Dienstag, 19. September 2017

Bienvenue à Kerharengueac

Mich erinnert die Bretagne an Mecklenburg-Vorpommern. Nicht nur weil es hier viel Landwirtschaft und schöne Küste gibt. Auch weil Öffnungszeiten denen von Heringsdorf zu entsprechen scheinen. Sonntag nach 13:30 Uhr Mittagessen? Ein fast unmoralisches Ansinnen. Überhaupt am Sonntag "hors saison" gastronomischen Service zu verlangen, grenzt an Unverfrorenheit. Dass es in Frankreich Supermärkte geben sollte, die um 19:30 Uhr schließen, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Man merkt, dass die Bretagne nur nominell ein Teil Frankreichs ist.

Samstag, 16. September 2017

Verrückt geplant

Um es mit der Nachbarin zu sagen: es wird Zeit das Muster zu durchbrechen. So habe ich mich heute früh zu nachtschlafender Zeit aus dem Haus geschlichen - und zwar auf Füßen, die im September in geschlossenen Schuhen steckten. 
Vollkommen verrückt, aber auch ein wenig berechnend. Wenn ich nahezu (wetter-)festes Schuhwerk mitnehme, wird das Wetter bestimmt selbst ganz im Westen Europas schön.

Freitag, 15. September 2017

Traum oder Wirklichkeit

Als ob herbstliche Morgengrauen nicht ohnehin schon die Betonung auf dem zweiten Wortteil hätten, schreckte ich heute früh hoch, als ich träumte, der Wecker habe geklingelt und ich ihn überhört, also verschlafen. Als er dann tatsächlich klingelte, war ich vollends verwirrt und maximal unlustig, seinem Ruf zu folgen. Wer morgens Schwierigkeiten hat zu wissen, wie er heißt und wo er sich befindet, sollte sich selbst nicht mit der Frage "Vorstellung oder Wirklichkeit?" belasten müssen.
Ebenso unvorstellbar kam mir vor, dass sich der Sohn gestern im Haushalt betätigte. Chefsache sozusagen: er wischte in der Küche die Zitate-Tafel sauber, um endlich nicht mehr den Spruch von Gerhard Polt ("Die Heimat der Salmonellen ist nicht ausschließlich der Kartoffelsalat") sehen zu müssen, den ich - zugegeben - vor längerem in Erwartung eines Sommers dorthin geschrieben hatte. Sein Wunsch, diesen zu tilgen, resultierte allerdings weniger aus der langen Verweildauer. Vielmehr fehle ihm "bei den Quotes die Internationalität". Ich erhielt außerdem die strenge Auflage, als Ersatz nichts von Element of Crime oder Sven Regener anzubringen. Die arme geschundene Brut!
Nicht verwunderlich also, dass es wohl bei den dreißig Minuten netto bleibt, die ich die Tochter zwischen ihrer Rückkehr vor einer Woche und meinem Abflug morgen gesehen habe. Von mehr kann ich ja nachts träumen.

Donnerstag, 14. September 2017

Servicegedanke

Wenn ich sie auch nicht sehe, kann ich der Tochter doch manchmal WhatsApp- oder Telegram-Nachrichten schicken. Die Reaktionen sind meist prompter und positiver als Face-to-Face. Man sollte die neue digitale Welt also nicht per se verdammen. Schon gar nicht zu Zeiten der dmexco, wenn nahezu die gesamte Timeline aus tollen Fotos von stylischen Messeständen und virtuellen Craft-Beer-Hipstern besteht.
Dass ich neben digitalaufgeschlossen auch dienstleistungsorientiert bin, habe ich bemerkt, als ich der physisch wohl dauerhaft abwesenden Tochter eine Empfehlung für ein Weihnachtsgeschenk an ihren Freund gab. Ich habe mich auch nur ein ganz klein wenig darüber geärgert, dass ich nicht in der Lage war, ihr den Link über Instagram zu schicken. Etwas mehr, als Instagram mir sagte: "Du kannst diesen Beitrag mit Freunden teilen." 

Dienstag, 12. September 2017

Täglich grüßt das Murmeltier

Wieder einmal beschleicht mich das Gefühl, in den letzten Tagen nichts geschafft zu haben. Nicht den Zeit-Stapel aus diversen Ausgaben abgearbeitet, keinen Post bzw. keine Auftragstexte geschrieben, nicht sichtbar aufgeräumt, nicht die Tochter nach Hause bestellt (obwohl ich sie vor meiner Woche Abwesenheit schon noch gerne sähe), nicht das Zeugnis des Sohnes organisiert und kein Geld abgehoben. Selbst diese Liste weiter fortzusetzen, schaffe ich nicht.
Vielleicht bin ich aber auch zu selbstkritisch. Wahrscheinlich sollte ich den Einsteigertipp gegen Depressionen beherzigen und eine Liste mit allen Dingen erstellen, die ich geleistet habe: körbeweise Wäsche gebügelt, einen Kleinkrieg mit den Nachbarn geführt ("Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten."), den Sohn zu mehr Ordnung gemahnt (nutzlos), den Küchenboden gewischt (nachdem ich darauf großflächig ein Jahr überfällige Erfrischungsstäbchen verteilt hatte, als ich sie in den Müll werfen wollte; sie kleben übrigens wie frische) und nebenbei noch täglich mindestens acht Stunden gearbeitet. Na, bitte - geht doch! Obwohl... nicht einmal das frühere Zubettgehen habe ich geschafft.

Sonntag, 10. September 2017

Geständnis

Manchmal befürchte ich, gerade zu einer miesepetrigen Alten zu mutieren. Unsere neuen Nachbarn beginnen, mir auf den Wecker zu gehen.
Dass sie dem Massagemäuschen ähnelt (wie der Gatte der Tochter unerwünscht sagte: "Sie war nicht der Grund sondern nur der Anlass."), dafür kann sie nichts. Das ist mein Problem. 
Dass er ständig den Aschenbecher wegräumt, den ich vor unsere Wohnungstür stelle, damit mir bekannte und unbekannte Jugendliche nicht den Treppenabsatz mit Kippen, Asche o.ä. vollmüllen ("Der Kleine hält das immer für einen Trinkbecher."), ist vielleicht schon ein gemeinsames Problem. Wofür der Kleine die Gießkanne hält, die ich als Erinnerung neben die Pflanzen in unserem gemeinsamen Eingangsbereich gestellt habe, weiß ich nicht. Als Kompensation stellen sie zum Glück irgendwelche Getränkekisten an den leeren Platz.
Dass sie den Goldjungen sonntags vor 9:30 Uhr vor meinem Schlafzimmerfenster immer und immer wieder mit dem Bobbycar die Rampe heruntersausen lassen (ohne Flüsterräder auf Pflastersteinen - Ehrensache!), stört mich in meiner Wochenendausschlafroutine. Ich weiß, für Eltern mit kleinen Kindern ist zwei Stunden nach dem Hellwerden keine Zeit, aber für Mütter von jugendlichen Kindern ist sie es schon.
Mich beruhigte immerhin, dass ich nicht übertrieben genervt auf die junge Familie reagiere, als der Sohn meinte: "Die sind ja nett, aber das geht nicht." Stein des Anstoßes war, dass sie ungefragt ihre Wäsche auf dem Balkon meiner Eltern trocknen. Fragen müsse man schon.

Samstag, 9. September 2017

Zukunftsmusik

In ein paar Tagen wird hoffentlich diese Novembertristesse ein Ende haben.
In etwa drei Wochen werde ich wissen, ob ich mich für den Gerinnungsstammtisch qualifiziere. Ich bin sehr daran interessiert, seit ich den Flyer bei meinem gestrigen Besuch der entsprechenden Ambulanz entdeckte. Ich stelle es mir ungemein spannend vor, wie wir uns darin ergehen würden, wessen Von-Willebrand-Faktor nun niedriger sei. Was könnte es Schöneres geben?
Bis in alle Ewigkeit jedoch wird wohl meine Vorstellung von "Die Küche Aufräumen" himmelweit von der meiner Kinder abweichen.