Schon seit Ewigkeiten weiß ich, dass die wichtigste Informationsquelle der Zeit im Feuilleton liegt. Mit der aktuellen Ausgabe habe ich diese Erfahrung bestätigt bekommen. Damit meine ich weder die groß aufgemachten Artikel über das Frauen-Übergewicht bei Newcomer-Romanautorinnen und -autoren (selbst schon bemerkt) noch den Auszug des Bundespräsidenten nebst Gefolge ins Interimsdomizil (auch schon mehrfach gehört). Nein, ich meine die Notiz, prominente amtierende und ehemalige Fußballspieler seien jetzt in den angesagten Social Media-Ecken unterwegs. Endlich etwas Substantielles und wahrhaft Investigatives von Berrit Diesselkämper: Dass die besagten „Videos irgendwo zwischen Urlaubsgrüßen technologisch unbegabter Eltern und einer gewaltsamen Geiselnahme“ oszillieren.
Der kurze Text tröstete mich über die haushohe Niederlage der Mannschaft aus Paraguay hinweg, die ich im Tippspiel als Weltmeister festgelegt hatte. Ebenso wie über die Schmach der Schweizer, in einer sterbenslangweiligen Partie unentschieden gegen Katar zu spielen. Immerhin fiel das Ausgleichstor der Katarer, nachdem der große Ricardo Rodríguez ausgewechselt wurde. „Anfängerfehler“, wie meine Mutter diesen Move bezeichnete. So grün ist der schweizerische Trainer allerdings nicht mehr. Dass ich die Begegnung Haiti gegen Schottland exakt richtig prognostiziert hatte, verschaffte mir heute früh einen kurzen Moment der Genugtuung. Viel mehr wog jedoch, nicht durch ein türkisches Autokorso geweckt worden zu sein. Mein Dank gilt der australischen Mannschaft - und besonders Conor Metcalfe vom FC St. Pauli! - für den Sieg gegen die Türkei und dafür, dass sie kein Gegentor zugelassen haben. Ich hoffe am nächsten Sonnabend und am übernächsten Freitag auf eine Wiederholung, denn die kommenden Spiele mit türkischer Beteiligung beginnen nach unserer Zeit noch früher. „Damit die alte Frau ihre Ruhe hat“, kommentierte der Chef meinen Wunsch vor ein paar Wochen uncharmant. Der feine Herr wohnt auch nicht mit dem Kopfkissen halb auf dem Steindamm. Mein Bedarf an Gehupe und Getröte ist mit der Qualifikation gegen Kosovo für dieses Jahr ausreichend gedeckt - und ich habe den Eindruck, so geht es hier nicht nur Menschen meiner Alterskohorte. Die Lärmbelastung unseres sonst so beschaulichen Dorfs ist mit diversen Baustellen, dem notorisch hysterischen Dackel Aloys und der Altglascontainer-Leerung am frühen Montagmorgen im Alltag bereits ausgereizt. Vom Straßenfest (erledigt) und CSD (Anfang August) gar nicht zu sprechen.
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