Mittwoch, 14. Februar 2018

Vorurteile 3.0

In idealistischen Momenten meine ich, wie viel mehr Liebe ein Leben ohne Vorurteile zu bieten hätte. In pragmatischen Momenten finde ich, Vorurteile erleichtert das Leben ungemein. Nicht lange nachdenken, Menschen, Handlungen in eine Schublade stecken und weiter geht‘s. In kultupessimistischen Momenten denke ich, ich würde meine Vorurteile so gerne los, doch so sehr ich mich auch bemühe, sie werden mir allenthalben bestätigt.
Was mich beruhigt: wenn der Sohn seine Haare verwuschelt und dann meint: „So, jetzt habe ich eine Alleinerziehendenfrisur.“ Wie schön, dass es das in Zeiten der political correctness noch gibt!

Dienstag, 13. Februar 2018

El dia del amor...

... sei morgen, sagte der Sohn. er müsse sich jetzt schon aufs Spanische einstellen.


Manchmal beneide ich die Brut nicht nur um ihre Jugend. Aktuell beneide ich den Sohn, weil er sich (ich ihn? Wer weiß das schon und wer will da kleinlich sein?) nach erfolgreich genommener Hürde mit drei Wochen Spanien belohnt. Einfach so. Spontan drei Wochen raus aus dem Winter. Und sich selbst genug sein. Für 22 (in Worten: zweiundzwanzig) Tage.
Doch wäre ich nicht die Vizeweltmeisterin des Zweckoptimismus‘, wenn ich nicht auch sähe, dass ich nun drei Wochenenden lang nicht zentnerweise vegane Kalorien heranschaffen muss, dass ich nicht abends nach der Arbeit noch Kartoffeln frittieren muss, dass ich meine Kopfhörer liegen lassen kann, ohne sie sofort gemopst zu bekommen, und dass ich nun Unordnung in der Wohnung hauptsächlich selbst produziere. Im Grunde hat man es als Quasi-Strohmuddie auch gar nicht so schlecht. Hier scheint die Sonne schließlich auch.

Montag, 12. Februar 2018

I Have a Dream

Es gibt Naturgesetze oder zumindest Gesetzmäßigkeiten, die man hinterfragen kann. Dazu gehört, dass Rauchmelder grundsätzlich nachts und fast genauso grundsätzlich am Wochenende quaken, ihre Batterie sei so gut wie leer. Warum das so ist, hat die Wissenschaft noch nicht herausgefunden. Ich befürchte jedoch, die Lobby derer, die der Natur dieses Mysterium abtrotzen wollen, ist weder allzu groß noch bedeutsam.
Ich werde wohl auch in Zukunft damit leben müssen, dass die Geräte in der Nacht von Samstag auf Sonntag lautstark nach Energie verlangen.
Aber vielleicht ist es beim nächsten Mal eine Nacht, in der die Tochter nicht überraschenderweise im eigenen Bett übernachtet. Oder zumindest eine, in der die Viermeterleiter, ohne deren Hilfe man beim Ausschrauben des Feuermelders aufgeschmissen ist, nicht zufällig in ihrem Zimmer steht. Wenn es gut läuft, schafft man es - selbst wenn sie dort stünde - sie dort herauszubugsieren, ohne das gute Aluminiumteil an jeder Ecke des Zimmers und der Tür anzustoßen und ohne sich dabei mit den Füßen in dreckiger Wäsche zu verheddern. Unrealistisch, ich weiß. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Freitag, 9. Februar 2018

Jobs

Gestern habe ich endlich einen lange gehegten Plan in die Tat umgesetzt. In der Mittagspause besuchte ich die Tochter bei ihrem Job im Bioladen. So der Plan. Als Mutter ist es manchmal ganz nett, seine Tochter auch mal live & in Farbe zu sehen. Tatsächlich traf ich sie um die Mittagszeit noch nicht an. Ihr Kollege, respektive der Stellvertretende Filialleiter wie ihn sein Schildchen auswies, klärte mich darüber auf, sie werde erst gegen 14 Uhr erwartet. Ich bin noch unsicher, ob ich seine Verwunderung, ich sei die Mutter, als Kompliment (schon so eine erwachsene Tochter?) oder als dessen Gegenteil (wie ist sie denn an diese schöne Tochter gekommen?) deuten soll. Wie auch immer ließ er sich aus, wie nett die Tochter sei, wie gut sie in den Laden passe und dass man gerne mit ihr zusammenarbeite. Nebendran stand eine weitere Kollegin vermutlich slawischer Provenienz, die meinte, die Tochter sei so... ach, ihr falle das Wort nicht ein... so... schlau.
Zuhause fand ich später den Sohn (natürlich nicht die Tochter) mit einem Nachbarsjungen gleicher Gewichtsklasse vor. Auch sie unterhielten sich über Jobs. Verwundert berichtete der Besucher über Klassenkameraden, die beim Bäcker arbeiten. Sie verbringen dort unfassbare zehn Stunden die Woche (Minijobs  mit Mindestlohn?), das sei doch Blödsinn. Man verbringe mehr Zeit bei der Arbeit. Spätestens seitdem weiß ich, wie viel Zeitaufwand Elftklässler ungefähr für Schule einplanen.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Mannschaftsdienlich

Es gibt sie doch. Die Momente, in denen ich sprachlos bin. So geschehen heute morgen. Der Sohn tauchte noch früh genug auf, um mich vor der Arbeit anzutreffen. Zugegeben, allzu nachtschlafend ist das meistens nicht. Es war aber dennoch überraschend, weil wir gestern Abend/Nacht gemeinsam vor dem Fernseher versackten, um uns über Fußball und GroKo zu informieren (er kommentierte das Gesehene mit so treffenden Vokabeln wie „Der ist doch blau wie ein Schlumpf!“. Wie auch immer, heute früh begrüßte er mich mit den indigniert vorgetragenen Worten: „Machst du Waschmaschine?“ Ich haderte sowohl mit der Aussage als auch mit der Art der Ansprache - und weiß auch immer noch nicht, was daran ich verwerflicher finde. Jahrelange Spracherziehung für die Katz? Mir als einziger Altruistin in dieser Divenmannschaft vorzuwerfen, ich kümmere mich nicht um die Belange der Mitspieler? Mein Blick auf seine Bemerkung muss selbst für ihn einigermaßen beunruhigend gewesen sein. Er beeilte sich, sowohl Sprache als auch Botschaft zu rechtfertigen. Ich bin weiterhin noch nicht vollständig überzeugt. Außerdem möchte ich langsam meinen Kopfhörer zurückhaben, den der Sohn mir gemopst hat - ohne Worte, versteht sich.

Dienstag, 6. Februar 2018

Kleiner Tipp

Aus meinem reichen Erfahrungsschatz kann ich berichten, Entscheidungen, in Zukunft beim Essen mehr auf Figur und Kalorien zu achten, lassen sich am besten treffen, wenn man gerade vorher ein reichhaltiges Abendessen eingenommen hat.

Montag, 5. Februar 2018

Nichts mehr wie es war

Das Kücheninferno blieb aus. Über Röstzwiebeln auf dem Küchenboden wollen wir uns nicht echauffieren. Auch nicht über diverse Schüsseln, Teller und Pfannen, die in Küche und Wohnzimmer standen - immerhin teilweise gestapelt und ein wenig zusammensortiert. Schwamm über die Ketchupreste auf der Küchenzeile. Enttäuschend allerdings, dass der Sohn nur eine einzige Tüte Pommes verhaftet hat. Hier konnten wir mehr erwarten. Wenn allerdings auch das falsche Team gewinnt. Und sich Justin Timberlake über die sakrosankten Wünsche von Prince hinwegsetzt. Dann kann selbst einem Heranwachsenden der Appetit nach nur vier Hotdogs, zwei Burgern und einer Tüte frittierter Tiefkühlkartoffeln schon mal vergehen.