Samstag, 20. Oktober 2018

Zusammenhänge

Am Tag 1 nach der 1A-Bayern-Pressekonferenz unterhielten sich die Kinder beim Frühstück überraschend wenig darüber. Mit meinen Äußerungen erntete ich eher müdes Lächeln („Dass sich Hoeneß als verurteilter Fiskalstraftäter überhaupt traut zu sagen, die Börsennachrichten auf n-tv seien besser als die Sportberichterstattung.“) und empörtes Luftanhalten („Wenn sich Hoeneß und Co über Respektlosigkeit gegenüber Spielern aufregt, ist das wohl ein Fall von „Ficken für die Jungfräulichkeit““). Stattdessen proklamierte der Sohn, er habe nach seinem Herbstspaziergang, von dem er dankenswerterweise Brötchen mitbrachte, „seine Religion in Buddhismus geändert“. Er sei an einem blonden Kleinkind vorbeigekommen und habe gedacht: „Was für ein hässliches Baby!“ Kurz darauf sei ihm „als Strafe eine Nuss auf den Kopf gefallen“. Die Tochter echauffierte sich, er habe den Buddhismus nicht verstanden, wenn er glaube, dass die Zusammenhänge linear seien; das große Ganze zähle. Ich stieß mich - wie üblich - eher an der Vokabel „geändert“. Nach meinen sprachlichen Entgleisungen vorher wurde diese Kritik jedoch weitgehend ignoriert. Irgendwie beruhigend, dass meine politische Unkorrektheit sich nicht in einer negativen Karmabilanz niederschlägt.

Freitag, 19. Oktober 2018

Oben und unten

Eben noch im siebten Himmel und schon kam der tiefe Fall. Ist es doch (fast) das Maximalziel eines jeden Groupies vom Star sowohl ein Getränk als auch das Du angeboten zu bekommen. Und dann noch auf die Gästeliste der nächsten Veranstaltung gesetzt zu werden. Lief also richtig gut auf der Heimspiellesung des Lieblingsautors. Doch nach diesem denkwürdigen Abend kam eine ebenso denkwürdig schlechte Nacht. Ob es das eine oder andere Gläschen war, das die Erkältung beförderte, ob es die Mischung aus Aufregung, Aufgekratztsein und Alkohol war oder die Grippeimpfung den Kater katalysierte, wer weiß das schon. Wir waren gleichermaßen unpässlich. Ob sich Gerd am nächsten Morgen auch so krank fühlte?

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Erstes Mal

Heute Abend ist ein Novum  geplant, ein weiteres erstes Mal in einer vermutlich noch länger fortzuführenden Reihe. Meine erste Lesung mit Ersatzteil. Im vielfältigen Damper Unterhaltungsprogramm war eine solche Veranstaltung nicht vorgesehen. Was wahrscheinlich gleichermaßen mit den Zielgruppenpräferenzen wie mit deren mangelndem Sitzfleisch zu tun hat. Doch wenn einer der lebenden Lieblingsschriftsteller in der dörflichen Nachbarschaft auftritt, muss Letzteres unbedingt im Selbstversuch auf die Probe gestellt werden. Ob es für zwei Stunden oder so reicht? Ob ich den kurzen Weg gar ohne die wenig vorteilhaften Gehhilfen antrete? Oder ob ich durch sie immerhin Mitleidsaufmerksamkeit errege? Fragen über Fragen. Ähnlich bedeutsam wie die Frage, warum in Barnhouses Apfel-Zimt-Müsli 2% eklige Rosinen enthalten sein müssen?

Dienstag, 16. Oktober 2018

Neue Wege

Mein Arbeitsweg ist momentan weniger spektakulär als sonst. Statt Elbe, Touristenfolklore und Elbphilharmonie bietet sich mir etwas, das man im besten Fall Working Class Charme nennen könnte. Ein Fußweg von Steindamm bis Berliner Tor. Vorbei an Bussen, S- und U-Bahn, die für meine Fortbewegung nichts tun, aber dafür laut und abgasreich sind. Auch das Panorama ist mit herbstlich noch sehr vorteilhaft beschrieben. Der Hinweg zum Reha-Zentrum geht recht flott. Der Rückweg einigermaßen schleppend. Nicht weiter überraschend nach zwei Stunden körperlicher Ertüchtigung an Geräten und im Bewegungsbad. Letzteres verdient den Namen ob seiner Größe nur bedingt. Goldene Zeiten, als ich noch das im anderen Dorf besuchen durfte. Wahrscheinlich fünfmal so groß, mit passender Wassertiefe und Blick auf die Ostsee. Im Nachhinein bin ich froh über eine stationäre Reha in der Sommerfrische. Was ich hier jedoch genieße: keiner Gruppe anzugehören, Smalltalk auslassen zu können und stumm mein Programm durchzuziehen. Mein Bedarf an Krankengeschichten, Beschwerden und platten Weltbildern ist für, sagen wir, die nächsten fünf Jahre mehr als ausreichend gedeckt.
Was ich jedoch anprangere: ohne Sonne geht alles schwerer von der Hand. Meinetwegen bedarf es keiner Wolken und schon gar keiner Regentropfen. Um diese Jahreszeit muss man schließlich nicht einmal an die Landwirtschaft denken. Glaube ich.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Time to Say Goodbye

Im Gegensatz zu ihnen selbst glaube ich nicht an eine Spontanheilung der Nachbarn am Altpapiercontainer. Diverse Begegnungen der letzten Zeit halten mich von einem solchen Optimismus ab.

Doch hier ist nicht die Bild-Zeitung, so dass ich uns Details erspare.
Was allerdings heute in der BamS wohl groß aufgemacht sein wird (ich wüsste es, hätte ich bereits das Haus verlassen; aber das geht gegen die heiligen Sonntagsregeln), ist die 0:3-Niederlage gegen die Niederlande. Anders als von manchem gedacht bin ich eben nicht masochistisch veranlagt. Wusste ich doch schon vor dem Spiel, dass das Wort „Auch“ in der leidlich modernen Spieler-, Trainer- und Funktionärsphrase „Die anderen Mannschaften können auch Fußball spielen.“ bereits seit längerem zu streichen ist.
Im übrigen ist der Sohn der Meinung, Liverpool habe gestern Abend 2:0 gewonnen. Ein weiterer Oranje, der sich freut.

Freitag, 12. Oktober 2018

Nachwehen

Der Ernüchterung, dass das Leben in Volljährigkeit die gleichen Pflichten und real existierend wenig neue Rechte mit sich bringt, folgte die, dass die Familie väterlicherseits den 18. Geburtstag nicht für wichtig genug nimmt, um Grüße, Glückwünsche oder Geldscheine zu schicken. So hatte sich der Sohn das nicht vorgestellt.
Meine Ernüchterung besteht altersgemäß eher darin, dass vegane Sahne in der Schüssel bzw. der Spülmaschine eine Standfestigkeit hinlegt, von der man auf Teller oder Torte nur träumen kann. Immerhin kann ich mich mit dem Gedanken trösten, dass die Geburtstagstorte gut geschmeckt hat. Sie wurde noch in der Nacht vom Jubilar vollständig eliminiert. Und das auf eine vegane Jumbo-Pizza am Abend (keine Faulheit meinerseits sondern Wunsch des Geburtstagserwachsenen). Ich finde außerdem Trost darin, dass sich dieser Herbst gut aushalten lässt, wenn es kein Problem ist, seit Tagen in T-Shirt und Sandalen von A nach B zu gehen. Wenn da nicht die ständig fallenden Blätter und die frühe Dunkelheit wären.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Neues aus der Weltraumforschung

Ein Gerücht ist, dass sich die entsprechend beworbene, vegane Sahne schlagen lässt. Ihre Aufschlagqualität liegt ungefähr auf dem Niveau von Milch, zugegeben Vollmilch. Geschmacklich erinnert das Endprodukt, bösartige Menschen nennten es Suppe, übrigens mit einer Übereinstimmung von 100% an Nestlés Sinlac Babybrei.
Was vegane Sahne hingegen sehr gut kann, ist eine riesige Sauerei (Widerspruch, ich weiß!) zu hinterlassen. Wenn nämlich die beständig flüssige Sahne literweise aus der verzweifelt gegenarbeitenden Küchenmaschine ausläuft und sich auf etwa zwei Quadratmetern Küche ergießt. 
Es ist wie immer: erst wenn es nicht mehr so ist, weiß man das zu schätzen, was man einmal hatte. Die 16 konventionellen Geburtstage waren leichter zu bewerkstelligen als die zwei veganen. Wie gut, dass der Jubilar noch schläft (wahrscheinlich so wie ich vorgab zu schlafen, als um Mitternacht erst die Tochter lustige Geräusche von sich gab und dann sein Timer ihn an den Anlass erinnerte) und die verbalen Entgleisungen seiner Mutter anlässlich des morgendlichen Chaos‘ nicht mitbekam.