Freitag, 3. Juli 2026

Gruppenreise

Schön ist es, wenn man beruflich eine Art Klassenfahrt unternehmen darf. Ohne dabei die Lehrerin sein zu müssen. Leider hatte ich entschieden, vor der gemeinsamen Hinfahrt der Klasse den Weg in den Südwesten anzutreten. Keine richtig gute Idee. Auf die Bahn einzudreschen, ist mir zu sehr Mainstream. Aber sagen wir so, knapp 400 Kilometer in sechs Stunden zurückzulegen, kann keine Werbung für den öffentlichen Personenverkehr sein. Noch weniger überzeugte die Idee, die Nacht im Haus der Mutter zu verbringen, während diese in Hamburg weilt. Eine überraschend einsamer Abend, von der Nacht gar nicht zu sprechen. Am nächsten Morgen überzeugte die Fahrt zum Event-Ort ebenfalls nicht. Anderthalb Stunden für fünfzehn Kilometer vermitteln fast das Gefühl, zu Fuß schneller am Ziel gewesen zu sein. Vor Ort entschädigte immerhin einiges für die etwas beschwerliche Anreise. Vor allem, wenn zwei Geschäftsführer nicht scheuen, sich vor 2.000 Menschen als Modern Talking-Plagiat auf die Bühne zu stellen und ihre eigene Interpretation von Brother Louie zu intonieren. Einziger, klitzekleiner Kritikpunkt: „Thomas Anders“ fehlte das Nora-Kettchen. Ein weiteres Highlight nach den vorangegangenen Erfahrungen, abends vom netten Kollegen mit dem Auto bis vor die Haustür gefahren zu werden.

Wenn ich schon dachte, mit der sechs Stunden währenden Hinreise schlecht bedient gewesen zu sein, weiß ich nun, vom Höchstsatz war ich noch um Längen entfernt. Um es noch ärger zu zu erwischen, muss zunächst einmal der eigentliche Zug ausfallen. Dass der Ersatzzug, der lediglich zwanzig Minuten später als geplant abfuhr, nur halb so lang war, versteht sich von selbst. Die Reservierungen waren natürlich perdu. Als Nächstes - was uns bis zum Einstieg nicht bewusst war, dass Hamburg an diesem Wochenende Austragungsort schlimmster Veranstaltungen sein würde, vom Schlagermove und von zwei Helene Fischer-Konzerten. Kein Sitzplatz und massenhaft umringt von fragwürdige Musik johlenden, je nach Geschlecht sekt- oder biertrinkenden Mitreisenden, genau meine Vorstellung vom Glück. Vor allem, wenn sich die Weiterfahrt in Bremen laut der Zugchefin verzögert, weil die Polizei darüber informiert wurde, es befinden sich „alkolisierte… äh… alkoholisierte Personen an Bord unseres Zuges“. Eigentlich nicht vorstellbar. Aber wie ich gestern auch gelernt habe: „Die Wahrheit ist, dass die anderen lügen.“ Die Arbeit, die ich für die Zugfahrt vorgesehen hatte, lässt sich problemlos in Hamburg erledigen. „Der Beginn des Wochenendes verzögert sich um viereinhalb Stunden. Grund hierfür ist verspätet eingetroffenes Personal.“

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