Freitag, 31. Januar 2025
Im Süden
Die Dienstleistungsmentalität kann ich auch im Privaten nicht ablegen. Daher möchte ich die gestern auf dem Münchner Flughafen hinzugewonnenen Informationen einer breiteren Zielgruppe nicht vorenthalten. Vom Haartourismus in die Türkei wusste ich wohl. Die offensive Werbung dafür kannte ich bisher nicht. Aber vielleicht tummele ich mich einfach zu selten auf Flughäfen oder bin nicht aufmerksam genug für ungemein pfiffige Wortspiele. Aus irgendeinem Grund bin ich ganz froh, die Dienste - bisher - nicht in Anspruch nehmen zu müssen.
Sonntag, 26. Januar 2025
Das Orakel
Mein aktuelles Horoskop kommt vom Tourismusverband des Sehensuchtsortes. Genau dem, der dafür sorgt, im rechten Moment Möwen und Segelboote vorbei zu schicken, damit Fotos möglichst pittoresk oder gar insta-tauglich werden. Nicht nur sie befeuern, die Hansestadt sofort in Richtung Süden verlassen zu wollen. Es liegt auch an diesem Januar, der in vielerlei Hinsicht noch öder als viele seiner Vorgänger ist. Das einzig Stechende ist die Tristesse, ganz sicherlich nicht winterlich-waagerechte Sonnenstrahlen. Wie gut, dass ich den anstehenden Ortswechsel zusätzlich durch ein dieswöchiges Jubiläum motivieren kann. Gratuliert mir zu hölzernen Scheidung!
Mittwoch, 15. Januar 2025
Saison
Nun also beginnt die Zeit des Jahres, in der sich in der Wohnung an den merkwürdigsten Stellen Tannennadeln finden lassen. Sie dauert ungefähr ein Dreivierteljahr und endet erst kurz bevor der nächste Adventskranz mit neuen Nadeln Einzug hält. Es war nicht einmal so, dass der abgewrackte Weihnachtsbaum unglaublich genadelt hätte. Es lag vielmehr daran, dass meine Strategie, ihn aus dem Haus zu expedieren, nicht die beste war. Wenn man bei so viel Gezerre und Gefluche überhaupt von einer strategischen Maßnahme sprechen darf. In der Wohnzimmertür feststeckend musste ich zunächst über den verkanteten Koloss staksen, um eine Säge zu holen und ihn in zwei Teile zu zerlegen. Selbst dieses Portionieren reichte nicht, um den unteren Teil durch die nächste, etwas schmalere Haustür zu bekommen. Immerhin war es unterdessen etwa 22 Uhr an einem frostigen Montagabend. Ich lief also nicht Gefahr, von allzu vielen Menschen dabei gesehen zu werden, wie ich zwischen Baum und Türrahmen feststeckte. Mit roher Gewalt bekam ich schließlich auch das dicke Ende an den Straßenrand gezogen. Wenngleich ich befürchte, den letzten Abholungstermin verpasst zu haben. Das zweigeteilte Mahnmal an der Straßenecke wird mich vermutlich ähnlich lange wie die Nadeln in der Wohnung an letztjährige Festtage erinnern. Egal. Sonntagabend in trauter Dreisamkeit noch ein letztes Mal vor dem illuminierten Weihnachtsbaum zu sitzen, war zu schön. Unsere Feiertage enden immer erst nach dem Geburtstag der Tochter, so will es das Gesetz!


Freitag, 10. Januar 2025
Das Jahr ist noch lang
Überraschend, dass nicht auf zwei bis drei Arbeitstage automatisch zwei freie folgen. Das hatte ich anders in Erinnerung. In der Form gefällt mir das neue Jahr noch nicht so gut. 
Überraschend auch, wie sehr mich das Weihnachtsgeschenk des Sohnes erfreut. Für euch erfahrene Turbanhandtuchnutzer sicherlich nichts Neues, für mich eine Offenbarung: Ein Handtuch, das nicht bei jeder Bewegung vom Kopf fällt, aus dem nicht irgendwelche Strähnen ein kaltes Rinnsal den Rücken herunter produzieren und mit dem das glamouröse Selbstgefühl einer Fünfzigerjahre-Badenixe entsteht, wenn schon nicht aus Hollywood, dann wenigstens aus Bonn-Bad Godesberg.
Weniger überraschend, dass bei dem selbst für diese Saison dunklen und nassen Klima meine Haut ihren Unmut kundtut. So lebe ich auch im neuen Jahr nach dem Grundsatz „Wenn‘s blutet, juckt‘s nicht mehr“. So weit so normal. Allein mit der Umsetzung guter Vorsätze - Fitness, Alsterschwimmhalle etc. - wird es schwer. Muss ja nicht alles gleich im Januar passieren.
Dienstag, 31. Dezember 2024
Alle Jahre wieder
Endlich habe ich eine Erklärung. Das üppige Essen über die Weihnachtszeit sorgt für das nötige Phlegma, um nahezu kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, was alles noch hätte getan oder erledigt werden müssen. Ich zum Beispiel habe weder eine einzige Weihnachtskarte verschickt noch auf die virtuellen und postalischen Wünsche reagiert, die ich trotz meiner Saumseligkeit bekommen habe. Beim Sport war ich auch bestenfalls sporadisch. Normalerweise nagte so etwas sehr an mir. Jetzt blitzt nur selten ein solcher Gedanke auf, um spätestens zur nächsten Mahlzeit verschüttet zu werden. Währenddessen fallen mir außerdem Argumente wie die vielen unverrückbaren Termine der Saison oder „Wie denn, mit bis zu elf zu versorgenden Personen an jedem Weihnachtstag?“ oder „Ich bin schließlich an jedem Arbeitstag zwischen dem 23. Dezember und dem 6. Januar in der Agentur.“ ein. 
In gleicher Konsequenz sorgen Pickel und Plautze - induziert durch fettes Festmahl - für eine höhere Wahrscheinlichkeit, gute Vorsätze fürs neue Jahr umzusetzen. Demnächst könnte mir der Weg zur Alsterschwimmhalle wieder in den Sinn kommen, und Karten kurz nach Jahreswechsel haben auch etwas.
Montag, 16. Dezember 2024
Ist so
Die Welt ist schlecht. Sagte schon Fil am Donnerstag. Das liege daran, dass sie von Gott geschaffen sei, und der so aussehe, wie Kinder ihn sich vorstellen: ein alter weißer Mann. Ich bin gewillt, ihm recht zu geben. Nicht nur, dass wir seit über zwei Wochen nicht mehr die Sonne gesehen haben (dadurch wirkt die Weihnachtsbeleuchtung draußen wie drinnen immerhin schon tagsüber) und ich seit fast genauso langer Zeit Nasenbluten und Rückenschmerzen habe. Zusätzlich ist meine hoch geschätzte Vileda-Wischmopp-Zentrifuge im Eimer (sic!). Als ob das nicht genug wäre, geht der Tesafilm noch vor dem Geschenke-Einpacken zur Neige, weil ich so viel für Amaryllisstengel verwenden muss. Dann ist mir heute Morgen nach dem Duschen die Unterwäsche vor dem Anziehen in die gerade benutzte, ergo nasse, Duschwanne gefallen. Wer mich besser kennt, weiß, ich ziehe das Farbkonzept der Oberbekleidung auch bei der Unterbekleidung durch - sonst habe ich kein Selbstvertrauen. Allerdings ist mein Kontingent an Farblich-Passendem begrenzt. So musste es nasse Wäsche sein. Im Winter bestimmt gut gegen Rückenschmerzen. Doch was wirklich am schwersten wiegt: Der Wichtel hat einen Tennisarm vom ewigen Winken.
Dienstag, 10. Dezember 2024
Schwierig
Wie jedes Jahr finde ich den Winter schwer zu ertragen. Und jedes Jahr wird er ein größerer Angang, scheint mir. Morgens irgendeinen Grund zu finden, in Dunkelheit und Kälte aufzustehen. Sich bei fast der gleichen Finsternis aus dem Haus zu trauen, um dann garantiert kalten Wind und mindestens Regen, wenn nicht gar Schneeregen, ins Gesicht zu bekommen. Anschließend in der U-Bahn, die bestenfalls wie nasser Hund riecht, auf viele schniefende Menschen zu treffen. Um den lichten Teil des Tages und ein paar Stunden darüber hinaus mit Arbeit zu verbringen. Danach den Rückweg anzutreten. Um zu Hause auf (selbst geschaffene) Unordnung und weitere Mahnmale zu treffen, für deren Beseitigung die Kraft fehlt. Im Dezember kommen viele Verpflichtungen und Treffen hinzu, die unbedingt noch vor Weihnachten stattfinden müssen. So viel zu Lichterglanz und Besinnlichkeit.
(Manchmal ist sogar das Licht an.)
Als Motivation ist „Ich habe ein Dach über dem Kopf. Muss nicht im zugigen U-Bahnhof auf kaltem Boden übernachten.“ und „Ich muss mir nicht ganz so viele Sorgen über die Zukunft machen.“ zwar sinnvoll, aber auf Dauer eben nur mäßig geeignet. Vielleicht halte ich mich lieber daran, dass es keine zwei Wochen mehr dauert, bis die Tage wieder länger werden?
(Manchmal ist sogar das Licht an.)
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