Dienstag, 31. Januar 2017
Schulfrei
Gestern war Genusszwang angesagt. Das Programm gelang mir anfangs nur bedingt. Ein baufälliges Schuhregal musste demontiert, ein neues aufgebaut werden, diverse Arten Müll mussten entsorgt werden, dem Sohn fehlten die Kalorien. Wir schufen gemeinsam eine Paella. Mein Anteil daran bestand hauptsächlich aus Hausfrauentipps der Art "Gefrorenes nicht auf dem Teller sondern einem Brett schneiden", "Safran gleich wegwischen, sonst gehen die gelben Flecken nie weg". Die Kreation oblag ihm. Und das war auch gut so. Nach der Mahlzeit sagte der Sohn einen Satz, von dem ich nicht erinnern kann, ihn jemals von ihm gehört zu haben: "Ich habe zu viel gegessen." Ach, was! Schließlich hatten wir den Inhalt der Paella-Pfanne (6 raciones) doch brüderlich im Verhältnis 5:1 geteilt - und ich bin nicht die Eins. Die Weichen wurden endgültig auf Genuss gestellt, als ich den Wellness-Gutschein der Kollegen, ach, was sage ich: Ex-Kollegen, gleich schon einlöste. Jetz bin ich tiefenentspannt. Hoffentlich verpasse ich vor lauter Entspannung nicht meinen ersten Arbeitstag in neuer Umgebung.
Sonntag, 29. Januar 2017
Demnächst mit Twinset und Perlenkette
Am Ende ist das Kind trotz anderer Optik doch Tochter ihrer Mutter. Die erste Lesung eines meiner Texte fand gleich im Literaturhaus statt. Die Tochter trat gestern nach drei-vier Monaten Mandolinenunterricht zum ersten Mal im Großen Saal der Laeiszhalle auf. Hamburger Instrumental-Wettbewerb - Konzert der Kinder und jugendlichen Preisträger. Wenn, dann eben richtig. Ebenso wie ich damals war sie nur eine unter vielen Akteuren. Egal, das große Ganze zählt. Mein Problem mit the big picture war lediglich, dass ihr Lehrer immer genau vor ihr herumhampelte, dass ich kaum brauchbare Fotos schießen konnte.
Man wird es uns hoffentlich nachsehen, dass wir in der Pause gleich im Anschluss an ihrem Auftritt gingen. Es lag nicht daran, dass mich nur mein eigenes Kind interessiert hätte; ehrlich! Der Grund für den etwas überstürzten Aufbruch war die Ansammlung deutscher/russischer/asiatischer, überambitionierter Eiskunstlaufeltern. So etwas habe ich noch nie erlebt - und die Tochter geht seit zwölf Jahren auf die Brecht-Schule, die sich Hochbegabtenförderung auf die Fahne schreibt. Am liebsten hätte ich die ganze Zeit geschrieen: "Entspannt lebt es sich besser!" Doch auch ich habe eine gute Kinderstube genossen, also unterdrückte ich den Wunsch. Schweren Herzens.
Samstag, 28. Januar 2017
Früher war alles besser
Auch wenn ich eine Nacht darüber geschlafen habe, noch habe ich meinen Frieden mit dem gekappten Haar nicht gemacht. Eine flotte Kurzhaarfrisur ist es zwar nicht, obwohl sie unterdessen vielleicht altersgemäß wäre, aber seit dreißig Jahren habe ich nicht so kurze Haare getragen - und so wenig Haar hatte ich wohl noch nie.
Einen Vorteil erkenne ich jedoch: über Nacht ein Pfund abgenommen. Und das ohne Sport.
Freitag, 27. Januar 2017
Alles im Wandel
Manchmal gehen Veränderungen auch, ohne dass ein neuer Mann dafür notwendig ist oder der amtierende in den Wind geschossen werden muss: ich habe mich gerade von 30 Zentimeter Haaren getrennt. Ob es mir gefällt, weiß ich noch nicht. Oder - wie Viktor, der mondgesichtige, slawische Friseur mit der Schlumpfmütze sagte: "Ärst mal Nacht drüber schlafän."
Say Hello, Wave Good-bye!
Bis gestern blieb ich recht ruhig, aber am Ende war ich doch aufgeregt.
Jetzt liegt alles hinter mir, was zum Glück noch nicht völlig in mein Bewusstsein vorgedrungen ist.
Was ich geschafft habe: Ich habe den Laufzettel abgearbeitet, Schlüssel, Bahnkarte und Jobtelefon abgegeben, meinen Arbeitsplatz halbwegs aufgeräumt hinterlassen, die Party überstanden, NICHT geweint - auch wenn es oftmals hart dran war. Selbst wenn man 50% des Ganzen als Schleimerei abrechnete, blieben immer noch unglaublich viele liebe Worte für mich übrig. Hinzukam ein unglaublich toll arrangierter Abschiedstisch. Das Panorama versuchte außerdem, mir den Abschied so schwer wie möglich zu machen, ging in die volle Runde und nahm alle Farben auf der Palette.
Die Tochter sprach dem Champagner und den Zigaretten (vom Chef geschnorrt) zu. Der Sohn erfreute sich selbst damit, Akteure meines (bisherigen) Arbeitsplatzes mit denen aus "The Office" zu vergleichen. Er fand einige beeindruckende Übereinstimmungen; charakterlicher, nicht äußerlicher Art.
Was ich nicht geschafft habe: nach der Party anständig aufzuräumen. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, ich wurde von den Kollegen abgehalten. Sie müssen sich jetzt mit dem Destillendunst am Arbeitsplatz arrangieren. Vielleicht werde ich sogar als Frischluftbeauftragte vermisst?
Was alles leichter macht: mein neuer Chef und mein alter (unbedingt Kleinschreibung!) haben am gleichen Tag Geburtstag. Nämlich heute. Happy Birthday, Bosses!
Mittwoch, 25. Januar 2017
Logistik
Wenn ich gewusst hätte, wie anstrengend letzte Tage bei der Arbeit sind! Wahrscheinlich kündigen viele Menschen nicht, weil sie den Aufwand scheuen, obwohl sie ausreichend unzufrieden mit ihrem Job sind. Alle Aufgaben müssen gerecht auf zurückbleibende Kollegen verteilt, Laufzettel abgearbeitet, Schubladen entrümpelt, morgen abwesende Kollegen rechtzeitig verabschiedet werden; man muss sich seelisch auf die "launigen Worte" vorbereiten, die der Chef morgen vom Stapel lassen möchte - und überhaupt muss man ob der Reaktionen das eine oder andere Tränchen der Rührung verdrücken. Zuhause muss noch ein bisschen Kuchen gebacken werden. War klar, dass der Mixer genau vor drei Kuchenteigen kaputt geht. Auch gut, wenn die Armmuskulatur trainiert wird. Die Kinder fragen sich, wie ich den ganzen Kuchen, Knabberkram und Krimskrams zur Dekoration morgen zur Arbeit bekomme. Netterweise haben sie ihre Tragehilfe angeboten. Ich frage mich viel eher, wie ich den angesammelten Kram aus sechs Jahren nach Hause schaffen werde.
Dienstag, 24. Januar 2017
Machen!
Gestern gab ich also mein erstes kurzes Gastspiel im neuen Job. Meine Aufregung legte sich in dem Maße, in dem ich bekannte Gesichter traf (die sich auch noch alle freuten) und in dem ich feststellte, dass dort kein Hexenwerk zelebriert wird. Zur Feier des Tages kaufte ich nach dem Termin ein. Das traf sich gut, denn ich hatte bereits eine Nachricht des Sohnes:
Die verschiedenen Fischsorten, die ich besorgt hatte, schienen seine Zustimmung gefunden zu haben. Heute früh rühmte er jedenfalls die Qualitäten der neuen Pfanne. "Wir brauchen mehr Grillpfannen! Die Pfanne ist besser als echtes Grillen. Alles ist viel saftiger." Halbherzige Zustimmung der Mutter, die um diese Uhrzeit an keine Nahrungsmittel mit mehr Kalorien als Tee denken möchte. Ich befürchte, die Zeit ist vorbei, in der ich den Sohn mit einem Toast am Morgen abspeisen konnte.
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