Montag, 5. Februar 2018
Nichts mehr wie es war
Das Kücheninferno blieb aus. Über Röstzwiebeln auf dem Küchenboden wollen wir uns nicht echauffieren. Auch nicht über diverse Schüsseln, Teller und Pfannen, die in Küche und Wohnzimmer standen - immerhin teilweise gestapelt und ein wenig zusammensortiert. Schwamm über die Ketchupreste auf der Küchenzeile. Enttäuschend allerdings, dass der Sohn nur eine einzige Tüte Pommes verhaftet hat. Hier konnten wir mehr erwarten. Wenn allerdings auch das falsche Team gewinnt. Und sich Justin Timberlake über die sakrosankten Wünsche von Prince hinwegsetzt. Dann kann selbst einem Heranwachsenden der Appetit nach nur vier Hotdogs, zwei Burgern und einer Tüte frittierter Tiefkühlkartoffeln schon mal vergehen.
Sonntag, 4. Februar 2018
Sie lernt es nicht
Der Sohn plant, die heutige Nacht zu seinem Fest zu machen. Zum Glück trifft es ihn nicht allzu sehr, die Feier alleine begehen zu müssen. Er sieht sogar ein paar Vorteile in seiner One-Man-Show: niemand macht ihm Essen streitig. Der Plan sieht vor, sich vor Beginn der Super Bowl gehörige Mengen an veganen Hotdogs, Burgern und „alle Pommes, die wir haben“ zuzubereiten und währenddessen zu verhaften. Ich befürchte, selbst einem Robustschwein wie ihm wird es nach dieser Ration nicht gut gehen. Ich weiß nämlich, wie viele Fritten wir im Froster gebunkert haben. Aber das sind wohl Erfahrungen, die er selbst machen muss. Die Weiterentwicklung der heißen Herdplatte sozusagen. Die Erfahrung, die ich höchstwahrscheinlich werde machen müssen, ist die, morgen früh in eine recht verwüstete Küche zu kommen. Manchmal sind meine sonntäglichen Putzaktionen wirklich voll unnötig.
Donnerstag, 1. Februar 2018
Käfer sucht Namen
Da ich es liebe, wenn Maschinen für mich arbeiten, habe ich mich kurz vor Weihnachten selbst mit einer weiteren beschenkt. Ein kleines Gerät, für das mir die geschulte Fachkraft bei Saturn einen Preis mit Herz machte: einen Saugroboter. Lange Zeit fristete er ein trauriges Dasein in seinem Karton, weil mich die Aussicht auf Gebrauchsanweisunglesen spontan sehr ermüdete.
Dann hatte ich das Glück, dass der Freund der Tochter häufiger bei uns war - es muss wohl mit ihrem Geburtstag zusammengehangen haben. Anfangs war er erstaunt, wie wir es so lange ohne Auspacken aushalten konnten. Ihn juckte es offensichtlich unter den Fingern, das Gerät auszuprobieren. Ein paar Tage später konnte er in seiner Technikaffinität wirklich nicht mehr an sich halten, öffnete die Verpackung und machte sich mit allen Features vertraut. Er sorgte sich wohl etwas, dass seine Aktion etwas übergriffig ankommen könnte. Vollkommen umsonst, denn ich freute mich, auf die Weise die Lektüre der Gebrauchsanweisung zu umgehen und von weiterem Fachpersonal in der Anwendung geschult zu werden. Ich kenne jetzt jeden Kniff. Die Maschine ist sehr putzig, wenn sie sich wie ein Maikäfer über den Boden bewegt und dabei die Fühler kreisen lässt. Der neue Mitbewohner stürmte sofort unser aller Herzen. Die Kinder fanden, man müsse ihm einen Namen geben. Mein Vorschlag Gregor Samsa fiel durch. Ok, vielleicht zu intellektuell und auf jeden Fall klanglich zu wenig süß. Er ist nach wie vor namenlos. Auch kann ich nicht feststellen, dass die Brut ihn betätigte. Ich befürchte, die Begeisterung meiner Kinder für Technik beschränkt sich auf Handy, Tablet und Daddelkonsole.
Dann hatte ich das Glück, dass der Freund der Tochter häufiger bei uns war - es muss wohl mit ihrem Geburtstag zusammengehangen haben. Anfangs war er erstaunt, wie wir es so lange ohne Auspacken aushalten konnten. Ihn juckte es offensichtlich unter den Fingern, das Gerät auszuprobieren. Ein paar Tage später konnte er in seiner Technikaffinität wirklich nicht mehr an sich halten, öffnete die Verpackung und machte sich mit allen Features vertraut. Er sorgte sich wohl etwas, dass seine Aktion etwas übergriffig ankommen könnte. Vollkommen umsonst, denn ich freute mich, auf die Weise die Lektüre der Gebrauchsanweisung zu umgehen und von weiterem Fachpersonal in der Anwendung geschult zu werden. Ich kenne jetzt jeden Kniff. Die Maschine ist sehr putzig, wenn sie sich wie ein Maikäfer über den Boden bewegt und dabei die Fühler kreisen lässt. Der neue Mitbewohner stürmte sofort unser aller Herzen. Die Kinder fanden, man müsse ihm einen Namen geben. Mein Vorschlag Gregor Samsa fiel durch. Ok, vielleicht zu intellektuell und auf jeden Fall klanglich zu wenig süß. Er ist nach wie vor namenlos. Auch kann ich nicht feststellen, dass die Brut ihn betätigte. Ich befürchte, die Begeisterung meiner Kinder für Technik beschränkt sich auf Handy, Tablet und Daddelkonsole.
Dienstag, 30. Januar 2018
Baustelle
Es wird Zeit, den Themenschwerpunkt umzustellen. Damit trage ich endlich der umgedrehten Bevölkerungspyramide Rechnung. Es sollte hier einfach mehr um Zipperlein gehen als um das Zusammenleben mit Teenagern. Mit dieser Ausrichtung könnte ich sicherlich den Vater meiner Kinder an meine Texte binden, handelt es sich bei diesem Thema - zumindest, was die eigenen Malessen angeht - doch um seine Masterfrage.
Mein Entschluss reifte folgendermaßen: Gestern Abend wollte ich Bügeln und Fernsehen. Allein die Ankündigung behagte dem Sohn nicht sonderlich. Ist seine Programmauswahl doch selten identisch mit meiner. Am Ende konnten wir uns einigen: statt blödem linearen Fernsehen eine Netflix-Serie. Nicht schwer zu erraten, wer von uns der nachgiebigere Part war. Bügeln allerdings schaffte ich nicht mehr. Ich quälte mich auf dem Sofa. So sehr, dass ich selbst der Serie nicht mehr richtig folgen konnte. Der Sohn fragte, was los sei. Der gesamte Brustkorb schmerze. Verziehen sei ihm die Retourkutsche für den Vorabend. Da hatte er über Rückenschmerzen geklagt und ich ihm geraten, er solle sich zur Abwechslung aufrecht halten bzw. setzen. War klar, dass mir das gestern auch eingeschenkt wurde. Man bekommt so viel zurück. Ich erklärte, gleich ins Bett zu gehen. Dann fesselte mich Fargo doch mehr - auch wenn ich mich weiter wand. Kurz Zeit später wurde ich ermahnt, ich habe mich doch vor einer halben Stunde hinlegen wollen. Ja, doch. Vor 22 Uhr lag ich im Bett, ausreichend versorgt mit Gute-Nacht-Wünschen des Sohnes.
So viel zum Experiment: Heute fühle ich mich etwas besser, aber nicht wacher.
Freitag, 26. Januar 2018
Es wird ernst
Schmerzlich wurde mir in den letzten Tagen bewusst, dass meine edukativen Maßnahmen selten kompatibel sind mit der political correctness der Millenniumskinder, mit denen ich hier zusammenlebe. Wenn ich versuche, den Sohn vor mündlichen Prüfungen zu beruhigen und aufzubauen, indem ich ihm sage, er solle sich bewusst machen, dass er sprachlich und rhetorisch besser aufgestellt sei, wird das umgehend mit bösen Blicken quittiert. Sofort muss ich mich erklären: ich meine mit dem Komparativ doch niemanden im Speziellen. Immer diese Gratwanderungen.
Am Ende kann ich nicht alles falsch gemacht haben, wenn ich im Nachgang folgende Nachricht von ihm bekomme:
„Wooow.... I'm so overwhelmed right now....
First of all, I would like to thank God... Then of course my family: my mother and sister who've always supported me through thick and thin. And lastly,my man, the director Keith Allison. Thank you very much!“
Mittwoch, 24. Januar 2018
Held des Alltags
In letzter Zeit war ich genervt, da mich der Krach des halbstarken Nachbarsjungen im Keller unter unserer Wohnung abends wirklich stört. Männlichen Teenagern beim Pumpen, Ächzen, Gewichte-durch-die-Gegend-Werfen, Schief-zu-Musik-Mitsingen zuzuhören, gehört ohnehin nicht zu meinen bevorzugten akustischen Genüssen. Große Lautstärke macht es nicht besser. Sonntagabend nahm ich mir ein Herz und erklärte ihm (wieder einmal), dass er laut und bei uns sehr gut zu hören sei. Er gelobte Besserung. Montag traute ich mich nicht. Erstens wollte ich nicht die meckernde Alte geben, zweitens fand ich, das Erinnerungsvermögen Sechzehnjähriger müsse eine längere Halbwertszeit als zwei Stunden haben (q.n.e.d.). Dann sollte ich eben ein Magengeschwür bekommen. Dienstagabend warf ich die pädagogischen Bedenken des Vorabends über Bord. Ich wollte gerade in den Keller gehen, da hielt mich der Sohn ab. Ich rechnete damit, dass er aus Solidarität bekunden würde, es sei gar nicht laut, ich solle mich nicht so anstellen. Doch über die Störung herrschte Konsens zwischen Mutter und Sohn. Dennoch wollte er die Peinlichkeit einer mütterlichen Intervention nicht. In einem lichten Moment kam ich auf die Idee, ihn vor die Wahl zu stellen: entweder er oder ich. Nach einem de-Funès-gleichen Entscheidungsprozess ging er. Erkenntnis: Peinlichkeit der Mutter schlägt die eigene. Kurze Zeit später (weitere Erkenntnis: man kann die metallene Kellertür sogar lautlos öffnen und schließen. Na gut, man vielleicht nicht, Sohn schon.) war nahezu Ruhe. Der Sohn kehrte zufrieden zurück. „So löst man das deeskalierend, Mama!“
Seitdem frage ich mich, ob es statthaft ist, dass Stolz Zufriedenheit schlägt.
Seitdem frage ich mich, ob es statthaft ist, dass Stolz Zufriedenheit schlägt.
Montag, 22. Januar 2018
Ungeklärte Phänomene
Es wird wohl ein ewiges Mysterium bleiben, wieso auf Putzmittelflaschen „Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren“ steht. Eine vollkommen überflüssige Aufschrift. Machen doch Kinder naturgemäß einen großen Bogen um Reinigungsmittel (einzige Ausnahme: die für die eigene Körperpflege). Sich ihnen zu nähern, ist schließlich völlig unnötig. Herrscht doch in ihrem Haushalt ohnehin die mammalytische Selbstreinigung. Diese schließt übrigens auch die Wäsche ein, deren Metamorphose von einer Melasse auf dem Fußboden des Zimmers in duftende, gefaltete Einzelstücke selbsttätig vonstatten geht.
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