Dienstag, 8. März 2016
Frauentag ist nicht Muttertag
Ich habe Kuchen gebacken, Marmelade aus übrig gebliebenem Fischmarktobst gekocht, warmes Essen zubereitet. Allet mit meine Hände. Und doch reicht es nicht. Als ich dem Sohn am Sonntag Burger briet und ihm das beeindruckende Endprodukt kredenzte, fragte er: "Und was gibt es als Beilage?" Meine Antwort, als Beilage zum Burger gebe es einen weiteren Burger, befriedigte ihn nur mittelmäßig. Ich deute es als Wachstumsphase. Unterdessen ist er schließlich so groß wie ich. Anders kann ich mir auch nicht erklären, wieso er gestern Abend gegen 21:30 Uhr beschließt, jetzt müsse er unbedingt Chicken Masala kochen. Unerlässlich dabei das Mobiltelefon, aus dem britische Starköche das Tutorial für das Gericht blöken. Unwichtig dabei, dass das Display mit Fettspritzern und Kurkuma benetzt wird. Von der sonstigen Küche wollen wir gar nicht sprechen. Meine Pläne, abends weniger zu essen, torpedierte er in jedem Fall. Unmöglich hätte ich Nein sagen können. Allein, weil es so rührend war, wie er mich genau bei den ersten Bissen beobachtete, ehe er selbst anfing zu essen. Ohne Frage, als Koch ist er begnadet. Als Küchenreinigungskraft weniger.
Montag, 7. März 2016
Ein Sonntag im Dorf
Vielleicht liegt es am betörenden Duft der Freesien zuhause, vielleicht ist mir die gestrige Begegnung einfach nur zu Kopf gestiegen.
In jedem Fall beschäftigt mich die Lesung vom Sonntagnachmittag immer noch.
Sie begann mit den unmotiviert überdramatischen Worten des Schweizer Hoteliers, bei denen man sich fragte, ob die "Trufes du jour" seine einzig konsumierte Droge waren. In einem relativ ungeeigneten Raum seines Hotels - sollte das schon der beste Ort am Platz gewesen sein? - fand das Ganze statt. Abgelöst wurde der Hotelbesitzer von einer ziemlich verstrahlten Dame, die sich jetzt im Engadin engagiert (die Kombination wollte ich schon immer mal bringen) und früher im Hamburger Literaturhaus tätig war. Wir sind recht froh über die (noch) aktuelle Besetzung dort.
Endlich beginnt die Lesung, wie in der Schule in alphabetischer Reihenfolge. In gewohnt brillanter Manier liefert Sven Amtsberg ab. Einzige Überraschung: das seriöse Outfit zum Auftritt.
Es folgt Sigrid Behrens, von der wir von der Verstrahlten erfahren, sie sei zweisprachig aufgewachsen. Toll. Ansonsten kommen noch zwei kurze Gedichte. Und peinliche Fragen aus der Moderatorenecke.
Dann kommt wegen größerer Ausfälle schon Wolfgang Schömel. So gerne ich dessen Geschichten höre, werde ich den Eindruck nicht los, seine größte Sorge sei, man könne glauben, seine Glocken seien länger als der Turm. In verschiedenen Schattierungen ein ständig wiederkehrendes Sujet.
Im Anschluss für meinen Geschmack viel zu kurz "der große Frank Schulz" (Gerhard Henschel) mit einem Gedicht. Weiterhin nichts als bräsige Fragen von der Verstrahlten. Er gibt großartige Steilvorlagen und sie schafft es nicht einmal, zu erfragen, wann der neue Onno Viets erscheinen wird.
In der Folge dann Katrin Seddig, die eine schöne Geschichte vorträgt. Dubelige Fragen auch an sie.
Zu dem, was wir fürs Finale halten kommt Michael Weins, dessen gute "Schtory" (Wolfgang Schömel) leider auch ein wenig durch schwachgeistige Fragen verschüttet wird. Als diese Peinlichkeit ein Ende hat, wirft sich der Hotelier noch einmal dröhnend ins Zeug. Er lebt vermutlich seinen Ruf als Unikat aus. Aber muss es unbedingt vor Publikum sein? Kann er das nicht zuhause oder in der Besenkammer abfeiern? Es wird ein ewiges Mysterium bleiben.
Sonntag, 6. März 2016
Das Herz schlägt schneller
Und schon wieder ist es vorbei, das schöne Wochenende. Dieses habe ich wieder einmal als Hardcoregroupie verbracht. Und so erfolgreich wie nur möglich.
Freitagabend habe ich zum zweiten Mal in relativ kurzer Zeit das Konzert des Nachbarn gesehen. Jedesmal besser. Am Ende bekam ich noch eine Umarmung vom Künstler selbst. Was will man mehr?
Heute Nachmittag war dann eine Lesung mit bekannten und zum Teil sogar mir bekannten Autoren. Und was soll ich sagen? Der große Frank Schulz erkennt mich nicht nur wieder, sondern fragt mich auch noch, wie weit ich mit meinem Buchprojekt sei! Mehr geht wahrlich nicht.
Und das Beste: beide erhebenden Erlebnisse fanden in unserem beschaulichen Dorf statt. In meinem Freudentaumel hatte ich es nicht weit nach Hause.
Freitag, 4. März 2016
Nicht mit mir
Umständehalber bin ich Werbung auf meinem Mobiltelefon sehr aufgeschlossen. Ich freue mich sehr, dass die Ortung unterdessen gut klappt, so dass ich fast nur noch Hamburg-Relevantes auf irgendwelchen Bannern präsentiert bekomme. Auch das Contextual Tatgeting scheint durch intelligente Algorithmen besser geworden zu sein: ich erhalte fast nur noch Werbung aus den Themenbereichen Reise, Kultur und Gastronomie. Nur noch selten bekomme ich Singles mit Niveau oder Wondernails angedient.
Jetzt müssen sich nur noch die Produkte verbessern. Vielleicht bin ich mit meiner Meinung alleine, dass die Werbung für ein indisches Restaurant mit dem Namen "Gandhi" nicht unbedingt Gaumenfreuden zu versprechen vermag. Meine Assoziationen sind eher Fasten, Askese und Betriebstemperaturen um den Gefrierpunkt. Wahrscheinlich wird man dort am späteren Abend gefragt: "Nach dem Essen noch ein Klistierchen?" Vielleicht geht aber auch nur meine Phantasie mit mir durch.
Donnerstag, 3. März 2016
So geht's natürlich auch
Der Tag ging so weiter wie er begann: mit Luft nach oben. Von verhaltenstherapeutischer Seite ahne ich, dass es hieße, ich müsste an meiner Einstellung arbeiten.
Aber was will man erwarten, wenn morgens kein gefiltertes Wasser für den Tee aufzutreiben ist. Wenn die Tochter sich so krank fühlt, dass sie zum Arzt gehen will. Wenn der Arzt so mittellustig fragt, ob sie wohl eine Arbeit schreibe. Wenn man durch die Wirren des Morgens zu spät zum Meetingmarathon kommt. Wenn einen alle Meeting-Teilnehmer vorwurfsvoll anschauen. Wenn der Rest des Tages keine Steigerung bietet.
Was bleibt einem, als das selbst-auferlegte Fasten (kein Alkohol in der Woche) zu brechen? Ach, was! Der Vizefreitag wird kurzerhand zum Wochenende erklärt. Vielleicht am Ende doch nicht so schlecht, der Tag.
Mittwoch, 2. März 2016
Sternzeichen: Sündenbock
Nach einem - hoffentlich temporären - kleinen Rückschlag saßen die Kinder und ich gestern Abend in trauter Dreisamkeit auf dem Sofa und sahen sixx. Die Tochter favorisiert diesen Sender, da sie gerne die Wiederholungen von Desperate Housewives, Sex and the City und Grey's Anatomy sieht. Darin unterscheidet sie sich nicht vom Gros junger Frauen. Und weil das so ist, gibt es auch entsprechende Werbeblöcke. Wir befanden uns also gerade in einer spannenden Lebensphase von Doc Dreamy, als der Unterbrecher kam. Jetzt wurde es für mich spannend. Sind "meine" oder wenigstens "unsere" Produkte darin? Sind sie vielleicht sogar eckplatziert? Da kam die Stimme von nebenan: "Wie kannst du das eigentlich mit deinem Gewissen vereinbaren?" Ich richtete mich auf eine schwülstige Konsumkritikdiskussion ein. Am Ende ging es nur darum, dass es doch eine Schweinerei sei, an der spannendsten Stelle herausgerissen zu werden. Glück gehabt!
Dienstag, 1. März 2016
Der Lenz ist da!
Zwar haben wir die Wette verloren, ich freue mich dennoch. Die Freude liegt an Containern, die nun direkt vor unserer Tür stehen. Altpapier, Weißglas und Grünglas, das volle Programm. Meine Hoffnung besteht darin, dass meine Nachbarn durch die Nähe nun endlich das Mülltrennen beherrschen. Kein Klassensatz Deutschbücher für die 4. Klasse mehr im ohnehin überfüllten Hausmüll? Keine Pizzakartons mehr, die den Grünen-Punkt-Müll kontaminieren? Wir werden sehen. Ich formulierte ja bereits, dass es sich mit der Fähigkeit zur Mülltrennung reziprok zur formalen Schulbildung zu verhalten scheint. Neben den praktischen Vorteilen eines Behälters in der Nähe beschert uns der Altpapiercontainer Perlen wie diese:
Wie war das jetzt mit der verlorenen Wette? Meine Nachbarin und ich haben am Wochenende Wetten abgegeben, wie viele Parteien trotz der Recyclingneuerungen am Montagabend ihr Altpapier an die Straße stellen. Mein Tipp waren zwei, ihrer drei. Stand gestern 19:45 Uhr: null. Egal, meiner Freude über unsere neuen grünen Nachbarn tut die Niederlage keinen Abbruch. Sie ist ähnlich groß wie die der Tochter über ihren Obstkorb, den sie am Sonntagmorgen für 10 € auf dem Fischmarkt ergattert hat ("Mit Korb! Und einer Kokosnuss!"). Meine Kinder haben den Fischmarkt für sich entdeckt. Zu meiner Freude ohne die eigentlich serienmäßig eingebauten vorangegangenen Exzesse. Der Frühling ist eben doch die beste Jahreszeit.
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