Freitag, 17. November 2017

Des einen Freud

Meine gute Erziehung verbietet es mir, mich allzu lautstark über den Zugang zur Premiere des Theaterstücks „Der goldene Handschuh“ zu freuen. Denn eigentlich darf ich nur mit, weil ein junger Mann seine Verabredungen am Samstag nicht so richtig auf die Reihe bekommen hat. Am Ende können Smartphones vielleicht doch nicht alle Jobs übernehmen.
Hatte ich erwähnt, dass ich mich sehr über den Besuch der Uraufführung am Samstag freue?

Donnerstag, 16. November 2017

Alle Jahre wieder

Seit einigen Tagen schlafe ich nun im Wohnzimmer auf dem Sofa. In meinem Schlafzimmer regierte der Schimmel. Dies ist nicht allzu überraschend, denn eigentlich ist es ungefähr einmal im Jahr so weit. Der Zeitpunkt jedoch ist verwunderlich. Normalerweise befallen die Sporen das Zimmer erst nach dem Winter. Das sagt wahrscheinlich viel über den Sommer 2017. Nach Hochdruckreinigung (zumindest im übertragenen Sinne) muss ich nun noch die Ergebnisse des Schimmel-Heimtests abwarten, ehe ich wieder in mein angestammtes Reich zurück kann. Besser ist das. So lange baue ich eben mein Bett jeden Abend auf und morgens wieder ab. Nicht weiter beklagenswert. Die Besonderheit daran ist, dass bei der Metamorphose des Bettes zum Sofa - kurioserweise nicht schon vorher beim Aufbau - jeden Morgen diverse Münzen aus dem Möbel herausfallen. Der Sohn verliert sie nach seinen Einkäufen aus seinen Taschen. Ich sammele sie ein und deute sie als Entschädigung für meine Unannehmlichkeiten. Seit Montag jedoch scheint diese Einnahmequelle versiegt. Seitdem finde ich meine Lage beschwerlich.
Ich glaube, ich sollte für Taschengeldnachschub sorgen.

Mittwoch, 15. November 2017

Schon wieder?

Spätestens im Oktober eicht sich mein Auge auf Gadgets, die in EDEKA-Butterbrotbeutel passen. Schließlich gilt es 48 (in Worten: achtundvierzig) solcher zu befüllen. Zusätzlich erschwert wird die Aufgabe dieses Jahr durch die Restriktion, dass 24 Tüten vegan beschickt werden müssen. Als ob das nicht genug sei, wünscht der Sohn aktuell nur „Gesundes“, also Ballaststoffhaltiges, Nicht-Zuckerhaltiges und Salzarmes. Darüber sehe ich jedoch großzügig hinweg, finde ich doch das Bemühen der Brut nach gesunder Ernährung ein wenig widersprüchlich zu ihrer beider Zigarettenkonsum. Aber wahrscheinlich sehe ich wieder einmal das große Ganze nicht.
Vielleicht mache ich es mir ohnehin unnötig schwer. Extrapoliert man die aktuelle Anwesenheit der Tochter auf 24 Dezembertage, müsste ich höchstens vier Beutel füllen und aufhängen. Stelle ich mir hübsch vor: erst kommt die Papiertüte, die mit ‚1’ beschriftet ist, dann die mit ‚2 - 8‘ und so weiter. In diesem Fall hätte ich wohl alles zusammen. Schließlich haben mir die Kolleginnen schon sehr geholfen und einiges Kleinteiliges gestiftet.
Blieben also nur noch die Beutelinhalte für den Sohn. Hier beschäftigt mich eine Frage von höchster ethischer Tragweite: darf man als verantwortungsvolle Mutter Feuerzeuge mit Mopsbildern („Süß!") in Papiertüten füllen? Mein geringeres Problem ist dabei die Feuergefahr. Mein größerer Zwiespalt: Einerseits will ich nicht zum Rauchen animieren. Andererseits wären die hübschen Objekte auch für mich eine willkommene Abwechslung zu den Knäckebrotstückchen der sonstigen Beutel. 
Niemand hat gesagt, es sei leicht Mutter zu sein.

Sonntag, 12. November 2017

Ach so!

Gestern Abend verabschiedete sich der Sohn relativ früh in Richtung Bett. Ich war nicht wirklich überrascht, als er später in voller Montur noch einmal auftauchte. Als kleingeistige Mutter konnte ich dennoch nicht umhin, ihn darauf anzusprechen. Er meinte, ich solle nicht so viel darauf geben, „was junge Leute sagen“. „Das machen die Hormone.“ Wenn das so ist, muss ich die Statements zu Auslandsaufenthalten, Karrierefeldern und Schulvorbereitung wohl auch nicht zu ernst nehmen. Ich bin nicht entschieden, ob es mich beruhigt oder verunsichert.

Samstag, 11. November 2017

Freitag, Samstag oder irgendein anderer blöder Wochentag

Wenn du dich beim Schlafengehen freust, dass du morgens eine Kanne Tee trinken wirst, weißt du spätestens, dass die blöde Jahreszeit angebrochen ist.
Wenn das größte Highlight des Wochenendes ist, dass du ausnahmsweise nicht im Dunklen aufstehen musst, erfährst du weitere Bestätigung deiner Annahme.
Wenn sich hinter allen Bildern und Vorhängen deines Schlafzimmers Schimmel gebildet hat, weißt du, die Heizperiode hat begonnen.
Wenn selbst der Sohn nicht mehr in T-Shirt und Adilette vor die Tür geht, weißt du: jetzt ist wirklich Herbst.
Wenn die Weihnachtstasse kein ironisches Statement mehr ist, steht zu befürchten, das Jahresende naht.
Wenn nicht einmal mehr der dauernde Kontakt mit bewusstseinserweiternden Drogen der vorbeimarodierenden Abendschüler innere Zufriedenheit bereitet, muss wohl unterdessen der zähere Part der dunklen Jahreszeit angesagt sein.
Wenn nur noch die Lektüre des neuen Max Goldt-Buchs oder der Konsum von Alkohol oder gar beides dir ein kleines Glücksgefühl zu verschaffen vermag, braucht es schon alle preußische Disziplin, um die saisonale Depression in ihre Schranken zu weisen.
Hatte ich erwähnt, dass es meinetwegen keinen November geben muss?

P.S.: Du weißt, du hattest ein Gläschen zu viel, wenn du den Post zwar schreibst, aber nicht hochlädst.

Donnerstag, 9. November 2017

Neid

Wahrscheinlich geht es mit der eigenen Attraktivität doch bergab, wenn ausschließlich der Praktikant einen hübschen Kaffee zubereitet bekommt.
Vielleicht wird von den Tresenkräften auch nur angenommen, dass man in fortgeschrittenem Alter nicht mehr allzu viel Sinn für Verspieltes wie Bären im Kaffee hat. In meinem Fall: eindeutig falsch angenommen!
Ich tröste mich damit, es liege nur daran, dass ich Kaffee ohne Milch trinke. Vermutlich sollte ich einfach meine Kaffeewahl überdenken.

Mittwoch, 8. November 2017

Menschen aus Niedersachsen

Heute gab es mal wieder ein Heimspiel: Max Goldt las im Schauspielhaus. Während der Lesung wurde mir die sowohl für ihn als auch für mich recht uncharmante Tatsache bewusst, dass ich seine Veranstaltungen nun schon seit fast 30 (in Worten: dreißig) Jahren besuche. Zum Glück haben Max Goldts Lesungen in dieser langen Zeit nichts an Unterhaltung und Kurzweiligkeit eingebüßt. Wenn es damals schon bei einer aus Gründen weitgehend schwul besuchten Veranstaltung mit Klaus Wowereit hier in unserem Dorf hinter mir hieß, "der Klaus sei aber mopsig geworden",  lassen sich leider nur weniger charmante Worte für die stetige Veränderung im Leibesumfang des Herrn Goldt finden. Naja, wir werden eben alle nicht jünger. Heute Abend fand ich, der Autor sehe ein wenig aus wie Sigmar Gabriel in blond. Ein Vergleich, der mir ganz gut gefiel. Zumal sie doch beide aus Niedersachsen kommen und in den Endfünfzigern sind. Der Sohn fand den Vergleich an den Haaren herbeigezogen, meint er doch, dass Sigmar Gabriel "süß" sei und dessen Haut viel mehr Spannkraft habe.

Beim Signieren darauf angesprochen erinnerte sich Max Goldt auch an die Lesungen vor langen Jahren in Berlin. "Schreckliche Veranstaltungen" seien das gewesen. Da er zusammen mit Wiglaf Droste las, habe er sich entweder an dessen schlechtes Vorlesen oder an dessen Alkoholpegel oder gar an beides anpassen müssen. Alle Varianten seien ihm in irgendeiner Weise unangenehm gewesen. Darin unterscheidet sich vielleicht am Ende der Niedersachse vom Ostwestfalen.