Jede Outdoor-Tätigkeit musste am Sonnabend zwischen zwei Regengüssen erledigt werden. Zum Sport, vom Sport, zum Einkauf, vom Einkauf und so weiter. Wie gut, dass es am Wochenende weniger feststehende Zeiten gibt als in der Woche. Daher war ich in doppelter Hinsicht froh, am Samstagnachmittag in einem Geschäft zu landen, in dem ich Einlagen gegen Fußschmerzen bestellen konnte. So zumindest das erste Gefühl. Das zweite war, in einem Laden gelandet zu sein, in dem die gesamte Kundschaft aufgegeben hat. Beige ist auch eine Form der Kapitulation. Trotz fortgeschrittenen Alters bin ich noch nicht so weit, Schuhwerk nur unter praktischen Gesichtspunkten zu betrachten und auszuwählen. Vielleicht werde ich es auch nie sein. Die Verwunderung des freundlichen Einlagenbauers über meine fehlenden Socken und offenen Schuhe nahm ich wohl wahr, lebe aber gerne mit der Vorstellung, als spleenige Figur zu gelten. Mal ganz ernsthaft: Wären triefende Strümpfe und nasse Halbschuhe an diesem Tag wirklich besser gewesen?
Genauso wenig bin ich bereit zu akzeptieren, dass der Sommer vorbei sein soll. Gestern Morgen guckte ich kurz auf den Balkon, die Regengüsse des Vortages waren ja glücklicherweise Vergangenheit. Dort fand ich einen mit Blättern übersäten, nassen Boden vor (der irgendwann auch wieder neu abgeschmirgelt und geölt werden muss), und herbstliche Farben im Sonnenschein. Ich schloss die Balkontür und setzte mich in die Küche, um Tee zu trinken und Zeitung zu lesen. Lieber drinnen mit der Illusion, es wäre noch sommerlich, als draußen mit der Gewissheit, dass die Tristesse im Vormarsch ist.