Dienstag, 26. Mai 2026

Liturgie zu Pfingsten

Wir wurden in der international anerkannten Währung für Gartenarbeit bezahlt, Königsberger Klopsen. Umso besser, dass sich auf die Weise neben dem Einsatz im Grünen ein Element of Crime-Konzert ergab. An der Reihenfolge „Erst Konzert-Dann Gartenpflege“ kann man arbeiten. Denn während wir Äste toter Bäume ab- und zersägten, Gestrüpp rodeten und Biotonnen füllten, summte ich die ganze Zeit „Ich gäbe meinen rechten Arm dafür…“. Zum Glück waren jedoch die schlimmsten Vorkommnisse Blasen an den Händen, kleinere Schnitte und etwas unsanft auf dem Rücken zu landen (nachdem ich - erfolglos, versteht sich - versucht hatte, eine gut fünf Meter lange Schlingpflanze auszureißen, deren Ursprung sich auf dem Nachbargrundstück befand). Dabei wäre ich sogar für Ärgeres gewappnet gewesen. Vom letzten Einsatz mit einer deutlich schärferen Säge rührt mein amtierender Tetanusschutz her. Ich bin dennoch dankbar, ihn nicht genutzt zu haben. Irgendwann, nach etwa fünf weiteren Wäschen, werden auch die letzten Wacholderstücke aus meinem Haar entfernt sein. Mindestens so lange muss die Erinnerung an ein schönes Pfingstwochenende schließlich halten, wenn dies der letzte Feiertag bis Weihnachten für uns war.

Freitag, 22. Mai 2026

Wirtschaftsfaktor

Verglichen mit dem letzten Jahr, als ich das Badezimmer renovieren ließ, sind es lächerliche Zahlen, doch auch dieses Jahr investiere ich in die Wirtschaft. Am Montagabend ging ich auf dem Nachhauseweg nicht nur wegen des vielen Regens in viele Läden. Zunächst kaufte ich in der Kinderabteilung von H&M Home Bettwäsche, die nicht nur mir, sondern später auch meinem Kind ausnehmend gut gefiel. Dennoch wundere ich mich, dass mich dort fast ausschließlich Produkte für die Kleinen ansprechen. Sollte es mit meinem kindlichen Gemüt zusammenhängen? Am gleichen Abend erwarb ich vier Küchenstühle, die bereits Mittwochmittag geliefert wurden - und zwar problemlos. Muss doch auch mal gesagt werden, dass Dinge chez nous noch reibungslos funktionieren. Außerdem, und nun offenbare ich die größte Investition, habe ich mich wieder dazu entschieden, mir ein Panini-Album zur Fußball-WM zu leisten. Ja, ich weiß, dass die FIFA ein Drecksverein ist, dass ich damit garantiert die Falschen subventioniere und dass der Spaß übertrieben teuer ist. Aber es ist eben genau das: Spaß. Darüberhinaus erfreue ich mich an der verkehrten Welt. Dass meine Kinder mich in diesem Punkt unvernünftig finden, aber auch sie mehr oder weniger offensichtlich am Ende Freude daran haben, wen „wir“ schon haben, wer fehlt, welche Mannschaft besonders ist und so weiter. Mir beschert es Glücksmomente, wenn ich neben anderen in einem Tütchen Jackson Irvine und Mo Salah finde. Und es stört mich nicht weiter, dass ich noch nicht viele Bilder einkleben konnte, aber dafür Cristiano Ronaldo bereits dreifach habe. Entspannt bin ich allein deswegen, weil ein Gutteil dieser Ausgaben aus den unerwarteten Rückzahlungen der Lufthansa für meine Unannehmlichkeiten wegen des Streiks bestritten wird. Im Reinvestieren macht mir keiner etwas vor!

Montag, 18. Mai 2026

Maifeiern

Mit dem manuellen Abtauen der mütterlichen Gefriertruhe dachte ich, Frost und Kälte für den Mai endlich abgehakt zu haben. Wie man sich täuschen kann! Es ging in Hamburg kalt weiter. Langsam habe ich Sorge, mein übliches Motto „Offene Schuhe von Anfang Mai bis Ende September“ entweder nur durchziehen zu können, wenn ich Erkältung oder Frostbeulen in Kauf nehme. Oder die geschlossenen Schuhe wohl oder übel noch etwas länger zu tragen. Doch wer weiß, ob das dann nicht noch im Juni notwendig wird, der hier im Norden traditionell kühl ausfällt. Ich weiß es doch auch nicht! Allerdings kann ich auch von Vorteilen berichten, die sich durch die Rückkehr ins beschauliche Dorf ergeben haben: Die Tochter hat mir nachträglich zum Muttertag nicht nur Blumen, sondern auch ein wunderschönes Arrangement und reichlich leckeren, selbst gebackenen Kuchen geschenkt. Bei Tee, Kuchen und Rührung ist es plötzlich nicht mehr kalt.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Doble

In meiner Gier wollte ich alles doppelt haben: Erst das tolle Frühlingswetter in Hamburg genießen und dann in Spanien in die Verlängerung gehen. Die Rechnung ist nicht ganz aufgegangen, der Start war noch wie geplant, aber der Süden machte mir in Sachen Wetter einen Strich durch die Rechnung. Man wollte wahrscheinlich nur, dass ich mich mit Wolken und Regen zu Hause fühle. Egal, das Meer ist auch im dunkleren Setting schön. Die Idee war, tagsüber zu arbeiten und abends von der Sonne zu profitieren. Auch diese Rechnung geht nur bedingt auf. Der Feierabend mit Meer ist trotzdem sehr erholsam. Doppelt wird auch die spätere Abendgestaltung. Nachdem ich es gestern Mittag geschafft hatte, für den Abend einen Tisch in der Fußballkneipe zu reservieren, wurde er uns nach Ende des Spiels für heute Abend gleich angeboten. Wir hoffen nun, dass die Begegnung heute etwas vorteilhafter für unsere Sache ausgeht. Unsere Erfahrung wappnet uns. Wir wissen jetzt, dass man einfach ständig “¡penalty!” schreien muss. 

Doch die schönste Dopplung kommt erst noch: Durch meinen Aufenthalt hier habe ich mir den Muttertag zweimal erschlichen. In Spanien war er letzten Sonntag und in Deutschland am kommenden, an dem ich wieder zurück sein werde. Das macht mir keiner nach.

Samstag, 2. Mai 2026

Mit Südfrüchten gehandelt?

Am Morgen dachte ich noch, die falsche Wahl getroffen zu haben. Bombenwetter in Hamburg, doch dann kälter und sogar regnerisch im Süden. Das habe ich bisher nicht erlebt. Aber her ist das Meer, mit seinem Rauschen, den Wellen und der salzigen Luft. Am Ende sogar mit blauem Himmel. Wahrscheinlich doch alles richtig gemacht.

Sonntag, 26. April 2026

Und doch

Ob ein Tag, auch wenn es ein Sonnabend (Samstag für die Südlicheren oder Westlicheren) ist, gut werden kann, wenn man ihn damit beginnt, morgens Einschlaftee in die Kanne zu geben? 

Ich hatte meine Zweifel. Zumal er sich mittags nicht merklich besserte. Ich kam vom Einkaufen zurück, öffnete eine der Wohnungstüren und scheuchte damit eine fette schwarze Spinne auf, die es sich in den großen Hohlräumen der Altbautürrahmens (Denkmalschutz als Feind der Wärmedämmung) gemütlich eingerichtet hatte und eine Bereicherung für jedes Terrarium gewesen wäre. Miese Karmapunktbilanz, weil ich sie in meinem Schreck plattgetreten habe. Normalerweise expediere ich brav jede Spinne im Küchentuch aus der Wohnung - ehrlich! Aber bei diesem Exemplar war es mir nicht möglich. 

Am Nachmittag konnte ich immerhin als Erfolg feiern, zwei Sportkurse hintereinander geschafft zu haben und mich dabei nicht zu verletzen. Über Fußball wiederum möchte ich nicht sprechen.

Zum Glück fanden sich Menschen, die trotz der Tagesbilanz abends mit mir essen gehen wollten, so dass der Abschluss mehr als nur versöhnlich war. Ja, auch so ein Tag kann am Ende noch die Kurve kriegen.

Mittwoch, 15. April 2026

Bilanz einer Urlaubsreise

Es lief in vielem ganz anders als geplant und war vielleicht auch deswegen besonders schön.

Zunächst war ich nicht sicher, ob meine Stimme mit mir in den Süden reisen würde. Karfreitag soll man Buße tun, ist schon klar, aber musste es eine Erkältung vor dem Urlaub sein? Trotz fehlenden Volumens schaffte ich es, den Sohn zu überzeugen, in der folgenden Nacht nicht mit dem ÖPNV zum Flughafen zu fahren. Wenn es so früh ist, dass noch nicht einmal die Vögel ihr Konzert angefangen haben, muss um jedes wertvolle Zehntel gerungen werden. Der Vorteil: Schon am Morgen im noch nicht ganz sonnigen Süden zu sein. Der Nachteil: einen ganzen Tag lang halb taub zu sein. Und trotzdem das Hotelzimmer für die Kinder klargemacht. Was Mütter alles können. 

In den Geburtstag/Ostersonntag hinein zu feiern, fiel wegen Müdigkeit der angehenden Jubilarin und ihrer mitreisenden Kinder aus. Umso schöner war dann der eigentliche Tag! Nicht nur strahlender Sonnenschein, auch liebe Glückwünsche, tolle Geschenke und zahlreiche leckere Kalorien.

Außerdem haben wir in unserem Garten endlich die Osterschildkröte gesehen, wahrscheinlich traditionell das spanische Pendant zu unserem Hasen.

Wir dachten, im Anschluss an den ersten echten Tag in Spanien hätte der Trubel (Geburtstag, Semana Santa etc.) ein Ende gefunden. Doch weit gefehlt. Es gastierten tausende von portugiesischen Schulabsolventinnen und -absolventen im Ort. Generalstabsmäßig organisiert mit Tagesprogramm und Abendveranstaltungen an sechs Tagen. Überraschende Erkenntnisse: Alle schienen gleich groß (bzw. klein) zu sein; das weibliche Level nur leicht unter dem männlichen, aber keine Ausreißer. Eine gleich große spanische Gruppe wäre tausendmal lauter gewesen. Meine Kinder beschwerten sich wie die Alten, was das für eine Generation sei, die gar nicht eskaliere, die ständig nur ihr Telefon in der Hand halte und sich bei den Konzerten nicht einmal bewege (Na, damit das Video nicht verwackelt!). Gleichzeitig checkten sie die Bekanntheit der Acts aus (zwischen 50.000 und 13 Millionen Followern). Eine Skalierung der Prominenz, die mir nicht eingefallen wäre. Das Alter eben. Zur Ehrenrettung der Portugiesen, es begegneten uns ein paar Exemplare drogeninduzierter Abwesenheit. Nicht nur die, die nichts mehr sahen oder wahrnahmen, sondern auch die, deren Latz mit undefinierbarer Flüssigkeit besudelt war.

Um uns vollständig in der Erinnerung diverser Hamburger Märzferien zu bewegen, mussten wir auf Wunsch der Brut selbstverständlich Programmpunkte wie Spargelsuchen und Wasser aus der Quelle Holen in die Urlaubswoche einbauen.  Ein Fest für alle Generationen - Portugiesen ausgenommen. Ebenso festlich gestalteten sich die verschiedenen Restaurantbesuche, mal in unbekannten, mal in altbekannten Lokalen. Wie gut, dass die Waage am Flughafen nur die Koffer berücksichtigt und nicht die Menschen.

Was ich nicht gebraucht hätte: Dass mir Schnupfen und Ohrenschmerzen auch für den Rückflug erhalten blieben. Dass sich zu ihnen noch eine juckende Pustelattacke gesellte. Dass die Piloten streikten und meine Rückkehr torpedierten. Doch auch all‘ das kann mir nicht die wunderbaren Momente nehmen, von denen der Sohn meinte, es sei sein schönster Spanienurlaub gewesen. Ich pflichte ihm bei.