Mittwoch, 6. Mai 2026

Doble

In meiner Gier wollte ich alles doppelt haben: Erst das tolle Frühlingswetter in Hamburg genießen und dann in Spanien in die Verlängerung gehen. Die Rechnung ist nicht ganz aufgegangen, der Start war noch wie geplant, aber der Süden machte mir in Sachen Wetter einen Strich durch die Rechnung. Man wollte wahrscheinlich nur, dass ich mich mit Wolken und Regen zu Hause fühle. Egal, das Meer ist auch im dunkleren Setting schön. Die Idee war, tagsüber zu arbeiten und abends von der Sonne zu profitieren. Auch diese Rechnung geht nur bedingt auf. Der Feierabend mit Meer ist trotzdem sehr erholsam. Doppelt wird auch die spätere Abendgestaltung. Nachdem ich es gestern Mittag geschafft hatte, für den Abend einen Tisch in der Fußballkneipe zu reservieren, wurde er uns nach Ende des Spiels für heute Abend gleich angeboten. Wir hoffen nun, dass die Begegnung heute etwas vorteilhafter für unsere Sache ausgeht. Unsere Erfahrung wappnet uns. Wir wissen jetzt, dass man einfach ständig “¡penalty!” schreien muss. 

Doch die schönste Dopplung kommt erst noch: Durch meinen Aufenthalt hier habe ich mir den Muttertag zweimal erschlichen. In Spanien war er letzten Sonntag und in Deutschland am kommenden, an dem ich wieder zurück sein werde. Das macht mir keiner nach.

Samstag, 2. Mai 2026

Mit Südfrüchten gehandelt?

Am Morgen dachte ich noch, die falsche Wahl getroffen zu haben. Bombenwetter in Hamburg, doch dann kälter und sogar regnerisch im Süden. Das habe ich bisher nicht erlebt. Aber her ist das Meer, mit seinem Rauschen, den Wellen und der salzigen Luft. Am Ende sogar mit blauem Himmel. Wahrscheinlich doch alles richtig gemacht.

Sonntag, 26. April 2026

Und doch

Ob ein Tag, auch wenn es ein Sonnabend (Samstag für die Südlicheren oder Westlicheren) ist, gut werden kann, wenn man ihn damit beginnt, morgens Einschlaftee in die Kanne zu geben? 

Ich hatte meine Zweifel. Zumal er sich mittags nicht merklich besserte. Ich kam vom Einkaufen zurück, öffnete eine der Wohnungstüren und scheuchte damit eine fette schwarze Spinne auf, die es sich in den großen Hohlräumen der Altbautürrahmens (Denkmalschutz als Feind der Wärmedämmung) gemütlich eingerichtet hatte und eine Bereicherung für jedes Terrarium gewesen wäre. Miese Karmapunktbilanz, weil ich sie in meinem Schreck plattgetreten habe. Normalerweise expediere ich brav jede Spinne im Küchentuch aus der Wohnung - ehrlich! Aber bei diesem Exemplar war es mir nicht möglich. 

Am Nachmittag konnte ich immerhin als Erfolg feiern, zwei Sportkurse hintereinander geschafft zu haben und mich dabei nicht zu verletzen. Über Fußball wiederum möchte ich nicht sprechen.

Zum Glück fanden sich Menschen, die trotz der Tagesbilanz abends mit mir essen gehen wollten, so dass der Abschluss mehr als nur versöhnlich war. Ja, auch so ein Tag kann am Ende noch die Kurve kriegen.

Mittwoch, 15. April 2026

Bilanz einer Urlaubsreise

Es lief in vielem ganz anders als geplant und war vielleicht auch deswegen besonders schön.

Zunächst war ich nicht sicher, ob meine Stimme mit mir in den Süden reisen würde. Karfreitag soll man Buße tun, ist schon klar, aber musste es eine Erkältung vor dem Urlaub sein? Trotz fehlenden Volumens schaffte ich es, den Sohn zu überzeugen, in der folgenden Nacht nicht mit dem ÖPNV zum Flughafen zu fahren. Wenn es so früh ist, dass noch nicht einmal die Vögel ihr Konzert angefangen haben, muss um jedes wertvolle Zehntel gerungen werden. Der Vorteil: Schon am Morgen im noch nicht ganz sonnigen Süden zu sein. Der Nachteil: einen ganzen Tag lang halb taub zu sein. Und trotzdem das Hotelzimmer für die Kinder klargemacht. Was Mütter alles können. 

In den Geburtstag/Ostersonntag hinein zu feiern, fiel wegen Müdigkeit der angehenden Jubilarin und ihrer mitreisenden Kinder aus. Umso schöner war dann der eigentliche Tag! Nicht nur strahlender Sonnenschein, auch liebe Glückwünsche, tolle Geschenke und zahlreiche leckere Kalorien.

Außerdem haben wir in unserem Garten endlich die Osterschildkröte gesehen, wahrscheinlich traditionell das spanische Pendant zu unserem Hasen.

Wir dachten, im Anschluss an den ersten echten Tag in Spanien hätte der Trubel (Geburtstag, Semana Santa etc.) ein Ende gefunden. Doch weit gefehlt. Es gastierten tausende von portugiesischen Schulabsolventinnen und -absolventen im Ort. Generalstabsmäßig organisiert mit Tagesprogramm und Abendveranstaltungen an sechs Tagen. Überraschende Erkenntnisse: Alle schienen gleich groß (bzw. klein) zu sein; das weibliche Level nur leicht unter dem männlichen, aber keine Ausreißer. Eine gleich große spanische Gruppe wäre tausendmal lauter gewesen. Meine Kinder beschwerten sich wie die Alten, was das für eine Generation sei, die gar nicht eskaliere, die ständig nur ihr Telefon in der Hand halte und sich bei den Konzerten nicht einmal bewege (Na, damit das Video nicht verwackelt!). Gleichzeitig checkten sie die Bekanntheit der Acts aus (zwischen 50.000 und 13 Millionen Followern). Eine Skalierung der Prominenz, die mir nicht eingefallen wäre. Das Alter eben. Zur Ehrenrettung der Portugiesen, es begegneten uns ein paar Exemplare drogeninduzierter Abwesenheit. Nicht nur die, die nichts mehr sahen oder wahrnahmen, sondern auch die, deren Latz mit undefinierbarer Flüssigkeit besudelt war.

Um uns vollständig in der Erinnerung diverser Hamburger Märzferien zu bewegen, mussten wir auf Wunsch der Brut selbstverständlich Programmpunkte wie Spargelsuchen und Wasser aus der Quelle Holen in die Urlaubswoche einbauen.  Ein Fest für alle Generationen - Portugiesen ausgenommen. Ebenso festlich gestalteten sich die verschiedenen Restaurantbesuche, mal in unbekannten, mal in altbekannten Lokalen. Wie gut, dass die Waage am Flughafen nur die Koffer berücksichtigt und nicht die Menschen.

Was ich nicht gebraucht hätte: Dass mir Schnupfen und Ohrenschmerzen auch für den Rückflug erhalten blieben. Dass sich zu ihnen noch eine juckende Pustelattacke gesellte. Dass die Piloten streikten und meine Rückkehr torpedierten. Doch auch all‘ das kann mir nicht die wunderbaren Momente nehmen, von denen der Sohn meinte, es sei sein schönster Spanienurlaub gewesen. Ich pflichte ihm bei.

Freitag, 27. März 2026

War jut jewesen

Kurz überlegte ich, ob ich nach eintägiger Abwesenheit bei meiner Rückkehr in die langjährige Wahlheimat nicht anfangen sollte, Wiedersehensfreude zu verspüren. Noch kürzer brauchte ich, um den Gedanken zu verwerfen. Sonst ärgert mich im Vergleich Hamburg-Berlin meist vor allem der schlechtere Takt des ÖPNV. Das durfte ich in Hamburg gestern zwar auch wieder erleben, war aber nicht der eigentliche Aufreger. Der kam, als ich nach der - übrigens wieder einmal pünktlichen - Zugfahrt und schleppenden U-Bahnfahrt am Rathaus ausstieg und gleich in eine Fahrkartenkontrolle geriet. Zuversichtlich, aber gewohnt trottelig durchsuchte ich meine zahlreichen Taschen, bis ich endlich das Deutschlandticket fand, das ich sodann gut gelaunt entgegenhielt. Die Karte sei gesperrt. Befand erst Kontrolleurin 1, dann auch Kontrolleurin 2. Ich meckerte über den HVV. Die Abbuchung der monatlichen 63€ klappe hervorragend, aber die Karte sei nicht gültig, ohne dass mir jemand irgendeine Information darüber gebe. Losgelöst von meinem Ärger wurde der Bußgeldbescheid ausgestellt. Ich habe ein paar Tage Zeit, bei der Servicestelle die Sache in Ordnung zu bringen. „Das ist nicht euer Ernst?“, verbesserte die Stimmung nicht. Für Sie getestet. Ob ich umgezogen sei oder meinen Namen geändert habe, fragte die eine. Dann funktioniere es manchmal nicht. Das Gleiche fragte auch die nächste. Als die Dritte anhub, fiel ich ihr augenrollend ins Wort, es habe in letzter Zeit keine Änderungen gegeben. Sie, Typ in die Jahre gekommene Kugelstoßerin, ließ sich nicht beirren. Ob ich eine „Ermäßigungskarte“ habe. Ob ich Rentnerin sei. Spätestens ab diesem Moment norddeutschen Charmes wünschte ich mir die Berliner Schnauze zurück. Immerhin bot sie an, wahrscheinlich wegen meines entsetzten Gesichts, bei der Servicestelle anzurufen. Anders als eine Rentnerin habe ich einen Termin, weswegen es schön sei, wenn der Anruf schnell gehe. Es stellte sich heraus, dass die physische Karte ab dem Moment ungültig wird, ab dem man die HVV-Switch-App herunterlädt. Das hatte ich wohl irgendwann getan. 

Als ich endlich die Treppen des U-Bahnhofs hochging, geriet ich in ein Schneegestöber. Ich liebe das laue Berlin.

Freitag, 20. März 2026

Blaues Band und so

Es soll Menschen ohne Begabungen geben. Ob das ein Vorteil oder Nachteil ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Zwei meiner Kernkompetenzen bestehen darin, mir relativ gut Daten merken zu können - wie zum Beispiel diverse Haltbarkeitsdaten des Kühlschrankinhalts - und mich bemerkenswert häufig zu bekleckern. Nicht einfach so, sondern zielsicher mit dem, was am stärksten mit der derzeitigen Kleidung kontrastiert. An einem Morgen mit dunklem Outfit kann ich fast sicher sein, mir prominent Zahnpasta auf dem Latz zu verbreiten. Am Abend mit weißen Oberteil warte ich garantiert bis zum Dessert, um gut sichtbar zartbittere Schokolade darauf zu platzieren. Das muss man mir erst einmal nachmachen. Zum Glück habe ich nicht nur im Kühlschrank einen guten Partner sondern auch in der Waschmaschine. Ob es sich ohne diese Begabungen besser lebte, werde ich leider nie herausfinden.

Jetzt erst einmal den Frühling mit verschiedenen Eissorten genießen.

Montag, 9. März 2026

Gefangen in Vilabajo

Nach einem launigen Freitagabend bestand mein Wochenende zu einem Gutteil aus Putzen. Saisonale Tätigkeiten, möchte man denken. Doch im Grunde war es weniger Frühjahrsputz als mehr, dass ich es bei der Paella ein wenig mit dem socarrat übertrieben hatte. Ansonsten war sie 1A gelungen, wir haben sie am Freitag fast vollständig und mit Genuss aufgegessen. Nur eben ein wenig viel Angebranntes. Egal, bei sonnigem Wetter und milden Temperaturen darf man sich - zusammen mit der Spülbürste - auch mal fühlen, als ob man in Vilabajo festsäße.