Freitag, 9. September 2016

Ein Freitag im Schweinsgalopp

Der Freitag begann mit der üblichen Hektik. Aufstehen, Tee in den Kopf kippen, die Brut wahlweise mit Motivation oder Kalorien versorgen, duschen, zur Arbeit hechten und dort sein Pensum wegschrubben. Doch jetzt komme ich meinem Onno Viets endlich näher. Ich sitze im Zug nach Schwerin und die unberührten Sommerlandschaften rauschen an mir vorbei wie ein Daumenkino mit Bildern französischer Impressionisten. Es könnte hier im Bordbistro alles perfekt sein. Schließlich gibt es Ronnefeldts Morgentau. Wäre da nicht die Angst, das Netz könnte jede Sekunde zusammenbrechen. Und nicht der Fahrgast gegenüber, der das Piepen der Tasten (!) auf seinem Handy eingeschaltet hat. Dass es das noch gibt! Es wird auch nicht besser, wenn er mit der Nummer fertig ist und telefoniert: "Ja, dann habe ich ihm gesagt, er soll ein Abführmittel nehmen. Aber er hat bei meinem Lieblingsitaliener ein Süppchen bestellt."
Hoffentlich sind in Mecklenburg-Vorpommern nicht alle so. Man hört ja nicht allzu viel Gutes von dort.

Donnerstag, 8. September 2016

Immer noch

Wie soll man in diesem Hamsterrad mit dem Meisterwerk weiterkommen? Der große Frank Schulz hat schließlich unvorstellbare Mühe auf sich genommen, um sein neues Buch fertigzustellen. Da ist es meine gottverdammte Pflicht als Leser und Groupie, es rechtzeitig zu lesen! Das Wochenende ist meine Medaillenhoffnung. 
Zu meiner Rechtfertigung kann ich nur vorbringen, dass wenig des gestrigen Tages mit Selbstbestimmung zu tun hatte: Frondienst, Küche und am Abend noch Assistenz bei den Französischaufgaben der Tochter. Wobei Assistieren etwas untertreibt. Genau genommen habe ich den Text geschrieben. Der töchterliche Anteil bestand darin, mir darzulegen, dass meine französische Inhaltsangabe des (deutschen!) Textes nicht ausreichend lang sei. Inhaltsangaben haben aus mindestens einem Drittel des Originals zu bestehen. In der Schule lernt man auch nichts fürs Leben! Wenn ein Text redundant ist, kann man ihn auch auf das passende Maß eindampfen, finde ich. Erschwerend kam hinzu, dass ich einen deutschen Artikel über Prostitution in Skandinavien für den Französischunterricht mäßig adäquat fand, und mein Engagement auch deswegen zu wünschen übrig ließ. Anders die Tochter. Sie wundert sich selbst über ihre Motivation zum Beginn des Schuljahres. Mein Erklärungsversuch, es liege vielleicht daran, dass es ihr letztes Schuljahr sei, wurde abgeschmettert. Ihre Mitschüler seien üblich demotiviert. Sie führt es auf die neue App zurück, die sie geladen hat. Sie enthält gleichzeitig Stundenplan und zu erledigende Aufgaben. Ich glaube nicht, dass mich so etwas früher angetrieben hätte. Aber was verstehe ich schon von Motivation? Zumal der der digital natives. 
So bleibt das Highlight des gestrigen Tages eine Bugwelle auf der 61er Fähre kurz vor den Landungsbrücken. Sie erwischte den vorderen Bereich - mit leichten Auswirkungen auf den hinteren - der Hose eines radelnden Landeis. Niemandem würde der junge Mann begreiflich machen können, dass er nicht zur Inkontinenz neige. Modesünden bestraft der Herr sofort. Und mit Recht. Khakishorts gehören geahndet. Vor allem, wenn sie in Kombination mit türkisem Poloshirt getragen werden.

Dienstag, 6. September 2016

Am Anfang des ersten Kapitels

Ein normaler Dienstagmorgen, wäre da nicht die innere Zerrissenheit. Arbeit ausfallen lassen, liegen bleiben und den neuen Onno Viets in einem Rutsch auslesen? Ein Traum. Am Ende siegt die Preußin in mir. Ich stehe um sieben Uhr auf. Um der Tochter vor der Schule einen vegetarischen Flammkuchen aufzubacken. Man nennt es ausgewogene Ernährung. Durch den Duft angezogen taucht der Sohn auf. Ob ich ihm auch so einen warm machen könne, trägt er ausgesucht höflich vor. Natürlich kann ich. Dann assistiert er mir beim Spülmaschineausräumen. Nicht ohne seiner Schwester ihren fehlenden Einsatz vorzuhalten. In der Folge streiten sie darüber, ob der jeweils andere jemals den Ausguss der Spüle gereinigt habe. Und wer von für die Verdreckung überhaupt verantwortlich sei. Abgang der Tochter. Heute ist schließlich der einzige Tag in der Woche, an der sie um 8 Uhr in der Schule sein muss. Schnell vorher noch die Frage, ob der Bruder so nett sei, ihre Reste und ihr Geschirr wegzuräumen, sie müsse jetzt schnell los. Mittlere Kooperationsbereitschaft des Bruders. Sie räume häufig auch seine Sachen auf. Ob dieser in seinen Augen sehr gebeugten Realität sinkt sein Wille weiter. Sie bittet eindringlich. Das wirkt. Ob sie mir am Ende altersgemäß muffelig näher sind?

Montag, 5. September 2016

Und du wartest

Der Montag ist meines Wissens nicht als Tag des großen Wartens bekannt. Schließlich gibt es nur Adventssonntage und keine Adventsmontage. 
Heute ist alles anders.
Ich wartete sehnsüchtig darauf, dass der Paketzusteller mir den neuen Onno Viets bringt. Dafür nahm ich in Kauf, zu spät zur Arbeit zu kommen.

Der Sohn wartete sehnsüchtig auf 10:30 Uhr. Dann nämlich startete die Mäckes-Aktion, während derer man zwei große Pommes für 2,99€ bekommt.
So nah und doch so fern.

Es ist Sommer!

Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, in seiner eigenen Welt und Zeitrechnung zu leben?
Wenn die Breaking News der Tagesschau-App daraus besteht, dass Mutter Theresa heilig gesprochen wurde.
Wenn alle Parteien in einem der kleinsten Bundesländer mit einem der geringsten Migrantenanteile ihren Wahlkampf mit Flüchtlingspolitik bestreiten. Und am Ende die Blödesten die einzigen Gewinner sind.
Wenn man im Viertel nach merkwürdigen Dingen gefragt wird (von Interpunktion möchte ich gar nicht sprechen), von denen man gedacht hätte, sie wären in irgendwelchen Träumen vorgekommen.

Wenn man wiederholt darauf hingewiesen wird, dass offene Schuhe im September nicht sozial kompatibel seien.

Samstag, 3. September 2016

Kinderarbeit

Ob ich mit dem Druck klarkomme, ist ungewiss. Der Sohn wünscht sich dieses Wochenende "eine kulinarische Offenbarung". Die geplante vegetarische Lasagne - die ich aus berufenem Munde wie keine Zweite beherrsche - fällt nicht darunter. Ich schwitze. Dabei ist Essensvorbereitung in meiner Prioliste nach hinten gerutscht, seit meine Nachbarin und ich ein neues Projekt haben: den Kriminalroman im eigenen Haus. Sie geht mit dieser Idee schon lange schwanger. Ich bin seit gestern Abend angefixt. Seit ich mir die Pseudonyme der Nachbarn überlege. Wie gut, dass ich dabei auf die Expertise meiner Kinder zurückgreifen kann. Ah, die miese Rabenmutter!

Freitag, 2. September 2016

Nicht die Zeit

Viele Menschen haben derzeit Geburtstag. Ich will kein Wort über Winterromantik verlieren. Es geht darum, dass ich ihnen nicht gratuliere. Nicht dass ich über Nacht blasiert geworden wäre. Daran liegt es nicht. Es liegt daran, dass ich so gut es geht versuche, den kalendarischen Herbstbeginn zu ignorieren. Ich lebe jetzt in meiner eigenen Zeitrechnung und will nicht daran erinnert werden, dass es nicht Frühsommer ist. Vielleicht bin ich ein Kalenderautist. In jedem Fall möchte ich mich bei allen aktuellen Jubilaren entschuldigen.