Freitag, 27. März 2026

War jut jewesen

Kurz überlegte ich, ob ich nach eintägiger Abwesenheit bei meiner Rückkehr in die langjährige Wahlheimat nicht anfangen sollte, Wiedersehensfreude zu verspüren. Noch kürzer brauchte ich, um den Gedanken zu verwerfen. Sonst ärgert mich im Vergleich Hamburg-Berlin meist vor allem der schlechtere Takt des ÖPNV. Das durfte ich in Hamburg gestern zwar auch wieder erleben, war aber nicht der eigentliche Aufreger. Der kam, als ich nach der - übrigens wieder einmal pünktlichen - Zugfahrt und schleppenden U-Bahnfahrt am Rathaus ausstieg und gleich in eine Fahrkartenkontrolle geriet. Zuversichtlich, aber gewohnt trottelig durchsuchte ich meine zahlreichen Taschen, bis ich endlich das Deutschlandticket fand, das ich sodann gut gelaunt entgegenhielt. Die Karte sei gesperrt. Befand erst Kontrolleurin 1, dann auch Kontrolleurin 2. Ich meckerte über den HVV. Die Abbuchung der monatlichen 63€ klappe hervorragend, aber die Karte sei nicht gültig, ohne dass mir jemand irgendeine Information darüber gebe. Losgelöst von meinem Ärger wurde der Bußgeldbescheid ausgestellt. Ich habe ein paar Tage Zeit, bei der Servicestelle die Sache in Ordnung zu bringen. „Das ist nicht euer Ernst?“, verbesserte die Stimmung nicht. Für Sie getestet. Ob ich umgezogen sei oder meinen Namen geändert habe, fragte die eine. Dann funktioniere es manchmal nicht. Das Gleiche fragte auch die nächste. Als die Dritte anhub, fiel ich ihr augenrollend ins Wort, es habe in letzter Zeit keine Änderungen gegeben. Sie, Typ in die Jahre gekommene Kugelstoßerin, ließ sich nicht beirren. Ob ich eine „Ermäßigungskarte“ habe. Ob ich Rentnerin sei. Spätestens ab diesem Moment norddeutschen Charmes wünschte ich mir die Berliner Schnauze zurück. Immerhin bot sie an, wahrscheinlich wegen meines entsetzten Gesichts, bei der Servicestelle anzurufen. Anders als eine Rentnerin habe ich einen Termin, weswegen es schön sei, wenn der Anruf schnell gehe. Es stellte sich heraus, dass die physische Karte ab dem Moment ungültig wird, ab dem man die HVV-Switch-App herunterlädt. Das hatte ich wohl irgendwann getan. 

Als ich endlich die Treppen des U-Bahnhofs hochging, geriet ich in ein Schneegestöber. Ich liebe das laue Berlin.

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