Freitag, 31. Oktober 2014

Mal seh'n

Es könnte mein Glückstag werden. Und das, obwohl heute Halloween oder Reformationstag ist. Der Tag gestaltet sich normalerweise schwierig, weil ich erstens dem Brauchtum nicht allzu zugetan bin und weil ich zweitens aufgrund der exponierten geopolitischen Lage unserer Wohnung damit rechnen muss, dass nach Ablauf des Abends wie in den letzten Jahren eine gehörige Menge Eierpampe an unseren Fenstern kleben wird. 
Nichts holt mich aus der Euphorie, dass ich für nächsten Dienstag einen Arzttermin bekommen habe, von dem ich dachte, er werde frühestens nach Ablauf des Jahres 2015 stattfinden.
Auch nicht der breitflächig umgekippte Espresso heute Vormittag oder die Ankündigung der Tochter, sie müsse demnächst das erste Mal in ihrer Schulkarriere am Förderunterricht teilnehmen - offenbar übersteigen ihre Fähigkeiten in Sachen Trigonometrie meine nicht nennenswert.

Parental Advisory

Endlich habe ich die Wiege der Black Music ausmachen können (Achtung, das ist jetzt nichts für Vegetarier!):
Gestern Abend stellte ich fest, diese Musik eignet sich hervorragend dazu, kleine Hackbällchen zu rollen. Das kam so. Zur großen Freude der Tochter beschloss ich, zum Abendessen Tomatensuppe mit ebendiesen Hackbällchen zu reichen. Dabei ist es natürlich wichtig, die Größe der Fleischeinlage löffelkompatibel zu gestalten. Deswegen kann die ohnehin verhasste Tätigkeit des Klößchenrollens eine lange, lange Zeit in Anspruch nehmen, in der ich mich normalerweise wie das Duracell-Häschen nur mit dreckigen Pfoten fühle. Als gestern meine musikalische Untermalung erst aus den Supremes ("Baby, Baby, Baby, where did our love go...") und dann aus dem neuen Prince-Album (erwähnte ich schon, dass ich es großartig finde?) bestand, ging die leidige Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes leicht von der Hand. Beschwingt warf ich die kleinen Kügelchen in den Suppentopf. Manchmal kann es so einfach sein.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Deal

Nach meinen gestrigen Schmähschriften gibst Du Dir heute endlich wieder Mühe, gegen Deinen schlechten Ruf anzugehen, Herbst! Das nehme ich wohlwollend zur Kenntnis. Schließlich bist Du ja auch nur eine Jahreszeit. Wenn Du jetzt noch ein wenig an den Temperaturen drehen könntest (nach oben - versteht sich!), wäre ich in meiner unendlichen Güte bereit, vorübergehend zumindest auf die Attribute "mies", "Scheiß-" und "deprimierend" in Deine Richtung zu verzichten. Ist das ein Wort?

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Reinkarnation?

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich, wenn ich es nicht schon längst wäre, mit Sicherheit schwermütig würde. An dem es den ganzen Tag nicht hell wird und einen ungefragt fortwährend ein kalter Nieselregen benetzt. An dem ich in allen Vorgärten wie Rumpelstilzchen die dubelige Halloween-Kürbis-Deko zertrampeln und die dunkle Jahreszeit anschreien möchte, dass ich, noch ehe sie richtig angefangen hat, schon die Schnauze gestrichen voll von ihr habe. Dies gilt besonders, wenn man sich an solchen Tagen gezwungenermaßen in der zonal anmutenden Tristesse Rahlstedts/Jenfelds/Hohenhorsts - oder wie auch immer der jeweilige Osten Hamburgs heißt - aufhält. Unvorstellbar, dass ich noch vor vierzehn Tagen mit offenen Schuhen unterwegs war. War das vielleicht doch in einem früheren Leben?

Wat mutt, dat mutt

Die Tochter kündigte an, sie müsse heute für die anstehende Mathearbeit lernen. Pflichtschuldig erkundigte ich mich nach dem Thema, ob ich gegebenenfalls unterstützen könne. Die Antwort lautete "Trigonometrie". Zu meiner Schande musste ich gestehen, dass ich nicht einmal mehr wusste, worum es sich dabei handelt. Langsam kam die Erinnerung an kuriose Taschenrechnerfunktionen zurück, als die Tochter die üblichen Schlagwörter "Sinus" und "Cosinus" brachte. Die Tochter klagte, sie habe über die Ferien alle Formeln vergessen. Formeln, welche Formeln? So viel zum Thema "Fürs Leben, nicht für die Schule Lernen". Bisher dachte ich die vollständige Nutzlosigkeit des Gelernten beschränke sich auf Vektorrechnung. Man lernt so viel durch Kinder!
So zum Beispiel auch vom Sohn, dass bestimmte Essen nur dann "professionell" wirkten, wenn man sie mit Basilikumblättern garniert (!), die man nur für diese Bestimmung vorrätig hat. An diese goldene Regel des Sohnes hielt ich mich auch beim gestrigen Auberginen-Mozzarella-Auflauf. Wohl wissend, dass beide Kinder kein Basilikum mögen und jedesmal akribisch die Profideko heraussezieren müssen. 
Aber - wie der Sohn so treffend sagt: das Leben ist kein Konjunktiv.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Nostalgisches

Eine der wenigen Entscheidungen in meiner Mutterkarriere, die ich nicht nur nie in Frage gestellt habe, sondern nach wie vor eine meiner besten finde, war die für die (damals nannte man es noch Integrations-) Kita der Kinder.
Was gibt es herzerwärmenderes als ein gelispeltes "Der darf das, der ist Autist."? Oder wenn die Tochter ein wahrnehmungsgestörtes Kind aus ihrer Gruppe im Park anherrscht: "Du weißt doch, dass Du keine FREMDEN Kinder schubsen darfst!"

Montag, 27. Oktober 2014

Wetter und Zeit

Sehr nett, die Frage der Tochter heute früh zu ungewohnter Stunde: "Soll es heute eigentlich leichter oder schwerer sein aufzustehen?" Ich erkläre ihr, dass sich so "leichter" anfühlt.
Mittags ist es höchste Zeit, sich auf den sonnigen Balkon zu begeben, wenn man schon beim Arzt erzählt bekommt, man sehe Scheiße aus. In der Hoffnung auf Besserung komme ich also ärztlichen Anweisungen nach. Gerade wunderte ich mich, dass die Sonne so verdammt tief steht und es nur sehr partiell über Dächer und ähnliches zu mir schafft, da fällt mir auf: es sind nur noch acht Wochen bis zum dunkelsten Tag. Ich sinniere noch, ob das als gut oder schlecht zu bewerten ist. Gut ist auf jeden Fall, dass ich besagten Tag in Spaniens Sonne verbringen werde!