Montag, 15. Januar 2018

Kenne deine Grenzen

Es ist nicht immer leicht zu akzeptieren, doch am Ende ist es die Wahrheit: andere können oftmals Dinge besser als ich selbst.
Das Sparschwein beispielsweise kann mit dem Partyhütchen noch besser aussehen als ich. Ist leider so. Muss ich neidlos oder neidvoll anerkennen.

Der Sohn ist - auch wenn er es vehement abstritte - der größte Partylöwe unserer Familie, da kann selbst die Tochter nicht mithalten; von mir brauchen wir gar nicht zu reden. Unterhält der Sohn doch selbst an ereignislosen Abenden seine beiden Damen mit lustigen Ankündigungen wie diesen: "Platz 1 der deutschen Charts: Mesut Özil mit 'Die Eine von Monrose ist meine Frau - featuring Die Eine von Monrose'“
Immerhin habe ich Sonntagabend - wenn auch in den Augen des Sohnes mit einem Tag Verspätung - eine mehr als essbare, vegane Variante von Mash & Bangers with Gravy and Peas hinbekommen. Das muss mir auch erstmal jemand nachmachen.

Mittwoch, 10. Januar 2018

So kann‘s gehen

Letzthin rief der Sohn meiner Kollegin um die Mittagszeit seine Mutter an. Wir fanden es gleichermaßen belustigend wie verwunderlich, als er sie fragte, wo sie sei. Auf ihre Antwort, sie sei natürlich bei der Arbeit, erkundigte er sich, was sie denn da mache. Mutter und professionelles Umfeld amüsierten sich.
Als ich heute folgende Nachrichten meines Sohnes bekam, fragte ich mich, ob Teenagerjungs eventuell sehr ähnliche Gehirnwindungen haben:

Ich glaube, ja.

Dienstag, 9. Januar 2018

Luxus ist, wenn man im Hellen aufsteht

Es gibt Momente, in denen wünschte ich mir, meine Kinder wären wieder klein und niedlich und erfreuten mich wie damals durch ihre Wortschöpfungen. Es ist ein Allgemeinplatz, aber was man dabei verdrängt, ist das Schlafdefizit, das mit kleinen Kindern einhergeht. Als ich heute Nacht wach lag, weil mich Bauchschmerzen plagten, dachte ich daran, wie schön es ist, ganz allein selbst für die Schlaflosigkeit verantwortlich zu sein. Ich kann nicht schlafen, weil ich mich unwohl fühle. Wie anders doch, als: ich kann nicht schlafen, weil mindestens eines meiner Kinder die gesamten Bettwäschevorräte vollkotzt. Man sollte Luxus erkennen, wenn er einem begegnet.

Montag, 8. Januar 2018

Hanseatischer Winter

Obwohl ich nun schon seit über zwanzig Jahren (unglaublich!) in Hamburg wohne, gibt es manchmal Momente, in denen ich mich fremd fühle. In letzter Zeit war es dieses Bemühen, möglichst schnell den Weihnachtsbaum loszuwerden. Man spricht vor Ort davon, es sei Tradition, den Baum spätestens zum 6. Januar nach draußen zu expedieren. Nicht dass ich es mit katholischen Traditionen hätte, aber das erscheint mir sehr früh. Bereits am 27. Dezember findet man hier herrenlose Tannen auf der Straße. Manchmal kommt es mir vor, als ob es einen Wettbewerb gäbe, wer sich als erstes des Baumes entledigt hat. Pfeffersäcke, lasst euch sagen: Anfang Januar hat sich die Investition für den Tannenbaum noch lange nicht amortisiert - er muss noch bis mindestens Mitte Januar stehen, damit er schwarze Zahlen schreibt.

Freitag, 5. Januar 2018

Forever Young

Wenn man sich mal wieder wie früher richtig jung fühlen möchte, sollte man einfach nur zusehen, in ein Zusammentreffen bekannter, jedoch nicht wirklich befreundeter Menschen zu kommen. Dann kann man beobachten, wie unter dem Tisch oder anderswie unauffällig Umschläge zugesteckt werden. Und es stellt sich automatisch das gleiche Gefühl wie damals als Teenager ein. Wenn alle zu den coolen Parties eingeladen wurden. Der Sohn sagte an dieser Stelle, dass wir zu meiner Zeit doch „Fêten“ gesagt haben - ich fürchte, er springt dabei eine Generation zu weit zurück. Doch das ist am Ende egal. Meine Outgroup-Identität verkörpere ich seit Schulzeiten mit Stolz. Daran hat sich nichts geändert.

Dienstag, 2. Januar 2018

Das ist neu 2018!

Neu ist, dass man dieses Jahr nicht mehr "in 2018" sagt, sondern wieder zu der guten, alten Variante Jahreszahl ohne Präposition zurückkehrt. Klappt nicht? Egal, man wird sich am 2. Januar ja wohl noch etwas wünschen dürfen.
Neu ist, dass es angeblich pro Kind 2 (in Worten: zwei) Euro mehr Kindergeld im Monat gibt. Ich wage zu bezweifeln, dass diese Erhöhung selbst einer Hartz IV-Familie mit vielen Kindern etwas bringt.
Neu ist außerdem, dass der Sohn den "Maharadscha von Göteborg" in seinen Reden erwähnt. Mein Kind kennt wirklich illustre Persönlichkeiten.
Neu ist zusätzlich, dass ich iMessages vom Sohn bekomme, in denen steht: "Mama, weißt du was wir brauchen: Duschschwämme!" Meine Kollegen konnten sich deshalb heute gegen 14 Uhr an meinem fragenden Gesichtsausdruck nach Erhalt der Nachricht freuen.
Wie immer ist, dass ich nach wie vor nicht wieder an geschlossene Schuhe gewöhnt bin. Beim gestrigen Neujahrsspaziergang um die Alster habe ich mir trotz ausgetretener Schuhe eine fette Blase an den Zehen geholt.

Samstag, 30. Dezember 2017

Weise Worte

Der Silvestereinkauf hat nicht nur schlechte Seiten. Die Vorzüge mögen auf den ersten Blick nicht zu sehen sein, wenn das Getümmel groß ist und Hamsterkäufe getätigt werden, als ob der dritte Weltkrieg bevorstünde. Doch ich sage: selten hat man so viel Gelegenheit, den Konversationen seiner Mitmenschen zu lauschen wie an Präfeiertagen. So wie das junge Paar hinter mir in der Spitalerstraße (denn natürlich war ich es, die die etwas knappe Hose des Sohnes umtauschte):
Er: „Boah, ist das warm! Gestern war es voll kalt und heute ist es so warm.“
Sie: „Stimmt.“
Er: „Das ist voll sinnlos, dass es heute so warm ist. Das Wetter ist so sinnlos.“
Mir fehlte in diesem Zusammenhang noch die Vokabel „unnötig“, aber ansonsten hätte ich es nicht schöner sagen können.