Freitag, 15. Dezember 2017

Halbzeit

Leider bin ich verschnupft. Mehr als im buchstäblichen Sinne alllerdings im metaphorischen. Es gab bisher noch keinen Tag, an dem von morgens bis abends die Sonne schien. So hatten wir nicht gewettet, Spanien! Aber was noch viel schwerwiegender ist: die traditionell hier beheimateten Radfahrer-Jungs der AG2R LA MONDIALE haben bereits ihr Trainingslager im ersten Hotel am Platz beendet. Diesen Verlust könnte man vielleicht verschmerzen. Doch wenn wegen deren Abreise das „Espa“ des Hotels auch für alle anderen schließt, darf man als vorweihnachtlicher Stammkunde verschnupft sein. Dann lassen wir das Geld eben im Nivea-Haus in Hamburg. So.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Erste Welt

Heute war also der erste Morgen hier, an dem ich von blauem Himmel geweckt wurde. Jetzt fühlt es sich wirklich wie Urlaub an. Auch wenn die Hiesigen klagen, es sei so kalt geworden. Ich teile diesen Unmut bei 16 Grad nicht unbedingt. Finde eher, dass meine offenen Schuhe nicht so recht zur Eisbahn auf der Plaza del Prado passen wollen. Irgendwie vergesse ich in diesem Umfeld, dass es nur noch etwa anderthalb Wochen bis Weihnachten sind. Insgesamt scheint mein Denken abgeschaltet. Wenn meine vordringlichste Sorge die um meine Hautalterung (Sonneneinfluss!) ist, kann ich derzeit  wohl keine echten Probleme haben.

Montag, 11. Dezember 2017

Dahinten wird's heller

Auf meinen Timelines finden sich zahlreiche Winterwonderland-, Schneemann-, Schneeball- und Glühweinbilder. Da mir der Fernseher beständig verrät, er habe kein Signal, sind Facebook und Instagram neben der letzten Pronto-Ausgabe (180 Seiten 1€ und dazu auch noch eine handbemalte Krippenfigur!) meine derzeitigen Informationsmedien. Ersteren entnehme ich, dass in Deutschland der Winter ausgebrochen ist. Da habe ich mich wohl gerade rechtzeitig abgesetzt. Den hier Ansässigen kommen die etwa 16 Grad allerdings auch sibirisch vor. Heute habe ich einen Passanten mit einer russischen Armee-Fellmütze gesehen - ich schwör'. Weil es so empfindlich kalt ist und ich es mir mit den Einheimischen nicht verscherzen möchte, habe ich darauf verzichtet, mit den Füßen durchs Wasser zu waten. Deswegen habe ich den Strandspaziergang mit Schuhen im Sand einsinkend durchgezogen. Ich kann mich morgen auf Muskelkater gefasst machen. Was ich nach wie vor nicht kann: Selfies.
  

Samstag, 9. Dezember 2017

Achtung, Cariños!

Die Verrückte ist zurück. Die, die mit hochkrempelten Hosen am Strand spazieren geht, während die Einheimischen Handschuhe und Daunenjacken tragen. Was beide Seiten wohl bei mittleren zweistelligen Plustemperaturen für geboten halten. Die, die im Dezember mit ihren unglaublich bleichen Beinen den Möwen und Hunden den Platz am Ufer des Mittelmeers streitig macht. Die es trotz hochgekrempelter Hosen nicht schafft, den Strand halbwegs trocken zu verlassen. Von sandfrei wollen wir gar nicht sprechen. Die, die bei Tageslicht betrachtet keinerlei Fähigkeiten im Fußnagellackieren mit sich bringt. Die, die beim Bäcker Papiertüten bestellt - angeblich um daraus Weihnachtssterne zu basteln. Die verrückte Deutsche, die abends alleine Essen geht; man stelle sich das vor. Sie ist wieder da.
Allein, ein Gutes hat sie: sie nimmt dem alten Paar aus Toledo - einer Stadt, von der schließlich jeder weiß, dass dort nur dumme und eitle Menschen herkommen - oft und gerne den Parkplatz weg, von dem sie irrigerweise glauben, sie haben auf ihn einen Anspruch.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Wir haben es ja!

Ein Vorteil, in einem großen Unternehmen beschäftigt zu sein, besteht darin, direkt bei der Arbeit einen Geldautomat zu haben. Dies wird umso wichtiger, je unwirtlicher die Jahreszeit wird. Gestern begab es sich also, dass ich trockenen Fußes Geld holen wollte und konnte. Um das Gerät waren kreisförmig mehrere Zettel angebracht, man solle daran denken, das Geld zu entnehmen. Wenn nicht, schalte sich der Automat ab. Gerade dachte ich noch: „Wer ist so blöd, das Geld nicht mitzunehmen?“ - eine eher rhetorisch gedachte Frage -, als ich diverse Scheine meines Vorgängers in der Maschine fand. Es steht zu vermuten, dass ich nicht nur karmaneutral aus der Sache herauskomme, denn ich steckte das Geld nicht in die eigene Tasche, sondern gab es am Empfang ab. Ich maikäferte herum, bis mir der erfahrene Herr am Empfang sagte: „Das kommt andauernd vor. Aber nicht alle geben das Geld ab.“
Wie erwartet war die Reaktion auf meine Begebenheit zu Hause nicht ganz so wohlwollend. Der Sohn fand, es wäre ein schöner Beitrag zu seinem Taschengeld gewesen. Mit 17 hat man einfach noch nicht sein Karma und das große Ganze im Blick.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Nikolaus

Die Kollegin betrieb gestern wahrscheinlich Erwartungsmanagement, als sie den Praktikant darauf hinwies, er solle bei uns nicht zu große Hoffnungen auf den Nikolaus und dessen Gaben setzen. Daraufhin fing er an, von früher zu erzählen (dürfen das Anfangzwanzigjährige überhaupt?): seine Oma sei sehr katholisch gewesen. Sie habe Namenstage immer für wichtiger als Geburtstage gehalten und entsprechend üppiger seien die Geschenke zu ersterem ausgefallen. Ich fragte mich ernsthaft, warum er diesen Schwank aus seiner Kindheit erzählte. Bis auch mir der Bezug dämmerte: er heißt Niklas. Wenn die Kollegin auch immer Jonas zu ihm sagt...
Doch der Tag bringt nicht nur Erkenntnisgewinn. Die Aussicht auf den bärtigen Klaus brachte auch die Tochter am Vorabend nach Hause. Manchmal scheint das Heim doch mehr als der Freund zu können. Und wenn es nur Traditionen und Brauchtum sind. Artig bedankte sich die Brut für ihre Geschenke. Ich leite es weiter.
Das Beste des Tages jedoch: der Praktikant durfte anlässlich seines Namenstages eine Maus in unserem Büro entdecken. Eben doch reichlich beschenkt. Mein zusätzliches Präsent war die Aussage des Office Service, der Schädlingsbekämpfer komme vorbei. So war für jeden etwas dabei.

Sie nennen es Urlaub

Ein Urlaubstag zuhause hat seinen Charme. Man kann am Sonntagabend mit dem Sohn vor dem Fernseher versacken, ohne Reue viele Serienfolgen sehen und dabei asiatisches Essen verhaften, das man sich ins Wohnzimmer bestellt hat.
Man kann am Montag außerdem erste Weihnachtsgeschenke besorgen und sich fragen, warum die Stadt bereits mittags gesteckt voll ist. Außerdem kann man vorsätzlich und unfreiwillig Miteltern treffen. Und Nikolaus-Schnickedöns besorgen.
Man nervt die Kinder durch übertriebene Anwesenheit auch nur ein ganz kleines Bisschen.