In Bestzeit habe ich es geschafft, dass mich außer dem aktuellen Wetter und der Frage, woher ich den leckersten Kaffee beziehe, wenig bis gar nichts mehr beschäftigt. Eventuell ein Zeichen dafür, dass ich wirklich urlaubsreif war. Während der Kaffee keinerlei Herausforderung birgt, hat das hiesige Wetter seine Tücken. Zwar war der vermeintliche Regentag gestern einer, den man in Hamburg gefeiert hätte und an dem ich nur beanstanden kann, dass er mir wegen des unverhofft blauen Himmels auf der rechten Seite einen vollflächigen Sonnenbrand beschert hat (warum musste ich auch das Buch unbedingt am Strand zu Ende lesen?). Doch heute herrscht das, was man wohl Kreislaufwetter nennt. Es ist heiß und feucht. Gelegentlich fallen ein paar Tropfen Regen aus dem nassen Himmel, ohne jedoch die katharsische Wirkung eines echten Regengusses oder gar Gewitters mit sich zu bringen. So wie es aussieht, werde ich wohl noch abwarten und Kaffeetrinken müssen, ehe ich mir die linke Seite verbrenne.
Eierkopp und Helga
Mittwoch, 30. September 2026
Montag, 28. September 2026
Temporada baja
Damit, hier der Weißkäse vom Dienst zu sein, hatte ich gerechnet. Sich in der Nachsaison mit Menschen des Hauttyps 3 zu vergleichen, ist hart gegen eine in Norddeutschland ansässige Person, deren letzter Urlaub im April war.
Dass ich pünktlich zum Beginn des Urlaubs krank werden würde, hatte ich befürchtet - und dennoch gehofft, die Erkältung abwenden zu können. Dieses Ziel wurde leider nicht erreicht.
Damit, dass hier dauerhaft weniger Sonne als im herbstlichen Hamburg sein würde, hatte ich wirklich nicht gerechnet. Aber, bevor ihr euch zu früh freut: Hier gibt es anständig Meer, mit Brandung und allem, was man braucht; geschätzte Temperatur etwa 25°. Außerdem gehen die Nachttemperaturen der Luft nie, nie unter 20°. Die Vizeweltmeisterin des Zweckoptimismus‘ sagt zusammenfassend: Keine Gefahr, dass der Weißkäse zur Tomate wird.
Sonntag, 13. September 2026
Autumn Leaves
Umständehalber war ich diese Woche in pazifistischer Mission unterwegs. Bei einem Event sollte ich mich um die Personen kümmern, die nicht Paintball spielen, also nicht auf Menschen schießen wollten. Als Alternativprogramm gab es etwas deutlich Friedfertigeres: Axtwerfen. Ich stellte mich dabei vermutlich ähnlich wenig geschickt an, als wenn ich mit Farbpatronen herumgeballert hätte. Auch wenn es das Modell „Bock zum Gärtner“ war, überlege ich, ob ich mir nun „Head of Axt“ in die Signatur schreiben soll.
Außerdem überzeugt mich momentan das klassische Sportangebot nicht. Erst ist die bevorzugte Trainerin nicht da, dann wird sie durch eine andere ersetzt, deren Übungen nicht nur ich, sondern auch alle anderen nicht recht verstehen. Da die Abwesenheit bedauerlicherweise zwei Wochen dauern sollte, beschloss ich, gestern lieber einen anderen Kurs zu belegen. Der wurde kurzfristig abgesagt. Die Nachricht darüber hatte ich nicht gesehen. So stand ich alleine am Beckenrand. Um nicht unverrichteter Dinge zu gehen, nahm ich mir vor, endlich mal wieder tausend Meter am Stück zu schwimmen. Ein Projekt, das ich schon länger nicht verfolgt hatte. Ich schaffte es, aber es strengte mich nicht so an wie der echte Kurs. Dennoch eierte ich aus dem Wasser zur Dusche. Am Ausgang erlebte ich dann eine Anmache, die mir bis dahin unbekannt war - und die mir auch nicht besonders erfolgreich erscheint. Ein Mann etwa meiner Alterskohorte meinte, er habe mich aus dem Wasser steigen sehen und fragte mich, ob ich auch etwas mit der Hüfte habe. Mein Gangbild habe mich verraten. Als ob es die diversen Narben nicht täten. Was der gute Mann leider nicht wusste: Dass sein Vorhaben von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, weil er große Ähnlichkeit zu einem nicht allzu geliebten Nachbarn aufwies. Mal ganz abgesehen davon, dass mir als Preußin Krankheitsgeschichten als Opener gänzlich ungeeignet erscheinen. Hinzukam, dass er mir in kürzester Zeit zweimal erzählte, der Gang sei ausschließlich Kopfsache. Hatte er wohl aus einem YouTube-Video. Dann doch lieber nach Hause zu meinem neuen Freund namens Sheldon, einem Plüschhai, der eine Wärmflasche im Bauch trägt. Das Wetter lässt mich noch mehr zu ihm hingezogen fühlen.
Montag, 7. September 2026
Mir doch egal
Jede Outdoor-Tätigkeit musste am Sonnabend zwischen zwei Regengüssen erledigt werden. Zum Sport, vom Sport, zum Einkauf, vom Einkauf und so weiter. Wie gut, dass es am Wochenende weniger feststehende Zeiten gibt als in der Woche. Daher war ich in doppelter Hinsicht froh, am Samstagnachmittag in einem Geschäft zu landen, in dem ich Einlagen gegen Fußschmerzen bestellen konnte. So zumindest das erste Gefühl. Das zweite war, in einem Laden gelandet zu sein, in dem die gesamte Kundschaft aufgegeben hat. Beige ist auch eine Form der Kapitulation. Trotz fortgeschrittenen Alters bin ich noch nicht so weit, Schuhwerk nur unter praktischen Gesichtspunkten zu betrachten und auszuwählen. Vielleicht werde ich es auch nie sein. Die Verwunderung des freundlichen Einlagenbauers über meine fehlenden Socken und offenen Schuhe nahm ich wohl wahr, lebe aber gerne mit der Vorstellung, als spleenige Figur zu gelten. Mal ganz ernsthaft: Wären triefende Strümpfe und nasse Halbschuhe an diesem Tag wirklich besser gewesen?
Genauso wenig bin ich bereit zu akzeptieren, dass der Sommer vorbei sein soll. Gestern Morgen guckte ich kurz auf den Balkon, die Regengüsse des Vortages waren ja glücklicherweise Vergangenheit. Dort fand ich einen mit Blättern übersäten, nassen Boden vor (der irgendwann auch wieder neu abgeschmirgelt und geölt werden muss), und herbstliche Farben im Sonnenschein. Ich schloss die Balkontür und setzte mich in die Küche, um Tee zu trinken und Zeitung zu lesen. Lieber drinnen mit der Illusion, es wäre noch sommerlich, als draußen mit der Gewissheit, dass die Tristesse im Vormarsch ist.
Freitag, 28. August 2026
Try to remember
An diesem feucht-freudlosen Tag sei mir ein bisschen Selbstmitleid gestattet. Die drei Tage Sommerurlaub waren zu kurz und sind unterdessen schon wieder fast vier Wochen her.
Beim gestrigen Tag handelt es sich ohnehin nicht um einen, den ich übertrieben feiere. Vor 28 Jahren sah das deutlich anders aus. Nicht nur, dass ich guter Hoffnung war, es gab auch noch mehr Träume und Hoffnungen. In der Gesamtbilanz sind zwei großartige Kinder dabei herausgekommen, daher gibt es nichts zu meckern. Und doch fand ich es nicht fair, gestern zusätzlich mit Kopfschmerzen zu kränkeln. Ich holte nur kurz den Computer in der Agentur ab und arbeitete anschließend lieber von zu Hause aus. Unter anderem, um dem Baustellenlärm in der Hamburger Innenstadt zu entgehen. Es passte zum Tag, dass direkt vor meiner Wohnung das Pflaster herausgerissen und neu verlegt wurde; natürlich mit Rüttler, Ehrensache. Um das Ganze abzurunden, klingelte am Nachmittag noch der Ex-Mann an der Tür. Nicht etwa um mir zum Hochzeitstag Blumen zu überreichen, sondern um seine Wartezeit (auf die Tochter) bei mir zu verbringen, Tee zu trinken und mir in der halben Stunde zu erzählen, wo seine amtierende Freundin wohne. Immerhin bestätigte mich der unverhoffte Besuch wieder einmal darin, dass alles gut so ist, wie es ist.
Zu den Freuden meines Alters gehört außerdem, dass endlich ein lange von mir ersehntes Produkt auf den Markt gekommen ist: das hülsenlose Küchenpapier. Ein echter Hoffnungsschimmer. Nicht nur für mich, sondern auch für die deutsche Wirtschaft.
Dienstag, 28. Juli 2026
Steuererklärung ohne Ende
Zu früh gefreut. Zwar hatte ich am Sonntag vorbildlich meine Steuererklärungen erledigt, musste aber noch die Kopien der Originale („für Ihre Unterlagen“) erstellen. Das hatte ich mir für gestern Abend vorgenommen. Nach technisch erzwungener Untätigkeit bei der Arbeit hatte ich mich schon fast aufs abendliche Kopieren gefreut - wenigstens irgendetwas Produktives am Tag. Gleich zu Beginn meldete der Drucker „Wenig Toner“. Darüber sah ich großzügig hinweg. Noch in der Mitte des ersten Jahres - und es waren insgesamt drei Jahre Steuererklärung - hieß es dann „Sehr wenig Toner“. Auch das ignorierte ich, schließlich bin ich Mutter. Hinzu kam ein oranges Blinken und seine Weigerung weiterzuarbeiten. Frustriert widmete ich mich dem Essen. Um anschließend mit Bauchschmerzen von übertriebener kalorischer Kompensation ins Bett zu gehen. Erfolgreiche Tage sehen anders aus. Entspannte Nächte auch.
Montag, 27. Juli 2026
Living on the Edge
Jedes Wochenende nehme ich mir wieder viel zu viel vor. Um dann Sonntagabend mit schlechtem Gewissen zu spät ins Bett zu gehen. Immerhin kann ich als Einschlafhilfe alles aufzählen, was ich nicht geschafft habe. Am gestrigen Sonntag, der ohnehin in jedweder Hinsicht trübtassig war, konnte ich zumindest mit einer Erfüllungsquote von etwa zwei Dritteln abschließen. Denn - Trommelwirbel - ich habe die Steuererklärung hinter mich gebracht. Und nicht nur die des letzten Jahres, sondern auch die des vorletzten und des vorvorletzten. Aus purer Boshaftigkeit - dem Finanzamt, den Anbietern und vor allem mir selbst gegenüber - pflege ich, wenn ich sie denn in Angriff nehme, sie vollkommen antiquiert mit Stift und Papier zu erledigen. Dabei musste ich gestern das Ableben eines Kugelschreibers beklagen, der vor lauter Steuer- und Identifikationsnummern, Namen und Geburtsdaten einen Schlussstrich ziehen wollte. Ich stelle mir vor, wie sehr sich Finanzbeamte freuen, wenn die Erklärungen von schwarzer Schrift ins Blaue wechseln. Wie jedes Jahr (oder zumindest jedes dritte) nehme ich mir vor, sie im kommenden, genau genommen diesem Jahr, hinter mich zu bringen, solange ich meine Steuernummer noch auswendig weiß und das Wetter für solche Aktivitäten taugt. Jedesmal wird mein Vorhaben allein dadurch torpediert, die Abrechnung der haushaltsnahen Leistungen erst frühestens im Mai des Folgejahres zu erhalten. Bis dahin müssen meine Wochenend-Projekte Fensterputzen, Ausmisten oder Versicherungsschutz heißen. Schon ziemlich dicht am Jetset-Leben.