Dienstag, 13. Oktober 2020

Don‘t Try This at Home

Für Sie getestet und nicht für gut befunden:
Morgens muss ich mir nun also wieder Strümpfe aus dem Kleiderschrank holen (das empfehle ich sogar allen). Eine Routine, die noch nicht wieder sitzt und die ich entsprechend oft vergesse. Was ich nicht empfehlen kann: so dicht vor dem Kleiderschrank zu stehen (noch keine Kontaktlinsen), dass ich mir die Schranktür beim Aufklappen mit ausreichend Wucht gegen den großen Zeh dengele. Der Vorteil: danach war ich wach. Der Nachteil: ein blanker Zeh schmerzt noch relativ lange nach einer solchen Behandlung.
Was ich, ohne es selbst getestet zu haben, auch nicht empfehle, was vom Sohn als Tester allerdings ans Herz gelegt wurde: äthiopisch/eritreisch Essen zu gehen. Im Rahmen seiner Geburtstagsfeierlichkeiten war er in trauter Zweisamkeit in einem solchen Restaurant. Es sei so lecker gewesen, dass sie so viel gegessen haben (in seinem Fall waren es wohl vier Portionen plus viel Brot - „sooo lecker!“), dass sie im Anschluss beide haben spucken müssen (meine Worte, seine waren etwas malerischer). Freudestrahlende Quintessenz war selbstverständlich, es habe einfach zu gut geschmeckt. Wir sollen das auch mal ausprobieren. Vielleicht wäre es einen Versuch wert, denn ich könnte damit herausfinden, ob mein Mehr an Lebensjahren auch mit einem Plus an Lebensweisheit und Selbstbeherrschung einhergehen könnte.

Samstag, 10. Oktober 2020

Ausnahmsweise

Neben Herbst und viel zu viel zu tun muss ich mich nun auch noch damit abfinden, heute nicht das Sagen zu haben. Wenn es nach dem designierten Bestimmer geht, gilt dies nicht nur sofort, also unverzüglich, sondern sogar für die gesamte Woche. Diese Regel hat der Jubilar heute Nacht noch vorausschauend postuliert. Das wird eine harte Umstellung, schließlich genieße ich doch seit 20, wenn nicht gar nach über 21 Jahren die Freuden größter Freiheit und Selbstbestimmung. 
Zum Glück geht es gleich heute Abend nicht allzu schlimm los, denn der Sohn verbringt den Rest seines Ehrentags lieber bei Schwester und Freundin. Demnach unverdient sturmfrei für die Nicht-Bestimmerin.



Dienstag, 6. Oktober 2020

This Time of the Year Again

Müsste ich derzeit einen Depressionsfragebogen ausfüllen, könnte ich wohl meinen Highscore schaffen. Dieser Herbst ist mit allem, was ihm vorangegangen ist, noch schwerer zu ertragen als ohnehin. Als ob die Herbstfarben auf dem eigenen Balkon, für die ich eine Zero-Tolerance-Policy fahre, nicht genügten. Nein, es muss sich zum alleine zu absolvierenden Alsterspaziergang, voraussichtlich zum letzten Mal in diesem Jahr in offenen Schuhen, aus ebendiesem Grund eine fette Blase unter dem Fuß gesellen. Außerdem musste ich die Heizung anstellen. Und einsehen, dass ich den Premium-Sonnenschirm unterdessen für längere Zeit einmotten kann. Sollte jetzt noch Melonen-Design angesagt sein, dann wohl nur als Mütze oder Regencape. Auch wenn mich der einmalige Ausflug in die stationäre Arbeit wegen Reizüberflutung nicht vollständig überzeugen konnte, verliert das Home Office ohne Mittagspausen auf dem Balkon kontinuierlich an Attraktivität. Doch ein Ausweg zum Herbstblues bleibt mir. Ich könnte auch Amok laufen. Ein Opfer hätte ich schon. Wahlweise die Halterin des Hundes „Buddy“, die dessen Namen im Dreißigsekundentakt über die benachbarte Hundewiese skandiert, oder das Tier selbst, damit mich das ewige Buddy-Geplärre nicht mehr ständig aus der Arbeit reißt. Selbst um diese Jahreszeit werde ich ja wohl noch träumen dürfen.

(Da waren Fußsohle und Wetter noch halbwegs in Ordnung.)

Samstag, 3. Oktober 2020

Jagd auf 3. Oktober

In meiner Jugend war der 3. Oktober - anders als der 17. Juni - noch ein Tag, der nicht weiter aus dem Alltag herausstach. Mir selbst ließ er qua Datum damals wie heute wenig Chancen, nicht das Ende des Sommers zu beklagen. Trotz dessen Getragenheit eins zu null für den Feiertag im Juni. Davon, dass unser Wessi-Festtag in diesem Jahr auf einen Mittwoch gefallen wäre, möchte ich gar nicht sprechen. Während in meiner Kindheit Aufreger wie „Der Butterberg“ vorzuherrschen schienen, geht es für mich heute darum, einen anderen abzubauen: den Haufen akkumulierter, wegen Besuch, Abwesenheit, Steuererklärung und allgemeiner Lustlosigkeit ungelesener Zeit-Ausgaben. Dafür ist ein Feiertag an einem Sonnabend im Herbst allemal gut. 
Seit nunmehr zwanzig Jahren, also seit dem zehnjährigen Wiedervereinigungsjubiläum, markiert der 3. Oktober zusätzlich den einwöchigen Countdown zum nächsten Saisonhöhepunkt, den Geburtstag des besten denkbaren Sohnes. Sich steigernd bis vor zehn Jahren hörte ich mir geduldig seine Begeisterung an ob der Tatsache, am 10.10.2010 10 Jahre alt zu werden. Unterdessen ist er ruhiger geworden; zumal der 20 an besagtem Datum nicht der gleiche Charme innewohnt. Mich hingegen treibt es um, dass mein Millenniumbaby demnächst nicht einmal mehr Teenager ist. Und dazu noch eine ältere Schwester, die beste denkbare Tochter, hat. Das eigene Älterwerden lässt sich so schlecht ignorieren. Sein Geburtstagswunsch dieses Jahr ist eine Reise. Dass dieser in diesem Jahr vielleicht nicht der zuträglichste ist, stelle ich als verständige Mutter hintan. Der Sohn hatte schon immer einen Hang zum Außergewöhnlichen, warum sollte sich das mit Eintritt in die neue Dekade (ja, ich weiß, Ihr Kleingeister, darin befindet er sich schon seit letztem Jahr!) ändern. So wundert es mich nicht weiter, dass einer seiner Reisepläne vorsieht, in der Türkei Uigurisch essen zu gehen. Wie Usbekisch sei das schließlich auch eine Turksprache, und unterstützen wolle er sie sowieso. Um neben dem Grünschnabel nicht ganz so unbedarft dazustehen, wollte ich ihn fragen, ob er auch einen Restaurantbesuch dieser turksprachigen Minderheit aus dem Süden Moldawiens vorsehe. Blöderweise fiel mir natürlich ihr Name nicht ein. War irgendwie klar, dass er, während ich noch überlegte, wie aus der Pistole geschossen „Gagausisch“ sagte (und mich vorsichtig für mein Unwissen tadelte, schließlich sei ich im Gegensatz zu ihm schon einmal in der Republik Moldau gewesen. Es schloss sich abermals die Tirade über die Armut eines Landes innerhalb Europas an, über die alles gesagt sei, wenn dessen Bevölkerung  zum Geldverdienen in die Türkei gehe.). Eigentlich sollte ich mich im Laufe der vielen Jahre daran gewöhnt haben, aber sein enzyklopädisches Wissen verblüfft mich gelegentlich noch immer.

(Herbstfarben allenthalben. Nie so mein Ding.)

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Online-Dating

Zum weiteren ersten Mal in meinem Leben habe ich online ein Date klargemacht. Morgen ist es soweit.  Nach sieben Monaten Abwesenheit vom Geschäft ist es wahrscheinlich egal, dass es sich dabei um den gebuchten Arbeitsplatz vor Ort handelt. Die Aufregung ist im Zweifel sehr ähnlich. 

Mittwoch, 30. September 2020

Die Gleichung geht nicht auf

Es war wahrscheinlich kein Zufall, dass meine Steuererklärung praktisch zeitgleich mit der Nachricht, wie wenig Steuern Trump gezahlt habe, fertig wurde. Es ist garantiert kein Zufall, dass ich nun weiß, 2019 auf ein zweistelliges Vielfaches der Steuern des amerikanischen Präsidenten gekommen zu sein. Ich bin nur noch nicht sicher, ob diese Erkenntnisse mehr über seine oder meine Blödheit aussagen.

Montag, 28. September 2020

Mehr als sie erlaubt

Ein Wochenende, das mit der üblichen, vorfristigen Leerung der Altglascontainer ausgeläutet wird, das im wesentlichen aus nasskaltem Wetter und der Steuererklärung bestand, darf meines Wissens nicht in die Wertung eingehen. Zumindest nicht im September. Im November handelte es sich selbst in meinen Augen um einen Zweifelsfall. Wenn sich bei besagter Steuererklärung herausstellt, das Jahr 2019 hatte in Hamburg 251 Arbeitstage und das vorherrschende Gefühl sagt, dies waren mindestens 220 zu viel, steigen weder Stimmung noch Motivation für den Rest dieses Jahres. Ich beantrage daher einen Reset auf Freitagabend. Wenn’s nach mir ginge, gleich auf einen Freitagabend im Frühjahr. Doch ich fürchte, dieser Antrag würde von höherer Stelle als unrealistisch abgeschmettert. 

(Immerhin)