Das klappte im Rahmen dessen, was vierzehnjährige Jungs zu leisten vermögen. Ein Blick in die Spülmaschine - immerhin! - offenbarte allerdings, dass aus den vereinbarten drei Eiern fünf geworden waren. Als ich gerade schwer pädagogisch werden wollte, erklärte der Sohn, zwei davon gehen auf das Konto seiner Schwester. Plausibel. So war der Hausfrieden gerettet. Wen kümmert es, dass keine Eier mehr im Haus waren?
Mittwoch, 9. September 2015
Erfolgreich Verhandeln
Gegen 14:50 Uhr erreichte mich die Sprachnachricht des Sohnes. Zum Glück erreichte sie nicht nur mich sondern auch die gesamte Belegschaft des Großraumbüros. Nie werde ich lernen, ob es neben Kopfhörern eine Möglichkeit gibt, solche Nachrichten nur auf meine Ohren zu bekommen. Die anderen hatten also ihren Spaß, als der Sohn erklärte, er wolle sich "diese englischen Eier machen", denn er habe "richtig Lust darauf" und benötige meine Kochanweisungen. Da der aktuelle Job wenig Spaß bereitete, war ich nur allzu gerne bereit, meine fernmündliche Küchenexpertise zu geben. Den Arbeitgeber mag meine viertelstündige Abwesenheit insofern besänftigen, als ich aktiv die Inhalte des kürzlich besuchten Seminars "Erfolgreich Verhandeln" aufarbeiten konnte. Es ging um die Anzahl der zuzubereitenden Eier. In unerbittlichen Verhandlungen konnte ich den Sohn auf nur drei herunterbringen. Ich hab's eben drauf! Ein Gutteil der Telefonzeit ging übrigens auf das Konto der Ermahnungen, ich wolle bei meiner Rückkehr nicht überall klebrige Eierpampe vorfinden.
Dienstag, 8. September 2015
Eimsbüttel - St. Georg
Es war Vollmond und sternenklar. Der helle Mond leuchtete das Taxi aus. Darin ein Fahrer, der eine Mischung aus Fleischermeister und Langzeitstudent darstellte. Ich stieg dennoch ein. Setzte mich sogar wie üblich auf den Beifahrersitz. Schon bei den Begrüßungsfloskeln wurde seine beste Barmbeker Erziehung offenbar. Doch alles richtig gemacht! Im Gegensatz zu vielen anderen aus meinem Umfeld pflege ich die Konversation mit Taxifahrern. Einer britischen Tradition folgend ging es zunächst um das Wetter. Dann war der Mond einfach zu schön und zu prominent. "Jo, is' Vollmond!" Um dann in einem Anfall höchster Gesprächigkeit: "Manche können dann nicht schlafen. Jo, der Mensch besteht jo nun zu achtzig Prozent oder so aus Wasser."
Schlüssige Logik. Seitdem werde ich jedoch das Bild menschlicher Tidebewegung nicht mehr los.
Sonntag, 6. September 2015
Aufregend
Nach fünf Monaten Abstinenz kann ich heute meine grüne Hölle wieder beziehen. Ich bin aufgeregt. Fast das gesamte Wochenende habe ich damit zugebracht, mein Zimmer von einer überdimensionierten Rumpelkammer in eine Schlafstätte zu verwandeln. Glücklicherweise hatte der so genannte Schimmelschnelltest (der mindestens drei Tage braucht, ehe man ihn auswerten kann) im Vorfeld des Großreinemachens nur eine "übliche Sporenbelastung" ergeben.
Jetzt muss ich mich selbst nur noch in einen Zustand bringen, in dem ich die nahezu neue Pracht nicht allzu sehr kontaminiere.
Samstag, 5. September 2015
Danke, Edeka!
Das werde ich! Auch wenn es voraussichtlich weniger als vom gut sortierten Lebensmitteleinzelhandel vermutet am Steinobst und an den Melonen liegen wird.
Heute habe ich sogar alle meine Bedenken über Bord geworfen und mir aus Handgepäck-Kompatibilitätsgründen einen eReader zugelegt. Noch glaube ich, dass es nur der halbe Spaß ist, darin und nicht in einem Buch zu lesen. Aber wer weiß.
Freitag, 4. September 2015
Man lernt nie aus
Sollte Ihnen heute irgendwo in Hamburg eine tomatengesichtige, nicht mehr ganz taufrische Frau entgegenkommen, das bin dann wohl ich. Was ich nicht benötige, sind Äußerungen der Art "Oh, ich glaube, du hast einen Sonnenbrand.". Das weiß ich unterdessen. So schlimm kann es aber nicht sein, denn die Kinder fanden meine Gesichtsröte weder gestern noch heute erwähnenswert. Vielleicht sind sie auch einfach noch Rötlicheres von mir gewohnt.
Wer kann aber auch ahnen, dass ein Tag draußen bei Sonne-Wolken-Wetter Anfang September in Hamburg irgendeine UV-Belastung darstellt?
Donnerstag, 3. September 2015
Aufgaben
"Mama, warum steht da Senf?"
"Warum soll da nicht einmal Senf stehen? Ein sehr schönes Wort eigentlich, wenn man es auch lieber mit M und PF schriebe. Vielleicht auch, weil deine Mutter kein mobile native ist und keine digitalen Einkaufslisten führt? Wer weiß das schon?"
Habe ich natürlich nicht gesagt. Statt dessen habe ich brav die wahre Erklärung gegeben. Ich muss noch mehr an meinen Fähigkeiten der Paradoxen Intervention arbeiten.
Dienstag, 1. September 2015
Still in Love
Es wird Zeit, meinen Traumberuf zu überdenken. Der Realitätsabgleich hat gezeigt, dass der Berufswunsch 'Groupie' nicht länger haltbar ist. Ich fürchte, es liegt daran, dass mir das Gen 'Bedingungsloses Anhimmeln' fehlt. So wies ich einen meiner Lieblingsautoren kürzlich nach einer Lesung auf einen Logikfehler in einer seiner vorgetragenen Geschichten hin. Zu meinem größten Bedauern auch noch recht uncharmant (immerhin entre nous und nicht vor dem ganzen Auditorium).
Autismus sticht leider Bewunderung.
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