Mittwoch, 11. Oktober 2017
Mental Hangover
Der gestrige Tag geht nicht nur als der 17. Geburtstag des Sohnes oder als internationaler Tag des Hundes in die Annalen ein. Es ist auch der Tag, an dem der Klempner endlich Zeit für uns hatte. Und es auch der Tag, an dem ich ihn umsonst bestellte. Denn die seit Wochen defekte Toilettenspülung beschloss, pünktlich zum Besuch des Fachmannes wieder ihren Betrieb aufzunehmen. Ohne irgendwelche Einschränkungen. Ich denke, ich sollte meine Haare blond färben. Passt auch super zum rot gewordenen Gesicht.
Dienstag, 10. Oktober 2017
Der Jubilar
Manchmal bin ich beeindruckt, wie sehr meine Kinder wie ein Ehepaar nach der Diamantenhochzeit wirken. Als ich das Glück hatte, die Tochter vor nicht allzu langer Zeit einmal zu sehen, erkundigte ich mich bei ihr, ob sie schon ein Geschenk für ihren Bruder habe. "Wir schenken uns nichts", war ihre Replik. Geht es noch protestantisch-freudloser? Gestern fragte sie mich dann (wieder wie üblich via dreiminütiger WhatsApp-Sprachnachricht, an der alle Kollegen teilhaben konnten, weil der Sohn mir natürlich den Kopfhörer gemopst hat), ob ich glaube, dass es ok sei, wenn sie erst im Laufe des Tages zum Geburtstag ihres Bruders erscheine. Sie sei von ihrer Freundin - nach einem unmenschlich langen Monat Abwesenheit gerade erst wieder zurück in Hamburg - zum Nick Cave-Konzert eingeladen. Da werde es sicher später und dann sei es besser, wenn sie bei ihrem Freund übernachte. Das sehe ich doch auch so? Wer wollte so vielen Worten widersprechen? Nach einigen Jahren des Zusammenlebens sollte das kein Problem sein. Eine Assistenz bei der Vorbereitung hatte ich ohnehin nicht erwartet. So ging es nach der Arbeit im Schweinsgalopp zum Einkaufen, Kuchenbacken, Dekorieren. Ich legte dem Sohn nahe, er wolle am Vorabend seines Geburtstages doch bestimmt früh ins Bett gehen. Er hatte noch eine viel bessere Idee: er verbringe den Abend in der Wohnung seiner Großeltern, in der aus Gründen zufällig gerade sein Freund untergebracht ist. Auch gut. So konnte ich ungestört wirtschaften. Irgendwann kam dann doch der kleine Junge in ihm durch, als er an der Wohnungstür klingelte, sich (ungelogen!) die Augen zuhielt und mich bat, ihm Schlafsachen zu geben, damit er auch im Exil übernachten könne. Blind taperte er ins Badezimmer, um sich dort noch die Zähne zu putzen. Ich musste an mich halten, um die asiatische Gesichtsbeherrschung zu wahren und um ihm zum Pyjama nicht noch ein Kuscheltier mitzugeben.
Montag, 9. Oktober 2017
First Things First
Gestern hatte ich ungewohnt hohen Besuch (und ich im Räuberzivil ohne auftoupierte Haare!). Die Tochter und ihr Freund fanden sich ein. Wahrscheinlich lag ihr Auftritt daran, dass ich in der vorangegangenen Nacht von ihnen träumte: Sie hatten beschlossen zu heiraten. Ich wunderte mich nicht sonderlich. Ich fand nur, dass es nun aber endlich Zeit werde, seine Eltern kennenzulernen. Im Grunde meines Herzens weiß ich, dass ich die Ehre eher ausgehender Wäsche zu verdanken habe und der Freund der Tochter wahrscheinlich anbot, sie mit dem Auto in ihre vermeintliche Homebase zu fahren. So oder so, ich freute mich. Nicht nur, weil die Tochter Ordnung machte und der nette Freund sich andiente, die abgebrannten Feuerzeuge des Haushalts mit Kraftstoff aufzufüllen. Währenddessen echauffierten sie sich unisono über Dreck und Unordnung ihrer jüngeren Geschwister. Es gibt da wohl einige Parallelen zwischen dem Sohn und der Schwester des Freundes. Als Zweitgeborene konnte ich nur mäßig mitreden.
Was ich sagen kann: dass ich heute früh natürlich ihre Gläser, Tassen und Kannen wegräumte. Sie übernachteten wie üblich bei ihm.
Sonntag, 8. Oktober 2017
Audimax
Ein Wochenende, das man zur Hälfte mit Werkspionage verbringt, ist nicht nur gefühlt ein sehr kurzes. Vor allem, wenn die Spionagetätigkeit ein Aufstehen vor der Zeit bedeutet.
Nicht schlecht, was die Kollegen da aufgefahren haben. Wenn auch organisatorisch Luft nach oben gewesen wäre.
Jedwede Uni versprüht ihren eigenen Charme. Irgendwie hat man die schlechte Luft dort und ebendiesen Zustand der Toiletten erfolgreich verdrängt.
Was der Wettbewerb offenkundig nicht so gut kann, ist das mit den weiblichen Führungskräften. In einem "Panel" namens "Chefinnensache" fährt die stellvertretende Chefredakteurin ihren Kolleginnen des Öfteren in die Parade. Sie versprüht den Charme unserer Heimleitung. Besonders, als sie das gerade etwas unruhig gewordene Auditorium anherrscht (sic!): "Meine Worte verdienen es, gehört zu werden!" So etwas denkt man maximal, aber spricht es doch nicht aus.
Wenn am Ende der Becher aus der Goodie Bag ausläuft (klebriger Inhalt - Ehrensache!), kann man bei allem Wohlwollen nicht von einer hundertprozentig gelungenen Veranstaltung sprechen.
Freitag, 6. Oktober 2017
Tagesbilanz
Man merkt, dass es nicht hundertprozentig der eigene Tag wird, wenn einem am Morgen durch die Ungeschicklichkeit einer Kollegin (garantiert nicht vorsätzlich!) eine schwere Tür vor den Körper knallt und der Türgriff genau und mit voller Wucht den Beckenknochen trifft. Man merkt, dass der Tag nicht vollkommen verloren ist, wenn es die andere Seite, also nicht die ohnehin angeschlagene, erwischt hat. Asiatische Gesichtsbeherrschung war es trotzdem, denn auch links tat es einigermaßen weh.
Es passte in den Verlauf des Tages, dass ich abends mindestens sechs Bahnen in die Gegenrichtung fahren sah (nach der sechsten hörte ich vorsichtshalber auf zu zählen), ehe die richtige kam. Diese war dann natürlich krachvoll. Und blieb - ölsardinig wie sie war - erst einmal ein paar Minuten im Bahnhof stehen, ehe sie loszuckelte. Ich wünschte mich nach London, wo der Fahrer durchgibt, dass sich seine Schwiegermutter an der vorletzten Kellertreppe den linken (ein Glück!) großen Zeh angestoßen hat, er sie erst einmal zum GP bringen musste, dort lange Wartezeit in Kauf nehmen musste - NHS, man kenne das - und deswegen seinen Dienst erst verspätet antreten konnte. In Hamburg: kein Wort der Erklärung. Stattdessen lediglich eine Anzeige am Gleis, die immer wieder die Zeit zurückdreht.
Doch ich will nicht jammern. Ich bin nahezu unverletzt durch den Tag gekommen. Als ich endlich zuhause ankam, mahnte mich der Sohn an mein Versprechen, ihm vegane Spätzle zuzubereiten. Ich hatte ihn am Vorabend immerhin herunterhandeln können, dass er diese erst am Folgeabend bekommen werde und nicht schon am Morgen. Es gibt nichts, was ich mir gegen 20 Uhr nach einem vollgepackten, stürmischen Tag mehr wünsche, als klebrige Masse in kochendes Wasser zu hobeln, das Produkt in eine Auflaufform zu schichten und mit angebratenen Zwiebeln und Pilzen zu garnieren. Der Tag war nicht nur schlecht: es schmeckte ganz brauchbar.
Donnerstag, 5. Oktober 2017
Saisonales Grummeln
Es muss wohl Herbst sein. Jeden Morgen vergesse ich, mir Strümpfe aus dem Schrank zu holen. Diese Routine sitzt nach fünf Monaten Sockenabstinenz noch nicht wieder. Morgens ist es stockfinster, wenn der Wecker klingelt. Überhaupt frage ich mich, warum ich mich nachts oft schlaflos hin und her werfe, während ich nach dem Weckerklingeln ohne Probleme stundenlang fest schlafen könnte. Wahrscheinlich knallen am frühen Morgen kaum noch Eicheln auf Autodächer; die sind ja bereits in der Nacht alle lautstark heruntergefallen. Sie verhalten sich ähnlich wie meine nachtaktiven Mitbewohner, deren Umtriebigkeit auch spätestens gegen sechs Uhr morgens endet. Um mit dem Genörgel weiterzumachen: in diesem Jahr konnte noch kein einziger Monat überzeugen. 2017, es bleiben nicht mehr viele Monate übrig! Mir fehlt das Vorstellungsvermögen, dass mich das Novemberwetter für sich einnehmen wird. Aber wahrscheinlich bin ich nur phantasielos. Immerhin ein Lichtblick: die katalanische Flagge, die sich der jüngere der beiden Nachtaktiven zum baldigen Geburtstag wünschte, könnte sich erübrigt haben. Bei allem Engagement für die Sache betrübt ihn nun, dass sich die Katalanen keine Gedanken gemacht zu haben scheinen, wie sie die Unabhängigkeit organisieren wollen. Selbst globalisierte Sechzehnjährige können wahrscheinlich ihren preußischen Hintergrund nicht vollständig abschütteln.
Mittwoch, 4. Oktober 2017
Feiertage
Der Nachteil an diesem Fake-Sonntag war, dass ihm kein Sonnabend voranging. Der Vorteil, dass ihm eine überraschend kurze Woche folgt. Außerdem gut, dass ich die Brut mal wieder live erleben konnte. Die Tochter freute sich, dass sie "sich mit ihren Haaren wieder wohlfühle". Das Haarschneide-Tutorial war nicht so gut. Ich empfehle ohnehin eher ein "Wie geht das mit Briefen und der Post (also nicht elektronisch)?". Sie fand, sie sah anschließend aus "wie Joan Jett" (wirklich ihre Worte; ich schwör'!). Die neue Farbe brachte es. Betretene Mine, als ich meinte, ich fühle mich mit ihren neuen Haaren nicht ganz so wohl, weil das Badezimmer seit ihrer Färbe-Aktion irreversibel verändert sei. Man merkt, dass sie doch schon erwachsen geworden ist. Sie rannte auf meine Kritik (vollkommen ungerecht natürlich) nicht sofort schmollend in ihr Zimmer.
Der Sohn ist von diesem Entwicklungsstadium noch ein wenig entfernt. Wie ein Dreijähriger wechselt er im Moment minütlich seine Geburtstagswünsche. Mal ist es ein Mantel, mal sind es Hosen oder Kopfbedeckungen. So kann ich schlecht arbeiten - zumal es nur noch sechs Tage bis dahin sind. Einzige Konstante in seinen Wünschen: seine Solidarität mit den Katalanen zum Ausdruck zu bringen, am besten garniert mit einer Katalonien-Flagge ("aber nicht, wenn sie teuer ist"). Die machte sich bestimmt auch super, wenn er seine selbstverfassten Lieder in Landessprache vorträgt.
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