwahl geht... Das Leben ist nicht einfach! Wenigstens habe ich auf die Weise sichergestellt, dass ich an besagtem Sonntag pünktlich nach Hamburg zurückkehren werde. Alles Weitere wird sich finden.

Montag, 28. August 2017

Same procedure als every year

Auch gestern fand - wenn auch weder zu meiner Überraschung noch zu meiner Enttäuschung - an unserem Hochzeitstag wieder kein rauschendes Fest statt. Wäre für den 19. vermutlich ohnehin nicht passend gewesen. Ich musste mich also mit Erinnerungen und Fotos begnügen. Und der Aussicht auf nächstes Jahr. Wie blühend ich vor 19 Jahren aussah! Vor allem wenn man das damals ständige Spucken und die allgegenwärtige Übelkeit einberechnet. Die Jugend ist heutzutage ohne Frage vorbei. Dennoch beschleicht mich ein gewisser Sinn für Nettogerechtigkeit, dass der andere Part des Hochzeitspaares stärker gealtert scheint. Außerdem kam mir wieder eine Begebenheit dieses Tages in den Sinn: Als die Freundin meines frischgebackenen Schwiegervaters meine Frisur lobte und sich dann erkundigte, wie viel davon wohl meine echten Haare seien. Ich verstand die Frage nicht.


Samstag, 26. August 2017

Sie fühlt es einfach nicht

Zum wiederholten Male muss ich an dieser Stelle meine Vorliebe für Flamingo-Devotionalien gestehen. Sie ist in unserer Wohnung unschwer an vielen Pelikanen (der Freund der Tochter) zu erkennen. Doch auch meine Leidenschaft kennt Grenzen. So will - obwohl vom Dekor her durchaus zum Badezimmer passend - mit dem Edeka-Toilettenpapier kein rechtes "Flamingo Feeling" (wie macht sich das überhaupt bemerkbar?) aufkommen. Zu Edekas Ehrenrettung muss man sagen, dass sie nicht an "exotischem Piña Colada Duft" gespart haben, um das Gefühl (welches auch immer) zu verstärken. 
Und dennoch: ich fühle es nicht. Wahrscheinlich liegt es wie üblich an mir. Denn laut der Brut kam bei der prätentiösen Mutter, also mir, auch kein Flamingo Feeling auf, als wir sie in Spanien in freier Wildbahn entdeckten.

Donnerstag, 24. August 2017

Wenigstens einer!

Mehr und mehr glaube ich, dass ich es doch nicht mit dem Fleischessen übertrieben habe. Ich glaube, ich bin einfach so krank. Aber ich will nicht klagen. Die dazugehörige Schlaflosigkeit hat auch Vorteile. Erstens kann man die Tochter, die gegen 4:30 Uhr das Haus verlässt, um nach Norditalien zu fliegen, noch live verabschieden. Zweitens hat man genügend Muße, sich den schönen Dienstagabend noch einmal in Erinnerung zu rufen. War da doch mein verzweifeltes Bemühen, einem Gast zu erklären, dass Honig nicht vegan sei ("Aber wieso? Die ernähren sich doch nur von Blumen."; "Honig kommt aber trotzdem von Tieren. Kühe fressen auch nur Gras, und dennoch sind Milch und Käse tierische Produkte"). Diese Diskussion wiederum führte zu der Erkenntnis, dass Muttermilch nicht im Sinne einer veganen Ernährung sein kann. Auf was man eben so kommt, während Fleisch auf dem Grill liegt.

Mittwoch, 23. August 2017

Nicht karmaneutral

Heute bestätige ich, kleine Sünden bestraft der Liebe Gott sofort. Ich denke, das gilt auch für Vergehen, die ich aus der Sicht meiner Kinder und/oder Nachbarn begangen habe. Das kam so: ich war gestern Abend als Special Guest zum Stammtisch meiner Nachbarin eingeladen. Diesen hielt sie ausnahmsweise zuhause ab. Der Jahreszeit - nicht etwa des Klimas - entsprechend war Grillen geplant. Da keine Einladung an alle Mitbewohner erging, waren die üblichen Verdächtigen unter den Nachbarn wieder einmal erbost. Hatte sie sich doch damit über das Dekret des letzten Jour Fixe hinweggesetzt. Und dann auch noch eine einzelne Nachbarin dazu geladen! Als ob das nicht genug sei, fand das Essen in wärmender Nähe des Grills auf dem hauseigenen Parkplatz  statt. Es gab - wie bei solchen Veranstaltungen häufig üblich - große Mengen an tierischem Eiweiß. Landläufig Fleisch und Fisch genannt. Diesem sprach ich auch eifrig zu. 
Was soll ich sagen? Etwa vier Stunden nachdem ich mich schlafen gelegt hatte, war es mit meiner Nachtruhe vorbei. Ob es an zu viel Fleisch oder zu viel Nachbarnärgern lag, wird ein ewiges Mysterium bleiben. Immerhin: ich bin jetzt wieder bei Tee angelangt.

Montag, 21. August 2017

Aus Gründen

Warum ich dieses Wochenende zu nichts gekommen bin:
- Weil die Herbst-/Winterstimmung nicht antreibt.
- Weil ich morgens/vormittags lange im Bett liegen blieb (s.o.).
- Weil ich nahezu den gesamten Samstag damit zubrachte, Kalorien nach Hause zu schaffen.
- Weil ich mich viel zu lange damit aufhielt, die Brut zu mehr Mitarbeit im Haushalt zu bewegen. Nahezu erfolglos - versteht sich.
- Weil ich fast genauso viel Zeit darauf verwendete, dem Sohn zweifelsfrei zu erklären, welcher Müllsack in welche Tonne kommt.
- Weil ich ständig meine Mails kontrollieren musste, ob ich endlich von unserem Blockwart an den virtuellen Pranger gestellt wurde.
- Weil ich drei liegen gebliebene und eine aktuelle Zeit abarbeiten musste.
- Weil ich erfolglos versuchte, das neue Element of Crime-Lied in den Tiefen des Internets aufzutun (wie die Tochter sagte: "ein Premium Banger").
- Weil Wochenenden serienmäßig zu kurz sind.

Sonntag, 20. August 2017

Coals to Newcastle

Nachdem die Tochter urlaubsbedingt das Jungwählertreffen mit unserem Bundestagsabgeordneten verpasst hatte, hielt ich es für meine Pflicht, sie auf das Kinderfest mit ebendiesem hinzuweisen. Umso mehr, als es in "unserem" Park stattfinden sollte. Dank flächendeckender Plakatierung war ihr das Topevent nicht entgangen. "Mit Ponyreiten!", fügte sie hinzu. Am Ende war sie trotzdem nicht da.

Freitag, 18. August 2017

So war's

Wenn schon mein Fußballtipp nicht richtig hinhaute, habe ich doch mit meiner Prognose, den Bundesliga-Auftakt alleine zu sehen, recht gehabt. Die Tochter verbrachte ihn bei einer "Freundin" in Aumühle und blieb auch dort (Regen/Dunkelheit). Der Sohn traf sich mit einem Freund - wo auch immer. Und dennoch hielt der Abend eine Überraschung bereit. Als wir noch alle vereint waren, quakte der Sohn seine Schwester an, sie müsse doch reagieren, wenn er sie anspreche, das sei "eine Frage des Respekts". Sie argumentierte, sie habe sich auf ihr Telefon konzentriert (mal was Verrücktes tun) und solange sie keinen Augenkontakt habe, sei sie nicht in der Pflicht. Zwei Kuriosa: erstens, dass sich die beiden Mobile Natives über solche Themen streiten; zweitens, dass SIE diejenige war, die sich selbst Multitasking-Fähigkeiten abspricht. In seltenen Momenten hat sie doch nicht nur äußerlich Ähnlichkeiten mit ihrem Vater.

Endlich wieder!

Auch wenn der Sohn der Bundesliga nichts abgewinnen kann, werde ich mich heute reminiszierend betätigen. Für den verregneten, aber dennoch entspannten Herbstfreitag im August plane ich eine Abendgestaltung mit allen Schikanen - wie in alten Zeiten: Bundesliga-Auftakt, wir auf dem Sofa und dazu das, was die Brut "Büffet" nennt. Also Fingerfood. Auch wenn mir in der veganen Ausführung gerade wenig Ideen außer Pombär Ketchup kommen. Diese hat der Sohn in Großbritannien sehr vermisst. Dort gibt es nur die Klassik-Sorte in der roten Tüte, die der Sohn nicht goutiert. Was ich vor Augen habe, nennte ich in Anlehnung an die Kindersprechweise gar ein Premium Büffet. Einziger Wermutstropfen: wahrscheinlich werde ich die gesamte Herrlichkeit alleine genießen. Von den Kindern sehe ich nur das hinterlassene Chaos in der Wohnung. Sie selbst werden vermutlich entweder wie ein tollender junger Hund in den Regen herausrennen und gegen 23 Uhr triefend in einer hausgemachten Pfütze im Flur stehen (der Sohn) oder (die Tochter) sich mit ________ (hier Vornamen Deiner Wahl eintragen; zu 67% weiblich, zu 33% männlich) treffen und gegen Mitternacht nach Hause kommen (wenn es ein männlicher Vorname ist; schließlich weilt DER männliche Vorname in Italien oder so) oder andernfalls eine WhatsApp-Nachricht schicken, es regne ja immer noch und sei schon dunkel, deswegen übernachte sie lieber bei ________ (weiblicher Vorname der Wahl). Sicher ist, dass am Ende mehr für mich bleibt. Das ist die Hauptsache. Allerdings mag ich keine Pombären. Selbst Ketchup nicht.   

Donnerstag, 17. August 2017

Wer wird Meister?

Eine der größten Hürden des Jobwechsels war, den Fußballkompetenztisch zu verlassen. Ich gestehe: das eine oder andere Mal vermisse ich die entsprechenden Gespräche - manch' einer nennte es wohl auch Gepöbel. Umso mehr freute ich mich, als ich vom Tippspiel "unserer" Redaktion erfuhr. Und dass ich aufgefordert wurde, daran teilzunehmen. Das nimmt zwar nicht den gesamten Trennungsschmerz, aber doch einen Teil. Als ich gestern Abend dem FIFA-spielenden Sohn (ich erkannte sogar Stefan Kießling auf dem Bildschirm, der - komplett unrealistisch - einen Elfmeter verwandelte) von meiner Anmeldung erzählte, erntete ich nur Schulterzucken. Bundesliga, das sei doch langweilig. Und Amateurtippspiele noch viel mehr. Ob ich es nicht lieber mit Tipico versuchen wolle. Da stimme der Return on Investment. Unaufgefordert rechnete er mir vor, wie wenig ich maximal gewinnen könne und wenn überhaupt, mit welchem Zeitverlust. Ich hielt dagegen, es gehe doch mehr um den Spaß. Genau das spreche dagegen, meinte er, Bundesliga sei öde. Wer tippe freiwillig mit, wenn der Meister jetzt schon feststehe. Premier League, das sei etwas anderes. Nach unserem langen Fußmarsch zum Anfield Stadion in Liverpool kam dieser Einwand nicht allzu überraschend. Dann hatte er Wickie-artig einen Einfall: 11 Freunde sei doch auch "bei uns". Da solle ich mich mal erkundigen, die haben bestimmt ein Premier League-Tippspiel. Dabei sei er auch bereit, mich mit seinem Expertenwissen zu unterstützen. Diese unendliche Güte, man bekommt so viel zurück!

Mittwoch, 16. August 2017

Ein Hoch auf den Übergangsmantel

Auch dieses Jahr will das echte Sommergefühl nicht aufkommen. An mir liegt es nicht! Ich gebe mit Flamingo-Sonnenblumen-Club Tropicana-Deko alles, um das letzte Fünkchen laue Atmosphäre herauszulocken. Vermutlich liegt es daran, dass ich mich jeden Abend fröstelnd auf mein warmes Bett freue. Selbst zwei Stunden Bügeln am Abend konnten letzthin nicht den gewünschten Effekt erzielen. DEN einen Sommerabend in diesem Jahr nutzte der Nachbar, um seinen Balkon zu kärchern. Folglich war meiner nicht sehr einladend - ich sage nur Krach und dreckiges Wasser. Vielleicht liegt es auch daran, dass man zu jeder Tageszeit das Licht anschalten muss, um sich in der Wohnung halbwegs orientieren zu können. Gestern Abend bat mich selbst der Sohn, der alters- und stimmungsgemäß keine hohe Affinität zu allzu viel Lumen hegt, ob ich das Licht in seiner Daddelhalle - andere nennen es Wohnzimmer - einschalten könne. Bei der vorherrschenden Adventsstimmung konnte ich ihn verstehen. Dass er es über Nacht nicht ausschaltete: geschenkt!  Der definitive Sommerkiller jedoch ist, seit Tagen gegen 6:30 Uhr von einem Höllenlärm geweckt zu werden, den ich in meiner geringen Zurechnungsfähigkeit jeden Morgen für einen dieser unsäglichen Laubpuster halte. Fehlte nur noch, dass mir jemand Lebkuchen (buerck!) reichte.

Dienstag, 15. August 2017

Waren-Termin-Geschäfte

Gestern rief die Tochter aus, sie sei jetzt erwachsen. Das Attribut steht ihr eigentlich schon seit einigen Wochen zu: erst die Volljährigkeit, dann die hervorragend bestandene Reifeprüfung. An anderen Stellen teile ich ihre Einschätzung nicht unbedingt - vor allem wenn es um Haushaltsbelange geht. Aber diese überkritische Haltung behalte ich natürlich für mich. Ist es nicht eine der zentralen Aufgaben einer Mutter, ihre Kinder in ihrer Selbständigkeit zu bestärken? Die Initialisierung, die zu ihrem Ausruf führte, war jedenfalls die Tatsache, dass sie "ein Konto machen wolle". Mein Hinweis, der Fachterminus laute "eröffnen", wurde einem "Ja, ja" weggewischt; ob ich ihr dabei helfen könne. Konnte ich. Sie beschloss, erst einmal YouTube-Tutorials dazu anzusehen. Ob ich den Fernseher leise stellen könne. Was ich ignorierte (ältere Menschen hören nicht mehr so gut). Ich merkte stattdessen an, dass ich das Medium nicht für das geeignetste zur Informationsbeschaffung halte. Ach, was wissen Mütter schon? Mit der ihr üblichen Verve ging sie auch beim Thema Bank sehr mit ("Was? Man kann mit der Kreditkarte NICHT kostenlos Geld abheben?"). Dann gab es auch wieder nachdenkliche Momente: "Warum bekomme ich das Konto eigentlich kostenlos? Was hat die Bank davon?" Ich erklärte es mit Anfixen und Spekulationsmasse. Eigentlich rechnete ich fest mit Kapitalismuskritik. Doch die bleibt wohl aus, wenn es um die Finanzierung des eigenen Lebens geht. Irgendwann stand die Entscheidung. Und das Kind war erwachsen oder so.

Sonntag, 13. August 2017

Ducken in Entenwerder

Wenn man Verpflichtungen am Wochenende entgehen möchte, empfehle ich Entenwerder. Nicht nur weil es namentlich zu "Duck and Cover" passt. Es ist auch schön dort. Und man kann an einem gewöhnlichen Sonntag viele schöne Aussprüche aufschnappen:
Hipster-Gruppe: "Die haben eine approval rate von über 40%, stellt euch das mal vor." Finde ich auch absolut beeindruckend.
Mittelalter Mann mit türkischem Migrationshintergrund: "Der Erdogan tot machen!" Ja, warum nicht?
Kind: "Bah, vegetarisch!" Die gibt's auch noch?
Auch schön: dem Muckibudenschwuppenpaar bei ihren erfolglosen Angelversuchen zusehen. Wieso gilt das eigentlich als Sport? Von dem bisschen nutzlos Blinkerauswerfen haben die ihre Astralkörper bestimmt nicht.
Aber nach wie vor das Beste: sich dem nachbarschaftlichen Jour Fixe zu entziehen.

Freitag, 11. August 2017

Schlummernde Talente

Vorletzte Nacht träumte ich von unserem prominentesten Nachbarn. Als einem seiner Groupies steht mir das zu, finde ich. Er erzählte mir, dass Andreas Dorau gar nicht live gespielt sondern nur Videos gezeigt habe. Das Lustige ist, dass Herr Dorau am Vorabend tatsächlich auf Kampnagel aufgetreten ist. Ich dann aber nicht hinging, weil mir 22 Uhr als Beginn mitten in der Woche zu spät erschien. Man braucht psychologisch nicht weiter als in der Küche unterwegs zu sein, um zu ahnen, dass mir die Erklärung unterbewusst das schlechte Gewissen nehmen sollte, nicht dort gewesen zu sein. Nach dem Statement zum Konzert erging er sich in Kommentaren über andere Bands, die ich allerdings allesamt nicht kannte. Das wunderte mich wenig, denn ich bin im Gegensatz zu ihm kein ausgesprochener Kenner der deutschen Musikszene. Was mich jedoch wunderte: dass er - trotz eigentlich westfälischer Provenienz - die ganze Zeit in bestem Barmbek Basch sprach, gespickt mit nicht mehr ganz altersgemäßen "Alda"-Äußerungen und ähnlichem. Doch auch das beherrschte er selbstverständlich bravourös. Seine Prominenz kommt schließlich nicht von ungefähr.

Donnerstag, 10. August 2017

Das prangere ich an

Manchmal ist es zum Verzweifeln. 
Da fühlt sich ein Großteil der Menschen in Bezug auf Diesel und Eier von Politik im Zusammenspiel mit der Wirtschaft gegängelt (war an der Stelle schwierig, ein halbwegs verträgliches Synonym für "verarscht" zu finden). Vollkommen zurecht, wie ich finde. Was ich jedoch nicht verstehe, warum dann aktuell mehr als 5% die FDP in den Bundestag zurück wählen würden. Denken hülfe.
Manchmal bringt jedoch auch Umsicht nichts. Montag und Mittwoch wurden uns beste Sommertage ("Premium!" wie die Brut sagte) angekündigt. Im August eigentlich nicht allzu verrückt. An beiden Tagen freute ich mich, aus meinem Sommerkleidfundus endlich etwas ausführen zu können. Wenn auch in der Hosenträger-Und-Gürtel-Variante mit Strickjacke ("Cardigan" wie die Brut sagte). Was soll ich sagen? Ich habe schwer gefroren. So sehr, dass ich mich heute früh für die Badewanne anstelle der Dusche entschied. Und was soll ich noch sagen? Ich habe zusätzlich heißes Wasser nachlaufen lassen. Demnächst werde ich mich wohl nach den 17-18 Grad in Großbritannien zurücksehnen.

Mittwoch, 9. August 2017

Wie Urlaub

Nicht darauf achten zu müssen, ob die Einkäufe gleichzeitig vegan, hochkalorisch und "lecker" sein müssen. Ich glaube, das ist das Entspannendste an meiner sturmfreien Zeit.

Dienstag, 8. August 2017

Fast CO2-neutral

Den gestrigen Abend habe ich putzend und aufräumend verbracht. Mag sein, dass es dem einen oder anderen wie verschenkte Zeit vorkommt, die knappen sturmfreien Stunden nach der Arbeit auf diese Weise zu nutzen. Gerade bei unerwartet sommerlichem Wetter. Doch ich fand's gut. Es ist befriedigend zu wissen, dass fünf Minuten später nicht sofort wieder Dreck und Chaos regieren. Dass ich beim Putzen unkommentiert meine Musik hören - und sogar mitsingen! - darf. Dass ich über den Müll meiner Kinder fluchen darf, ohne auf ihre empfindsame Seele Rücksicht nehmen zu müssen. Ihr Glück, dass sie mein Gezeter über ihre Hinterlassenschaften nicht hören konnten. Mit dem Zeug um Fernseher und PlayStation herum hätte man eine (vegane?) Familie ernähren können. Ich frage mich, ob dieses Phänomen in irgendeiner Öko-Bilanz berücksichtigt wird.

Sonntag, 6. August 2017

Typisch

Trotz oder gerade wegen ihrer Begeisterung für Manchester (Home of The Smiths etc.) echauffierte sich die Tochter über mangelnde Ordnung und Sauberkeit. Auch mich wundern die in Großbritannien an jeder Ecke aufgestellten Schilder "No Littering - Maximum Penalty £500", die offenkundig niemand befolgt und die die Abwesenheit von Mülleimern oder ähnlichem umso schmerzlicher erscheinen lassen. Die Tochter regte sich jedenfalls besonders in der Nähe der Kultstätte aller Smiths-Jünger auf, dem Salford Lads Club. Dass man alles so verkommen lasse, man wolle sich doch in seinem Umfeld wohlfühlen usw. usf. In antrainierter Ruhe schwieg ich und wies sie nicht auf etwaige Parallelen zu ihrem Zimmer hin. Aber vielleicht fühlt sie sich dort ohnehin nicht wohl? Das erklärte einiges...
Als sie an unserem letzten Urlaubsmorgen ein - zugegeben extrem unsympathisches - deutsches (süddeutsches, wie ich betonen möchte - schwules, wie ich nur anmerke) Paar sah, das alle ziemlich offensichtlich musterte und nicht nur für uns verständlich abkanzelte (die Brut nennt es "judgen"), suchte die Tochter nach irgendwelchen positiven, typisch deutschen Eigenschaften. Und fand ob dieses abstoßenden Beispiels keine. Ich bot Sauberkeit, Ordnung und Mülltrennung an. Und erntete das übliche Mutter-Ist-Peinlich-Bis-Rassistisch-Gesicht. 
Gestern fragte meine Mutter die Tochter nach ihren Plänen, ab September ein wenig Geld zu verdienen. Sie antwortete, sie habe schon ein wenig recherchiert. Auf 450€-Basis könne man sich zum Beispiel als Zimmermädchen verdingen. Es mag an einer gewissen Familienähnlichkeit liegen, dass meine Mutter und ich nahezu synchron die Worte "Bock zum Gärtner" ausstießen. Unisono Empörung bei der Brut. Seit ewigen Zeiten sei das Zimmer seiner Schwester nicht mehr unordentlich (ist bestimmt schon vier Wochen her, dass ich die Zimmertür vor lauter Kram und Dreck auf dem Boden nicht aufbekam), ihr Zimmer sei ordentlicher als meins (Kunststück, wenn meine sauberen Sachen nach Strumpfhosen durchwühlt werden und wenn ihrer beider gesamte dreckige Wäsche auf dem Fußboden meines Zimmers platziert wird). Sie könnten schon aufräumen und sauber machen. Ich retournierte, dass für mich und meine Position bei ihnen Nicht-Wollen eigentlich schlimmer als Nicht-Können sei. Wegen so viel mütterlicher und großmütterlicher Boshaftigkeit und Ungerechtigkeit weinte die Tochter schließlich. Dies hatte vorwurfsvolle Blicke des Sohnes in meine Richtung zur Folge. Ich muss wohl mehr Rücksicht auf die Gefühle meiner Kinder nehmen. Vielleicht ganz gut, dass ich eine Woche niemanden aus meiner Familie verletzen kann. Eine Woche Comfort Zone für sie. Unter uns: für mich auch - wenn auch in den Augen der Brut völlig unverdient.

Freitag, 4. August 2017

Zurück

Auch wenn ich den Linksverkehr nicht vermisse, Großbritannien fehlt mir schon jetzt.

Donnerstag, 3. August 2017

See ya, UK!

Zugegeben, manchmal war auch ich genervt von wahlweise unterzuckerten oder WLAN-entwöhnten unleidlichen Teenagern. Aber wenn der Sohn am letzten Urlaubsabend resümiert, es sei "ein sehr schöner Aufenthalt in Großbritannien" gewesen, hat sich das zeitweilige Durchhalten gelohnt. Manchmal bekommt man wirklich etwas zurück.

Mittwoch, 2. August 2017

Akklimatisiert

Heute früh war in unserem Hotel Feueralarm. Wir wurden zwar nicht von plärrenden Rauchmelder geweckt, aber wir lagen noch im Bett - und lasen (1x) bzw. genossen das WLAN (2x). Ich raffte mich auf und rief bei der Rezeption an. Es piepte auch durch den Hörer, denn der Alarm war überall im Haus. Höflich wurde ich darauf hingewiesen, dass es besser sei das Gebäude zu verlassen. Dann musste es wohl sein. Wir standen kurz draußen im Regen. Im Zurückgehen vermutete die Tochter zuerst, es sei wohl eine Übung gewesen. Ich erklärte ihr, dass ich das um 9 Uhr morgens in einem Hotel für unwahrscheinlich halte. Daraufhin war ihr alles klar: "Es hat wohl jemand beim Duschen die Badezimmertür nicht richtig geschlossen."

Dienstag, 1. August 2017

Urlaubsstimmung

Vor Jahren hat der Sohn den Botschaftstourismus erfunden. Es gab kaum Größeres für ihn als beispielsweise in Lissabon die Botschaft von Guinea-Bissau zu entdecken. Heute ist sein Bestreben, mich in jeden Chicken Shop Englands zu schleusen. Kommt einem im ersten Moment merkwürdig vor, dass ein Veganer die Mutter zum Fleischkonsum missioniert. Es liegt an den vielen YouTube-Videos vom Chicken Connaisseur, die er mit Hingabe gesehen hat. Mein Glück war, dass sich die Expertise des Hühnerkenners auf den Großraum London beschränkt.
Ansonsten verlässt mich mein Glück leider etwas. Mindestens eines meiner Kinder scheint immer zu schmollen. Beim Sohn hat die schlechte Laune meist Unterzuckerung zum Grund. Es ist auch in Großbritannien nicht leicht, immer rechtzeitig und zahlreich leckere, vegane Kalorien aufzutun. Bei der Tochter ist es das beklagenswert selten einzufangende WLAN. Ich hätte ihr Gold und Perlen bieten können, nichts Materielles hätte geschafft, sie aus ihrer Rumpelstilzchenlaune herauszuholen. Nach drei Tagen ohne Netz. Wir machen uns einfach keine Vorstellung von echtem Leid.

Sonntag, 30. Juli 2017

anobeithiol mewn cariad

Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich Großbritannien mag? Die Sprache, die gleichgültige Toleranz, die Höflichkeit und manchmal sogar Fish & Chips. Selbst the hardship of zwei Tage ohne WLAN mit zwei Teenagern ertrage ich hier stoisch. Das Hotel hier in Wales (noch bessere Sprache!) hatte zwar vollmundig Free WiFi angekündigt, den Zugang zu einem wackligen, mit WLAN verwandtem Netz offenbart man jedoch nur zögerlich (der angegebene Code stimmt nicht, wird von den Servicekräften aber hartnäckig bestätigt, man muss einen Buchstaben darin in Großbuchstaben verwandeln, das sah ich, als ich der Rezeptionskraft beim Eintippen zusah; don't try to fuck a fucker!).
Was mich neben der schicken Sprache am meisten fasziniert ist der Sinn für Logik:

Freitag, 28. Juli 2017

Süß

Die Kinder haben ihren Spaß daran, Englisch absichtlich falsch auszusprechen, um mich zu provozieren. Entsprechend erfreut sind sie über unseren heutigen Ausflug nach Greenwich - oder Grienwitsch wie sie sagen. Genauso wie sie sich über das Umsteigen am Leicester Square ("Lehchester") oder das Erreichen der Gloucester Road ("Glohchester" - finde ich ein wenig enttäuschend, daraus hätte man mehr machen können wie z.B. "Glauchester") gefreut haben. Unterdessen habe ich ausreichend britisches Savoir-vivre inhaliert, um angesichts der Provokationen vollkommen ruhig zu bleiben. Stattdessen korrigiere ich sie lieber auf deutsch und erkläre zum Beispiel dem Sohn, dass er nicht der "Gelachsmeierte" sei.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Meanwhile in London

Vielleicht war ich ein wenig zu euphorisch, was das britische Wetter angeht. Es regnet hier auch. Und richtig sommerlich geht auch anders. Das heutige "Bad Light" (einer meiner Favoriten als Grund, das Cricketspiel zu unterbrechen) hatte zur Folge, dass die Tochter und ich ins Kino gingen. Das Kino um die Ecke ist sehr sehenswert und Dunkirk wollten wir auch beide sehen. Vielleicht aus unterschiedlicher Motivation, aber wir beide wegen Cillian Murphy. Sagen wir so: die (sehr gut gemachte) schwere Kost passte ganz gut in die herbstliche Stimmung.
Währenddessen sicherte der Sohn seine Kalorienzufuhr. Auch gut.

Dienstag, 25. Juli 2017

Welcome Back

Welanien besticht durch bestes Sommerwetter. Wir sind geblendet - selbst gegen 19 Uhr. Was war nochmal dieses Helle am Himmel? Wenn mir früher jemand gesagt hätte: "Fahrt nach Großbritannien, um Sommer zu erleben!", ich hätte ihn oder sie für verrückt erklärt. Heutzutage finde ich es logisch. 


Auf nach Welanien!

Kurz vor unserem Aufbruch erhielt die Tochter noch Post von unserem Bundestagsabgeordneten. Eine Einladung zu einem Jungwählertreffen, die sie urlaubsbedingt leider nicht wahrnehmen kann. Sie war zwar gerührt, dass er an sie dachte, empörte sich aber gleichermaßen darüber, dass man ihre Anschrift und ihr Geburtsdatum zur Verfügung habe. In der virtuellen Welt haben sie und ihre Altersgenossen keine Probleme alles von sich preiszugeben, aber auf dem Papier ist es dann bedenklich. Print kann somit auch in dieser Generation nicht wirklich tot sein. Als böser Mensch merkte ich an, die Einladung sei eine gute Gelegenheit für unseren Abgeordneten an Frischfleisch zu kommen. Allerdings passe die Tochter nicht ins Beuteschema. Für eine Sozialisation in St. Georg reagierten die Kinder überraschend überrascht auf die gleichgeschlechtliche Orientierung unseres Abgeordneten, fand ich. Die Erkenntnis brachte jedenfalls den Sohn auf folgenden Plan: er werde den Politiker gefügig machen und dann organisiere dieser ihm eine HVV-Abo-Karte. Eine ÖPNV-Karte anstelle der Weltherrschaft - die Bescheidenheit hat er von mir.

Montag, 24. Juli 2017

Reisefieber

So langsam packt uns die Nervosität. Nicht mehr lange bis zu unserem Familienurlaub, der nach dem Abitur der Tochter vielleicht der letzte seiner Art sein wird. Check In, zentnerweise Wäsche waschen, Pässe suchen, Taschen herauskramen heißt es für mich. Für die Kinder bedeutet es eigentlich keinen Unterschied zu sonst. Stimmt nicht. Ab und an fragen sie, um welche Uhrzeit wir fliegen, wo wir wohnen werden und ob es da freies WLAN geben wird. Die Organisation hatte ich mir gemeinschaftlich vorgestellt, doch wegen häufiger Abwesenheit der Kinder oblag am Ende alles mir. Letzthin fragte die Tochter, ob sichergestellt sei, dass sie nach ihrem zweiten Urlaub - direkt im Anschluss an unseren, aber ohne mich und stattdessen mit Oma und Opa - möglichst nahtlos nach Hamburg zurückzukehren. Da es die einzige Konversation mit ihr für längere Zeit war, kam meine Antwort entsprechend unwirsch herüber. Das könne sie entscheiden und organisieren, schließlich sei ich nicht dabei. Herzlose Mutter, die nichts von Wiedersehenssehnsüchten des jungen Glücks versteht. Und das Kind in allen widersinnigen Situationen einfach für volljährig erklärt. Sie beschloss wohl, meinen Einwand zu ignorieren. Denn gestern erkundigte sie sich wieder, wie die Rückreise nach Hamburg geplant sei. Ihre Cousine habe sie angerufen und danach gefragt. Ich wiederholte, von meiner Seite sei nichts geplant und es werde auch nichts passieren. Immerhin gab ich in meiner unendlichen Güte den Tipp, sie solle sich am besten einmal mit Oma und Opa kurzschließen. Ich bin aber auch blöd! Denen kann man im Gegensatz zur Cousine schließlich keine Sprachnachrichten schicken. Wie ich mir das vorstelle: Anrufen, SMS schicken, Kommunikation über Joghurtbecher?Genau genommen gar nicht. Ich habe beschlossen, dieses Thema als Experiment zu behandeln: ob etwas, was und wann passieren wird?

Sonntag, 23. Juli 2017

Toll, wenn Vorurteile bestätigt werden

Schon vor langer Zeit wies mich die Tochter darauf hin, dass man Richtungswechselrolltreppen ohne Not nicht benutzen dürfe. Es könne oben jemand stehen, der ohne Rolltreppe nicht zu U-Bahn komme und der dann länger warten müsse. Da ich eine gelehrige Mutter bin, befolge ich diese Verhaltensweise seitdem. Egal, wie schlapp, schwer beladen oder hüftlahm ich gerade bin. Und auch egal, wie sehr ich mich oft darüber ärgere, dass die Tochter all' ihre Umsicht an unserer Haustür abzulegen scheint. Unbeteiligte Gehandicapte können schließlich nichts für meinen Ärger.
Vor diesem Hintergrund staunte ich nicht wenig, als ich gestern Mittag auf dem Weg zur U-Bahn ein solariumgebräuntes Pumperpärchen sah, das von der Bahn zur Muckibude selbstverständlich die Rolltreppe nahm. Ihre locker geschulterten Sporttaschen wirkten nicht, als befänden sich Wackersteine darin. Es blieb wohl bei den üblichen Utensilien wie Handtuch, Körperöl, Eiweiß-Anabolika-Shake und Haarspray (sie), Haargel (er). Ist völlig klar, dass man auf dem etwa 100 Meter weiten, unglaublich ermüdenden Weg zum Olympic Studio die Rolltreppe nutzen muss. Ein Blick in die beiden Gesichter reichte, um zu wissen, dass jeder Hinweis an die beiden zu viele Worte enthalten hätte, um dessen Sinn in die getoasteten Köpfe zu bekommen.

Beim anschließenden Einkauf wunderte ich mich aus gegebenem Anlass wieder einmal, warum bei starkem Regen Menschen mit Schirm denen ohne den Platz unter den Hausvorsprüngen wegnehmen müssen. Als ob Schirme nicht ohnehin schon blöd sind, weil man immer Gefahr läuft, ihre Spitzen in seinen Augen wiederzufinden. Das Beklagen fehlender Umsicht ist vielleicht ein erstes Anzeichen, dass ich unterdessen zur granteligen Alten mutiere? Ich glaube es nicht. Sonst hätte ich mein sturmfreies Wochenende wohl nicht in vollen Zügen genossen.

Freitag, 21. Juli 2017

Crazy

Gestern war ich auf einer Vernissage. So weit, so normal. Doch zum ersten Mal habe ich dort den roten Punkt an ein Bild geklebt. Ich glaube, ich werde mir neben Groupie und Spülmaschinentetris nun auch noch Kunstmäzen auf die Visitenkarte schreiben. Das Bild mochte ich schon länger - und doch scheute ich mich ein wenig (Finanzen, Anbringungsort etc.). Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich, dass die Künstlerin genauso - wenn auch aus anderen Gründen - mit dem Verkauf haderte. Dann waren wir wohl beide verwegen.
In meiner Euphorie habe ich heute früh dann sogar alle drei Briefe, die ich seit einer Woche in meiner Tasche mit mir herumtrug und die entsprechendend angegangen aussahen, in den Postkasten geworfen. 
Apropos Verwegenheit: wenn das nicht passend ist, dass ich ab jetzt ein sturmfreies Wochenende habe. Da ist das morgendliche Wummern gegen die Badezimmertür sofort vergessen. Der Sohn (empört): "Mama, ich muss JETZT Zähne putzen!", Ich (um die Ruhe im Bad gebracht): "Dann geh' doch nach unten!", Der Sohn: "Da ist keine Zahnpasta.", Ich: "Doch! Ich habe neue hingetan." Versteht sich von selbst, dass ich anschließend im unteren Badezimmer eine weitere angebrochene Zahnpastatube und in irgendeiner Ecke die klebrige silberne Schutzfolie fand. 

Donnerstag, 20. Juli 2017

Manchmal läuft es

Es ist eine trostlose Zeit, in der wir die Tochter/Schwester nur bei ihren kurzen Pit-Stops zum Wäschewechsel sehen. In Summe kommt sie in der letzten Woche auf eine häusliche Nettopräsenz von etwa 45 Minuten. Auf meine Begrüßung "Wir kennen uns irgendwoher?" erntete ich gestern Abend nur ein genervtes "Mimimi". Da trifft es sich gut, dass die Nachbarn für Unterhaltung sorgen. Sie echauffieren sich aus unterschiedlichen Gründen über jugendliche Mitbewohner, die nächtens an falschen Orten die Ruhe stören. Willkommen in der großen Stadt, möchte man sagen. Doch das ist natürlich nicht ausreichend gesinnungspolitisch gedacht. Früher hätte wahrscheinlich ein erboster Anruf bei den verantwortlichen Eltern genügt und das Problem wäre vom Tisch gewesen. Heute muss es der große virtuelle Pranger sein - am besten mit erstem und zweitem Bürgermeister in Kopie.
Der Wahrheit die Ehre bin ich einfach nur glücklich, dass ausnahmsweise nicht wir die Angeprangerten sind. 

Mittwoch, 19. Juli 2017

Ungerecht?

Als ich noch naiv und unerfahren war, dachte ich, die oft versendeten Sprachnachrichten der Tochter seien die Pest. Auch wenn ich wusste, es geht allen Müttern mit halbwüchsigen Töchtern kaum anders, tröstete mich das nur bedingt. Ständig aus technischem Unvermögen alle Kollegen teilhaben zu lassen an beispielsweise der Frage, ob ich wisse, wo ihre schwarze Cardigan sei,  schmälerte mein Ansehen als Digital User auf Dauer.
Jetzt weiß ich, es waren goldene Zeiten, als ich noch Nachricht von der Tochter hatte. Unterdessen lässt sie mich an ihrem Leben ungefähr so viel teilhaben wie ihren Vater. Nein, das stimmt nicht: ich habe schließlich noch ihre dreckige Wäsche.

Dienstag, 18. Juli 2017

Nicht alles Gold, was glänzt

Durch Zufall stieß ich gestern auf ein Wort, das von null auf hundert gleich eine Top-Position in meinem Lieblingswörter-Ranking einnimmt: Gerinnungsambulanz. Wirklich, so etwas gibt es! Im guten, alten UKE. Wer sich fragt, was die dort machen: "In der Gerinnungsambulanz befassen wir uns schwerpunktmäßig mit der Abklärung und Therapie von prothrombotischen (Thromboseneigung) und hämorrhagischen Gerinnungsstörungen (Blutungsneigung)." Aha.
Leider hält das neue Lieblingswort nicht so richtig, was es verspricht. Die ersten Zweifel kamen auf, als ich gestern feststellte, dass die Ambulanz Montags bis Donnerstags von 8 bis 16 Uhr besetzt ist. Und auch keine Minute länger. Denn mein Anruf um 16:01 Uhr ging bereits ins Leere. Gestern ärgerte ich mich noch, dort eine Minute zu spät angerufen zu haben. Heute weiß ich: egal, Schwamm drüber! Der Termin, den man mir heute anbot (zweiter Versuch um 8:02 Uhr klappte), liegt im Januar 2018. Ich: "Nicht ernsthaft?". Sprechstundenhilfe (schmallippig): "Warum sollte ich das nicht ernst meinen?". 
Ich war versucht, den alten Lateiner heraushängen zu lassen, ihr zu erklären, dass Ambulanz von "ambulare = gehen" komme und dass man dazu nach so langer Wartezeit vielleicht gar nicht mehr in der Lage sei. Aber mit humanistischer Bildung geht man nicht hausieren, das verbietet die gute Kinderstube.

Montag, 17. Juli 2017

Schade

Manchmal bedauere ich unseren zentralen Wohnort. Dieses Gefühl hat selten etwas mit Großveranstaltungen wie CSD, G 20, Lack-Leder-Convention oder ähnlichem zu tun. Auch wenn die anstrengend sein können. Vielmehr liegt es daran, schon an den Haltestellen Lohmühlenstraße, Berliner Tor oder Hauptbahnhof aussteigen zu müssen. Gerade hat man sich in die spannenden Konversationen seiner Mitreisenden eingehört, da muss man sich von diesen auch schon losreißen. Mein Highlight der letzten Zeit: die sächselnde Mittdreißigerin, die ihrem Partner und dessen Mutter wortreich darlegte, welche Unbillen sie als Expertin bei der Suche nach einem passenden Yogakurs für ihren Vater durchlebt hat. Wären da nicht meine schweren Einkäufe gewesen, ich wäre dem edukativen Wohlklang bis ans Ende der Welt gefolgt.

Samstag, 15. Juli 2017

Und sie bewegt sich doch!

Wenn die Hamburger Behörde bei allem so flink wäre wie beim Abstellen des Kindergeldes, hätte die Stadt keine Probleme. Kaum dass die Tochter das Original ihres Abiturzeugnisses in den Händen hielt (dessen Ausgabe in der Kantine stattfinden solle; ich hatte bei dieser Ankündigung Bilder von zerknüllten Papieren in Suppenkellen, die schwungvoll, aber lustlos auf das Tablett auf dem Laufband geknallt werden), befand sich der Brief der Familienkasse im Postkasten. In zwei Wochen sei Schluss mit dem Geld. Doch nein, das Kind kümmert sich schließlich intensiv um einen Studienplatz. 
Auch wenn es zu meinem eigenen Nachteil ist, sage ich es mit ein wenig Bewunderung: Jugendamt und Schulbehörde könnten sich von dieser Geschwindigkeit eine Scheibe abschneiden.

Freitag, 14. Juli 2017

Geßafft!

Ein Wort, das die Tochter seit jeher charakterisiert. Ob es ein erklommener Berg, eine durchgehaltene lange Strecke, eigenhändiges Anziehen, das Schreiben ihres eigenen Namens war, fast immer wurde die Handlung abschließend mit einem energischen "Geßafft!" kommentiert. Auch wenn sie es unterdessen ein wenig besser ausspricht, glaube ich, dass es noch immer Teil ihres intrinsischen Ehrgeizes ist.
Vorgestern dachte ich nun: "Sie haben es geschafft!". Mit "sie" waren die Tochter und ihre Freundin gedacht. Der einen Freundin, mit der sie als einzige von der ersten bis zur zwölften Klasse in der selben war. Mit der sie daneben noch so viel Anderes verbindet. Dass ich dabei nicht ans Abitur dachte, soll den Erfolg ihrer hervorragenden, überdurchschnittlichen Abschlüsse nicht mindern. Meine Gedanken waren dennoch und trotz langer Reden sowie allgemeiner Lobhudelei nicht in dieser Richtung unterwegs. Auf einer Parallelstrecke meines Hirns zählte ich übrigens, wie häufig das Wort "einstudiert" fiel. Ich kenne kaum eines, das so eng mit dem Themenbereich Lehrer-Schule verbunden ist wie dieses. Wenn ich richtig gezählt habe, waren es drei Nennungen.
Sie haben es also geschafft. Beide sind - dem Herrn sei Dank! - größer als ihre Großmütter väterlicherseits. Ich weiß, es müsste "länger" heißen, doch in diesem Fall meine ich sogar beides.



Mittwoch, 12. Juli 2017

Summer of 17

Beklagenswert, was man in Hamburg Sommer nennt. Besonders jedoch, wenn es gilt, die leichte Garderobe für die üblichen Abiturfeierlichkeiten auszuführen. Dann nörgelt selbst die Tochter, die im allgemeinen - anders als ihre Mutter ganz Hamburgerin - stoisch bleibt, auch wenn ihre Stiefel randvoll mit Regenwasser stehen. Doch zu diesem Anlass kann man ihren Unmut verstehen. Auch wenn Sommer anders geht, der Sohn hatte immerhin die Chance, die Partykleidung zu Ehren seiner Schwester auch im Juli mit seinem Kamelhaarmantel aufzuwerten.
Wirkte ein wenig wie Bademoden-Shootings im November. Aber jetzt haben wir es wohl geschafft.

Dienstag, 11. Juli 2017

Akademische Laufbahnen

Man freut sich über die guten Noten der Brut. Wird gar von einigen beglückwünscht zu den schulischen Leistungen der Kinder. Sie seien so reflektiert und sozial, heißt es.
Doch all' diese Eigenschaften scheinen sie abzulegen, sobald sie unsere Haustür durchschreiten. Jüngstes Beispiel: die Tochter schloss die Tür des Gefrierschranks nicht richtig. So weit, so normal. Etwa einmal im Monat friste ich mein Dasein ohnehin mit mechanischem Abtauen, weil die zeitweilig unzureichend geschlossene Tür zu starker Vereisung führt. Man weiß dann auch, warum das Gerät auf spanisch "nevera" heißt. Es war also wieder so weit. Da sich die einzelnen Schubladen jedoch vor lauter Eis nicht öffnen ließen und der Sohn nicht an seine heißgeliebten Tiefkühlfritten kam, hatte er die pfiffige Idee, das Problem mithilfe eines Feuerzeugs zu lösen.
Ich will es einmal so sagen: der Froster hat durch sein Überleben unter Beweis gestellt, dass er ein echtes Qualitätsprodukt ist (Liebherr eben) und die nun geschwärzten, ehemals weißen Ränder verleihen dem Gerät eine schöne Patina.
Ein wenig mehr praktische Intelligenz fände ich bei meinen Mitbewohnern wünschenswert. Eltern sind aber auch nie zufrieden.

Montag, 10. Juli 2017

Bockig kann ich auch

Es strengt mich an. Dieses an allen Stellen zur Schau getragene Engagement, das aber nur herausgeholt wird, wenn das Spotlight auf einen gerichtet ist. 
Als ob ich davon heute Abend nicht genug mitbekäme, wenn der Verflossene auf dem Abiball wieder einmal den engagierten Vater mimen wird, obwohl er weder Zeitpunkt noch Inhalt irgendeiner Prüfung für interessant oder wissenswert hielt. Von anderem wollen wir gar nicht erst reden.
Davor schon die Nachbarn, die den monatlichen Jour Fixe am Samstag verschoben haben, damit alle Mitbewohner demonstrieren gehen können. Auf "Die Gesinnungspolizei rät: Demonstrieren gehen" reagiere ich gewohnt ablehnend. Wenn ich bis dahin Interesse gehabt hätte, spätestens nach dieser Ansage möchte ich nicht mehr.
Und dann gestern das kollektive "Wir räumen die Schanze wieder auf", dem man sich nicht entziehen durfte, ohne in den Verruf zu kommen, asozial zu sein. Nach dem 1. Mai kommt doch auch niemand vorbei, um an den Hotspots für Ordnung zu sorgen. An ganz normalen Wochenenden entstehen dort ausreichend Graffitis, um eine Hundertschaft mit Wegrubbeln zu beschäftigen. Das kümmert schließlich auch keinen. Deswegen halte ich es wie zu Kindertagen: ich habe nicht mitgespielt, die anderen Kinder nicht einmal eingeladen, meinetwegen hätte niemand kommen müssen. Also räumte ich auch nicht auf. Ich setzte mich stattdessen lieber mit einem Buch in die Ecke.