Dienstag, 7. Juni 2016

Zu selbstkritisch

Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich es als Kompliment deuten soll, dass mein Chef mir gestern ans Herz legte, ich solle doch Bundespräsidentin werden, der Job sei schließlich frei. Ja, ich passe gut. Das nötige Mindestalter erreicht. Eine Frau, deren Name nicht nur passt, deren zweiter Vorname auch Diplomatie lautet. Ich war am Samstag beim Schaulaufen der politisch Korrekten, dem Stadtteilfest. Sahra Wagenknecht wünscht sich einen Bundespräsidenten mit "sozialer Ausrichtung" (ich wünsche mir eine Sahra Wagenknecht mit Tortenausrichtung) - Haken hinter! Ein parteiloser Präsident hat unterdessen auch schon fast Tradition. 
Ja, der Plan hat Charme. Ein paar Tage durchhalten und schon sind keine Gedanken mehr über Tilgungsraten notwendig. Nie hätte ich gedacht, mir Christian Wulff einmal zum Vorbild zu nehmen. 
Es passt also alles. Und doch. Ein paar Zweifel bleiben.

Montag, 6. Juni 2016

Das Herz schlägt schneller

Noch vier Tage bis zur EM. Langsam steigt der Adrenalinspiegel. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Endlich ist auch das erste Trikot fast fertig.
Die Frisur sitzt schon nahezu so gut wie bei Cristiano Ronaldo.
Eine zusätzliche Freude bekomme ich durch Contextual Targeting beschert. Besuche der App iLiga eröffnen mir ganz neue Perspektiven - wie die Werbung für "Flotten Kommando" (untermalt mit Flugzeugen im Fadenkreuz und einer deutschen und US-amerikanischen Flagge): "Gib deinen Feinden Gnadenbrot nicht, töte sie einfach alle!" Ja, so einfach kann das Leben sein.

Sonntag, 5. Juni 2016

Umschulung

In letzter Zeit musste ich einige Rückschläge hinnehmen: man bezichtigte mich dünner Haare, hält mich nur noch für fett und nicht mehr für schwanger. Da tut es wohl, wenn man vom Support DER Band gefragt wird, wann man - zwinker, zwinker - gemeinsam einen Kaffee trinke. Und eine Mobilnummer im Innenleben einer Kassette (!) geschenkt bekommt. Wenn die Tochter stolz ist, dass ihre Mutter einen derartigen Fisch vom Teller zieht.
Dennoch habe ich beschlossen umzuschulen. Auf Diva. In meinem Freundeskreis gibt es ein paar Menschen, bei denen ich gewinnbringend ein Praktikum absolvieren könnte.

Samstag, 4. Juni 2016

Firmenpolitik

Aus Seminarerfahrung weiß ich, dass mir der dominante Führungsstil nicht liegt. Darauf wäre ich von alleine nie gekommen. Dennoch bin ich gezwungen, ihn heute in meinem kleinen Familienbetrieb anzuwenden. Eine siebzehnjährige Auszubildende lässt mir keine Chance. Ich muss ihr Grenzen setzen. Das verlangt die Verantwortung meinen Untergebenen gegenüber. Ohne Krankmeldung muss ich schließlich auf pünktlichem Erscheinen bestehen, oder? 
Sollte ich die Tochter heute unter die Augen bekommen, verlange ich, dass sie um 22 Uhr zu Hause ist. Ich weiß ja, dass ich sie spätestens um 20:20 Uhr bei dem Auftritt DER Band treffen werde. Sich Ducken klappt nicht.

Freitag, 3. Juni 2016

Countdown

Noch eine Woche bis zur EM. Dem Paninialbum fehlen nur noch 44 Bilder. Das entspricht einer Bestückung von knapp 94%. Dank der edlen Spende eines ehemaligen Kollegen bin ich ein gutes Stück vorangekommen. Nett auch sein Hinweis, ich solle beim Einkleben des deutschen Wappens vorsichtig sein, damit ich es akkurat platziere. Er selbst sei bei seinem so aufgeregt gewesen, dass er im ersten Anlauf gepatzt habe. Der weitere Technik-Check gestern mit neuem Highend-Equipment verlief vielversprechend. Das Gerd Müller-Poster hängt. Was soll jetzt noch schief gehen? 
Einziges Manko: der Rettungsring über dem Hosenbund ist bis nächsten Freitag nicht wegzubekommen. Man wird ihn durchs Trikot sehen. Ich muss die Strategie umstellen. Das eigene Aussehen schöntrinken. Anders wird es nicht gehen. Damit zeige ich mich nur solidarisch. Jogi muss seine Strategie ohne Reus schließlich auch wechseln.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Hilfsbedürftig

Den ganzen langen Vormittag zermarterte ich mir das Hirn, welchen Bezug ich verpasse. Ja, ich gestehe: ich lese Kriminalromane. Vielleicht sind sie wirklich nicht gut für den Verstand. Ich kann die Verbindung nicht herstellen, die für den Online-Versandhändler naheliegend scheint:

Es sind nicht das Genre, nicht der Autor, die die Bücher vergleichbar erscheinen lassen. Das wäre zu einfach. Es ist weder die Farbe des Covers, noch die Anzahl der Buchstaben des Titels. Mal ganz abgesehen davon, dass das vorgeschlagene Buch so neu nicht mehr ist. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: entweder reicht als Ähnlichkeitskriterium, dass man überhaupt ein Buch bestellt oder ich brauche Hilfe beim Denken. 
Assistenzbedürftig bin ich wohl ohnehin. Die besten Tipps kommen von anderen. Wir hatten heute Mittag ob des Wetters im allgemeinen und ob schmerzender Knochen im speziellen Essen beim Asiaten bestellt. Zum Schutz seines weißen Hemdes beschloss der Chef, zur Mahlzeit ein Regencape überzuziehen. Eine Idee, die ich gerne aufgriff, um die Einsegnungsbluse, die ich heute trage, zu schützen. Schließlich hatte er noch ein weiteres Cape in der Hinterhand.
Wir haben uns in der Mittagspause nicht ansatzweise zum Horst gemacht. 


Mittwoch, 1. Juni 2016

Achtung, Ironie!

Ich mag Abende, an denen ich für die Arbeitswoche viel zu spät nach Hause komme und gerade den Vorsatz fasse, nie wieder Alkohol zu trinken. Sie werden noch deutlich besser dadurch, dass ich das Zimmer und Bett der Tochter unbewohnt vorfinde. Eine fragende Whatsapp-Nachricht an die Tochter blieb selbstverständlich unbeantwortet. Gegen kurz vor 1 Uhr nahm ich mir ein Herz und rief an. Sie sei beim Gitarristen DER Band. Ob ihr Bruder nicht Bescheid gesagt habe? Nein, wie auch, wenn er schon lange schläft.
Ich brauche doch meinen Schönheitsschlaf!