Montag, 8. Juni 2015

Saturday Night

Da war ich nun Samstag auf einer Party. Etwas später als geplant. Einkäufe und Erledigungen verschoben den Tagesordnungspunkt "Maske" um eine Stunde. Am Ende schmetterte ich den Kindern ein fröhliches "Die Taille geht unterdessen, etwas Plautze bleibt" entgegen und verließ das Haus. 
Über den Dächern von Hamburg war es dann traumhaft schön, wenn auch ziemlich frisch. Irgendwann wurde es auch Zeit, einen kleinen Snack am Buffet zu sich zu nehmen. Von einer neben mir stehenden Geladenen würde ich dort gefragt, ob ich ein Kind oder zwei Kinder erwarte. Erst wollte ich antworten, dass ich Ausgang habe und die Brut heute nicht zu erwarten sei, bis ich feststellen musste, dass sie mir demonstrativ auf den Bauch starrte. Meine Ersatzreplik war dann: "Keins, ich bin einfach nur dick." Betretene Miene. Ich finde, wenn man sich Teile des schnell schwindenden Essens sichern möchte, geht das auch charmanter.

Samstag, 6. Juni 2015

Vogelwild

Heute mache ich mal ganz verrückte Dinge. Habe ich beschlossen. Statt einzukaufen setze ich mich ins neue Café gegenüber vom Edeka unseres beschaulichen Dorfes. Beobachte das Treiben auf unserer Flaniermeile. Ignoriere die Stimme, die mir auch am Wochenende ständig "Du musst!" in mein Hirn hämmert. Sage dem Sohn, er müsse sich um sein plattes Fahrrad und seine Frisur selbst kümmern. Verdränge auch das selbst auferlegte Kaloriendiktat und esse ein Panini mit Ziegenkäse. 
Aber was hat den Startschuss zum Crazy Saturday gegeben? Ganz einfach: dass ich gestern Nachmittag bei der Arbeit mein Portemonnaie unter allem verbuddelt und es demzufolge dort vergessen habe. Da sich darin alle meine Bonuskarten befinden, verspüre ich die Notwendigkeit, meine übliche Wochenend-Einkaufsroutine zu durchbrechen (ich weiß, man kann Punkte auch nachtragen. Aber mal ernsthaft, wer macht es?). Kein Einkauf bei Budni, bei Real, bei Rewe oder bei Tchibo. Ich bin so verrückt!

Freitag, 5. Juni 2015

Werde ich es schaffen?

Irgendwann muss ich schon erwähnt haben, dass die Mainzelmännchen Ikonen unserer Kindheit waren. Im elterlichen Haushalt befinden sich unzählige Kunstwerke (die Frühwerke!) von mir und meinem Bruder mit diesen Sujets. Jeder von uns hatte seinen Lieblingscharakter, der meines Bruders war Berti, während ich auf Fritzchen stand. 
Wegen eines Bastelprojekts haben die überlebenden Gummifiguren der Mainzer nicht mehr bei unseren Eltern sondern bei mir ihre Heimat gefunden. 
So hat es mich wenig gewundert, als mir gestern die Anfrage meines Bruders übermittelt wurde, ob er über das Wochenende Berti nicht nur ausleihen sondern mit nach Berlin nehmen dürfe. Ich zweifelte nicht eine Sekunde an seiner Bekundung, er werde "ihn hüten wie seinen Augapfel". Verwundert war ich allerdings, warum er seinen Buddy dieses Wochenende braucht. Dachte ich doch, er werde ihn für Geborgenheit und Sicherheit mit in sein Bett nehmen. Wer verstünde das nicht? Stattdessen ist er zum Geburtstag eines Freundes eingeladen, der zur Feier des Tages eine Heldengalerie einrichten möchte. Klar, dass Berti da nicht fehlen darf!
(Ich nehme Abschied)

Donnerstag, 4. Juni 2015

Type O Negative

Beim Abendessen hatten wir gestern das Thema Blutgruppen. Auch wenn es noch etwas dauert, bis sie die Berechtigung haben wird, plant die Tochter Blut zu spenden. Ein gutes Werk - und dafür bekommt man auch noch Geld!
Nichtsdestotrotz nörgelte sie an mir herum, dass ich ihr (und ihrem Bruder, by the way) den negativen Rhesusfaktor vererbt habe. Nicht wegen der Gefahren bei der Schwangerschaft ("Das ist mir egal!"), sondern weil nur 15% einen ebensolchen haben. Manchmal lehrt die Schule wohl doch fürs Leben. Ich konnte noch einen draufsetzen: eigentlich sei Rhesus-positiv dominant, und es demzufolge unwahrscheinlich gewesen, dass sich ihr Vater nicht durchgesetzt habe (welch' Metaphorik!).
Der Sohn dagegen beschwerte sich, dass meine Blutgruppe exotischer sei als seine. Er habe die häufigste und ich könne allen spenden, aber nur von Gleichen empfangen. In diesem Punkt bin ich doch unschuldig: was kann ich dafür, dass 0 rezessiv und A dominant ist?
Man kann es auch niemandem recht machen: der Tochter zu ausgefallen, dem Sohn zu gewöhnlich. Ich habe mit einigem gerechnet, was mir die Kinder vorwerfen würden, aber die Blutgruppe oder der Rhesusfaktor gehörten in meiner Vorstellung nicht dazu.

Mittwoch, 3. Juni 2015

Das geht doch nicht!

Gestern war schwierig. Am Morgen war ich vom Relegationsdrama des Vorabends noch nicht wieder vollkommen stabilisiert. Wer braucht keinen Alkohol, um diese Mehr-Glück-Als-Verstand-Nummer zu überstehen? Im Zweifel alle, die nicht spontan Dr. Psycho parat haben.
Das stürmische Wetter trug nicht eben dazu bei, mein Gleichgewicht wiederzufinden. Hier in unserem beschaulichen Dorf war mir der Wind nicht großartig aufgefallen. Aber wenn man den Tag im obersten Stockwerk eines Gebäudes verbringt, das in der Hafencity am Wasser liegt. Als ob das nicht genug wäre, war gestern der Tag, an dem die Windräder auf dem Dach (also direkt über uns) getestet wurden. Diese waren geraume Zeit ausgeschaltet worden, weil sie das Haus in Schwingungen versetzen. Was soll ich sagen? Willkommen im Erdbeben! 
Wer hätte gedacht, dass ich das einmal sagen würde: dem Techniker muss man mildernde Umstände gewähren; er ist Österreicher. Als solcher interessiert er sich vermutlich seit den Vierziger Jahren nicht mehr für die deutsche Liga.

Dienstag, 2. Juni 2015

Keine kalten Füße

In letzter Zeit starren mir viele Menschen auf die Füße. Auf der Straße, bei der Arbeit, in der U-Bahn, im Fahrstuhl, eigentlich überall. In den meisten Fällen werde ich auf meine Schuhwahl angesprochen. Mantramäßig wiederhole ich, dass ich an den Füßen nicht friere, auch wenn ich jetzt seit zwei Wochen konsequent offene Schuhe trage. Vielleicht gar deswegen. 
Es ist Juni! Viel schlimmer als gegebenenfalls kalte Füße finde ich, immer noch Schals und Tücher tragen zu müssen. Die führen nämlich dazu, dass meine Haare im Nacken aufs Mieseste verknotet sind.
Heute allerdings finde ich es statthaft, mir auf die Füße zu starren, auf dem Weg zur Arbeit sind mir meine dunkelblauen Sandalen kaputt gegangen. Höchste Zeit, sich um neue zu kümmern!

Montag, 1. Juni 2015

Random Awesome

Gestern Abend wurde von den Kindern mein Wissen in Sachen Jugendsprache getestet. Und - was soll ich sagen?: Epic Fail. Weder wusste ich ohne Hilfe zu sagen, was die Abkürzung "BAE" bedeutet (ich lasse gerne alle an meinen neu erworbenen Kenntnissen teilhaben: before anything else), noch hätte ich sagen können, dass "as fuck" nichts mit homoerotischen Liebespraktiken zu tun hat (zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, dass man das vermeintliche Doppel-S gesprochen nicht vom alleinigen unterscheiden kann), sondern einfach nur so etwas wie "wie die Hölle" bedeutet. 
Auch wenn ich nun diese Errungenschaften vorweisen kann, redet die Brut für mich nach wie vor in fremden Zungen. Da merkt man es wieder, die Schule bereitet nicht aufs Leben vor. Ein erfolgreich absolvierter Englisch-Leistungskurs kann gar nichts.