Mittwoch, 31. Dezember 2025

2025

Das Ende ist noch nicht ganz erreicht, doch es scheint mir Zeit für einen Jahresrückblick. Wenn ich schon täglich zu nichts gekommen bin, kann ich wenigstens etwas Resümierendes schreiben.


Januar

Der Monat steht seit 26 Jahren traditionell für den Geburtstag der Tochter. Mit dem Deko-Schnickes für die Geburtstage der Kinder setze ich mich grundsätzlich ziemlich unter Kreativdruck. Dieses Jahr machte ich es mir leicht und griff den Namen eines Projekts auf, mit dem die Tochter beruflich zu tun hat: „Älterwerden unterm Regenbogen“. Kaum klaut man mal eine Idee, schon attestiert mir der Sohn, „diesmal habe ich mich selbst übertroffen“. Vielleicht bin ich jung genug, daraus zu lernen.


Februar

Nominell der kürzeste Monat im Jahr zieht sich der Februar wie Kaugummi. Nur gut, dass ich mit einer vorgezogenen Bundestagswahl an seinem letzten Wochenende als Wahlbezirksleitung ausreichend zu tun hatte - und das nicht nur am Tag selbst, sondern schon an einigen davor.


März

Um nicht aus der Übung zu kommen, folgte am ersten Märzsonntag die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft. Offensichtlich hatte ich meinen Job am Wochenende zuvor nicht allzu schlecht gemacht. Denn ein Gutteil meiner rekrutierten Mitstreiterinnen war auch das zweite Mal dabei. Zum Glück wusste ich auch ohne Wahlen etwas mit mir anzufangen und nutzte die Freizeit, um von Mitte bis Ende März der norddeutschen Spätwintertristesse zu entfliehen. Spanische Sonne sticht feuchtkaltes Klima.


April

Pünktlich zu meinem Geburtstag und zu Ostern war ich wieder in der Hansestadt. Zum Umgewöhnen brauchte es nicht viel, denn in der Rückschau hat der Hamburger Sommer in diesem Jahr vor allem im April stattgefunden.


Mai

Dieser Monat stand ganz im Zeichen der Badezimmerumbauten. Dankenswerterweise hat sich meine Mutter der Bauleitung angenommen. Herausgekommen ist ein wunderschönes, nicht wiederzuerkennendes Bad, von dem es hieß, dass es für meine Verhältnisse „überraschend nüchtern“ aussehe.


Juni

Kaum waren die Feierlichkeiten zur Fertigstellung des Badezimmer-Upgrades beendet, spielte ich Herbergsmutter für französische Lehrerinnen, die auch noch lange nach dem Abitur der Tochter die zentrale Unterkunft zu schätzen wissen. Gleichermaßen schade für sie wie für uns alle, dass die Zeit hier ins (kalte!) Wasser fiel. Umso dankbarer war ich für Indoor-Veranstaltungen in der Alsterschwimmhalle (Ah, die schöne, heiße Dusche hinterher!) und im Centralkomitee (Harry Rowohlt-Abend).


Juli

Weitere kulturelle Veranstaltungen führten uns in diesem Monat nach Luxemburg: Einigermaßen ungewöhnlich, einer deutlich norddeutsch gefärbten Band wie Element of Crime in der Mitte des Großherzogtums zu lauschen. „Vier Stunden vor Elbe 1“ so fern des besungenen Gewässers zu hören, ist zwar kurios, aber dennoch schön. Zurück in Hamburg dann die Hochzeit von Freunden, die ich allerdings außerhalb des Trauraums vor dem Fenster auf der Veranda verbrachte, weil ich erstens spät dran und zweitens vom Pförtner in die Irre geschickt wurde. Zum Glück musste ich auf nichts verzichten, die Fenster der Grindelhochhäuser isolieren definitiv schlecht genug, um von draußen alles drinnen Gesagte hören zu können.


August

Anfang des Monats bekam ich zumindest die Bestätigung, dass auch anderswo der Sommer verregnet ausfiel. Zum Geburtstag meines Cousins in Aachen hätte ich den Südwester gut gebrauchen können, auch ohne Waterkant.


September

Schon fast traditionell liegt nach einem Messebesuch in Köln im Spätsommer mein Jahresurlaub. Ein Vorteil, diese Zeit in Spanien zu verbringen, besteht darin, sich dort keine Kommentare zu offenen Schuhen anhören zu müssen. Diese nehmen im Laufe des Septembers hierzulande deutlich zu. Ich bekomme manchmal das Gefühl, im Spätsommer in Sandalen zur schrulligen Dorfirren zu mutieren. 


Oktober

Den Urlaub noch maximal bis zum Geburtstag des Sohnes heraus gezögert, kann man die Saison der offenen Schuhe etwas ausweiten. Anschließend folgte besagtes Jubiläum des Sohnes, dieses Jahr gar das silberne. Als ob das nicht genug der Feierei wäre, fand am letzten Wochenende des Monats die Hochzeit des Bruders in Berlin statt. Zum echten Wochenendgefühl hängte ich noch zwei Tage Leipzig an. Trotz mies herbstlichen Wetters eine wunderschöne Zeit. Übrigens keine Sorge! Spätestens mit der Zeitumstellung weiß auch ich, dass der Sommer vorbei ist.


November

Leider ein Drecksmonat, den man irgendwie überstehen muss. Eine Hilfe war dabei, am 15. zu feiern, dass man bereits die Hälfte geschafft hat. Dieses Erfolgsrezept wird bestimmt auch nächstes Jahr umgesetzt.


Dezember

Vielleicht der anstrengendste Monat des Jahres. Bei der Arbeit phasenweise unerträglich erbärmlich. In der Festtags-Vorbereitung und -Ausführung freundlich formuliert nicht erholsam. Doch immerhin nichts von alledem am letzten Tag des Jahres!

Freitag, 19. Dezember 2025

Wie soll ich Dich empfangen?

Wie zu bemerken ist, dass Weihnachten naht? Dass vieles kaputt geht. Dieses Jahr kann ich nicht allzu laut darüber klagen, denn es ist (noch) nicht die Waschmaschine oder der Kühlschrank, die von uns gegangen sind. Vielmehr habe ich bisher nur Glühbirnen und meinen Rucksack zu beklagen. Bei letzterem ist es als symptomatisch zu deuten, ist - oder war - er doch ein Geschenk der Firma, die es in dieser Form nun nicht mehr gibt. Dass der Verfall auf täglichen Laptop-Transport von zu Hause zur Arbeit und wieder zurück zurückzuführen ist, gilt als unwahrscheinlich. In meiner Weitsicht war ein Rucksack mein einzig geäußerter Weihnachtswunsch, von dem ich zuversichtlich hoffen kann, dass er erfüllt wird. Solange die Waschmaschine durchhält, muss ich mich nicht in die allgemeine Früher-War-Alles-Besser-Larmoyanz einreihen. Und das ist auch gut so.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Unser Dorf soll schöner werden

Es ist mir egal, ob das Fest der Liebe ansteht. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft werde ich ihn umbringen. Er heißt Aloys, ist ein Kaninchendackel und terrorisiert unser sonst so beschauliches Dorf. Meiner ursprünglichen Theorie zufolge hätte er schon längst selbsttätig von uns gehen müssen. Er steht so sehr unter Strom, dass ich damit rechnete, er würde bald an Herzversagen sterben. Doch die Konstitution des kleinen Kläffers erweist sich als rubuster als gedacht. Ich mag Dackel wirklich. Doch dieser bringt es mit hochfrequenter Dauerbeschallung fertig, dass ich mich nach der Glascontainerleerung vor sieben Uhr sehne. Von seinem Halter wird er nicht etwa beruhigt oder beschwichtigt, wenn er ungelogen eine Dreiviertelstunde vor sich hin kläfft. Und zwar so laut, dass es die Calls bei geschlossenem Fenster stört. Nein, Herrchen stachelt ihn noch auf. Täuscht mit dem Stock an, verweist ihn auf andere Hunde oder Menschen. Wenn er nicht bereits vor dem Erwerb des neurotischen Tiers taub war, spätestens jetzt muss er es sein.

Falls sich jemand fragt, warum ich an fünf von fünf Tagen nicht im Homeoffice bin, hier ist die Erklärung: Schutz am Arbeitsplatz.

Mittwoch, 26. November 2025

Hochsaison

Nun also hat die Jahreszeit angefangen, in der ich übertrieben altersgemäß durch die Gegend eiere, als hätte ich meine Pensionierung (wenn sie denn jemals kommen sollte) bereits Jahrzehnte hinter mir. Aus alter Gewohnheit verlangsamen mich Schnee und Eis draußen auf das Schnecken-Kreisklassen-Niveau. Wie gut, dass ich mich derzeit nicht allzuoft außerhalb der Arbeitsräume aufhalten muss. Unterdessen bahnt sich eine weitere Woche in Folge an, die die fünfzig Stunden schrammt. Außer der Arbeit passiert demnach nicht allzu viel. Umso stolzer bin ich, dass ich heute - schon gut drei Tage vor dem ersten Advent - den Kranz fertig gebaut habe, das Modell „Flauschige Weihnachten“. Wenn es gut läuft, schaffe ich in den nächsten Tagen sogar noch weitere saisonale Deko. Doch will ich mir nicht noch zusätzliche, private Deadlines aufhalsen. Die tagsüber reichen eigentlich schon.


Sonntag, 2. November 2025

Heißer Herbst

Aus Diskretionsgründen kann ich hier viele Erlebnisse der letzten Tage, wenn nicht gar Wochen, nicht veröffentlichen. Nur so viel: Es waren wieder einmal viele erste Male dabei. So war ich bei der Hochzeit meines Bruders. Oder erstmals in Leipzig. Obwohl es dort sehr schön war, musste ich zwei Enttäuschungen hinnehmen. Erstens das schlechte Wetter mit viel Wind und viel Regen, das sich in nichts von Hamburg unterschied. Zweitens dass ich dort bei weitem weniger Sächsisch hörte als letztes Jahr in Dresden. Zusätzlich habe ich in der letzten Woche mehr Zeit als jemals zuvor in meinem Leben in der Bahn verbracht. Selbst wenn man die Verspätungen nicht einrechnet. Donnerstag und Freitag war ich kurz nach Berlin, Leipzig, Halle und Hamburg zum ersten Mal in Hürth. Sogar dorthin fuhr ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So kam ich vielfach in den Genuss rheinischer Kommunikation. Am meisten Eindruck hinterließ die zwischen zwei einander unbekannten Frauen mittleren beziehungsweise gehobenen Alters („isch bin ja wat älter wie Sie“) an einer Straßenbahnhaltestelle. Nach kurzem Wettergeplänkel wurden alle Wechseljahrsbeschwerden ausgetauscht. Obwohl schon siebzig Jahre alt, hatte die Ältere sehr lebhafte Erinnerungen an alle Facetten der Menopause. Ich jetzt auch an ihre, vielen Dank.

Doch das beeindruckendste erste Mal trug sich heute in Hamburg zu. In einer Buchhandlung am verkaufsoffenen Sonntag fand ich ein Buch, in dem ich in der Danksagung namentlich erwähnt werde. Mehr geht kaum.

Heißer Herbst

Viele Erlebnisse der letzten Tage können hier aus Diskretionsgründen nicht wiedergegeben werden. Nur so viel: Es waren wieder einmal erste Male dabei. Nicht zuletzt, an der Hochzeit meines Bruders teilzunehmen. Oder erstmals in Leipzig gewesen zu sein. Die einzigen beiden Enttäuschungen im tiefen Osten waren das Wetter, das sich mit Wind und Regen in nichts von Hamburg unterschied, und dass ich dort nicht annähernd so viel Sächsisch hören konnte wie letztes Jahr in Dresden. Außerdem habe ich noch nie so viel Zeit in der Bahn verbracht wie in der letzten Woche. Selbst wenn man die Verspätungen nicht mitrechnet. Denn nicht nur im Osten war ich, sondern auch im Westen. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich am Donnerstag/Freitag in Hürth. Selbst dorthin kam ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und hatte so die Möglichkeit, vertraute Konversation zwischen Unbekannten mithören zu dürfen. Was der langjährig Norddeutschen furchtbar plump vorkam, schien für zwei Rheinländerinnen mittleren beziehungsweise gehobenen Alters völlig normal zu sein. Sie sprachen - ohne sich zu kennen und nach nur kurzem Wettergeplänkel - an der Straßenbahnhaltestelle über alle Facetten der Wechseljahrsbeschwerden. Allerdings musste eine von ihnen konstatieren, sie sei „wat älter wie“ die andere. Dennoch hatte sie sehr lebhafte Erinnerung an die Menopause. Ich jetzt auch an ihre, vielen Dank. Vielleicht bin ich, nicht nur qua Geburtsort, im Herzen doch eher Ost- als Westdeutsche.

Mein beeindruckendstes erstes Mal fand ich heute in Hamburg am verkaufsoffenen Sonntag in einer Buchhandlung. Ein echtes Buch, in dem ich in der Danksagung namentlich erwähnt werde. Mehr geht kaum.

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Grau oder bunt?

Oft wettere (!) ich über diese Jahreszeit. Der Herbst und ich, wir werden wohl nie beste Freunde werden. Und doch hat auch diese Zeit ihre Vorteile. Gestern konnte ich beispielsweise eine Stunde verschlafen, ohne es an der Helligkeit zu bemerken oder gar durch sie um den Schlaf gebracht zu werden. Im Sommer könnte das nicht passieren. Im Winter allerdings erst recht. Exklusiv kann der Herbst jedoch für sich verbuchen, ein - zumeist regnerisches - Wochenende mit 49 Stunden zu haben. Auch da ergibt sich eine Stunde länger im Bett. Einen weiteren positiven Herbsteffekt erlebte ich letzthin: Auf dem Arbeitsweg pustete der Wind die abgefallenen, bunten Blätter über den Boden. In ihnen befand sich ein saisonal passend gefärbter Zehn-Euro-Schein, der lustig vorbeigezogen wäre, hätte ich nicht reaktionsschnell meinen geschlossenen Schuh (!) auf ihn gestellt. So landete er in meiner Hosentasche. Das kann man wirklich nur im Herbst erleben - solange es noch Bargeld gibt.