Donnerstag, 13. Juni 2024
ÖPNV
Ich fluche oft und gerne über den HVV. In Düsseldorf muss ich feststellen: Er ist Goldstandard gegenüber den hiesigen Verhältnissen. So bekommt man niemanden vom eigenen Auto weg. 
Dienstag, 11. Juni 2024
Ausgestanden
Damit haben sie nicht gerechnet. Gestern bin ich aufgestanden, bevor der Altglascontainer geleert wurde. So. Unter der Dusche stört der Krach deutlich weniger. Dennoch glaube ich, dieser Trick wird kein dauerhaftes Erfolgsmodell für mich werden. Vom sehr frühen Aufstehen habe ich erst einmal genug, auch wenn es sich Donnerstag und Freitag arbeitsbedingt nicht vermeiden lassen wird. 
Nur gut, dass die Wahl im Juni lag. Da ist es selbst zu nachtschlafender Zeit hell. Als Wahlbezirksleitung war ich am Sonntag vor 7:30 Uhr vor Ort. Und trotzdem spät dran. Vor acht standen bereits einige Menschen vor der Tür und warteten auf Einlass. Damit hatten wir wiederum nicht gerechnet. So waren wir zwar technisch, aber gedanklich noch nicht vollständig vorbereitet. Auf das schnippische „Das hätte ich Ihnen vorher sagen können!“ eines Früh-Wählers reagierten wir trotz der Härte gegen den eigenen Biorhythmus nicht. Zu sehr service- und demokratieorientiert, um mit einem „Wenn Sie nur zum Meckern gekommen sind, entscheiden Sie sich doch lieber für Briefwahl.“ zu kontern. Kurioserweise riss der Zuzug der Menschen mit Wahlwunsch nie richtig ab. So blieben wir bis 18 Uhr mehr als ausreichend beschäftigt. Wenn sie insgesamt nicht so fordernd gewesen wäre, wäre die Wahlhilfe nur eine spannende Sozialstudie gewesen. Menschen, die sich überschwänglich für unser ehrenamtliches Engagement bedankten. Häufig ältere Menschen, die trotz körperlicher Gebrechen nicht briefwählen, weil sie sich über den Klönschnack freuen. Personen, die ungefragt in die Süßigkeitendose greifen, die ich eigentlich eher für wartende Kinder mitgebracht hatte. Personen, die lieber zweimal nachfragen, ob sie sich etwas nehmen dürfen. Kinder, die auch nach Aufforderung verhalten vor der Dose stehen und fragen, ob sie die Süßigkeit „für Milo mitnehmen“ dürfen. Dann etwas innehalten und auch uns einbeziehen, ohne dass wir ihn kennten („Ich glaube, Milo mag gerne Nougat?“). Wenn ich sie nicht ohnehin sehr liebte, wäre spätestens das der Moment gewesen, als die Tochter dem etwa elfjährigen Jungen bei der Auswahl half und sagte: „Ich glaube, jeder mag gerne Nougat.“ Dann wieder Eltern, die pampig werden, weil man sie auffordert, ohne das Grundschulkind in die Wahlkabine zu gehen („Fritz, du darfst kein Kreuz für mich machen, weil die Frau dich zu alt dafür findet. Dann nimm Dir jetzt was Süßes!“). Die Statuten sagen übrigens, dass nur Kleinkinder mit hinein dürfen. Die Mehrheit war freundlich und gut gelaunt. Was mit Sicherheit vor allem an der freundlichen Betreuung des Wahlhilfeteams lag. Am Ende war vor allem erfreulich, wie viele Menschen wählen gegangen sind und wie gut unser Team alle Situationen gemeistert hat. Auch wenn es lange gedauert hat, war zusätzlich erfreulich, sich nach 18 Uhr mit dem Auszählen und nicht mit den Gesamtergebnissen beschäftigen zu müssen. Warum können nicht alle so wählen wie in unserem Wahlbezirk? Gegen 22:30 Uhr war ich endlich zu Hause und nicht erfreut, wie anderswo gewählt wurde.
Es folgte gestern ein weiterer früher und vergleichsweise langer „Arbeitstag“, der der Bezirksversammlung gewidmet war bzw. der Auszählung. Auch diese Herausforderung hat das Team trotz widriger Umstände - Auszählung in einem kleinen, fensterlosen Kellerraum, in dem sich neben uns neun Personen und den notwendigen Tischen und Bänken auch diverse Materialien und Mülleimer befanden - bestens bewältigen können. Dass der Keller keinen Empfang hatte, führte zu einem Polizeieinsatz. Für die Wahlbezirksleitung ist Erreichbarkeit gefordert. Der Anruf des Bezirksamts ging ins Leere, anstatt auf meinem Mobiltelefon anzukommen. Und schwupps sah sich der Schulhausmeister mit einer Polizeistreife konfrontiert! Zum Glück ließ sich alles aufklären. Spätestens als ich - außerhalb des Kellers, zum Unmut der Lehrkräfte in der Cafeteria (handyfreie Schule, „Vorbildfunktion“) - telefonisch die Ergebnisse ans Wahlamt durchgab. Nachdem alles getan war, fühlte ich mich erschöpft wie nach einem Marathon. Zumindest stelle ich mir den Zustand so vor. Im Grunde war es einer.
Doch jetzt gilt: Nach der Wahl ist vor dem Spiel.
Freitag, 7. Juni 2024
Herausgelassen
Nach zu wenigen echten Sozialkontakten und zu viel Arbeit fühlte ich mich diese Woche bis heute Nachmittag vor allem alt, ausgelaugt und hässlich. Wieso ich, nun wirklich nicht mehr juvenil, zum Wochenende einen Pickel im Gesicht bekommen muss, erschließt sich mir nicht. Seit unserem Check-Termin im Wahllokal ging es aufwärts. Ehrenamt als Ego-Boost. Der zuständige Schulhausmeister war wieder kooperativ und auffallend nett. Ich neige dazu, meine langjährig erarbeiteten Vorurteile gegenüber diesem Berufszweig über den Haufen zu werfen. Anschließend nur noch ein wenig Arbeit, um dann ein Kaffee-Date einzulegen; darin enthalten sogar ein paar Komplimente. Ein weiteres Highlight folgte beim Einkaufen, vielmehr danach. Am Eingang des U-Bahnhofs posierten vier junge Männer. Ich wollte nur schnell zwischen ihnen durchgehen, als mich einer von ihnen fragte: „Wollen Sie mit auf unser Foto?“ Ich verneinte mit dem Argument, meine Haare sitzen nicht so gut. Er versuchte mich zu überreden, warum auch immer. „Sie sehen so schön aus!“ Ich weiß nicht, was mit weniger derangierter Frisur und ohne Pickel möglich gewesen wäre. Da ist mir doch ein langweiliges Länderspiel egal.
(Bildmaterial natürlich nicht vom Länderspiel)
(Bildmaterial natürlich nicht vom Länderspiel)
Freitag, 31. Mai 2024
Waren-Termin-Geschäfte
Der Druck spitzt sich zu. Viel Arbeit empfinde ich als normal. Doch unterdessen lässt sich alles daneben nur unzureichend mit Freizeit ausdrücken. Heute muss ich beispielsweise zusehen, spätestens um 17 Uhr den Feierabend einzuläuten. Nicht etwa für Müßiggang; stattdessen findet dann die Eigentümerversammlung statt. Eine Veranstaltung, die hirntot vermutlich leichter auszuhalten wäre. Das anschließende Abendprogramm habe ich vor allem deswegen gewählt, weil es mich zwingt, nach knapp drei Stunden den Ort zu wechseln. Morgen folgen dann die Vorbereitungen auf das Testspiel für die EM. Parallel muss ich mich durch die etwa hundertseitige Geschäftsanweisung für Wahlvorstände arbeiten und die letzten Beisitzenden ins Boot holen. Nur noch eine gute Woche bis zur Europawahl. Doch was mich am meisten unter Druck setzt: Auch bis zum Fußball-Highlight sind es nur noch zwei Wochen. Währenddessen laufen hier schon Kinder mit dem Away Jersey an mir vorbei und ich komme nicht dazu, ebendiese für unsere Maskottchen herzustellen, obwohl ich nach intensiver Suche schon alle Materialien dafür vorliegen habe.
Mittwoch, 29. Mai 2024
Wie früher
Endlich haben die Entsorgungsfachkräfte ihren Schlendrian hinter sich gelassen und leeren die Glascontainer neben meinem Ohr wieder montags vor sieben Uhr. Wurde auch Zeit, sich langsam an die Sommerzeit zu gewöhnen. Apropos Sommer: Genauso vertraut ist die Vorfreude auf das kommende Fußball-Event. Mir ist vollkommen egal, ob das Turnier im eigenen Land stattfindet oder wie weit die deutsche Mannschaft kommt. Das gemeinsame Fußballgucken in großer Runde ist für mich der eigentliche Spaß. Stolz kann ich zudem verkünden, dass mein Stickeralbum so gut wie vollständig ist. Der Sohn rollt zwar die Augen darüber, ist aber der Erste, der mit größter Freude die Tütchen aufreißt und mir Geschichten zu den jeweiligen Spielern erzählt. Fast so schön wie die kommende EM waren die letzten Entscheidungsspiele, die wir wie in alten Zeiten in Mutter-Sohn-Zweisamkeit vor dem guten alten Fernseher verbrachten. Ich konnte viel Wissen abschöpfen, mit dem ich während des Events brillieren werden kann. Nicht nachzuvollziehen war lediglich, dass der Sohn mein Fortuna-Brötchen-Angebot anlässlich des ersten Relegationsspiels ablehnte. Situatives Catering kann ich. Das Publikum muss sich nur darauf einlassen. Zu seiner Ehrenrettung muss ich sagen, Süßes ist meist nicht so seins.
Unterdessen bleiben nur noch wenige Tage bis zum Anpfiff - und noch weniger bis zur Europawahl. Mal sehen, ob wir zwischendrin die Generalprobe zum Champions League-Finale bestehen. Aufregende Zeiten.
(Copyright by Demnächst-Geburtstagskind)
(Copyright by Demnächst-Geburtstagskind)
Freitag, 17. Mai 2024
Neu im Business
Wieder einmal kann ich, anders als das fortgerückte Alter vermuten lässt, diverse erste Male verzeichnen. Zum einen kann ich mich erstmalig stolze Besitzerin einer Heizungsbürste nennen. Diese habe ich einem Kaufrausch bei Karstadt, das unterdessen natürlich Galeria heißt, zu verdanken. Sie musste sogleich ausprobiert werden. Mein Anfängerfehler: Erst beim vorletzten Heizkörper auf die Idee zu kommen, eine Maske aufzusetzen. Haut und Atemwege haben sich noch immer nicht erholt. Zum anderen durfte ich das Novum erleben, wie es ist, zum Feierabend im Supermarkt an der Kasse zu stehen und kein Geld dabei zu haben. Auch die olle EC-Karte, die ich in den Tiefen meines Rucksacks fand, war nur das, was sie schien, nämlich unbrauchbar. Nur die spanische Grundierung meines Gesichts übertünchte mein Rotwerden, vermute ich. Dabei waren alle Umherstehenden inklusive des Kassierers freundlich und verständnisvoll. Vielleicht war es mir deswegen sogar noch peinlicher. Nachdem der freundliche Kassierer geklärt hatte, dass ich nicht allzu weit entfernt wohne, durfte die Ware (mit Ausnahme der Tiefkühlfrüchte) neben ihm liegen bleiben, bis ich solvent zurück sein würde. Mit getarnter Schamesröte machte ich mich schnell auf den Weg. Um weitere Zeit zu sparen, nahm ich sogar hin und zurück (oder zurück und hin?) für eine Station die U-Bahn. Geld und brauchbare Karten befanden sich wie erwartet in der kleinen Tasche für Telefon und Kleinkram, die man jetzt in Hongkong so trägt. Ein frisch importiertes Geschenk der Nachbarn zum Geburtstag, das ich seitdem oft und gerne nutze, aber an dessen Einsatz ich mich offenkundig noch nicht vollständig gewöhnt habe. Bei meiner Rückkehr an besagte Kasse - Welche war es nochmal? Natürlich die mit der längsten Schlange. Ich hätte mich nicht so hetzen müssen. - war die Peinlichkeit einer Überhitzung gewichen. Wie gut, eine Packung Tiefkühlobst mein Eigen zu nennen! Damit lassen sich echauffierte Gesichter wunderbar herunterkühlen. Zumindest so lange, bis die rote Himbeer-Tau-Suppe nicht hinausläuft.
Ein weiteres erstes Mal: Der Besuch einer Rooftopbar in der Hafencity. Am Ende kann ich mit ihr vielleicht doch meinen Frieden machen?
Donnerstag, 9. Mai 2024
Bestimmt!
Zurück liegen Tage im Schweinsgalopp, in denen die viele Arbeit lediglich durch andere Aufgaben unterbrochen wird. Hoffentlich. In sehr zweckoptimistischer Betrachtung muss ich für diese gelegentlichen Störungen dankbar sein. 
Für die Handwerker, die mich aus dem Call holten, weil meine Blumentöpfe und mein Balkonkraftwerk sie bei der Ausübung ihrer Tätigkeit hinderten. Dass Gleiches für sie und mein Tun galt, störte sie nur bedingt. Nachdem wir gegenseitig unsere Claims abgesteckt hatten, konnten wir fast freundschaftlich vereint das Solarpaneel demontieren und auf meinen Gartentisch legen. Wir waren gar so traut, dass ich die bärtige, erfahrene Fachkraft rügen konnte, als sie meinte, Justin (der männliche Azubi) solle diese oder jene Aufgabe übernehmen, weil er weniger wiege als die weibliche Auszubildende. Zu meiner Belustigung trug bei, den gestandenen Mann aufgrund meines Einwurfs wiedergutmachendend stammeln zu hören. Die K-Pop-Musik (Zugeständnis an die beiden Azubis?), die über allem dröhnte, weniger. Insgesamt waren wir uns sogar so gut, dass der andere Kollege nach getaner Arbeit die Photovoltaikanlage alleine anbrachte und dies mit den Worten kommentierte, mein Strombetreiber habe sie angerufen, auf dem Tisch liegend speise das Paneel viel zu viel ins Netz ein. Hätte mich die Arbeitsunterbrechung gestört, wäre jetzt spätestens der Moment gewesen, in dem sie es nicht mehr getan hätte.
Eine weitere Auszeit gewährte die Schulung zur Wahlbezirksleiterin, derentwegen ich bereits vor 18 Uhr Feierabend machen konnte. Eine wohltuende Abwechslung zu einigen Tagen davor. Ich schreibe es meiner Menschenkenntnis zu, meine angehende Stellvertreterin bereits im Fahrstuhl detektiert zu haben (zu meiner Entschuldigung: der Saal der Bezirksversammlung liegt im 11. OG), obwohl ich sie nicht kannte oder je ein Bild von ihr gesehen hatte. Nach zwei Stunden Präsentation mit beeindruckendem Ausblick auf die Stadt darf man mich unterdessen zu allen Zweifelsfällen befragen. Ich referiere gerne über das Heilungsverfahren.
Weniger willkommene Abwechslungen sind die haushaltsnahen Leistungen. Eigentlich hätte die gesamte Wohnung den saisonal angezeigten Putz nötig. Ich schreibe es wiederum meiner Erfahrung zu, mir nach einem 10-bis-12-Stundentag keine Putzaktionen mehr vorzunehmen, um nicht das schlechte Gewissen planmäßig einzubauen. Es reicht die Belastung, das Job-Kennwort ändern zu müssen. Dafür sollte der Feiertag gut sein, heiliger Geist und so.
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