Jedes Wochenende nehme ich mir wieder viel zu viel vor. Um dann Sonntagabend mit schlechtem Gewissen zu spät ins Bett zu gehen. Immerhin kann ich als Einschlafhilfe alles aufzählen, was ich nicht geschafft habe. Am gestrigen Sonntag, der ohnehin in jedweder Hinsicht trübtassig war, konnte ich zumindest mit einer Erfüllungsquote von etwa zwei Dritteln abschließen. Denn - Trommelwirbel - ich habe die Steuererklärung hinter mich gebracht. Und nicht nur die des letzten Jahres, sondern auch die des vorletzten und des vorvorletzten. Aus purer Boshaftigkeit - dem Finanzamt, den Anbietern und vor allem mir selbst gegenüber - pflege ich, wenn ich sie denn in Angriff nehme, sie vollkommen antiquiert mit Stift und Papier zu erledigen. Dabei musste ich gestern das Ableben eines Kugelschreibers beklagen, der vor lauter Steuer- und Identifikationsnummern, Namen und Geburtsdaten einen Schlussstrich ziehen wollte. Ich stelle mir vor, wie sehr sich Finanzbeamte freuen, wenn die Erklärungen von schwarzer Schrift ins Blaue wechseln. Wie jedes Jahr (oder zumindest jedes dritte) nehme ich mir vor, sie im kommenden, genau genommen diesem Jahr, hinter mich zu bringen, solange ich meine Steuernummer noch auswendig weiß und das Wetter für solche Aktivitäten taugt. Jedesmal wird mein Vorhaben allein dadurch torpediert, die Abrechnung der haushaltsnahen Leistungen erst frühestens im Mai des Folgejahres zu erhalten. Bis dahin müssen meine Wochenend-Projekte Fensterputzen, Ausmisten oder Versicherungsschutz heißen. Schon ziemlich dicht am Jetset-Leben.
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