Freitag, 2. Oktober 2026

No entiendo

​Anders als gestern, als mit anständigem Gewitter lediglich die gelbe Fahne (Baden mit Vorsicht) wehte, ist heute rot geflaggt (Baden verboten). Wahrscheinlich weil bei anderthalb Meter hohen Wellen und auflandigem Wind der blanke Hans sonst die Besten unter uns holt. Oder, weil das weit in den Strand hineinragende Wasser alle hundert Meter eine Qualle aufs Land spült. Eine von ihnen reicht schließlich, um über die gesamten drei Kilometer Strand einen Tsunami der Hysterie zu verbreiten. Heute wäre das Meer genau nach meinem Geschmack gewesen. Doch ich lege mich lieber nicht mit den Baywatch-Menschen (in vernünftigem Ölzeug, bei höchstens 25 Grad) an, sie scheinen mir zu verwandt mit der Guardia Civil. Wahrscheinlich haben sie neben der Trillerpfeife auch eine Wumme - und stellen Fragen lieber nach dem Schießen als vorher.

Donnerstag, 1. Oktober 2026

PISA-Ergebnisse

​Übrigens mache ich mir keine Gedanken mehr über das schwache Abschneiden der deutschen Schulkinder in Sachen PISA. Sie mögen unterdessen schlechter rechnen und lesen können, doch ich schreibe ihnen noch immer eine gewisse Lebenstüchtigkeit zu. Sie lernen spätestens in der Kita, bei Gewitter Pfützen und erst recht alle größeren Gewässer zu meiden. Das scheint in Spanien nicht so zu sein. Meiner Individualempirie zufolge versagt die Erziehung dauerhaft seit Francos Zeiten, wenn hier bei Blitz und Donner mit Freude ins Meer gestiegen wird und niemand die armen Unwissenden davon abhält. Jung und Alt springt bei Himmelgrummeln freudig ins Wasser, schließlich hat Baywatch pünktlich um 18 Uhr Feierabend gemacht. Genau zu der Zeit, zu der alle Telefone hässliche Unwetter ankündigten.

Mittwoch, 30. September 2026

Abwarten und Kaffee trinken

​In Bestzeit habe ich es geschafft, dass mich außer dem aktuellen Wetter und der Frage, woher ich den leckersten Kaffee beziehe, wenig bis gar nichts mehr beschäftigt. Eventuell ein Zeichen dafür, dass ich wirklich urlaubsreif war. Während der Kaffee keinerlei Herausforderung birgt, hat das hiesige Wetter seine Tücken. Zwar war der vermeintliche Regentag gestern einer, den man in Hamburg gefeiert hätte und an dem ich nur beanstanden kann, dass er mir wegen des unverhofft blauen Himmels auf der rechten Seite einen vollflächigen Sonnenbrand beschert hat (warum musste ich auch das Buch unbedingt am Strand zu Ende lesen?). Doch heute herrscht das, was man wohl Kreislaufwetter nennt. Es ist heiß und feucht. Gelegentlich fallen ein paar Tropfen Regen aus dem nassen Himmel, ohne jedoch die katharsische Wirkung eines echten Regengusses oder gar Gewitters mit sich zu bringen. So wie es aussieht, werde ich wohl noch abwarten und Kaffeetrinken müssen, ehe ich mir die linke Seite verbrenne.

Montag, 28. September 2026

Temporada baja

​Damit, hier der Weißkäse vom Dienst zu sein, hatte ich gerechnet. Sich in der Nachsaison mit Menschen des Hauttyps 3 zu vergleichen, ist hart gegen eine in Norddeutschland ansässige Person, deren letzter Urlaub im April war. 

Dass ich pünktlich zum Beginn des Urlaubs krank werden würde, hatte ich befürchtet - und dennoch gehofft, die Erkältung abwenden zu können. Dieses Ziel wurde leider nicht erreicht.

Damit, dass hier dauerhaft weniger Sonne als im herbstlichen Hamburg sein würde, hatte ich wirklich nicht gerechnet. Aber, bevor ihr euch zu früh freut: Hier gibt es anständig Meer, mit Brandung und allem, was man braucht; geschätzte Temperatur etwa 25°. Außerdem gehen die Nachttemperaturen der Luft nie, nie unter 20°. Die Vizeweltmeisterin des Zweckoptimismus‘ sagt zusammenfassend: Keine Gefahr, dass der Weißkäse zur Tomate wird.

Sonntag, 13. September 2026

Autumn Leaves

​Umständehalber war ich diese Woche in pazifistischer Mission unterwegs. Bei einem Event sollte ich mich um die Personen kümmern, die nicht Paintball spielen, also nicht auf Menschen schießen wollten. Als Alternativprogramm gab es etwas deutlich Friedfertigeres: Axtwerfen. Ich stellte mich dabei vermutlich ähnlich wenig geschickt an, als wenn ich mit Farbpatronen herumgeballert hätte. Auch wenn es das Modell „Bock zum Gärtner“ war, überlege ich, ob ich mir nun „Head of Axt“ in die Signatur schreiben soll.

Außerdem überzeugt mich momentan das klassische Sportangebot nicht. Erst ist die bevorzugte Trainerin nicht da, dann wird sie durch eine andere ersetzt, deren Übungen nicht nur ich, sondern auch alle anderen nicht recht verstehen. Da die Abwesenheit bedauerlicherweise zwei Wochen dauern sollte, beschloss ich, gestern lieber einen anderen Kurs zu belegen. Der wurde kurzfristig abgesagt. Die Nachricht darüber hatte ich nicht gesehen. So stand ich alleine am Beckenrand. Um nicht unverrichteter Dinge zu gehen, nahm ich mir vor, endlich mal wieder tausend Meter am Stück zu schwimmen. Ein Projekt, das ich schon länger nicht verfolgt hatte. Ich schaffte es, aber es strengte mich nicht so an wie der echte Kurs. Dennoch eierte ich aus dem Wasser zur Dusche. Am Ausgang erlebte ich dann eine Anmache, die mir bis dahin unbekannt war - und die mir auch nicht besonders erfolgreich erscheint. Ein Mann etwa meiner Alterskohorte meinte, er habe mich aus dem Wasser steigen sehen und fragte mich, ob ich auch etwas mit der Hüfte habe. Mein Gangbild habe mich verraten. Als ob es die diversen Narben nicht täten. Was der gute Mann leider nicht wusste: Dass sein Vorhaben von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, weil er große Ähnlichkeit zu einem nicht allzu geliebten Nachbarn aufwies. Mal ganz abgesehen davon, dass mir als Preußin Krankheitsgeschichten als Opener gänzlich ungeeignet erscheinen. Hinzukam, dass er mir in kürzester Zeit zweimal erzählte, der Gang sei ausschließlich Kopfsache. Hatte er wohl aus einem YouTube-Video. Dann doch lieber nach Hause zu meinem neuen Freund namens Sheldon, einem Plüschhai, der eine Wärmflasche im Bauch trägt. Das Wetter lässt mich noch mehr zu ihm hingezogen fühlen.

Montag, 7. September 2026

Mir doch egal

​Jede Outdoor-Tätigkeit musste am Sonnabend zwischen zwei Regengüssen erledigt werden. Zum Sport, vom Sport, zum Einkauf, vom Einkauf und so weiter. Wie gut, dass es am Wochenende weniger feststehende Zeiten gibt als in der Woche. Daher war ich in doppelter Hinsicht froh, am Samstagnachmittag in einem Geschäft zu landen, in dem ich Einlagen gegen Fußschmerzen bestellen konnte. So zumindest das erste Gefühl. Das zweite war, in einem Laden gelandet zu sein, in dem die gesamte Kundschaft aufgegeben hat. Beige ist auch eine Form der Kapitulation. Trotz fortgeschrittenen Alters bin ich noch nicht so weit, Schuhwerk nur unter praktischen Gesichtspunkten zu betrachten und auszuwählen. Vielleicht werde ich es auch nie sein. Die Verwunderung des freundlichen Einlagenbauers über meine fehlenden Socken und offenen Schuhe nahm ich wohl wahr, lebe aber gerne mit der Vorstellung, als spleenige Figur zu gelten. Mal ganz ernsthaft: Wären triefende Strümpfe und nasse Halbschuhe an diesem Tag wirklich besser gewesen?

Genauso wenig bin ich bereit zu akzeptieren, dass der Sommer vorbei sein soll. Gestern Morgen guckte ich kurz auf den Balkon, die Regengüsse des Vortages waren ja glücklicherweise Vergangenheit. Dort fand ich einen mit Blättern übersäten, nassen Boden vor (der irgendwann auch wieder neu abgeschmirgelt und geölt werden muss), und herbstliche Farben im Sonnenschein. Ich schloss die Balkontür und setzte mich in die Küche, um Tee zu trinken und Zeitung zu lesen. Lieber drinnen mit der Illusion, es wäre noch sommerlich, als draußen mit der Gewissheit, dass die Tristesse im Vormarsch ist.

Freitag, 28. August 2026

Try to remember

​An diesem feucht-freudlosen Tag sei mir ein bisschen Selbstmitleid gestattet. Die drei Tage Sommerurlaub waren zu kurz und sind unterdessen schon wieder fast vier Wochen her.

Beim gestrigen Tag handelt es sich ohnehin nicht um einen, den ich übertrieben feiere. Vor 28 Jahren sah das deutlich anders aus. Nicht nur, dass ich guter Hoffnung war, es gab auch noch mehr Träume und Hoffnungen. In der Gesamtbilanz sind zwei großartige Kinder dabei herausgekommen, daher gibt es nichts zu meckern. Und doch fand ich es nicht fair, gestern zusätzlich mit Kopfschmerzen zu kränkeln. Ich holte nur kurz den Computer in der Agentur ab und arbeitete anschließend lieber von zu Hause aus. Unter anderem, um dem Baustellenlärm in der Hamburger Innenstadt zu entgehen. Es passte zum Tag, dass direkt vor meiner Wohnung das Pflaster herausgerissen und neu verlegt wurde; natürlich mit Rüttler, Ehrensache. Um das Ganze abzurunden, klingelte am Nachmittag noch der Ex-Mann an der Tür. Nicht etwa um mir zum Hochzeitstag Blumen zu überreichen, sondern um seine Wartezeit (auf die Tochter) bei mir zu verbringen, Tee zu trinken und mir in der halben Stunde zu erzählen, wo seine amtierende Freundin wohne. Immerhin bestätigte mich der unverhoffte Besuch wieder einmal darin, dass alles gut so ist, wie es ist.

Zu den Freuden meines Alters gehört außerdem, dass endlich ein lange von mir ersehntes Produkt auf den Markt gekommen ist: das hülsenlose Küchenpapier. Ein echter Hoffnungsschimmer. Nicht nur für mich, sondern auch für die deutsche Wirtschaft.