Freitag, 30. Juli 2021

Sort of Flamingo Friday

Irgendwie war klar, dass bundesweit der Server down sein würde, wenn ich versuchte, mir einen digitalen Impfnachweis (das Wort alleine!) zu besorgen. Das kam ungefähr so unerwartet wie die Systemabstürze bei der Arbeit, die bei mir fast ausschließlich mit der Meldung „Unexpected Exception“ einhergehen. Das Überraschungsmoment hält sich in engen Grenzen. Doch ich will hier nicht die Defätismusbeauftragte geben. 
Wie letztes Wochenende versuche ich heute die Strategie, Entspannung und Alltagsflucht über einen Standortwechsel zu erzielen. Mal sehen, ob der Plan aufgehen kann. So verbringe ich den späteren Teil des Flamingo Fridays in einem farblich wenig passenden - und auch ansonsten scheddrigen - quietschgrünen Zug auf dem Weg in die Hauptstadt. Das Gute an dieser Art der Reise ist, dass es mich nicht ständig an dieses Früher gemahnt, von dem alle sprechen. An einer solchen Zugfahrt hängen keine Erinnerungen. Und billig ist sie außerdem.
An meinem Ziel wird es wohl auch nichts mit dem digitalen Impfding, aber wen kümmert‘s? Nach bald zwei Jahren Abstinenz sind Berlin und Bahnfahrt wirklich Abenteuer genug.





Mittwoch, 28. Juli 2021

Echtes Leben

Vor lauter Real Life weiß ich gar nicht mehr wie ich meinen Alltag klar bekomme. Nicht nur, dass ich am Wochenende im Garten mehr oder weniger körperlich gearbeitet und mehrere Menschen außerhalb meines Haushalts getroffen habe. Gestern war ich auch noch live in der Agentur. So richtig mit Menschen, zumindest mit maskierten Menschen. Natürlich in viel geringerer Zahl als zu anderen Zeiten, aber doch deutlich mehr als an meinem Heimarbeitsplatz vorbeikommen. Von dieser Reizüberflutung muss ich mich nun erstmal erholen. War schließlich wie Weihnachten und Geburtstag zusammen, nachdem ich vor Ort eingelagerte Geschenke für beide Anlässe von dort mitnehmen konnte.

Freitag, 23. Juli 2021

Erstes Mal

Dieses Wochenende steht der Plan, endlich zu meinen Eltern zu fahren. Seit ziemlich exakt einem halben Jahr wieder einmal. Mal sehen, was dort im Garten brachial gerodet werden muss. Ausgleichssport, nie war er so wichtig wie heute. Um dem Sohn die Sturmfreiheit zusätzlich zu versüßen (und weil es den Pflanzen im Zweifel besser bekommt), beschloss ich, im Vorfeld alle Blumen in meiner Nähe großzügig zu gießen. Dabei flutete ich alle. Auf dem Balkon nicht weiter tragisch, bei denen, die vor meiner Wohnungstür auf Steinboden stehen, schon eher. Als ich kurze Zeit nach dem Gießen aus anderen Gründen dort vorbei lief, warfen mich die Pfützen auf dem glatten Geläuf prompt auf den Hosenboden. Zu allem Überfluss landete ich achtern im selbst ausgebrachten und durch Erde gefilterten Wasser. Ich werde dabei nicht allzu vorteilhaft ausgesehen haben. Doch das war egal, denn mein erster echter Sturz seit Einbau der Ersatzteile hatte außer der Peinlichkeit und einer nassen Hose keine Konsequenzen. Eine gute Bilanz. Der Ausfahrt steht also nichts im Wege. Umso besser, muss ich doch am heutigen Flamingo Friday unbedingt ein Pfund Kaffee mitbringen. Die Reise geht zwar nicht in den Osten, aber ansonsten ist es wie bei DDR-Besuchen detailgetreu Robusta-Plörre. Wat mutt, dat mutt - wie der Hanseat zu sagen pflegt.



Dienstag, 20. Juli 2021

Hinterher

Das Wochenende mit Ausflug an die See wirkt noch nach. Zum Glück nicht in verbrannter Haut. Sie sah gestern schon wieder sommerlich gefärbt aus, nun muss sie lediglich mit ihrer vorzeitigen Alterung klarkommen. Vielmehr bin ich gedanklich in Teilen noch andernorts verhaftet. 
Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde mir bewusst, dass diese Drahtzäune mit Steinfüllung nicht nur als Schallschutzmauern an Autobahnen stehen, sondern - zumeist etwas niedriger - auch in zahlreichen Vorgärten. Als ich diese Erkenntnis überrascht zur Sprache brachte, klärte mich ein mir nicht unbekannter Mann auf, dass diese Art des Claim-Absteckens stellenweise recht verbreitet sei. Ja, er brachte mir gar den Namen für diese Scheußlichkeiten bei. Sie heißen Gabionenzäune. Endlich lernte ich mal wieder ein neues Wort. Das will sich in meinem mitgealterten Hirn jedoch nicht so richtig festsetzen. Als Service an dieser Stelle: die Eselsbrücke „Gladiolen“ ist nur bedingt tauglich. Doch am Sonntag sah ich nun die Steigerung, sozusagen den Gabionenzaun 2.0 - ja, den gibt es! Ein Stahldrahtgitter, in das Plastikfolien mit aufgedruckten Steinen geflochten wurden. Ich stellte mir vor, wie die Hausbesitzer an kalten, dunklen Winterabenden traut Folie durch Draht weben und zum krönenden Abschluss oben rechts stolz eine 5 auf die Folie kleben (die Hausnummer befand sich wirklich darauf). Wenn das nicht deutsche Gemütlichkeit ist, dann weiß ich auch nicht.



Montag, 19. Juli 2021

Sommerfrische

Gestern stand wieder ein Wandertag an. Da gefühlt das gesamte Umfeld im Urlaub weilt, ein Gutteil sogar im Ausland, und die Sonne vergleichsweise verlässlich schien, interpretierten wir das Motto ein klein wenig um. Der Wanderpart wurde etwas herunter geregelt, dafür stieg der Entspannungsanteil. Herauskam ein Tag am Meer. Die Schritte im Sand zählen aber auch mindestens doppelt. Das à la bonheur vorbereitete Proviant des Reiseleiters schmeckte auch am Strand hervorragend. Sandstürme waren selten und streiften nicht die Bestzeit, in der alles vernichtet wurde. Rückstandsfrei kann ich leider nicht sagen, da ich es schaffte, die wenige Bekleidung nahezu vollflächig mit Essensresten zu bekleistern. Das gehört zu meinen Kernkompetenzen. Außerdem war der faule Tag an der See geradezu ein Muss, da Wassermelone Teil der kulinarischen Versorgung war. Diese lässt sich geachtelt nach mitteleuropäischen Hygienestandards nur im Freien und nur mit Mindestbekleidung verspeisen. Und auch dann wird es klebrig. Wie gut, dass Wasser in der Nähe war. Ähnliches galt für das Eis, das wir von einem vorbeiziehenden Ed Sheeran-Lookalike erwerben konnten. Apropos: vor uns lag im Sand eine 1A Angela Merkel-Nachmachung - wie meine Kinder früher gesagt hätten. 
Für Sie getestet: Senf- und Melonenschmadder haben im Hinblick auf Sonnenschutz wenig zu bieten. Irgendeinen Nachteil musste die Entscheidung gegen den Wald und für die Ostsee am Ende haben. Der allergrößte bestand jedoch darin, wegen des nahenden Wochenendendes am Nachmittag wieder abreisen zu müssen.





Mittwoch, 14. Juli 2021

Angepasste Bedingungen

Nach dem Spiel ist definitiv nach dem Spiel. So heißt es jetzt, die mit landestypischen Spezialitäten angefutterten EM-Pfunde loszuwerden, die bei den Corona-Kilos auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Das Projekt ist selbst ohne die Aussicht, jemals wieder eine Bikinifigur zu erreichen, ein sehr sinnvolles. Sogar ohne die Perspektive, dass in nächster Zeit an der Dating-Front etwas gehen könnte. Da ich ein Ausbund an Zielstrebigkeit und Selbstdisziplin bin, kann ich bestimmt sagen: Nichts leichter als auf hochkalorische Speisen und Getränke zu verzichten! Um die Nudelreste und Ferrero-Schokoladen-Überbleibsel muss sich der Sohn kümmern. Soll er doch endlich auch einmal Aufgaben im Haushalt übernehmen. Wenn ich es mir recht überlege, fange ich, glaube ich, morgen an.

Montag, 12. Juli 2021

Tag 22

Es war nicht nur im Hinblick auf den Fußball das furiose Finale. Auch mein Impfstatus ging in die letzte Runde. Zusammen mit der Tochter machte ich mich nachmittags auf den Weg zu den Messehallen, um uns den Piks abzuholen. Ein schöner gemeinsamer Sonntagsausflug bei nahezu keinem Regen. Unterwegs suchten wir nach einer Möglichkeit, im Anschluss an die Impfung bargeldlos Bier zu besorgen, denn die Tochter erzählte mir, sie „hoste bei sich ein Finalevent“ und sie habe von mir die Idee übernommen, das Angebot an die Nationalität der Akteure anzupassen. Dass ich nochmal für Zwanzigjährige Trendsetterin sein würde! Ich empfahl eine Tankstelle.
Auch Impfen ist zu zweit schöner. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Die Tochter empfahl sich danach zum Getränkestützpunkt - wie man in Brandenburg sagte -, während ich mich schnell nach Hause aufmachte. Der Plan sah vor, dass la Mamma eine anständige Lasagne zaubert. Zum Unmut des Sohnes jedoch ohne selbst hergestellte Pasta. Ich sei zu convenience-orientiert. Sie ist mir dennoch gut gelungen. Es geht doch nichts über leichte Sommerküche!
Die Überraschung zum Finale: ich war zu früh am verabredeten Ort.
Während sich meine Kinder also bei der Tochter mit Bier und Ähnlichem vergnügten, um nach der Copa América europäischen Fußball zu verfolgen, war unser EM-Studio noch besser und internationaler besucht als sonst. Selbst mittelamerikanische Beteiligung konnten wir verbuchen. Die Stimmung bei uns war ausnahmslos pro-italienisch. Daher waren hier keine Fouls untereinander zu erwarten. Unseretwegen hätte es nicht die Verlängerung und das Elfmeterschießen gebraucht, zumal nicht an einem späten Sonntagabend, aber wenn es dazu diente, meine Mutter mit dieser EM zu versöhnen, nahmen wir diese Unbilden selbstverständlich in Kauf. Das Durchhalten lohnte sich, denn der Ausgang war für uns alle versöhnlich. Selbst die Tochter musste hinterher nicht fernmündlich getröstet werden, denn sie habe „sich mental darauf vorbereitet“. Einzige Belastung bleibt, wie wir die nächsten anderthalb Jahre herum bekommen, ehe die Gammelspiele in Vorderasien beginnen.