Mittwoch, 15. April 2026

Bilanz einer Urlaubsreise

Es lief in vielem ganz anders als geplant und war vielleicht auch deswegen besonders schön.

Zunächst war ich nicht sicher, ob meine Stimme mit mir in den Süden reisen würde. Karfreitag soll man Buße tun, ist schon klar, aber musste es eine Erkältung vor dem Urlaub sein? Trotz fehlenden Volumens schaffte ich es, den Sohn zu überzeugen, in der folgenden Nacht nicht mit dem ÖPNV zum Flughafen zu fahren. Wenn es so früh ist, dass noch nicht einmal die Vögel ihr Konzert angefangen haben, muss um jedes wertvolle Zehntel gerungen werden. Der Vorteil: Schon am Morgen im noch nicht ganz sonnigen Süden zu sein. Der Nachteil: einen ganzen Tag lang halb taub zu sein. Und trotzdem das Hotelzimmer für die Kinder klargemacht. Was Mütter alles können. 

In den Geburtstag/Ostersonntag hinein zu feiern, fiel wegen Müdigkeit der angehenden Jubilarin und ihrer mitreisenden Kinder aus. Umso schöner war dann der eigentliche Tag! Nicht nur strahlender Sonnenschein, auch liebe Glückwünsche, tolle Geschenke und zahlreiche leckere Kalorien.

Außerdem haben wir in unserem Garten endlich die Osterschildkröte gesehen, wahrscheinlich traditionell das spanische Pendant zu unserem Hasen.

Wir dachten, im Anschluss an den ersten echten Tag in Spanien hätte der Trubel (Geburtstag, Semana Santa etc.) ein Ende gefunden. Doch weit gefehlt. Es gastierten tausende von portugiesischen Schulabsolventinnen und -absolventen im Ort. Generalstabsmäßig organisiert mit Tagesprogramm und Abendveranstaltungen an sechs Tagen. Überraschende Erkenntnisse: Alle schienen gleich groß (bzw. klein) zu sein; das weibliche Level nur leicht unter dem männlichen, aber keine Ausreißer. Eine gleich große spanische Gruppe wäre tausendmal lauter gewesen. Meine Kinder beschwerten sich wie die Alten, was das für eine Generation sei, die gar nicht eskaliere, die ständig nur ihr Telefon in der Hand halte und sich bei den Konzerten nicht einmal bewege (Na, damit das Video nicht verwackelt!). Gleichzeitig checkten sie die Bekanntheit der Acts aus (zwischen 50.000 und 13 Millionen Followern). Eine Skalierung der Prominenz, die mir nicht eingefallen wäre. Das Alter eben. Zur Ehrenrettung der Portugiesen, es begegneten uns ein paar Exemplare drogeninduzierter Abwesenheit. Nicht nur die, die nichts mehr sahen oder wahrnahmen, sondern auch die, deren Latz mit undefinierbarer Flüssigkeit besudelt war.

Um uns vollständig in der Erinnerung diverser Hamburger Märzferien zu bewegen, mussten wir auf Wunsch der Brut selbstverständlich Programmpunkte wie Spargelsuchen und Wasser aus der Quelle Holen in die Urlaubswoche einbauen.  Ein Fest für alle Generationen - Portugiesen ausgenommen. Ebenso festlich gestalteten sich die verschiedenen Restaurantbesuche, mal in unbekannten, mal in altbekannten Lokalen. Wie gut, dass die Waage am Flughafen nur die Koffer berücksichtigt und nicht die Menschen.

Was ich nicht gebraucht hätte: Dass mir Schnupfen und Ohrenschmerzen auch für den Rückflug erhalten blieben. Dass sich zu ihnen noch eine juckende Pustelattacke gesellte. Dass die Piloten streikten und meine Rückkehr torpedierten. Doch auch all‘ das kann mir nicht die wunderbaren Momente nehmen, von denen der Sohn meinte, es sei sein schönster Spanienurlaub gewesen. Ich pflichte ihm bei.

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