Eierkopp und Helga
Montag, 31. März 2025
Was ist los?
Eben erst wurden die Glascontainer geleert. Darüber hätte ich selbst unter Winterzeitbedingungen kaum meckern können. Eine mañana- oder zumindest eine más tarde-Mentalität in der Hansestadt? Wunderte mich nicht. Schließlich muss ich hier im Norden ins Schwimmbad gehen, um Wasser live zu erleben, während es in anderthalb Wochen Spanien oft und gerne ungefragt von oben - oder noch schlimmer: von der Seite - kam. Auch die Temperaturen unterscheiden sich höchstens am Abend. Dass ich das noch einmal sagen würde: In Hamburg herrscht - anders als im Süden - anständiger Frühling. Wenn ich schon nicht altersgemäß die Müllabfuhr anprangern kann, beklage ich, dass das schöne Wochenende um eine Stunde verkürzt wurde, während das blöde im Herbst, das kein Mensch braucht, eine Stunde länger sein wird.
Dienstag, 25. März 2025
Temps de Mars
Wenn die Sonne scheint, kann sie etwas. Es ist schließlich März. Aber für meinen Geschmack zeigt sie sich ein wenig zu selten. Ich habe schon einige Märzferien hier im Süden verbracht, aber kann mich nicht an so viele Wolken, Regen und niedrige Temperaturen erinnern. Kein Tag, an dem sich durchgängig gutes Wetter hält. Auch wenn der Ort diese Woche aus seinem Winterschlaf zu erwachen scheint und selbst das präferierte Café Bombón-Hotel mit nur zehntägiger Verspätung (“cerrado de 8/12/2024 hasta 15/3/2025”) nun wieder geöffnet hat, habe ich gestern Nachmittag eine Mutter mit Kinderwagen gesehen, die ihre am Griff vormontierten gefütterten Fäustlinge tatsächlich genutzt hat. Auch Hunde tragen selbstverständlich Mäntelchen, wenn man sie in die unmenschliche Kälte schickt. Mützen, Schals und Daunenjacken sind ohnehin in Dauernutzung. Bliebe ich länger hier, reihte ich mich vielleicht sogar in diejenigen, die bei den ersten Tropfen Regen die Schirme aufspannen und mit verdrießlicher Miene durch die Gegend laufen. So denke ich - nicht ganz wahrheitsgemäß - eben doch: “Wir sind aus Hamburg, nicht aus Zucker.”
Mittwoch, 19. März 2025
Endlich
Nach zwei vollständig grauen und ins Wasser gefallenen Tagen hier im Süden ist heute zumindest Struktur am Himmel zu erkennen. Die urdeutschen Tugenden wie Backen, Heizen und Staubsaugen können zunächst einmal zur Seite geschoben werden. Unterdessen muss ich nicht mehr neidisch auf die Frühlingshochburg Hamburg blicken, denn ein paar Sonnenstrahlen verirren sich auch hierher. Vor allem für die Einheimischen ist dieser Wetterwechsel - fast zum Guten - ein Segen; ist doch heute der höchste von gefühlt zweihundert örtlichen und nationalen Feiertagen. In ganz Spanien findet am 19. März der Vatertag statt. Eine kuriose Entscheidung, ihn genau auf den St. Josef-Tag zu legen. Für mich wäre das eher der Kuckucksvatertag, aber was weiß ich schon. Abgesehen vom Hochprozentigen gibt es schließlich auch keinen mir bekannten Bezug zwischen Vätern und Himmelfahrt. Für die Region ist jedoch viel wichtiger, heute den Abschluss ihrer Fallas zu begehen. Dieses Jahr wird es doppelt spektakulär, weil nicht nur die Figuren der Umzugswagen verbrannt werden, sondern auch das traditionelle Feuerwerk stattfindet, das gestern wegen Regens um einen Tag verschoben wurde. Ich bin gespannt, ob morgen mit doppelter Aschermittwoch-Stimmung zu rechnen sein wird. Meine Prognose: Spätestens zum Länderspiel Niederlande - Spanien, Anpfiff 20:45 Uhr, ist der Kater vergessen. Dann muss zum Glück nicht mehr so fein unterschieden werden wie am Sonntagabend, als Atlético gegen Barça spielte, und man als anständige/r Valencianer/in selbstverständlich für die gestreiften Madrilenen sein musste. Ein Konterbier in der Kneipe hilft morgen wahrscheinlich auch.
Dienstag, 4. März 2025
Geschafft
Gestern morgen störte es mich ausnahmsweise kein bisschen, dass die Glascontainer neben meinem Ohr wieder einmal um 6:30 Uhr geleert wurden. Ich war ohnehin schon wach. Nicht freiwillig, sondern weil das Auszählen rief. Und das, obwohl wir erst ein paar Stunden vorher ein vorläufiges Ergebnis durchgegeben hatten. Sogar zweimal: einmal an die Wahlstelle und einmal an die Forschungsgruppe Wahlen. Auf letzteres hätten wir gut verzichten können, war doch die Abgeordnete der Meinungsforschung eine unangenehme Person. Zunächst meldete sie sich nicht zum vereinbarten Zeitpunkt. Ich hoffte daraufhin - vergebens -, sie werde wegbleiben. Nach über zehn Stunden ehrenamtlicher Arbeit mit etwa 400 Wählerinnen und Wählern, so nett sie im Einzelnen auch sein mochten, wäre ich für jede Person weniger dankbar gewesen. Doch sie kam. Ich maßregelte mich selbst gedanklich, als sie sich „legimitierte“: „Sei nicht so kritisch, ist auch ein schweres Wort.“ Als sie dann jedoch mehrfach seufzend aufrief, sie habe ihr Buch vergessen, ob jemand von uns etwas zu lesen habe, ihr werde sonst die ganze Zeit langweilig sein, wärmte sie nicht unbedingt mein Herz. Nicht so wichtig, im Gegensatz zum Tag war uns unterdessen vom Wahlurne Leeren und Stimmzettel Sortieren nicht mehr kalt. Als sie nach weiterer Klage über fehlende Lektüre zunächst nach einem Stift und dann nach einem Getränk verlangte, war es allmählich um meine Geduld geschehen. Wo sie sich etwas zu trinken besorgen könne? Nörgelnd befand sie den nächstgelegenen Kiosk als zu weit entfernt und den Wasserspender nutzlos, da wir ihr - empörend! - kein Behältnis zur Verfügung stellen konnten. Irgendwann ging sie unter Klagen, um sich etwas zu besorgen. Währenddessen musste ich nicht nur ein Auge auf die Stimmzettel, sondern auch auf die Tür werfen, die nach 18 Uhr verschlossen war, um sie wieder hereinzulassen. Irgendwann kam sie mit einer Bierflasche zurück. Macht sich in einer Schule immer gut. Sie habe in ihrem Auto noch eine Pfandflasche gefunden. Ist klar. Von da ab störte sie den Betrieb nur noch kurzzeitig, wenngleich regelmäßig. Wie ein kleines Kind auf langer Fahrt bohrte sie zwar nicht, wann wir da seien, aber wann sie Ergebnisse bekomme, dass wir uns ihretwegen zu beeilen und die richtige Reihenfolge einzuhalten haben. Mein Stellvertreter wurde schließlich etwas lauter, während ich nur noch mantramäßig die Schwachgeistenantwort gab, es brauche so lange, wie es brauche. Irgendwann gegen Ende brachte sie mich vollends aus dem Zähl- und Addiermodus, als sie mit dem Telefon am Ohr meinte, sie habe ihre Auftraggeber am Rohr und jetzt müssten wir aber wirklich mal etwas durchgeben. Die Ergebnisermittlung verzögerte sich dank dieser Aktion noch ein wenig. Was wir ihr mitteilten. Ebenso wie die Stimmverteilung drei Minuten später. Eigentlich wollte ich erst das Amt informieren und sie warten lassen. Dann siegte die Vorstellung, sie früher loszuwerden. Müdigkeit und Erschöpfung mögen die Toleranzschwelle senken, aber nicht vollständig das Denken hemmen.
(So schön ist Hamburg nach der Wahl.)
(So schön ist Hamburg nach der Wahl.)
Freitag, 28. Februar 2025
In Hamburg sagt man Tschüß
Unterdessen träume ich jede Nacht von Wahlen. Ich finde, ich hätte mir zumindest in dieser kurzen Phase eine Auszeit verdient, doch mein Unterbewusstsein scheint anderer Meinung zu sein. Was soll es auch anderes tun, wenn neben bezahlter Arbeit zwischen den beiden Wahlen tagesfüllende Organisation ansteht?
Heute Nacht bewegte mich beispielsweise die Frage, ob Peter Tschentschers afghanische Mutter (wusste ich gar nicht!) in unserem Wahlbezirk für die Wahl zugelassen ist. Das wiederum hatte viele ermüdende Telefonate mit dem Wahlamt zur Folge. Nennt mich Seherin, wenn genau dieser Fall am Sonntag eintritt.
Dienstag, 25. Februar 2025
Nach der Wahl ist vor der Wahl
Wo war eigentlich dieses Wochenende, von dem alle immer sprechen? Bei mir hielt es leider keinen Einzug. Am Sonnabend musste ich zwar bloß ins Bezirksamt, um Unterlagen abzuholen, ins Wahllokal, um Tische und Stühle zu rücken und Pappkabinen aufzubauen, zur Bank, um passende Scheine für die Aufwandsentschädigungen zu besorgen, und zu Hause einen Kuchen fürs Team zu backen sowie die Süßkram-Boxen für die Wartenden zu beschicken. Doch am Sonntag folgte die ununterbrochene 14-Stunden-Schicht im Wahllokal, die zu meinem Leidwesen bereits kurz nach sieben Uhr morgens, manche sagen auch: nachts, begann. Sicher, die Zeit verging noch schneller als an einem herkömmlichen Wochenende, die Stimmung war allzeit gut bei uns und es hat oftmals Spaß gebracht. Dennoch startete ich die Woche verschlafener als üblich. Bin gespannt, wie sich die Steigerung zu Beginn der nächsten Woche anfühlen wird. Am Ende bestimmt alles wie weggeblasen, wenn ich einen Handschlag o.ä. vom Ersten Bürgermeister bekomme. Wenn nicht, lege ich diesen Ehrenamt-Marathon nie wieder ein.
Donnerstag, 13. Februar 2025
Ein Tag
What a Diff‘rence a Day Makes. Keine 24 Stunden vergangen und schon sieht alles unvorstellbar anders aus. Und fühlt sich vor allem anders an. Schnee zur Begrüßung passt zwar wunderbar zu meinem in Watte gehüllten Hörvermögen (Flug und Schnupfen, keine Traumkombi), wäre aber meinetwegen nicht nötig gewesen. Ich glaube, ich bestelle ihn ab.

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