Montag, 8. Dezember 2014
Kartenhaus
Die letzten Tage lang habe ich mich der geschäftigen Illusion hingegeben, es ginge wieder bergauf in unserem Leben. Heute wurde ich eines besseren belehrt.
Sonntag, 7. Dezember 2014
Kulturgefälle
Heute früh holte ihr Vater die Tochter für die Adventsfeier bei Opa in Berlin ab. Da noch genügend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges war, machte er es sich noch bei uns in der Küche gemütlich. Als er sich entplünnt hatte, meinte die Tochter zu ihm, er sehe aus wie "ein Hartzer". Schnell schob sie auch noch "Und diese Nazi-Frisur!" hinterher. Daraufhin der Vater, schulmeisterlich: "Der Osten besteht doch nicht nur aus dem Harz."
Die Tochter und ich erklärten ihm feixend, dass Hartzer von Hartz IV komme. Daraufhin er, naserümpfend: "Eure Kultur ist eben nicht meine."
Wie auch? Wo doch die Tochter die selbsterklärte "Prinzessin der Herzen" und der Sohn der ebensolche "Liebesdiktator" ist.
Freitag, 5. Dezember 2014
Famille nombreuse
Heute zwang mich DHL wieder einmal, unserem angeblich nächsten Postshop einen Besuch abzustatten, um dort ein Paket abzuholen. Auf wundersame Weise war ich zwar zum angegebenen Zeitpunkt zu Hause, aber wie so oft könnte man mich nicht antreffen. Ist klar.
Der Besuch im Shop ist aus vielerlei Gründen ärgerlich: erstens weil er anderthalb Kilometer entfernt liegt, zweitens weil die Straße, in der er sich befindet, eine der hässlichsten weit und breit ist - nur zu geringem Anteil deswegen, weil der Ex in dieser Straße wohnt - und drittens, allerdings nicht zuletzt, weil ich noch nie eine derartige Ansammlung hirntoter Amöben erlebt habe. Und ich hatte schon mit dem Standesamt Borgfelde oder der Schulbehörde zu tun.
Nun habe ich heute während der obligat ausgedehnten Wartezeit die mit Tesafilm angebrachten, schlecht kopierten Zettel entdeckt, auf denen man aufgefordert wird, via Facebook den Shop zu "liken". Sofort dachte ich, dass sich die "Liker" ausschließlich aus der Großfamilie der Mitarbeiter rekrutieren müssen. Im Laden wollte ich das aber nicht checken.
Zuhause angekommen musste ich feststellen, dass die Bezeichnung auf der Kopie und die bei Facebook nicht übereinstimmen (siehe oben) und dass der Laden unglaubliche zwei Daumen nach oben hat (immerhin zwölf Besucher vor Ort). Das sind weniger als Mitarbeiter. Ich muss noch einmal über die Größe der Familie und deren Affinität zu den sozialen Medien nachdenken.
Donnerstag, 4. Dezember 2014
Bestätigung 3.0
Derzeit befinde ich mich im Organisationsmodus. Normal, denkt man, eben eine Mutter in der Vorweihnachtszeit. Mit Weihnachten hat es aber nur peripher zu tun; den Themenkreis "Geschenke" habe ich noch außen vor gelassen.
Gestern Abend schickte ich dem Vater meiner Kinder eine Whatsapp-Nachricht über das Organisierte, um nicht wieder in den Verruf zu geraten, ich reiße alles an mich und informiere ihn nicht einmal. Die Nachricht war zweieinhalb Bildschirme (zugegeben, ich habe noch ein iPhone 5 und nicht 6 oder gar 6+) lang, obwohl für meine Verhältnisse im Telegrammstil verfasst. Da ein oder zwei Dankes zu viel verlangt wären, ziehe ich meine Bestätigung daraus, dass ich wirklich viel geschafft habe. Ich überlege, ob ich sie ausdrucke und rahme.
Mittwoch, 3. Dezember 2014
Danke, Dörte!
Meine gute Laune und mein endorphingeschwängertes Hochgefühl hielt gestern genau eine Stunde. Manch' einer mag sagen, dass eine Stunde für Anfang Dezember ein außergewöhnlich gutes Ergebnis sei. Dem möchte ich prinzipiell nicht widersprechen. In diesem Fall jedoch war es eine Talfahrt in Bestzeit.
Mein besonderer Dank für diese Höchstleistung gilt dabei dem Wilhelmstift. Von 100 auf -100 in 60 Minuten - Chapeau! Dass mich der Spaß auch noch eine Woche Urlaub und 200€ für einen neuen Rückflug gekostet hat, nennt man wohl Kollateralschaden.
Dienstag, 2. Dezember 2014
"Das Fach Chemie liegt ihr einfach nicht"
Beim gestrigen Frühstück fragte die Tochter aus gegebenem Anlass, wie man einen Beruf wie Kammerjäger für sich erwählen könne. Wieder einmal war ich mit meinen elterlichen Erklärungen am Ende. Zusammenfassend stellte sie fest, man dürfe in diesem Beruf im Gegensatz zu ihr keine Angst vor Ratten haben. Eher halbherzig gab ich zu bedenken, dass es vielleicht die Strategie sei, um sich einer Phobie zu entledigen.
Da diese Konversation vor dem Besuch des Clean Teams stattfand, hatte ich noch nicht den Einblick, den ich anschließend gewinnen konnte.
Ich meine, wer arbeitete nicht gerne mit sexy Substanzen wie "Maxforce Fusion", "Blue Power Wespenschaum", "Detmol-delta" oder "Ratron B"?
Montag, 1. Dezember 2014
Wegwerfen
Meine Produktivität in Sachen Weihnachtskarten wurde gestern nach Karte 46 ausgebremst. Falsch liegt, wer Lustlosigkeit vermutet. Auch sind mir nicht die hübschen Saint-Exupéry-Briefmarken ausgegangen. Denn Sonnabend habe ich extra noch nachgeordert. Um die übliche Verwirrung beim Postpersonal zu vermeiden, habe ich einfach die bereits fertiggestellte Weihnachtspost auf den Tresen geworfen und um Nachschub gebeten. Diese Kommunikation lief hervorragend. Der Herr am Schalter fragte nur noch: "Wie viele?"
Nein, der Grund liegt darin, dass der grüne Stift, dessen Farbe so beeindruckend zu Briefmarke und Fotomotiv passt, leer war. Nach nur 46 Karten! In was für einer Welt leben wir eigentlich?
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